Die Farb-Fotografie hat, gemessen an der gesamten Historie der Fotografie, erst eine sehr junge Geschichte. Für jedermann verfügbar war der Farbfilm erst in den 1950er Jahren. Der Zeitpunkt war ideal, da man sich in der Nachkriegszeit vom Grau der Vergangenheit befreien wollte. Da man keine besonderen technischen Einrichtungen für das Farbbild benötigte, hieß es einfach einen Farbfilm in die vorhandene Kamera einzulegen und los ging es mit dem bunten Vergnügen. Wer heute in die analoge Fotografie in Farbe einsteigen möchte, kann sich diesen Umstand auch zu nutzen machen. Jeder Farbfilm passt in jede Kamera. Lediglich das Bildformat muss man klären, aber darüber sprachen wir schon im ersten Teil der Serie. Häufig wird die Ansicht vertreten, dass man in alten oder sehr alten Kameras keine Farbfilme verwenden kann. Als Begründung wird auch immer wieder die Vergütung von Objektiven als Argument angebracht. Bei genauerem Hinsehen wird man jedoch dieses Argument als ausgemachten Blödsinn für die normale Fotografie erkennen.
Die Vergütung von Objektiven wird seit den 1930er Jahren eingesetzt. Eigentlich handelt es sich um eine Antireflexbeschichtung, die unerwünschtes Irritationslicht abweist und die Neigung zu sogenannten Blendenflecken reduziert. Auf die Eignung für die Farbfotografie hat eine einfache Vergütung des Objektivs zunächst keine Auswirkung. Im Laufe der Zeit, insbesondere ab den 1970er Jahren, wurden Mehrfachvergütungen eingesetzt, die neben anderen Eigenschaften auch einen gewissen Grad an Farbwertkorrektur mitbrachten. Ausnutzen kann man dies jedoch nur in der hochpräzisen Fotografie und da insbesondere bei Dia-Aufnahmen. Wenn man Dia-Aufnahmen vergleicht, bei denen eines mit einem mehrfach vergüteten Objektiv und das andere mit einfacher oder keiner Vergütung gemacht wurde, kann man schon einen kleinen Unterschied feststellen. Aber dann muss man auch die verschiedenen Vergütungstypen vergleichen, da es einige für die eher neutrale Darstellung und andere für die etwas warmtonige Abbildung gibt. Alles in allem ist das aber bestimmt kein Thema für Einsteiger. Den Einen oder Anderen wird es irgendwann in der Zukunft einmal interessieren – jetzt dreht es sich zunächst einmal um die Farb-Fotografie. Zwei Arten von Filmen stehen zur Verfügung: Negativfilme und Diafilme. Was ist da der große Unterschied?
Negativfilme sind all jene, die die aufgenommenen Farben in komplementären, also umgekehrten Farben zeigen. Diese Filme wurden ursprünglich dafür gemacht, dass man in einem einfachen Dunkelkammer-Prozess Farbbilder auf Papier bringen konnte. Ein Diafilm ist schon gleich ein Positiv und wurde dafür gemacht, um mittels eines Dia-Projektors das Bild direkt auf eine Leinwand oder eine Wand zu projizieren. Wer sich heute mit der hybriden Bildbearbeitung befasst, also seine Bilder scannt, wird mit einem Negativfilm genau so umgehen können, wie mit einem Diafilm. Manche Fotografen lieben den Diafilm, weil er klare und schöne Farben mit sehr guten und deutlichen Kontrasten wiedergibt. Der Farb-Negativfilm ist ein wenig flexibler in der Farbgebung und kann in der Bildbearbeitung auch ein wenig besser bearbeitet werden. Aber grundsätzlich ist der Einstieg in die analoge Farbfotografie mit beiden Filmen möglich und gut. Aber vielleicht spielt noch eine andere Sache eine Rolle: Die Reproduktion.
Der hochwertige Buchdruck und die Werbefotografie hatten sich in der Vergangenheit auf den Diafilm eingeschossen. Die klare Farbgebung war für den Repro-Prozess hervorragend geeignet und als die Digitalisierung im Druckstudio Einzug hielt, wurde zunächst das Dia als Vorlage genutzt. Durchlichtscanner, so wie wir sie heute in der hybriden Verarbeitung nutzen, waren zuerst auf Diafilm optimiert – dieses Erbe ist noch heute in den Scanns deutlich sichtbar. Das Dia zeichnet sich immer durch eine höhere Farbbrillanz aus. Leider hat diese Sache auch einen Pferdefuß. Diafilme sind teurer und auch für die Entwicklung muss man mehr Geld ausgeben. Aber dafür hat man ein außergewöhnlich farbenprächtiges Bild, wenn man die Belichtung gut in den Griff bekommt.
Diafilme sind ein wenig pinselig, was die Belichtung angeht. Hier muss man sehr exakt arbeiten. Farb-Negativfilme sind da wesentlich gutmütiger. Deshalb sollten nur die Einsteiger zum Diafilm greifen, die über eine Kamera mit integriertem Belichtungsmesser verfügen. Zwar kann man das alles auch mit einem Handbelichtungsmesser machen, aber dazu braucht man schon ein wenig mehr Fachwissen. In allen Workshops gehen wir auch auf die richtige Belichtungsmessung ein – egal ob es sich um einen Workshop zur Schwarzweiß-Fotografie, Großformat-Fotografie oder andere Aufnahmethemen handelt – aber beim schnellen Einstieg sollte man für sich selbst die Latte nicht zu hoch auflegen. Gerade in der hybriden Verarbeitung hat man mit jeder Art der Farbfotografie viel Spaß.
Und da das Thema ISO immer ein sehr beliebtes Thema in der Fotografie ist, schauen wir auch hier einmal genauer hin. Schönwetter-Fotografie lässt sich hervorragend mit ISO 100 bewältigen. Etwas besser ist man jedoch mit ISO 200 aufgehoben. Wer zum Beispiel mit einer neuen-alten Kamera jetzt im Sommerurlaub mit der Analogfotografie beginnen will, kann beruhigt zum „Agfa Vista 200“ greifen. Bei dem Film ist sozusagen eine Erfolgsgarantie eingebaut. Und wer genauer hinsieht, entdeckt auch den „Agfa Vista 400“, also einen Farb-Negativfilm mit ISO 400. Der ist noch besser! Tatsächlich kann man in der analogen Fotografie auch einmal mit „zuviel“ ISO losziehen. Das schadet nicht. Wir haben schon einmal erwähnt, dass Filmmaterialien weniger stark zu Überstrahlungen neigen, als der Chip der Digitalkamera. Wer die Farbenpracht noch ein wenig steigern möchte, kann auch gerne einen zirkularen Polfilter vor sein Objektiv setzen – so ähnlich, wie man es auch in der Digitalfotografie macht.
Über die analoge Farbfotografie ließe sich noch eine Menge sagen und gleichzeitig können wir es kurz machen. Zur Entwicklung kann man die Filme in jedem Standard-Labor abgeben. Alle Drogeriemärkte bieten diesen Service an und die Entwicklung ist nicht einmal teuer. Manchmal wird es ein wenig schwierig, Mittelformat-Filme zur Entwicklung abzugeben. Hier empfehlen wir gerne „Studio 13“, die auch einen Versandservice haben. Und wenn wir schon einen Spezialisten empfehlen, dann greifen wir gleich richtig in die Trickkiste. Gerade für Mittelformat-Fotografen gibt es eine echte Spezialität: Der „Fuji PRO 400 H“. Dieser Farb-Negativfilm mit ISO 400 ist der vielleicht schönste und feinste Farbfilm am Markt. Seine samtweiche und vollfarbige Ausdruckskraft setzt jeden in Erstaunen und dabei ist er sehr gutmütig und verzeiht auch leichte Belichtungsfehler. Profis nutzen diesen Film sehr gerne – und hier ist es tatsächlich so, dass auch Einsteiger mit diesem Film wunderbar zurecht kommen.
Im nächsten Teil der Serie schauen wir auf die Schwarzweiß-Fotografie und was sich da an Möglichkeiten eröffnet.
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Ein Diafilm muss nicht unbedingt teurer sein, als ein Negativfilm, siehe Agfa Precisa.
Und bei meinem Haus- und Hoflabor für Farbiges (Rossmann/ORWO) zahle ich eine Pauschale von 2,55€ je Film, egal ob Negativ oder Dia, und ich denke auch für Mittelformat.
Danke Michael für den Tipp! Den Precisa haben wir doch glatt vergessen und das Rossmann-Angebot ist wirklich günstig.
Bei Rossmann am besten als Sonderwunsch „nur Entwicklung“ angeben, wenn man die Negative selbst scannen und weiterverarbeiten will.
Die liefern mir die Filme auf Wunsch auch ungeschnitten; ohne Aufpreis und sauber verpackt in einem Plastikdöschen. Die Verkäuferinnen schauen dann nur immer ein bisschen verwirrt, wenn sie die dicken Filmtüten sehen.
Hallo Spürsinn,
ich weiß nicht ob ich hier Reklame für ein Fotolabor aus Hannover machen darf. Ich bin seit einiger Zeit Stammkunde bei diesem Fotolabor, es ist nicht ganz billig aber absolut professionell. Eine C-41 Entwicklung kostet 4,00 €, eine E-6 Entwicklung 4,50 €. Bis dato bin ich mit der Qualität der Entwicklungen HOCHzufrieden. Bis 12.00 Uhr den Film gebracht, kann er sogar am gleichen Tag ab 16.00 Uhr abgeholt werden. Wo gibt es das noch für E-6 ???
Gruß, Udo Afalter
PS. Wir werden am 25.08.2012 dabei sein