Die ursprünglichste Art der Fotografie ist schwarzweiß. Alles hat damals mit der schwarzweißen Aufnahme begonnen und heute ist sie wieder so modern wir nie zuvor. Auf der Beliebtheitsskala sitzt die Schwarzweiß – Fotografie ganz oben und man durchaus sagen, dass Schwarzweiß die Domäne des Analogen ist. Welche Möglichkeiten es hier gibt und was bereits Einsteiger machen können, zeigen wir heute auf.
Die moderne Schwarzweiß-Fotografie unterscheidet sich deutlich von der vergangener Jahrzehnte. Klare Kontraste und eindeutig definierte Schwarz- und Weiß-Bereiche sind das, was heute Schwarzweiß-Fotografen suchen. Filmmaterialien und Fotochemie sind im Laufe der Jahre immer moderner geworden, folgen dem Zeitgeist und zeigen aktuell mehr den je, wie gut sie in unsere Zeit passen. Nicht selten steigen Fotografen über die Schwarzweiß-Fotografie ins Analoge ein und bleiben dabei. Hierbei hilft, dass es wirklich einfach ist, seine Schwarzweiß-Filme selbst zu entwickeln. Dies ist einerseits kostengünstig (der vielleicht kleinste Vorteil) und andererseits erreicht man so Bildergebnisse, die ihres Gleichen suchen. Das geht sogar so weit, dass sich jeder Fotograf einen eigenen, für ihn typischen Bildausdruck aneignen kann, der mit keinem anderen vergleichbar ist. Große Worte, aber wie macht man das?
Über die Art, wie man Schwarzweiß-Filme selbst entwickelt, haben wir schon mehrfach berichtet. Ausführliche Beschreibungen findet man auf unserem Blog. Etwas schwieriger ist es, wenn es um die Auswahl des passenden Entwicklers geht. In unserem Startset für die Negativentwicklung ist bereits alles enthalten was man für den Anfang braucht. Daneben gibt es aber auch noch jede Menge anderer Sachen und Spezialitäten. Die meisten Selbstentwickler haben ihre Lieblingsentwickler, aber das hilft einem Einsteiger nicht viel, weil er erst einmal einen Überblick braucht. Auch den haben wir schon ausführlich gegeben. Man kann sich als Einsteiger tatsächlich jede Menge anlesen, Material gibt es im Netz ausreichend, oder gleich in die tiefer gehende Literatur einsteigen. Nun ist das ja alles schön und gut, aber wenn man sich überall Informationen zusammen suchen muss, auf Widersprüche stößt oder seine Fragen nicht beantwortet findet, was macht man dann? Es gibt Dinge, die sind leichter Auge in Auge erklärt, brauchen haptisches Erfahren um sich zu erschließen und manchmal kommt die Erleuchtung dann doch nur im gemeinsamen Tun in der Gruppe. Für diesen Fall gibt es Workshops und auch die haben wir ins Programm aufgenommen. Ganz neu einen Workshop für den Anfänger im August, für den, der die Basics praktisch erlernen und erfahren will. Für den Einstieg in die analoge Schwarzweiß-Fotografie ist also alles vorhanden was man braucht. Und was ist, wenn man vielleicht doch erst einmal ins analoge Schwarzweiß hinein schnuppern will, um sich danach zu entscheiden ob man dabei bleiben will?
Die Auswahl an Schwarzweiß-Filmen ist enorm. Jeder Film hat seine besonderen Eigenschaften. Man kann an die Sache zunächst durch Einlesen heran gehen oder gleich in die Praxis einsteigen. Wer sich ohne große Anlaufzeit direkt ans Fotografieren begeben will, der macht mit dem schon im ersten Teil dieser Serie empfohlenen „Kodak Tri-X“ absolut nichts falsch. Dieser Film ist für Profis genau so geeignet, wie für den Einsteiger und in unterschiedlichen Formaten im Angebot. Wenn man eine Kleinbild-Kamera mit Film bestücken will, dann ist auch der „Agfa APX 100 new“ eine sehr gute Variante, den es eben nur im Format für das Kleinbild gibt. Das breiteste Sortiment im Schwarzweiß-Sektor bietet Ilford – nicht nur bezüglich Filmtypen, sondern auch in den Filmformaten. Stets auf Nennempfindlichkeit belichtet, kann man diese Filme alle in einem Standard-Labor oder Drogeriemarkt abgeben. Um zu sehen, wie und ob man sich mit der analogen Schwarzweiß-Fotografie anfreunden kann, ist das der richtige Weg. Hat es einen dann jedoch gepackt, wird es schnell langweilig, die belichteten Filme in fremde Hände zu geben. Man weiß ja, dass da noch so viel mehr drin liegen kann, sich immer mehr Möglichkeiten in Bildgestaltung und Ausdruck erschließen, wenn man seine Filme selbst entwickelt. Und nicht jeder Film kann in der Standardlaborentwicklung sein volles Potential zeigen. Greifen wir einmal zwei hervorragende Filme aus dem Ilford-Programm heraus und stellen sie näher vor.
Die Delta-Reihe von Ilford ist eigentlich nur Kennern so richtig bekannt – schade, da sie ein enormes Potential haben. Der „Delta 100“, mit einer Nennempfindlichkeit von ISO 100, ist besonders bei Fineart-Fotografen sehr beliebt. Feines Korn und hervorragendes Kontrastverhalten bringen alles, was das Fineart-Herz wünscht. Mit dem Entwickler „HCD new“ lässt sich dieses Filmmaterial sogar sehr exakt und fein gestaffelt von ISO 12 bis ISO 400 treiben. Man muss lediglich an seiner Kamera eine ISO-Wahl treffen und diese für die Länge des Films beibehalten – die Bildergebnisse sprechen für sich. Ein ganz anderer „Geselle“ ist der „Delta 400“. Wenn man sich anschaut, für welche ISO-Bereiche er einsetzbar ist, erscheint seine Nennempfindlichkeit von ISO 400 fast als statistischer Wert. ISO 25 bis ISO 12800 lässt er sich gefallen und sein Bildausdruck ist dabei stets markant und auf den Punkt genau. Möglicherweise ist er einer der modernsten Filme im gesamten Angebot. Zudem lässt er sich auch sehr gut mit einem Grobkorn-Entwickler da hin bringen, wo das digitale Bild nicht folgen kann – zum klar sichtbaren und groben Korn. Abhängig vom Entwickler kann man tatsächlich feines oder grobes Korn erzeugen. Genau dieses Spiel mit dem Schwarzweiß-Film macht das Selbstentwickeln so interessant.
Der Einstieg in die analoge Schwarzweiß-Fotografie ist recht einfach – aber Vorsicht, daraus kann schnell eine Sucht werden. Was in der digitalen Ausrichtung am PC mittels elektronischer Bildbearbeitung und Plugins gemacht werden kann, erreicht man dies in der Filmfotografie locker und ohne großen Aufwand durch die Wahl des Entwicklers. So kann man einen Film exakt auf den heute geltenden Bildstil ausrichten und einen anderen Film unvermittelt in den Bildstil der 1950er Jahre versetzen. „Geh spielen“, ehemals ein Werbespruch der Digitalfotografie, bekommt in der analogen Schwarzweiß-Szene eine vollkommen neue Bedeutung.
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