Kamera-Geschichten – der Hochleistungszwerg von Olympus

5. Januar 2012 | Von | Kategorie: News & Aktuelles

Wenn es um das gute Bild geht, spielt auch immer wieder die richtige Kamera eine entscheidende Rolle. Damit jedoch nicht genug, es soll natürlich auch die leistungsfähigste Optik zum Einsatz kommen. Wer viel Geld investiert, will auch das Beste haben und wenn möglich, soll viel automatisch und genau so viel auch manuell einstellbar sein. Diese Denke gilt heute und hatte auch schon Ende der 1970er Jahre seine Berechtigung. So schien es widersinnig, als Olympus Mitte 1979 eine winzige Kleinbild-Kamera mit fest eingebauter Optik und nur wenigen Einstellmöglichkeiten auf den Markt brachte. Als ein noch viel größerer Fehlgriff erschien einem der Preis – stolze 600 DM wurden aufgerufen. Schwachsinn oder gut investiertes Geld?

Wer heute das Angebot der gebrauchten Kameras durchstöbert, stößt immer wieder auf einen Kamera-Winzling mit dem Namen „Olympus XA“. Die im Internet verfügbaren Informationen sind spärlich und Verkäufer können ganz oft zu dieser Kamera nichts sagen. Aber genau das ist die Kamera, die auf den ersten Blick sinnfrei und überteuert 1979 an den Markt kam. Ohne ein paar Hintergrund-Informationen ist es auch schwer verständlich, dass wir über einen Hochleistungszwerg gestolpert sind. Im Grunde ist dieser Apparat der Urvater aller modernen Hochleistungskameras im Kleinbildformat. Ein kurzer Steckbrief: manuelle ISO-Einstellung in 1/3 Stufen von ISO 25 bis ISO 800; Blendenvorwahl und Zeitautomatik; Messsucher-System mit Fokussierung von 85 cm bis Unendlich und Parallax-Rahmen (für den Parallaxenausgleich); 6-linsige Hochleistungsoptik (in 5 Gruppen) auf 35mm Weitwinkel; Lichtstärke 1:2.8 und Blendeneinstellung von 2.8 bis 22; Verschlusszeiten von 10 Sekunden bis 1/500 sec.; Auslöser mit Tastensensorik (Auslöser ohne mechanische Teile); Gehäuse aus leitfähigem Polymer-Kunststoff auf Alu-Rahmen. Runde 200 Gramm, gerade einmal so groß wie eine Handfläche.

Olympus XAWürden wir die technischen Daten eines Rennwagens beschreiben, könnten wir die Leistungsmerkmale kaum nüchterner beschreiben. Und tatsächlich, die „Olympus XA“ war eine Art fotografierender Rennwagen, doch sie wurde verkannt – heute wie damals. All zu schnell wanderte sie in die Handtaschen knipsender Damen, die jedoch häufig beim Zeigen ihrer Bilder bessere Ergebnisse vorweisen konnten, als der Gatte mit einer „dicken“ Nikon oder Canon. Selbst mancher Leica-Fotograf musste sich häufig die Augen reiben, weil er an seiner „hochwertigeren“ Ausrüstung zu zweifeln begann. Ja, diese kleine Olympus war ein Zwerg, aber ein Leistungsriese. Leider wurde sie nur selten so eingesetzt, dass sie ihre volle Leistungsfähigkeit beweisen konnte – zum Glück für heutige Fotografen, weil man diese Kamera schon für wenig Geld in außerordentlich gutem Zustand kaufen kann. Und wer sie heute hat, wird mit Sicherheit den Kraftzwerg in der Street-Fotografie einsetzen. Schließlich gibt es keine bessere „immer dabei Kamera“. Man kann sie in jede Mantel- oder Hosentasche stecken, weil sie so klein ist. Zudem schützt ein genialer Schieber die Optik und Fokussierung vor Schmutz und Staub, vermeidet ungewollte Auslösung und eigentlich ist dieser Schieber im Grunde die eigentliche Sensation an dem Winzling. Die Kamera ist bestimmt kein Ersatz für einen „echten Analog-Boliden“, aber bestimmt weit mehr als eine Notlösung für die immer schussbereite Fotografie.

Es macht einfach Spaß, die XA immer dabei zu haben. Mit Farbfilmen bekommt man immer die volle Brillanz und im Schwarzweiß stets ausdrucksstarke Bilder. Vor schwachen Lichtsituationen muss man sich auch nicht fürchten, da ISO 800 und Blende 2.8 eine satte Ausstattung darstellen. Die beliebtesten Filme bei der XA sind „Fuji Superia X-Tra 800“, wenn es Farbe, und „Ilford HP5“ (oft auf ISO 800 gepusht), wenn es schwarzweiß sein soll. Im Frühjahr legen viele Fotografen dann den „AGFA APX 100 new“ ein (auch diesen häufig gepusht) oder machen sich einen schönen Fototag mit dem „Ilford FP4“. Einen Haken hat jedoch die Winzigkeit: Alles ist so eng, dass man keine Filter verwenden kann. Aber das stört nicht, wenn man die „Olympus XA“ immer dabei hat. Der Spaß, mit diesem Winzling hervorragende Bilder zu machen, ist so groß, dass man schnell die etwas schräge Spaß-Fotografie vergisst und auf die ernsthafte Fotografie umsteigt.

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1 Kommentar zu “Kamera-Geschichten – der Hochleistungszwerg von Olympus”

  1. Otto Schreiner; München sagt:

    Hallo Analogfreunde,

    Wo steht da in der Historie dazu eigentlich die OLYMPUS Mü-2, kam die danach?
    Ich habe meine alte Mü-2 vor kurzem ausgegraben und einen restlichen lange überlagerten Kodak 200 Farbnegativfilm (ASA 200) als Test verfotografiert, und zwar Familienfotos bei einer Geburtstagsfeier in einem Lokal mit und ohne Blitz und verschiedenes im Freien. Ich glaube, er hatte auch schon mal bei einem früheren Fernflug 2-mal Röntgen abbekommen.
    Entwicklung von Film und Bildern erfolgte bei Flash-Photo in der Hohenzollernstrasse 90 (zu empfehlen). Die 10×15 Bilder kamen von einer der letzten Analogmaschinen, sie waren superscharf, insgesamt ein leichter Farbstich (Röntgen? Überalterung? ungekühlt gelagert?), aber insgesamt für den beabsichtigten Zweck o.k. vor allem wenn man bedenkt, wie “achtlos” ich diesen Film behandelt hatte.
    Gäbe es, theoretisch gefragt, für die Mü-2 noch eine Werkstatt, die sie mal ein ein wenig überholen könnte, Reinigung und so…?
    Viele Grüße,
    OS

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