Heute wollen wir uns einem speziellen Bereich der analogen Schwarzweiß-Fotografie zuwenden: Papierwahl in der Dunkelkammer. Analogfotografen haben den großen Vorteil, dass sie ihre Bilder hybrid und auch rein analog ausarbeiten können. Nun ist es so, dass ein rein analog, in der Dunkelkammer entstandenes Bild eine Qualität aufweist, die weit über allem Digitalen steht. Auch ein Positiv-Scan kann nur eine schwache Anmutung dessen zeigen, was das Original vermittelt. Das wissen alle Analogen und können damit umgehen. Wer sich mit dem Dunkelkammer-Prozess befasst, steht vor der Qual der richtigen Papierwahl. Hier gibt es verschiedene Oberflächen und Ausführungen. Nicht jedes Papier passt zu jedem Motiv. Schauen wir also einmal in die Auswahl der Multigrade-Papiere und stellen die Frage nach dem besten Griff.
Eine grundsätzliche Unterscheidung findet man in PE- und Baryt-Papieren. Eigentlich sind beide Ausführungen qualitativ gleichwertig. PE-Papiere zeichnet sich durch eine beidseitige PE-Versiegelung des Papiers aus. Somit quellen diese Papiere weder durch Wasser noch durch Chemikalien auf. Lediglich an den Schnittkanten dringt Flüssigkeit ein und führt zu einem moderaten Aufquellen. So sind PE-Papiere leicht zu verarbeiten, zumal sie auch glatt trocknen. Baryt-Papiere bedürfen ein wenig mehr Zuwendung, da sie von Flüssigkeit komplett durchdrungen werden. Damit sie glatt trocknen, müssen sie entweder auf einer speziell Heißtrockenpresse (Barytpresse) getrocknet oder über mehrere Stunden auf einem wasseraufnahmefähigen Holzbrett aufgespannt werden. Dafür ist die Haptik einfach wundervoll und auch der Bildausdruck wird durch eine leicht raue Oberfläche erheblich unterstützt. Nun mag es eine Sache des persönlichen Geschmacks sein, zu welcher Art Papier man sich hingezogen fühlt. Die Mehrheit der aktiven Dunkelkammer-Arbeiter bevorzugt Baryt-Papier.
Ein Baryt-Papier der Sonderklasse ist das „wephota UNIVERSAL Baryt 212“, da es außergewöhnlich gute Trocknungseigenschaften hat. Dieses als weiß/matt bezeichnete Papier steht im deutlichen Gegensatz zum glänzenden PE-Papier. Wer allerfeinste Bildstrukturen in feinster FineArt-Eigenschaft auf Fotopapier bringen will, verwendet das weiß/glänzende PE-Papier. Das 212er Baryt hat den Schwerpunkt seiner Verwendung in der Menschen-Fotografie. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch hier werden feinste Bildstrukturen sichtbar, auch hiermit ist FineArt möglich, aber die Bildwirkung der Oberfläche wirkt nicht so streng grafisch. Um noch einmal auf die Trocknungseigenschaften zurück zu kommen – dieses Baryt-Papier muss nicht unbedingt zum Trocknen fest verspannt werden und bleibt trotzdem glatt.
Ein Papier für Besonderheiten ist das „Art 300“ von Ilford. Ein ähnliches Papier gab es noch nie. Auf einem Papierträger von Hahnemühle bringt Ilford eine traditionell hervorragende Fotoemulsion auf, die wunderbar auf feinste Lichtnuancen anspricht. Der Papierträger ist rau und deutlich strukturiert. In der Bildwirkung leben so all jene Motive deutlich auf, die keine strengen Linien zeigen. Für extrem feine Bildstrukturen ist die deutliche Büttenprägung des Papiers allerdings nicht so gut geeignet. Andererseits werden gerade jene Motive hervorragend durch die Papieroberfläche unterstützt, die ihre Bildaussage durch gelebte Szenen beziehen. Hier wirkt die leicht unruhige Papieroberfläche bildunterstützend. Im Trocknungsverhalten ist das „Art 300“ ein wenig anspruchsvoller, als das „Baryt 212“. Nachdem es auf einem Holzbrett aufgespannt wurde, muss es mehrere Stunden trocknen und danach noch einmal in trockenen Zustand unter einem Buch oder Ähnlichem gepresst werden. Aufziehen auf eine Heißtrockenpresse ist nicht zu empfehlen, da darunter die Papieroberfläche leiden kann.
Alle hier vorgestellten Fotopapiere lassen sich übrigens alle sehr gut mit den Tonern aus der Familie „a touch of“ behandeln. Die Silberumwandlung in die gewünschten Farbtöne erfolgt sehr sauber und problemlos. Mit dem Papier-Entwickler „SPUR Straight Black“ erreicht man herausragende Ergebnisse, wobei sowohl das oben besprochene PE-Papier, wie auch das „Baryt 212“ in jeder möglichen Verdünnung eine Entwicklungszeit von 1 Minute haben. Das „Art 300“ sollte 1:30 Minuten entwickelt werden, um die volle Ausentwicklung zu erreichen.
„Erfolgreiche“ Fotografie endet somit nicht beim Drücken auf den Auslöser oder der Wahl des Negativ-Entwicklers. In der Dunkelkammer wird die Wahl des richtigen Papiers dann zur Vollendung des fotografischen Prozesses.


