In unserer kleinen Einsteiger-Serie befassen wir uns heute mit einem Unterschied zwischen der digitalen und analogen Fotografie. Eigentlich ist Fotografie doch immer Fotografie. Trotzdem gibt es kleine aber feine Unterschiede. Einer davon liegt in der Art der Belichtungsmessung.
Jeder Film wird mit einer sogenannten Nennempfindlichkeit klassifiziert. Das ist der Wert, den man an seinem Belichtungsmesser einstellen „muss“. Muss man das wirklich? Nein, eigentlich nicht, aber das ist dann schon eher eine Spielart für Fortgeschrittene. Zwar werden wir auch das in Kürze besprechen, aber jetzt sind erst einmal die Grundlagen an der Reihe. Im vorherigen Blog-Artikel haben wir einige Filme zum Einstieg empfohlen. Der Farbfilm „Kodak Ektar 100“ hat eine Nennempfindlichkeit von ISO 100, der Schwarzweißfilm „Kodak Tri-X“ eine Nennempfindlichkeit von ISO 400 und der „efke 100“ eine Nennempfindlichkeit von ISO 100. Das sind also die Einstellwerte für den Anfang. Die ISO 100 hört sich nach Sonne und schönem Wetter an. Daran ist nichts zu deuten – für den Anfang ist das eine Schönwetter-ISO. Etwas später wird man feststellen, dass dies aber kein festgeschriebenes Gesetz ist.
„Was soll ich mit ISO 400, wenn sieben Sonnen am Himmel stehen?“, werden nun einige Fotografen sagen, die den „Kodak Tri-X“ für den Anfang ins Auge fassen. Keine Angst, das funktioniert wirklich, auch im prallen Sonnenschein. Film reagiert etwas anders als ein Chip – beim Film ist die Neigung zum Überstrahlen geringer. Aus dieser Gewissheit heraus wandelt sich auch die Art der Belichtungsmessung. Wenn man im Digitalen eher die Belichtung in die hellen Bildbereiche nimmt, empfiehlt sich bei der Film-Fotografie die Belichtungsmessung in die deutlich dunkleren Bereiche. Wenn das auf Anhieb nicht klappt, ist das nicht schlimm. Mit etwas Übung geht das und wer es ganz genau wissen will, besucht im August unseren Workshop „Analoge Schwarzweiß-Fotografie für Anfänger“. Da ist die richtige Belichtungsmessung eines der Kernthemen und wird ausgiebig geübt.
Nun findet man in der „alten“ Fototechnik unterschiedliche Arten von Belichtungsmessern. Einige sind in der Kamera eingebaut, andere sind separat und per Hand zu bedienen. Handbelichtungsmesser geben sogar gleich mehrere Vorschlagswerte für passende Blende-Verschlusszeit-Kombinationen. Für den Anfang kann man jede Kombi wählen die einem passt – dem Film ist alles angenehm. Man kann also entweder die Kombination mit der kürzesten Verschlusszeit, oder der mit der geringsten bzw. größten Tiefenschärfe wählen. Hauptsache die Kombination zwischen Blende und Verschlusszeit passt. Schnell wird man etwas Spannendes herausfinden – diese Reaktion muss man sehen und erleben, beschreiben lässt sich das schwer. Es empfiehlt sich, die eine oder andere Aufnahme zweimal zu machen – einmal mit stark geschlossener Blende und langer Verschlusszeit und die andere mit weit offener Blende und kurzer Verschlusszeit einzufangen. Wir wollen jetzt nicht zu viel verraten, aber außer der Tiefenschärfe verändern sich noch andere Details im Bildausdruck.
Vom Start weg muss man in der analogen Fotografie auch nicht alles so ganz genau machen. Fast jeder Film bietet einen gewissen Spielraum, der leichte Fehlbelichtungen ausgleicht. In dieser Beziehung ist der Chip wesentlich empfindlicher und erweist sich in manchen Lichtsituationen als zickig. Die Mehrzahl der schwarzweißen und farbigen Negativfilme bleiben da sehr gelassen und verzeihen einiges. Einzige Ausnahme sind Dia-Filme, aber um die kümmern wir uns ganz zum Schluss. Ergo, bei der Belichtung auf Negativfilm kann man auch schon einmal mit einem Daumenwert zu Werke gehen, wenn gerade kein Belichtungsmesser zur Hand ist. Beim Schwarzweiß-Film Tri-X im Freien, bei leichter Bewölkung, passt Blende 8 mit Verschlusszeit 1/250 – in einem normal beleuchteten Raum passt in der Regel Blende 5.6 bei 1/125 sec. Zugegeben, das ist ziemlich grob und man kann es besser machen, aber für den Anfang kann das durchaus genügen.
Zum Schluss noch ein Tipp, der gerade für Anfänger das Leben deutlich leichter macht. Die meisten Kameras bieten Blende 22 als größtmögliche Blendenschließung an. In allen Fotobüchern steht, dass dies die Blende mit der besten und weitgehendsten Tiefenschärfe ist. Das ist grundsätzlich richtig, aber es ist nicht die Blende mit dem besten Schärfeverhalten. Das liegt an der Lichtbeugung und würde an dieser Stelle viel zu tief in die physikalischen Gesetze des Objektivbaus eintauchen. Und dann gibt es massenweise Objektive, die durch große Lichtstärke gefallen und fantastische Offenblenden anbieten. Für den Einstieg ins Analoge sollte man weder den einen noch den anderen Spitzenwert der Blende bemühen. Optimales Schärfeverhalten finden wir bei allen Objektiven bei den Blenden 5.6 und 8 und können uns an knackscharfen Bildern erfreuen. Die Blenden 4 und 11 sind auch noch gut, aber damit ist am Anfang schon ausreichend gespielt. Wenn man dann etwas mehr Erfahrungen gesammelt hat, kann man auch die anderen Blenden zielsicher einsetzen – schließlich sind das nicht nur statistische Werte, sondern sie haben Sinn und Zweck.
Im nächsten Teil dieser Serie schauen wir auf Objektive, aber ohne tief in eine technische Diskussion einzutauchen.
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