Vor wenigen Tagen haben wir bereits berichtet, dass wir in Kürze zusammen mit einem Mode-Label eine außergewöhnliche Bildstrecke realisieren werden. Mode-Fotografie in Schwarzweiß, moderne Analog-Fotografie in Anlehnung an den Stil der 1970er Jahre. Ein Foto-Shooting mit „großem Besteck“ und allen Feinheiten, so wie es sich für die professionelle Fotografie gehört. Da viele Fotografen daran interessiert sind wie man an ein solches Projekt heran geht, berichten wir sozusagen „live“.
Vorbereitung
Ohne ausgefeiltes Fotokonzept wird keine Seite glücklich werden. Wichtige Teile eines solchen Konzeptes sind Location, Festlegung der Fotomodelle, Auswahl eines oder mehrerer Assistenten, Buchung eines Visagisten und selbstverständlich auch Fixierung des Termins. Bei Outdoor-Aufnahmen muss natürlich auch das Wetter mitspielen. Da man die ganze Mannschaft nicht von heute auf morgen am Set haben kann, muss man weiter in die Zukunft schauen. Verhältnismäßig zuverlässig ist der Langzeit-Wetterbericht auf wetter.com, der sogar eine 16tägige Vorschau bietet. In diesem Rahmen lässt sich ganz gut planen.
Absprachen
Allen Fotografen fallen zunächst die Vereinbarungen über Preis, Bildrechte und weitere Dinge ein, die etwas mit der betriebswirtschaftlichen Seite zu tun haben. Vergessen wird jedoch häufig, dass auch der Bildstil und Art der Visage – also das richtige Schminken der Modelle – wichtige Dinge sind, die auf jeden Fall abgesprochen werden müssen. Um hier eine schnelle Einigung zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer zu erreichen, erstellt der Fotograf in der Regel zwei oder drei Bildstrecken in unterschiedlichen Stilrichtungen. Der Auftraggeber sucht sich dann aus den Serien die ihm passend erscheinende Serie aus. Damit ist schon einmal eine Grundlage geschaffen, die vor Überraschungen schützt. Analog-Fotografen haben noch einige Variationen mehr auf Lager – hier stehen unterschiedliche Filme, unterschiedliche Entwickler und unterschiedliche Entwicklungsmethoden zur Verfügung. Aus diesem großen Topf der Variationen greift der Fotograf einige heraus und präsentiert die entsprechenden Bilder. In unserem Fall hat sich das Mode-Label für die beiden Filme „Ilford Delta 100“ und „Ilford Delta 3200“ entschieden, beide in Acurol-Entwicklung. Wenn man dann diese Grundwerte festgelegt hat, ist die Absprache mit dem Visagisten an der Reihe. Gerade bei Schwarzweiß-Aufnahmen ist es nicht mit lustigem Farbauftrag im Gesicht der Modelle getan – ganz im Gegenteil. Hier wird das stilgerechte Schminken zur großen Kunst. Alle Schwarzweiß-Fotografen wissen, dass Schwarzweiß-Filme unterschiedliche Interpretationen der Farbwerte haben und in unterschiedlichen Grauwerten darstellen (mehr dazu im E-Book “Psychologie des Schwarzweiß-Films“). Dies muss mit dem Visagisten exakt abgesprochen werden, um das Maximum im Bild zu erreichen.
Festlegungen und Buchungen
Der Ort des Geschehens, also die Location muss festgelegt und gebucht werden. Hier muss klar sein, dass der Fotograf für seine Arbeit ausreichend Raum und Platz hat. Und wenn wir von Platz reden, dann meinen wir das wirklich. Auch wenn man für die reine Fotografie nur vielleicht 20 oder 30 Quadratmeter benötigt, muss auch Platz für das Drumherum sein. Ohne ein oder zwei Assistenten wird das alles nicht funktionieren und die müssen so arbeiten können, dass ihre Fußspitzen nicht ins Bild ragen. Und auch der Visagist braucht Platz sowie Wasseranschluss und (sehr wichtig) Stromanschlüsse in reichlicher Menge – es geht bei der großen Visage richtig zur Sache und mit einem einfachen Lockenstab fürs Haar und ein paar Pinselchen für Puder und Farbe ist es nicht getan. Zudem muss man für Licht sorgen. Dies kann im einfachen Fall mittels einer Licht- oder Blitzanlage geschehen, in der großen Fotografie wird das mit Dauerlichteinrichtung und von Assistenten gesteuerten Reflektoren bewerkstelligt. All das muss man haben oder sollte es rechtzeitig mieten. Und nicht zuletzt muss man Fotomodelle buchen. Es genügt bei Weitem nicht, ein oder zwei Modelle unter Vertrag zu nehmen. Man muss immer mal davon ausgehen, dass ein Modell krank wird oder sonstige Unpässlichkeiten auftreten. Deswegen sollte man lieber ein oder zwei Modelle mehr dabei haben – sicher ist sicher. Im Idealfall hat man dann eine große Mannschaft und da schadet ein Fotomodel mehr auf keinen Fall.
Planung des Shooting-Ablaufs
Um Bilder ideal umzusetzen, sollte man eine Art Stundenplan aufstellen. Da jede Tageszeit, sogar jede Stunde, bei einem Outdoor-Shooting andere Lichtqualitäten liefert, muss die Planung auf solche Gegebenheiten Rücksicht nehmen. Weiche, feine Bilder wird man am Vormittag erhalten, am Nachmittag geht es in den romantisch-verträumten Bildstil und in der Mittagszeit sind harte und klare Kontraste gefragt. Und hier kommt ein Schlüssel der erfolgreichen Fashion-Fotografie: Glatte und feine unifarbige Stoffe werden am Vormittag fotografiert, glatt fließende Stoffe mit Farbmuster werden am Nachmittag aufgenommen und grobe Stoffstrukturen und Rüschen brauchen das Mittagslicht. So eingerichtet gleicht ein Fashion-Shooting einer großen Choreografie, die auf die Minute sitzen muss Der Fotograf erstellt den Zeitplan und das ganze Team muss sich danach richten.
Niemand kann alles im Vorhinein regeln
Bei allen Planungen und Festlegungen darf man jedoch nicht den Fehler machen, ein starres Gerüst zu bauen, das keine Variationen mehr zulässt Auch wenn der Wetterbericht Sonne vorhersagt, kann es regnen. Hierfür muss man Vorsorge treffen und Regenschirme mitbringen. Auch unterm Regenschirm kann man schöne Bilder machen und wenn der Fotograf gnädig ist, darf auch das Fotomodell einen Regenschirm in der Hand halten. Im anderen Fall ist der Visagist gefragt und muss wasserfestes Make-up verwenden. Dies ist nur ein Beispiel. Viele andere Gegebenheiten können erzwingen, dass aus dem Konzept A ein Konzept B wird. Die Kunst der Planung besteht darin, ein klares Konzept zu erstellen, das sich schnell und unkompliziert abwandeln lässt
Soweit sind wir nun mit der Planung unseres Fashion-Shootings. Es wird am 8. September in den Zillertaler Alpen stattfinden. Wir verraten nicht, wo genau es stattfindet, aber es wird einen begleitenden Video-Dreh geben, der uns alle bei der Arbeit zeigt. Und selbstverständlich werden wir hier auch die fertigen Bilder zeigen. Ein spannendes Projekt, zumal es kompromisslos die moderne Mode-Fotografie auf Film zeigt. Weitere Berichte werden folgen.



Wow, vielen Dank für den Einblick in eine mir unbekannt Seite der Fotografie, das liest sich alles sehr spannend!
Ich freu mich auf weitere Berichte und drücke die Daumen für ein erfolgreiches Shooting!
ich bin schon sehr gespannt ihr das umsetzen werdet … und freue mich auf die Fortsetzung !