Winterliche Bilder inmitten des Sommers? Verwunderlich! Oder handelt es sich um einen Werbebeitrag für einen Film? Nun ja, der hier verwendete Film „Fuji Provia 400 X“ ist der beliebteste Farb-Diafilm im ganzen Spürsinn-Team und er ist wirklich zu empfehlen. Mit ihm erhält man immer ausdrucksstarke und farbkräftige Bilder – aber der heutige Blog-Artikel soll keineswegs diesen Film anpreisen, sondern einen anderen Aspekt der Fotografie beleuchten. In diesem Sommer ist in vielen Foto-Blogs der Aufruf zu lesen, bewusster und sorgfältiger zu fotografieren. Einige Blogs gehen sogar so weit, dass sie im Sinne der „Entschleunigung“ zur analogen Fotografie raten. Einerseits freut uns das, weil etliche Neukunden bei uns anfragen und Filme bestellen – andererseits ist die bessere und langsamere Fotografie keinesfalls eine Domäne der Analogfotografie. Schauen wir heute einmal unabhängig von der Technik auf das bessere Bild.
Das richtige Motiv finden ist die eine Sache, sich für eine passende Blenden- und Verschlusszeitkombination zu entscheiden die andere. Trotz aller technischen Unterstützung kann sich ein Fotograf hierbei nur auf seine Erfahrung verlassen und letztendlich ist er da mit seinem Bauchgefühl ganz alleine. Und da man keine abwaschbaren Bilder haben möchte, also Gefühle im Bild sichtbar machen möchte, spielt das Bauchgefühl eine erhebliche Rolle. Es kann durchaus sein, dass ein Fotograf seine eigenen Gefühle und Emotionen in ein Bild bringt, sich Erinnerungen damit verbinden, aber ein Außenstehender dies nicht erkennen kann. Dann ist es eben so! Sicherlich macht niemand nur für ein breites Publikum seine Bilder – es sei denn, er ist Erwerbsfotograf und lebt von der Auftragsfotografie. Der Rest der Fotografierenden macht Bilder für sich und freut sich darüber, wenn auch andere Menschen seine Bilder schön und bewundernswert finden. Und da nicht jedes Bild den Ansprüchen des Fotografen genügt, wird häufig eine große Anzahl Bilder geschossen, in der Hoffnung, dass wenigstens eines davon gut und außergewöhnlich ist. Ein fataler Fehler, wie sich bald herausstellt.
Eine große Anzahl von Bildern hat einen entscheidenden Nachteil: Die Auswahl fällt schwer. Doch dies alleine ist es nicht. Es stellt sich auch Unzufriedenheit ein. So manches Element des einen Bildes ist schön, aber das Bild insgesamt nicht perfekt – das andere Bild ist technisch besser, aber das spannende Element vom Unperfekten fehlt. So setzt sich das Ganze fort und am Ende muss man sich entscheiden. Trotzdem nagt es am Selbstbewusstsein des Fotografen. Und je häufiger das vorkommt, um so schwieriger wird das Konzentrieren bereits im Augenblick der Aufnahme. Aber gerade da sollte man seine sieben Sinne beieinander halten. Konzentration ist übrigens ein Schlüssel zu guten Fotografie. Und wie gesagt, all das trifft sowohl für Analogfotografen, wie auch für Digitalfotografen zu. Eigentlich ist es vollkommen egal mit welcher Technik man fotografiert, am Ende zählt nur das Ergebnis. Und weil man sich auf Technik so gut verlassen kann, wird auch gerne die Verantwortung für gute oder schlechte Bilder der Technik zugeschoben. Ein grundsätzlich falscher Ansatz.
Technik kann nur ein Hilfsmittel sein, das den Fotografen in seiner gestalterischen Tätigkeit unterstützt. Auch die Qualität einer Optik kann nur als Hilfe verstanden werden. Das latente Bild, das sich nach dem Auflösen auf dem Abbildungsmedium befindet (egal ob Film oder Chip), ist das Rohmaterial, das durch eine nachfolgende Bearbeitung zu einem guten Bild werden kann. Über die Nacharbeit unterhalten wir uns anschließend, jetzt geht es erst einmal um den Aufnahmeprozess. Wer sich also bei der Aufnahme gut vorbereitet an den Auslöser begibt, muss eigentlich nur im richtigen Moment auslösen, um das perfekte Bild zu haben. Ideal ist es, wenn man also schon vorher die richtige Kameraeinstellung gewählt hat. Jede Zeitverzögerung, die man mit Einstellung der Blende oder Verschlusszeit verschwendet, oder die man mit der Fokussierung verbringt, nimmt uns Zeit für den optimalen Auslösepunkt. Hier ist es egal, ob die Kamera alles automatisch einstellt (für gute Bilder muss man wenigstens die Verschlusszeit oder die Blende vorwählen) und die Fokussierung automatisch oder manuell erfolgt (auch Autofokus braucht eine gewisse Zeit zur absoluten Schärfe). Zeit ist vertan und vielleicht damit auch die Gelegenheit zum herausragenden Bild verloren. Und dies betrifft nicht nur Portrait-, Street- oder Tierfotografen, sondern auch all jene die Landschaft und ähnliche Sujets fotografieren. Es gibt immer einen optimalen Foto-Moment, wenn man zumindest eine sich verändernde Komponente beachten muss – sei es das Licht, Menschen, Tiere oder andere Dinge. Zeit ist ein wertvolles Gut in der Fotografie.
Um bessere Bilder zu bekommen, soll die „Entschleunigung“ helfen. Wäre es nicht besser, wenn man zu mehr Konzentration aufruft? Es geht um den bewussten und sorgfältigen Umgang mit der Kamera. Um dahin zu kommen, muss man sich natürlich auch mit der fotografischen Praxis beschäftigen. Wissen ist nur durch noch mehr Wissen zu ersetzen. An dieser Stelle ist ein Verweis auf Workshop und E-Books nie verkehrt, aber nicht Sinn des Ganzen. Vielleicht genügt es ja schon, den Glauben an die allumfassende Technik zu verlieren und sich auf die Grundlagen der Fotografie zu besinnen. Dabei kann eine analoge Kamera wirklich helfen. Wir haben immer wieder die eine oder andere Gebraucht-Kamera zum Verkauf in unserem Ladengeschäft liegen und auch über eine Anfrage per E-Mail können wir diese anbieten. „Abschalten der Technik“ bedeutet ja nicht gleich, dass man vollkommen ohne technische Unterstützung auskommen muss Aber eine Reduzierung der allumfassenden Helferlein kann dem fotografischen Prozess sehr gut tun.
Wenden wir uns der Nachbearbeitung von Bildern zu. Sowohl digitale Aufnahmen als auch analoge Negativ-Filme (Schwarzweiß und Farbe) bedürfen einer Nachbearbeitung. Digitalaufnahmen werden am PC mittels einer Bildbearbeitungssoftware in die richtige Form gebracht, Farb-Negativaufnahmen werden im Labor entwickelt und können gescannt auch am PC bearbeitet werden. Oder man lässt sich vom Farbfilm gleich Papierbilder vom Labor abziehen. Aber auch da findet eine Optimierung der Bilder statt. In der Schwarzweiß-Negativfotografie hat man einige Freiheiten mehr, da man sich einen Entwickler aussuchen kann, der optimal zum Bildausdruck der Aufnahmen passt. Aber auf jeden Fall will man ja am Ende des Prozesses ein Positiv-Bild haben und das bedeutet wiederum scannen und bearbeiten am PC oder man geht gleich in die Dunkelkammer und zieht die Bilder auf Papier. Ach ja, digitale Bilder kann man ja auch ausdrucken und hat sie dann auch auf Papier. Wir können reden und tun, auf jeden Fall ist es mit der Aufnahme alleine nicht getan. Für den Einen ist dieser Prozess eine Last, für den Anderen eine Lust. Wer sich dazu entschließen kann, die Bearbeitung in aller Ruhe durchzuführen, wird immer die besseren Bilder erhalten. Und wer sich dazu entschließen kann, die Bilder einige Zeit ruhen zu lassen, also nicht nach der Aufnahme schnellstmöglich zu bearbeiten, der bekommt zu seinen Bildern einen gewissen Abstand, der sehr wertvoll sein kann. Gerade dieser Abstand verhindert, dass man emotional zu dicht an seinen Bildern dran ist und dadurch Schwächen und Fehler übersieht. Hierzu ließe sich noch eine Menge sagen, aber derjenige, der das schon einmal ausprobiert hat, weiß wovon hier die Rede ist. Manche Bilder sind wie ein guter Wein, der ausreichend lagern konnte. Wenn wir schon unbedingt von „Entschleunigung“ reden wollen, dann ist das an dieser Stelle angebracht. Eine wichtige Sache haben wir noch vergessen! In der Analogfotografie gibt es tatsächlich eine Sorte Film (außer den Sofortbild-Filmen), die einfach so sind wie sie sind und nicht nachbearbeitet werden müssen: Die Dia-Filme – wie der hier gezeigte „Fuji Provia 400 X“. Die werden einfach im Labor abgegeben und zwei oder drei Tage später hat man die Dias in Händen. Die können so wie sie sind mit einem Dia-Projektor an die Wand projiziert. Natürlich kann man sie auch scannen und weiter verarbeiten, aber dann sind wir schon wieder bei dem oben diskutierten Thema.
Langsameres und bewussteres Fotografieren ist tatsächlich der Weg zu besseren Bildern. Dabei ist es vollkommen gleich, ob man dies digital oder analog macht. Unterm Strich zählt das Ergebnis. Digitale Fotografie bedeutet keinesfalls, dass man out of the box das optimale Ergebnis bekommt – vom Analogen erwartet man das im Grunde schon gar nicht. Aber genau diese Wartezeit zwischen Aufnahme und Bearbeitung ist es, die Bilder besser macht, so wie es oben erläutert wurde. Der Schlüssel zum besseren Bild ist Geduld. Und wer diesen Weg analog gehen will, für den haben wir nicht nur gute Tipps und Ratschläge, sondern auch alle Materialien wie Filme, Fotochemie und vieles mehr, die zum guten und auch außergewöhnlichen Bild führen.



Und wieder mal ein lesenswerter Artikel. Mehr als wohltuend für die wiederholt vom Mainstream zu Unrecht in die Ecke gestellte analoge Seele. Châpeau!
Als seit Jahrzehnten überzeugter Diafotograf vermag ich zu sagen, habt Ihr den sprichwörtlichen Nagel mit dem bestimmten Moment fürs Auslösen auf den Kopf getroffen!!! Sofern wir die Fotografie als Erfassung des EINEN Momentes begreifen und der Beliebigkeit der jederzeitigen Reproduzierbarkeit abschwören, die Technik dabei notwendigerweise als bekannt voraussetzen, Fehler passieren leider trotzdem immer wieder, bei Analogfotografen seltener, weil’s Geld kostet, können eben Bilder entstehen, die in ihrer Abfolge eine einmalige Geschichte erzählen oder als Einzelaufnahme für jeden eine oder sogar DIE Geschichte erzählen. – Richtig und zugleich interessant ist die Aussage, dass mit der Zeit NACH der Aufnahme die Objektivität zum Gehalt des Bildes auch im Auge des emotional geprägten Fotografen steigt: gut und schlecht zugleich. Bevor das hier nun gleich zu philosophisch wird, daher der TIPP, mir fällt die Rechtschreibreform immer noch schwer, dass auch beim unveränderbaren Dia, das war ja Euer Aufhänger, meistens sind es ja doch ein paar mehr, die 21 Filme aus dem letzten Sommerurlaub sind seit gestern zurück (Agfa Scala und Gelbfilter mit leichtem Override nach oben ist ja wohl nur toll), so ein technisches Korrektiv erlebbar ist zur Alternative, das “Zeug” aus nachvollziehbarer Neugierde gleich in ein Magazin zu stopfen, um es dann, ob solo oder für die Überblendung sortiert, so meistens auf ewig zu lassen. Ich gehe bei größeren Produktionen in einer Vorphase vermehrt den Weg über Diaeinsteckhüllen. Die ersten Eindrücke, der Abgleich zwischen Erlebten, Erinnerung und Ergebnis auf dem Positiv können so mithin wirken, die spätere Sortierung beeinflussen, wodurch die Bildaussagen wg ihrer Abfolge noch gesteigert werden können: und das ist dann doch der Paukenschlag: Postprocessing in der Diafotografie auf dem Weg zur “perfekten” Bühnenshow … und das Thema Vertonung habe ich noch gar nicht erwähnt.
Mit besten analoge Grüßen, Jörg