Allenthalben wird im Internet darüber geredet, dass der verstärkte Zulauf in die analoge Fotografie lediglich eine kurzzeitige, rückwärts orientierte Modewelle darstellt. Das mag man sehen wie man will. Wer sich aber näher mit dem Thema beschäftigt, wird erkennen, dass sich schon lange wieder ein stabiles Wachstum im analogen Sektor eingestellt hat. Dies bedeutet nicht, dass das Digitale verdrängt wird. Im Gegenteil! Heute haben Fotografen das große Glück, zwei Arten der Fotografie nutzen zu können – und genau davon machen sie regen Gebrauch.
Heute noch ein Aufwägen von Vor- und Nachteilen der analogen und digitalen Fotografie zu betreiben, wird keiner der beiden Fotografie-Arten gerecht. Und wer aktuell das Warenangebot im analogen Segment mit dem von vor 20 Jahren vergleicht, erkennt deutlich, dass es sich heute bezüglich Filme und Fotochemie keinesfalls um eine Rückwärtsorientierung handeln kann. Nie zuvor gab es so viele und hochmoderne Materialien wie zurzeit. Dies entspricht auch den Anforderungen des jungen Analog-Fotografen, der sich übrigens im Altersschnitt deutlich unter 40 Lebensjahren bewegt. Der größte Teil jener Fotografen kümmert sich auch nicht um die als LoFi bezeichnete Lomografie, sondern ist der präzisen Fotografie zugetan. Farb- und Schwarzweiß-Fotografie halten sich die Waage, wobei jedoch der kreative Weiterverarbeitungsprozess in der Schwarzweiß-Fotografie deutlich weiter ausgebaut ist. Neben der hybriden Verarbeitung (Scannen und Weiterverarbeitung mittels elektronischer Bildbearbeitung) wird auch wieder vermehrt die Dunkelkammer-Arbeit genutzt. Und auch hier werden modernste Fotochemikalien, bevorzugt in Kombination mit Baryt-Papier, zum Einsatz gebracht. Deutlich ist, dass moderne Analog-Fotografen sehr hohe Qualitätsansprüche haben. Gleichzeitig ist der Bildausdruck der modernen Analog-Fotografie nicht mehr mit dem der vergangenen Jahrzehnte zu vergleichen. Dies trifft insbesondere auf den schwarzweißen Sektor zu, in dem sich alle erdenklichen Sujets treffen. Street-Fotografie wird genau so ernsthaft betrieben wie Landschafts-, Architektur-, Portrait- und Akt-Fotografie. Die Spannbreite ist enorm und die Ausarbeitung der Bilder erfolgt geradlinig und durchaus kreativ.
Kreativität, ein Schlüsselwort der modernen Analog-Fotografie. Verlangt wird heute, dass schwarzweiße Filme über einen möglichst großen ISO-Bereich genutzt werden können. Aktuell stehen dafür hochpräzise Entwickler zur Verfügung, die eine ISO-Spannbreite in vorher nicht denkbarer Breite ermöglichen. So kann man beispielsweise mit „HCD new“ den „Kodak T-Max 400“ von ISO 32 bis ISO 25600 verwenden, oder den „Ilford HP5+“ von ISO 50 bis ISO 6400 – alles in hoher Bildqualität. Eine verhältnismäßig neue Anforderung ist das Ausentwickeln von grobem Korn bei Nennempfindlichkeit, so wie man es mit dem Grobkorn-Entwickler „DOM“ sehr eindrucksvoll bewerkstelligen kann. Am anderen Ende der Skala, im Feinkorn-Segment, entsteht auch Neues. So wird in Kürze der „SPUR Acurol“ an den Markt kommen – ein Entwickler mit hoher Verdünnbarkeit (von 1+50 bis 1+100), guter Feinkörnigkeit, hoher Plastizität und weiteren Eigenschaften, über die wir noch im Einzelnen berichten werden. Die schwarzweiße Negativ-Entwicklung wird heute durch Spitzenleistungen gekennzeichnet, die jedoch im gleichen Zug das Normale nicht vernachlässigen. Die Fotografie in extremen Situationen ist sogar eine Domäne des Analogen geworden, wie zum Beispiel der stets gut gebuchte Workshop „Fotografie am Ende des Lichts“ beweist.
Auch die schwarzweiße Dunkelkammer ist hochmodern. Neben der hybriden Verarbeitung muss man heute nicht mehr mit jedem Bild in die Dunkelkammer gehen. Entsprechend hoch sind deshalb auch die Anforderungen – ein im „Rotlicht-Bezirk“ vergrößertes Bild soll eindrucksvoller sein, als das hybrid erstellte. Angesichts der zurzeit noch günstigen Preise für Vergrößerer aus 2. Hand ein verlockender Gedanke. Mit Multigrade/Polygrade auf Baryt-Papier, in großen und kleinen Formaten, und einem hervorragend abstimmbaren Papier-Entwickler, wie zum Beispiel „SPUR Straight Black“ (Verdünnung von 1+7 für härtere Bilder – Verdünnung 1+10 für mittelharte Bilder – Verdünnung 1+14 für weiche Bilder), lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen. Und auch die Tonung von Bildern – einem sehr weitläufigen Thema mit vielen Möglichkeiten – wird immer häufiger eingesetzt und reduziert sich schon lange nicht mehr auf Sepia-Färbungen. Die „voll analoge Tour“ ist ein speziell auf den Gesamtzusammenhang ausgerichteter Workshop, in dem man von der richtigen Belichtung, über die Negativentwicklung, bis hin zur perfekten Vergrößerung und anschließenden Tonung alles kennenlernen kann, was sich auf dem voll analogen Weg bietet.
Nun hört sich das alles nach einem Spielfeld für Spezialisten an. Dem ist aber nicht so. Ein- und Umsteiger in die Analog-Fotografie haben es heute sehr einfach. Eine unglaubliche Vielzahl gebrauchter Analog-Kameras zu günstigen Preisen, mit faszinierender Technik, macht es leicht, die ersten Schritte mit der Film-Fotografie zu wagen. Auf häufige Nachfrage haben wir sogar einen Anfänger-Workshop ins Programm aufgenommen. Aber nicht nur das rein Analoge ist heute ein Facette der Analog-Fotografie, sondern auch das „Hybrid anders herum“. Eine erhebliche Anzahl Digital-Fotografen arbeitet mittlerweile einen Teil ihrer Bilder in Edeldruckverfahren, wie zum Beispiel Vandyke, aus. Spätestens hier wird deutlich, dass das Analoge keineswegs nur eine kurzlebige Retrowelle darstellt, sondern beide Arten der Fotografie voneinander profitieren und somit aus ihrer Koexistenz Nutzen ziehen.



Ehrlich gesagt, und das ist gar nicht böse gemeint, habe ich nur die Überschrift gelesen und gedacht “Mir doch egal”.
Ein spannender Artikel der bestätigt was ich schon lange vermutet habe. Analog ist auf dem Vormarsch. Interessanterweise finden auch sehr viele junge Leute die althergebrachte Technik spannend. Ich selber lass mich auch immer weider mal gerne vom analogen Charme umhüllen und genehmige meinem kleinen, experimentierfreudigen Laborantenherz seinen Spass beim Filme entwickeln und ausprobieren. Aber auch der Fotografieprozess selber ist im analogen sehr entschleunigt, eine Eigenschaft die man wunderbar auch in die digitale Fotografie portieren kann.
Eine kleine Hommage an die Analogfotografie gibt’s übrigens auf lightpicture.ch oder iso400.ch (Schwerpunkt) zu lesen.
Hallo!”
Die analoge Fotografie hat ihre Fan-Gemeinde und gerade heute in der Zeit der Digital-Fotografie kommt man an wirklich günstigen Kameras ran wovon man vor 15-20 Jahren nur von Träumen konnte.
Ich sehe die analoge Fotografie von einen ganz anderen Standpunkt,gerade im Schwarz-Weiss Bereich ist der Charme einfach absolut genial.
Ich liebe die klassische Art der fotografie und wie gesagt “totgesagte leben länger”.