Blautonung von PE-Papier

Zur Verstärkung des Bildausdrucks von Papierabzügen gibt es in der Dunkelkammerarbeit diverse Möglichkeiten. Insbesondere stark grafische Bilder auf orthochromatischen Materialien oder Infrarot-Aufnahmen kommen in einer Blautonung hervorragend zur Geltung. Um zum Ziel zu gelangen, gibt es unterschiedliche Verfahren – selbstverständlich sind auch die Ergebnisse unterschiedlich. Da das Blautonungsverfahren nicht ganz billig ist, geben wir hier einige Verarbeitungshinweise zu dem einfach und unkompliziert arbeitenden Produkt „TETENAL Blautoner“.

Das von uns angebotene Paket reicht für Arbeitslösung von 1 Liter. Damit können ungefähr 25 Blatt 18×24 cm getont werden. Bei größeren Formaten wird die Blattanzahl entsprechend geringer. Über den Daumen kann davon ausgegangen werden, dass die Arbeitslösung 1 Woche in einem geschlossenen, dunklen Behälter haltbar ist. Üblicherweise wird die Blautonung erst vorgenommen, wenn der dafür vorgesehene Abzug fertig und das Dunkelkammerprozess abgeschlossen ist. Man sollte die Abzüge, die getont werden sollen, sehr sorgfältig aussuchen. Oft sammeln Fotografen eine gewisse Zeit die zum Tonen vorgesehenen Abzüge, um dann in einem Durchgang mehrere Bilder fertig zu machen. Dazu müssen die Abzüge vollkommen trocken sein und es empfiehlt sich eine staubfreie Lagerung in dafür geeignete Pergaminhüllen. Soweit nun zum Grundsätzlichen, bevor wir an die praktische Arbeit gehen. Wichtig ist auch, dass die Blautonung bei vollem Licht vorgenommen wird. Nur so ist zu erkennen, ob der gewünschte Bildausdruck schon erreicht ist.

Mit einem Blautoner können Abzüge auf PE-Papier in der Bildwirkung wesentlich verbesserte werden – aber niemals kann ein schlechter Abzug oder eine Vergrößerung eines nicht fachgerecht belichteten Negativs durch Blautonung verbessert werden. Um zu beurteilen, welche Vergrößerung die beste Basis für eine Tonung ist, sollte man auf einem Abzug die hell-weißen und tief-schwarzen Stellen aufmerksam betrachten. Die Blautonung, so wie sie nachfolgend beschrieben wird, wirkt bevorzugt im Graubereich, der sich durch die Tonung entweder in dunkel- bis schwarz-blau wandelt, oder einen angenehmen Blauton über alles annimmt. Üblicherweise werden bereits trockene Bilder zur Blautonung ausgewählt. Somit ist der erste Arbeitsschritt dann ein mehrminütiges Vorwässern der ausgewählten Vergrößerung.

Der hier vorgestellte Blautoner von TETENAL arbeitet nicht über ein vorheriges Bleichen des Abzugs. Dies hat den Vorteil, dass man den Blautonungseffekt in mehreren Verarbeitungsschritten verstärken oder abschwächen und sogar partiell in einzelnen Bildteilen arbeiten kann. Zunächst wird der nasse Abzug bei einer Arbeitstemperatur von 20° C bis 25° C unter ständiger Bewegung 4 Minuten lang in der Toner-Arbeitslösung blaugetont. Anschließend wird 3 bis 4 Minuten gewässert. Zumeist tritt der gewünschte Effekt nach dieser ersten Tonung noch nicht ein. Nun geht es an die Feinarbeit.

Zur Verstärkung des Blautons wird der Abzug nochmals für 2 Minuten in einem normalen Papierentwickler (Positiventwickler) gebadet. Hierbei entfernt sich die vorher aufgebrachte Blautonung für das Auge vollständig, obwohl chemisch die Grundlage für eine Tonungsintensivierung gelegt wird. Dann wird ca. 1 Minuten gewässert und der Abzug nochmals in die Blautoner-Arbeitslösung gelegt. Das Ergebnis ist ein deutlich intensiverer Blauton. Dies kann mehrfach wiederholt werden. Nun kommt der Trick an der Sache: Auch die Spitzenlichter haben nun eine Blaufärbung angenommen, die im nachfolgenden Arbeitsgang abgeschwächt oder bis zum  vollkommen Weiß wieder aufgeklart werden können.

Zum Aufklaren nimmt man eine stark verdünntes Fixierbad – bewährt hat sich 1:30 – und legt den stark getonten Abzug in das Bad (ständige Bewegung nicht vergessen). Es klären sich nun zunächst die hellen Lichter. Je länger sich der Abzug in dem Bad befindet, umso mehr Blautonung wird aufgeklart. Der Vorgang erfolgt langsam ist sehr gut steuerbar, da zunächst das feintonigste Blau und dann immer tiefergehende Blautöne langsam und sanft aufklaren. Wenn man das Ganze zu lange macht, kommt der Abzug wieder in den vorherigen, ungetonten Zustand zurück. Aber das kann man stets gut kontrollieren, da ja im hellen Licht gearbeitet wird. Anschließend muss das Fotopapier gut gewässert werden.

Wer sich mit kreativen Techniken befassen will, kann mittels Schwamm hervorragende und eigenwillige Ergebnisse erreichen. Dazu wird der Abzug im ersten Schritt, wie oben beschrieben, vollständig blaugetont. Sodann kann in einigen Bildteilen Papierentwickler mittels Schwamm aufgetragen und nach einer Zwischenwässerung wiederholt im Bad oder mit dem Schwamm getont werden. Dies wird so lange durchgeführt, bis die Hervorhebung einzelner Bildteile den Vorstellungen entspricht. Als letzter Arbeitsschritt führt dann das zuvor beschriebene Bad in Fixierer die partielle Blautonung in fein angeglichene Blautöne, wobei auch hier mit dem Schwamm einzelne Bildteile vorbehandelt behandelt werden können.

Derart gestaltete Abzüge sind stets Unikate, weil sich der Tonungsvorgehen niemals normieren oder exakt nachgestalten lässt Sicher ist die hier beschriebene Anwendung keinesfalls für das schnelle Bildergebnis gedacht. Mit etwas Übung dauert der Prozess etwa eine halbe Stunde. Aber ganz besondere Bilder sollten dies wert sein. Übrigens hat die Blautonung in der Landschaftsfotografie eine lange Tradition. War es zunächst der Wunsch der Fotografen, Schwarzweißbilder durch Tonung und anschließender Kolorierung in natürliche Farbigkeit zu bringen, so kam in den 1930er Jahren der Wunsch nach einem kühlen, sachlichen Bildausdruck auf. Insbesondere in den USA weiteten die Foto-Meister dies dann auch auf die Menschenfotografie aus. In der modernen Fotografie wird sehr oft auf Blautonung zurückgegriffen, um Sachlichkeit zu verstärken. In der Digitalfotografie fördert dies die Verstärkung der Kontraste. In der Analogfotografie wird – da zum Beispiel bei orthochromatischen Filmmaterialien umfänglich Kontrast und Schwarzzeichnung vorhanden sind – durch die Blautonung die Plastizität hervorgehoben und die Bildtiefe verstärkt. Blautonung kann auch mit anderen Tonungsverfahren kombiniert werden, um weitere Farbtöne hinzuzufügen. Dies ist aber wiederum ein sehr spezielles Feld, das Erfahrung und Experimentierfreude erfordert.

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