In wenigen Tagen öffnet die Photokina in Köln ihre Tore und die Fotowelt schaut gebannt zur weltgrößten Fotomesse. Was in der gesamten Fotobranche schon seit einigen Monaten gemunkelt wird, scheint sich nun zu bestätigen – die Photokina tendiert zur reinen Digital-Messe. Wer auch analoge Neuheiten und Informationen auf der Messe zu finden hofft, wird lange suchen müssen. Einige (wenige) Kamera-Hersteller, etwas versprengt auch Film-Hersteller (allen voran Impossible mit dem neuen 8×10 Inch Film) und eigentlich keiner der Fotochemie-Hersteller haben den Weg nach Köln gefunden. Die Köln-Messe bemüht sich auch keineswegs um das Analoge (einmal abgesehen von den Lomografen aus Wien). Diese Analogverweigerung geht sogar so weit, dass die Photokina offizielle die Existenz des Analogen abstreitet.
Wie groß die Scheuklappen der Photokina-Veranstalter sind, zeigt sich bei einer hilfesuchenden Anfrage auf Facebook. Im Wortlaut: „Ich habe mal eine Frage, was macht man mit so etwas [Abbildung einer Exa 1a mit 2 Objektiven] Weil dafür gib es ja leider keine Filme mehr. Oder? Hat meiner Oma gehört die mich schon als Kind damit fotografiert hat. Antwort des Photokina Facebook-Teams: „Am besten in den Schrank stellen und als Museumsstück
oder mal auf einem Foto-Flohmarkt/Sammlerbörse anbieten“ Ein wahrer Beweis für Scheuklappen im Alltagseinsatz. Auch Rennpferden werden Scheuklappen umgeschnallt, wenn sie sich all zu sehr vom Links und Rechts auf dem Weg zum Ziel ablenken lassen. Offensichtlich ist das Ziel der Photokina die Digitalfotografie und nicht mehr, wie es ursprünglich gedacht war, die weltgrößte Informationsschau der Fotografie. In der analogen Sparte der Fotobranche wird schon lange über das Verhalten der Messeveranstalter in Köln geklagt.
Auch wenn es die Veranstalter noch nicht mitbekommen haben, auf und um die Photokina gibt es eine Menge analoges Leben. Das vielleicht interessanteste Event wird eine Live-Interviewstrecke mit FotoTV sein, die auch über Photokina TV abgerufen werden kann. Hier der Programmablauf:
Donnerstag 20. September 12.00 Uhr
Thema: Klassische Fotografie heute
Interviewpartner: Thomas Maschke
Freitag, 21. September 12.00 Uhr
Thema: Von Kleinbild bis Sofortbild: Analoge Aufnahmesysteme
Interviewpartner: Christoph Jehle
Samstag 22. September 12.00 Uhr
Thema: Dunkelkammer heute: Status quo, Methoden, Möglichkeiten
Interviewpartner: Michael Weyl
Das Studio von FotoTV ist in Halle 5.1, Stand A024, zu finden.
Mit großer Wahrscheinlichkeit wird Neues aus der analogen Fotowelt auf der Photokina nur sehr spärlich zu finden sein. In dieser Hinsicht sind die Leser unseres Blogs besser informiert. Aber trotzdem ist und bleibt die Photokina ein wichtiges Event der Fotografie, wobei für die Zukunft die Hoffnung bleibt, dass die Messeveranstalter sich von ihren Scheuklappen befreien können und aktuelle Entwicklungen mit dem Blick nach vorn berücksichtigen. Mit Sicherheit wird dazu auch das neue, rein auf die analoge Fotografie ausgerichtete Magazin PhotoKlassik beitragen. Übrigens können Frühbucher noch bis zum 15. September 2012 das günstige „4 für 3 – Abonnement“ abschließen. Am 18. September ist das Magazin dann auch im gut sortierten Zeitschriftenhandel zu bekommen.



Das ist doch absolut nachvollziehbar: die Photokina ist eine Messe, auf der die Hersteller ihre aktuellen Produkte ausstellen und keine Museums-Veranstaltung. Fotografie mit Filmmaterial ist inzwischen ein ganz kleiner Nischenmarkt und ohne große Weiterentwicklung oder Neuheiten, auf dem sich wenige, kleine Hersteller/Anbieter tummeln. Und da die Photokina die weltgrößte Messe ihrer Art ist, können sich die Anbieter die Standkosten wohl kaum leisten…
Bei der IAA (Auto-Messe) erwartet doch auch niemand, dass dort die Oldtimer-Szene außer im Rahmen/Kultur-Programm vertreten ist! Und genauso wenig erwartet man Amiga-Zubehör auf der CeBit! Und anders als die Computer-Industrie haben die Großen der Foto-Industrie sogar noch für weitgehende Rückwärtskompatibilität weit ins analoge Zeitalter gesorgt: an der der D4 kann ich immer noch die Objektive von der F einsetzen, ganz ohne Adapter. Auch das EF-Bajonett hat schon ein Viertel-Jahrhundert auf dem Buckel, für die NEX gibt es sogar Adapter für M39 usw.
Und ich möchte wirklich nicht mehr mit dem dunklen Sucher meiner Exakta VX500 fotografieren (die ist in der Vitrine besser aufgehoben), auch nicht mit teurem 27°-DIN-Diafilm und dem FD 4/200mm an der A1 versuchen, brauchbare Konzert-Fotos zu machen…
Der Vergleich hinkt. Keiner spricht davon, die Exakta auf der Photokina auszustellen. Im Gegensatz zu Oldtimern würde ich z.B. Firmen wie die Morgan Motor Company durchaus auf Automessen erwarten, wenn sie denn nicht 100%ig ausgelastet und mit langen Wartelisten gesegnet wären.
Gruß
Jan
Analoge Fotografie hat schon lange nichts mehr mit Historienpflege zu tun. Und ganz gewiss auch nichts mit dem Notbewegen von Museumsstücken. Moderne Filmmaterialien und modere Entwickler holen eine Qualität aus den Bildern heraus … alleine schon das Kleinbild ist mehr an Bildvolumen, wie eine „moderne“ Digitalkamera bringen kann … die noch immer ihres Gleichen sucht. Vom Mittel- und Großformat einmal ganz abgesehen, da sucht der Chip noch nach Möglichkeiten um halbwegs das Wasser zur reichen, hat die Analogfotografie noch einiges zu bieten. Das Thema Qualität will ich jetzt nicht überstrapazieren. Gleichfalls habe ich Verständnis für alle Fotografen, die in der Presse usw. arbeiten, wenn sie sich der Digitalfotografie bedienen. Ist ja auch egal wie man seine Bilder macht, Hauptsache es sind gute Bilder und erfüllen ihren Zweck. Aber dann die Analogfotografie als winzig kleine Nische im Armeleutesektor anzusiedeln ist mehr als vermessen.
Und wenn ich überlege, hatte ich schon vor über 30 Jahren zu meiner Fotografenlehrzeit eine weit modernere Kleinbildkamera, als die Exa VX-500. Da ist mir alles klar, wenn man damit nicht auf Konzerten zum glücklichen Schuß kommt. Meiner Leica SL2mot traue ich das aber immer noch locker zu. Lichtstarke Teles (sogar lichtstärker als die meisten „modernen“ Teles am Markt) sind auch noch vorhanden und dabei schmunzele ich vergnügt, weil meine Leica seit über 30 Jahren vor sich hin schnurrt, fehlerfrei und unentwegt, in früheren Tagen ein Schweinegeld gekostet hat, aber sich in den Jahren mehr als 10fach amortisiert hat. Angesichts dessen könnte auch ein einzelner Film 15 Euro kosten und es würde sich betriebswirtschaftlich noch lohnen … gemessen an der permanenten Neuinvestition bei Digitalkameras und der daraus erwachsenden Nebeninvestitionen.
Ist ja auch egal. Jeder kann wie er will und das ist grandios. Aber auch ich finde es eine Frechheit der Photokina, das Analoge komplett zu negieren. Als pikant sehe ich es nun an, daß im Photokina-TV dann eine komplette Interviewreihe über das Analoge läuft. Herr wirf Hirn vom Himmel.
Dann war meine Entscheidung, dass 14 Euro Eintritt zu viel wären ja doch richtig. Da spare ich das Geld lieber und komme Euch mal besuchen. Da kann ich mir wenigstens sicher sein das ich mich nicht einem sinnlosen Technik-Schwanzvergleich stellen muss. Stelle mir die Photokina gerade in der Hinsicht als wahre Horrorshow vor.
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Natürlich kann man eine solche Aussage nicht machen, ohne wieder irgend Jemanden anzupinkeln, aber ich glaube (persönliche Meinung): Die analoge Fotografie ist eine Phase in der persönlichen fotografischen Entwicklung. Das ist nur eine aktuelle Modeerscheinung weil die Masse erst vor vier Jahren mit der Fotografie begonnen hat. Man kommt in der digitalen Fotografie für sich an einen Punkt, wo man merkt das technische Qualität nichts mit der Wirkungskraft eines Fotos zu tun hat. Die kreativen Menschen suchen dann andere Wege und versuchen sich z.B. in der analogen Fotografie, auch weil alles langsamer und durchdachter ist. Man entwickelt das Auge mehr als den Finger. Das geschieht aber nur, weil das Medium kostbarer ist, nicht die “Qualität” besser. Das Argument “Qualität” von Michael K. Trout kann ich gar nicht verstehen.Wer heute noch glaubt, chemische Filme für das Kleinbild-Format können mit den aktuellen Vollformat-Sensoren mithalten, der macht sich was vor.
Es gibt zu viele Vorteile von digitalen Kameras. Wer für sich erkannt hat das viele Fotos nicht bessere Fotos sind, hat eigentlich schon eine Menge gelernt und benötigt nicht den Umweg über die analoge Fotografie. Und erst die digitale Fotografie hat der Masse ermöglicht an Hand der Bildkontolle in der Geschwindigkeit zu lernen. Wichtig ist, was am Ende dem Betrachter vorgeführt wird und ihn erreicht. Wie das zu stande kam ist selten wichtig.
Oh je, das Qualitätsargument: Bestimmt entscheidend für die Bildermacher, welche Hochglanzmagazine oder Plakathersteller beliefern oder die ordentlich grosse Abzüge ausstellen möchten. Für das Gros der Kamerabediener enden die Anforderungen aber häufig bei einem digitalen Bild im Computer oder bei Abzügen von eher bescheidenen Maßen. Beispielsweise habe ich mich gestern über ein Bild gefreut, bei dem ich sowohl Bildfeldkrümmung als auch Farbfehler finden könnte, wenn mir der Sinn danach stünde. Und für Profis scheint häufig die rasche Verfügbarkeit eines Bildes wichtiger zu sein als das letzte Quäntchen Bildqualität.
Also steckt die Industrie vorwiegend ihr Geld in die umsatzstarken Bereiche, also die Digitalsparte, wenn auch nicht ausschließlich, wie der Entwicklermarkt zeigt. Die Interviewstrecke auf der Photokina könnte schlicht ein Zugeständnis an die analoge Gemeinde sein. Denn das Interesse am neuen APO-Knipsar (*sabber*) dürfte im Mittel aller Besucher höher sein als an der Plastizität, die SPUR aus Negativen (und bald auch Positiven) herauszuholen vermag.
Wenn denn Analog-Fotografie tatsächlich eine Phase in der Entwicklung vieler Fotografen wäre, so würde ich die Reaktion der Photokina-Veranstalter auf die Frage nach Filmen doch ein wenig arg geschäftsorientiert finden, um nicht zu sagen engstirnig.
Digitale Bildermacherei ist definitiv modern. Häufig auch wirklich bequem. Die analoge Technik hat dafür etwas, dass ich nicht in Lp/mm oder Megapixel beschreiben kann. Zur Zeit möchte ich beide nicht vermissen.
Liegt es vielleicht auch ein bisschen am elitären Gehabe? Oder um es schwarzweiss zu formulieren: der Knipser fotografiert digital, der Könner analog. Analog kommt hin und wieder einfach zu griesgrämig rüber. Wenn es beginnt analog Spaß zu machen, geht es auch zur Photokina: siehe LOMO!
Nachdem ich zur Aufnahme von Redscalefarbnegativfilmen eine Nikon F2 reaktiviert habe, gesellen sich dazu mittlerweile 2 AGFA 6×9 Clacks, die bevorzugt mit 10 bis 20 Jahre alten überlagerten Farbrollfilmen geladen werden. Auch wenn ich Snapseed & Co gerne verwende, ist „echt“ analog eben doch etwas anders. Um mitreden zu können, wie sch… die „unmöglichen“ Filme von Impossible denn tatsächlich sind, kam die Tage auch eine Polaroid ImagePro dazu. Und nicht zu vergessen die Packfilm Polaroids bis hin zur 6×7 Pentax mit Polaroidrückteil. Das verträgt sich bestens mit der Nikon D700/800… Und was LOMO angeht, der Betrag für die „Spinner 360“ samt Filmscanhalter ist absolut stemmbar. Auch wenn sich Panoramen zum Beispiel mit Photoshop komfortabel zusammensetzen lassen. Also: mehr den Spaß an Analog rausstellen. Und wenn ich Tetenal (oder andere) Chemie will, bestelle ich die einfach. Ob Tetenal nun auf der Photokina ist oder nicht…
Ralf
Analog bleibt DER Ursprung der Fotografie, dessen Daseinsberechtigung man in keinster Weise verteidigen muss und gehört für mich mit aktuellen Produkten auf eine Fotomesse.
@Hochzeitsfotografie: Eine schöne Aussage, deutlich in der Botschaft und prägnant in der Kürze.
Mir bleibt nicht viel mehr, als einige Grauwerte zwischen den Extremen einzufügen. Auf DIESEM Blog besteht sicherlich keine Notwendigkeit, die meisten Leser für Analogfotografie zu begeistern. Für die meisten Menschen im meinem Umfeld kommen Fotos heutzutage aber aus einem digitalen Sensor, und die Industrie scheint sich recht gut auf dieses Ziel eingeschossen zu haben.
Schwierig wird es nun für mich, wenn die Existenz von Herstellern (auch) an ihren Umsatzzahlen hängt. Erwin Puts hat es so zugespitzt (Blogartikel “15 January 2012″): “I am convinced that silver-halide technology offers qualities that no other medium can match. There are thousands of photographers around the world who agree by actually using film and there are tens of thousands who agree in principle, but have stopped using film.”
Ok, den Veranstaltern der Photokina liegt anscheinend wenig an der analogen Fotografie. Wichtig ist letztlich vielleicht nur, dass dort Leute auftreten, die der Welt da draußen vermitteln, warum Filme und die dazu passenden Badekuren heute noch oder auch wieder Spass machen können: Warum und wofür sich das Warten auf ein Bild lohnen kann. Worin der Wow-Effekt bei einem guten bzw. schönen Abzug besteht. Warum komische Farben (Red-Scale, IR, LOMO, was auch immer) spannend sind. Warum es nicht auf ein Entweder-Oder zwischen den Techniken hinauslaufen muss. Warum junge Digitalverliebte (wie z.B. ich) von den “alten, griesgrämigen Könnern” das eine oder andere abschauen können. Oder warum auch die Flucht aus immer kürzeren Innovationszyklen moderner Aufnahmesysteme in ältere Technik sich betriebswirtschaflich lohnen kann (Grunge is not dead).
Es geht nicht um das letzte Linienpaar Qualität, es geht um die Köpfe der Menschen! Ich wünsche allen Beteiligten rund um die Photokina viel Erfolg. Und nicht zuletzt viel Spass im Gespräch und am Auslöser.
Ich war heute auf der Photokina in Köln und muß sagen, ich bin enttäuscht.
Inovationen vermisse ich und das Allerschlimmste > Analalog scheint es nie gegeben zu haben. Eine Nachfrage am Fujifilm-Stand gab nur ein müdes Achselzucken. Traurig, aber das Analoge hat die Photographie doch groß gemacht. Gerade das teilweise Misslingen einer Auslösung hat doch den besonderen Reiz gemacht. Jetzt ist alles nur noch maximal perfekt…irgenwie langweilig.
Sicher, digitale bringen gute Ergebnisse und das auch sehr schnell und moderne Farbkalibrierung tut sein übriges, aber wahr nicht der analoge Film die Quelle der Kunst. Die beliebige Digitale Reproduktion und Manipulation ist für mich ein echter Kunstkiller, aber das ist jetzt nur meine Meinung…ich halte meiner Analogen weiter die Treue
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