Exodus der Christen aus dem biblischen Land

13. November 2012 | Von | Kategorie: Allgemein

Am 8. Dezember eröffent in der Spürsinn-Galerie, Braunschweig, die für dieses Jahr letzte Ausstellung analoger Fotografie. Diesmal geht es jedoch nicht um schöne, künstlerische Bilder, sonder um ein heißes Eisen: Christen im Irak. Andy Spyra, freier Pressefotograf mit Arbeiten für internationale Zeitungen und Magazine, wie TIME Magazin, GEO, STERN, FAZ, Newsweek und New York Times, hat Anfang des Jahres eine der letzten Zufluchtsstätten irakischer Christen besucht und in eindrucksvollen, analog im Mittelformat aufgenommenen Bildern deren Lebenssituation dokumentiert. Entstanden sind keine reißerischen Bilder, sondern stille, leise Mahnmale, die uns daran erinnern, dass im biblischen Urland Christen Not und Verfolgung ausgesetzt sind.

Zwei Millionen Iraker sind im eigenen Land auf der Flucht vor ethnischer und religiöser Gewalt. Die christliche Minderheit nähert sich mittlerweile der 500.000er-Marke, mit stark abnehmender Tendenz. Exodus – Christen verlassen ihr Heimatland, suchen Schutz und Frieden im Asyl. Andy Spyras Bilder stellen keine Anklage dar, sondern lassen uns hinsehen, teilnehmen und machen bewusst, was in der Welt um uns herum passiert. Dieses Bewusstwerden spiegelt sich in klaren, deutlichen Schwarzweiß-Bildern wieder, die auf feinem Baryt-Papier in der Dunkelkammer abgezogen wurden. Und entgegen der sonstigen Glätte von Pressebildern wird bei dieser Ausstellung auf jedwede Bildverbesserung verzichtet. Kratzer auf dem Film, an der einen oder anderen Stelle ein Fussel, eventuell auch die eine oder andere Unschärfe oder falsche Belichtungsmessung zeigen die Anspannung des Fotografen bei der Aufnahme und den langen Weg, den die Bilder vom Irak bis nach Deutschland genommen haben. Entstanden sind Zeitzeugnisse, die sich als einmalige Dokumentationen nicht mehr aus dem Gedächtnis auslöschen lassen. Und wenn an dieser Stelle von Einmaligkeit gesprochen wird, ist das tatsächlich sehr ernst gemeint. Die Bilder  der Ausstellung sind Unikate.

In der Zusammenarbeit zwischen Andy Spyra und der Spürsinn-Galerie waren sich beide Seiten schnell darüber im Klaren, dass diese Bilder durch ihre Einmaligkeit leben. In ihrer Art sind sie nicht mehr wiederholbar, da in der Vergrößerungsarbeit auf jedwede Dokumentation der Dunkelkammer-Prozesse verzichtet wurde. Selbstverständlich, in der Dunkelkammer wurden alle Bilder im Ausdruck bearbeitet, mit Multigrade/Splitgrade auf den Punkt gebracht, abgewedelt und nachbelichtet – große Dunkelkammerarbeit, aber echte Unikate. Dies ging so weit, dass außer kleinen Probestreifen nur eine Ausbelichtung in groß, entweder 20×20 cm oder 30×30 cm, je Motiv erstellt wurde. Außergewöhnlich auch die Art der Zusammenarbeit zwischen Spyra und Spürsinn: Der Fotograf gab seine Negative ab und vertraute auf die Bildinterpretation durch die Spürsinn-Mannschaft. Ein sehr bewusst beschrittener Weg, da erst durch die Nachbearbeitung in der Dunkelkammer der endgültige Bildausdruck zustande kommt.

Ausstellung ist die eine Sache. Diese Bilder sollen jedoch weiter leben. Jedes Ausstellungsstück kann käuflich erworben werden. Nicht verkaufte Bilder können dann wiederum in eine weitere Ausstellung gehen. Dieser Gedanke verbindet sich mit der Überschrift der Ausstellung – Exodus. Jeder Mensch ist ein Unikat, einmalig und unwiederbringlich, Bestandteil und Baustein in seiner angestammten Gemeinschaft. Ein Unikat ist auch jedes Bild in der Ausstellung und hat seinen Platz in der Gemeinschaft mit den anderen Bildern der Ausstellung. Jedes verkaufte Bild reißt eine Lücke – Exodus. Diese Ausstellung wird somit nicht nur eine gewöhnliche Ausstellung herausragender Bilder, sondern macht das aktuelle Geschehen der Christen im Irak praktisch fühlbar – Exodus.

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1 Kommentar zu “Exodus der Christen aus dem biblischen Land”

  1. [...] Exodus – Christen im Irak Zeit: 8. Dezember 2012 – 13. Januar 2013 Vernissage am 8. Dezember um 14 Uhr Ort: Spürsinn-Galerie, Gifhorner Straße 148, 38112 Braunschweig Link [...]

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