Das Jahr 2012 haben wir unter das Motto „Jahr des Bildes“ gestellt. Zwischen all den Neuerungen in der analogen Fotografie scheint das Jahresmotto fast unterzugehen, aber es ist nicht vergessen. Eindeutig: All die Verbesserungen im chemischen Bereich dienen ausschließlich der Verbesserung der Bilder. Ob Althergebrachtes schlechter ist, als das Neue muss jeder selbst beurteilen, aber eindeutig ergeben sich mit neuen Produkten neue Möglichkeiten.
Am 25. August 2012 dreht sich ein ganzer Veranstaltungstag um das Bild, getreu unseres Jahresmottos. Offensiv wird die Frage gestellt, ob ein Bild Kunst ist. Mit der Veranstaltung „Guck mal, ist das Kunst?“ können bestimmt nicht alle Fragen zum Thema beantwortet werden, aber viele Beispiele und Gespräche können den Blick für fotografische Kunst schärfen. In einer selbstauferlegten Themenbeschränkung rücken die Farben Blau und Braun in den Mittelpunkt und Riss und Falte setzen einen Kontrapunkt zum „normalen“ Bild. Blau steht für Cyanotypie, Braun für Oxyprint und Vandyke, Riss und Falte für den Emulsionslift. Von Lila Mint, Rüdiger Beckmann, Tilla Pe und Michael K. Trout kommen die interessanten und sehenswerten Bilder, die den Veranstaltungstag umrahmen. Und trotz der illustren Auswahl an Künstlern und Bildern wird nur ein Ausschnitt dessen gezeigt, was zur fotografischen Kunst zählt. Für die Weihnachtszeit ist schon die nächste Veranstaltung geplant – dort wird es sich dann um andere Arten der Bildgestaltung und Ausarbeitungen gehen.
Die analoge Ausarbeitung der Bilder beginnt bereits bei der Negativentwicklung. Heute stehen uns mehr Möglichkeiten zu Verfügung als je zuvor. Nicht zuletzt mit „SPUR Acurol“ zeigt sich, wie wandelbar der Bildausdruck bereits in der Negativentwicklung gestaltet werden kann. Und wenn es anschließend in die Dunkelkammer geht, scheint es keine Grenzen mehr zu geben. Hierbei nimmt die Tonung eine zentrale Rolle ein, ist jedoch wiederum nur ein Ausschnitt der vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten. Eine klare Trennung zwischen künstlerischer und der präzise dokumentierenden Fotografie scheint es nicht zu geben. Kunst ist ein wandelbarer Begriff, der sich letztendlich auch nach dem Bildgeschmack des Betrachters richtet. Und auch die Fotografie mit historischer Technik kann Kunst oder Dokumentation sein. Es kommt immer darauf an, wie man es selbst versteht und einsetzt. Am 25. August wird auch dafür eine Antwortmöglichkeit gegeben – Martina und Andreas Stemmann zeigen ihre Oplica, den einzigartigen Nachbau einer Holzkamera im Stil von Louis Jacques Mandé Daguerre. Und das Schöne daran: Das Ehepaar Stemmann macht es möglich, dass jedermann eine solche Kamera besitzen kann, ohne dickes Bankkonto oder einer Patentlösung auf die Kunstfrage zur Hand zu haben.


