Schwarzweiße Filmempfehlungen für goldenes Herbstlicht

Der September ist da und nun beginnt die Zeit des goldenen Herbstlichtes. Fotografie in Farbe wird zum wahren Farbrausch. Schwarzweiß-Fotografen tun sich mit dem Farbrausch ein weniger schwerer, obwohl jetzt eigentlich ihre große Gelegenheit für phantastische Bilder da ist. Gerade im Herbst, zwischen Anfang September bis Ende Oktober, findet man das ideale Licht für Schwarzweiß-Aufnahmen mit außergewöhnlichen Bildtiefen. Wer einige einfache Regeln beachtet und einen sicheren Griff ins Filmregal beweist, kann Einmaliges schaffen.

Im Herbst finde wir in der freien Natur eine einmalige Lichtsituation. Der Stand der Sonne zur Erde trifft aktuell in einem Winkel auf die Atmosphäre, der durch Lichtbrechung eine Fülle an langwelligem Licht erzeugt. Die Farbe Rot ist die Farbe des Herbstes. Für Schwarzweiß-Fotografen ist Rot die bestimmende Farbe. Wer bewusst damit umgeht, wird Bilder von außergewöhnlicher Schönheit erhalten. Dumm ist nur, dass unser Auge das langwellige Licht nur indirekt wahrnimmt. Somit muss der Fotograf ein entsprechendes Wissen haben, um auch das Unsichtbare in seine Bilder einzubeziehen. Analogfotografen haben durch die enorm große Auswahl an unterschiedlichen Filmmaterialien den Vorteil, dass sie das langwellige Licht besonders effektvoll ins Bild rücken können.

Aber auch das Aufnahmeformat spielt eine entscheidende Rolle. Durch die Größe des Abbildungsmediums, genauer gesagt, durch die Lichtauflösung der eingesetzten Optik, wird Licht unterschiedlich behandelt und variiert somit in seinen Abbildungseigenschaften. Dies ist auch der Grund, warum Bilder auf Kleinbildformat markant und kontrastreich, Mittelformat-Bilder ausgewogen und fein strukturiert, Großformat-Bilder ungeheuer detailreich und plastisch wirken. Letztendlich ist einer der Gründe dafür im langwelligen Lichtbereich zu finden. Je größer der Abbildungskreis der Optik auf dem Abbildungsmedium – in Fall der Analogfotografie also der Film – umso nachhaltiger bildet das langwellige Licht in feinen Strukturen ab. Interessant in der Schwarzweiß-Fotografie des Herbstes sind die dunklen und hellen Lichter, die sich in Schatten und lichtdurchfluteten Flächen ausdrücken. Hier geben wir einige Tipps zur Wahl des richtigen Films.

Fotografen mit dem Hang zum intensiven, nahezu dramatischen Bildausdruck, werden im Kleinbild mit dem „efke KB 100“ bzw. im Mittelformat mit dem „efke R 100“ viel Freude haben. Der Film weist eine Rotempfindlichkeit auf, die gut zur Lichtstimmung des Herbstes passt. In der Landschaftsfotografie erinnern die Bilder auf dem 100er efke-Film sehr stark an die großen Vorbilder früherer Tage. Kaum ein anderer Film ist so „dankbar“ für den Einsatz des Zonensystems nach Adams. Aber man muss nicht dieser Belichtungsmethode nachgehen, um gute Bilder mit diesem Film zu bekommen. Seine Belichtungstoleranz ist erheblich, so dass auch schnelle Aufnahme in der Street-Fotografie ausdrucksstark und prägnant werden.

Ein ganz anderes Kaliber ist der immer junge „Kodak Tri-X“, den viele Schwarzweiß-Fotografen als ihren Standard-Film bezeichnen. Im Kleinbild steht dieses Material für packende Bildaussagen in ungewöhnlich tiefen Bildern. Der „Tri-X“ erhebt Schwarz zum Kult. Im Kleinbild gelingt das sehr intensiv, im Mittelformat geht der Film etwas moderater an die Sache heran. Insbesondere Fotografen die im Herbstlicht auf die Jagd nach eindrucksvollen Street-Bildern gehen, bietet der „Tri-X“ ein gewaltigen Belichtungsspielraum und Garantie für packende Szenen-Fotografie.

Ausschließlich im Mittelformat beweist der „Rollei Universal 200“, von seinen Fans auch locker „U200“ genannt, seine Stärken. Dieser phantastische Film hat eine verlängerte Rotempfindlichkeit – somit bekommt man bereits bei normaler Belichtung sogar noch in Schatten Zeichnung, was mit anderen Filmen so nicht mehr möglich ist. In der Abbildungsleistung ist der „U200“ fein strukturiert und detailgenau. Große Abbildungskreise, von Seiten der Optik, kommen im sehr entgegen. Und für die Fotografie mit historischen Kameras wird er oftmals als der beste Film angesehen. Der „U200“ ist der Alleskönner für Licht und Schatten, Nebel und Sonnenschein.

Herbst und Nebel gehören unweigerlich zusammen. In keiner anderen Jahreszeit finden wir diese Naturerscheinung derart intensiv, wie im Herbst. Fotografie im Neben ist die unbestrittene Domäne des Schwarzweißen. Kein anderer Film eignet sich so gut dafür, wie der „Rollei R3“. Leider ist dieser Film nur noch im Kleinbildformat zu bekommen. Der intensiven und beeindruckenden Fotografie dürfte dies keinen Abbruch tun. Durch die deutliche Kornstruktur des „R3“ werden Herbstbilder wesentlich im Bildausdruck unterstützt. Bei keinem anderen Film wird Silberkorn zum eindeutigen und beliebten Gestaltungsmittel. Der „R3“ ist kein einfacher Film, weil er gereizt werden möchte. In diffusen Lichtsituationen zeigt er, was er kann. Der Herbst ist die ideale Zeit dieses Potential voll auszuschöpfen.

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