Gentleman und Diva, feinkörniger Schwarzweiß-Film und ISO im ganz tiefen Bereich. Landschaft, Architektur und Portrait – das sind Stichworte, die einem sofort bei dem Schwarzweiß-Film „Ilford Pan F“ einfallen. Es ist ein Film, der nicht jedem Analogfotografen gefällt, aber für andere wiederum ist er seit vielen Jahren ein treuer Begleiter. Eines ist jedoch sicher: Für seine Push-Freudigkeit war der „Pan F“ noch nie bekannt – eher im Gegenteil. Aber manchmal gibt es Motive, bei denen möchte man unbedingt harte Kontraste und ein markantes Aufsteilen haben, um den Bildausdruck zu unterstützen. Gerade dann, wenn die Lichtsituationen den Einsatz eines um 2 Blenden gepushten 100ISO-Films nicht zulassen (schließlich wären das ja schon stolze ISO 400), ist guter Rat teuer. ISO 200 sind im Sommer oft das Maximum. Aus der Schweiz kommt jetzt ein Push-Tipp, der sehr bemerkenswert ist.
Der „Ilford Pan F“ ist einer jener Filme, deren Emulsion über Jahrzehnte unverändert geblieben ist. Gerade dieser traditionelle Emulsionsaufbau macht ihn so begehrenswert, steht für „Old Style“ und klassischen Bildausdruck. Oft scheint dies nicht mehr zur modernen Art der Schwarzweiß-Fotografie zu passen, in der härtere Kontraste, klarere Linien und eindeutige Bildstrukturen gefragt sind. Thomas Schaller aus der Schweiz hat sich der Push-Entwicklung des „Pan F“ angenommen. Auf Google+ hat Thomas eine gewisse Berühmtheit mit seinen Splash-Bildern erlangt – zumeist Digitalfotografien – die man getrost mit dem Attribut „Außergewöhnlich“ bezeichnen kann. Wen wundert es also, dass er seinen Spieltrieb auch auf den „Pan F“ ausweitet. Der „Spielstoff“ von Thomas ist der Negativ-Entwickler „HCD new“. Auch wenn das aktuelle Datenblatt des Entwicklers nichts von ISO 200 beim „Pan F“ sagt, will das noch nicht all zu viel bedeuten – schließlich bringt der „HCD new“ so manchen Film in hervorragender Bildqualität in schwindelerregende Höhen. Nun wollte Thomas, dass der „Pan F“ zeigt, was in ihm steckt.
Beachtlich. In „HCD new“ bleibt der „Pan F“ auch in dem für ihn starken Push sehr feinkörnig. Er überzeugt durch hervorragende Schärfe und klare Detaillierung. Selbstverständlich haben diese Bilder nichts mehr mit dem ursprünglichen Charakter des Films zu tun. Sie wirken hart und klar. Solche konturstarken Bilder kennt man nur von ISO400-Filmen, die auf ISO 1600 gebracht wurden, aber da spielt das Korn im Bild, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine erhebliche Rolle. Zudem fotografiert nicht jedermann am helllichten Tag mit ISO 1600 – das ist eher etwas für Spezialisten. ISO 200 sind da schon wesentlich angenehmer zu handhaben. Ziel der Aktion ist das prägnante Bild, und der besondere Charme der reinen, klaren Linien. Genau das zeigt der „Ilford Pan F“ im Push auf ISO 200 – Ziel erreicht Herr Schaller! Danke für die tollen Bilder.
Die Entwicklungsdaten für „Ilford Pan F“ auf ISO 200 sind: Temperatur 24° C; HCD-S = 3 Minuten + HCD-2 = 7:45 Minuten, Ilford-Kipprhythmus (HCD-S in Standentwicklung / HCD-2 30 Sekunden permanent, danach je 1 Minute 1x).
Mehr zur Push- und Pull-Entwicklung erfahren Sie im E-Book “Die Fotofibel – Psychologie des Schwarzweiß-Films“.





