Chemie ist groß, Chemie ist mächtig. Dies wissen alle Schwarzweiß-Fotografen. Heute wollen wir jedoch nicht auf die Schwarzweiß-Chemie in der Dunkelkammer eingehen, sondern etwas genauer auf die unterschiedlichen Fotopapiere schauen. Dort ist ein reichhaltiges Sortiment zu finden und für jeden Einsteiger in die Dunkelkammer-Arbeit ist dies zunächst verwirrend.
Zunächst jedoch noch einmal ein kurzer Blick auf Papier-Entwickler, weil ohne diese auch das schönste Fotopapier seine ganze Brillanz nicht entfalten kann. Unterschiedliche Chemie-Produkte wirken unterschiedlich, können einen Bildausdruck verstärken oder abschwächen, lassen strahlendes Weiß entstehen oder sind sogar in der Lage den Papierton zu verändern. Alleine am Beispiel der MixTour mit verschiedenen Rezepten für Entwickler können wir sehen, was geht. Da diese jedoch nicht nur von der Chemie, sondern auch von der Art des Papiers abhängt, wird jeder Dunkelkammer-Arbeiter sein eigene Werkzeugkiste erstellen müssen. Es ist übrigens durchaus üblich, dass auch verschiedene Papiere in diese Werkzeugsammlung gehören. Nun ist es schwierig einen Anfang zu finden. Man kann die Sache von der einen und von der anderen Seite anpacken. Wir entscheiden uns dafür, zunächst über den Papieraufbau zu reden.
Fotopapier besteht aus einem Papierträger und einer darauf aufgebrachten Fotoemulsion. Nun ist es rein theoretisch möglich, jede Emulsion auf jedes Papier zu bringen. In Beschreibungen sehen wir stets die Angaben „PE-Papier“, „FB“, „Fiberbase“ oder „Baryt“. Hiermit wird der Aufbau des Fotopapiers bezeichnet und somit auch seine Handhabung. Kurz könnte man sagen, dass PE-Papiere einfacher und bequemer zu verarbeiten sind. Woran liegt das? Zunächst wird das Trägerpapier auf der Ober- und Unterschicht mit einer Kunststoffschicht überzogen. Darauf wird dann einseitig die Fotoemulsion aufgetragen. Die Folge: Das Trägerpapier kann sich auf der Fläche nicht mit Chemikalien und Wasser voll saugen. Deshalb lassen sich PE-Papiere schneller verarbeiten. Bei den „FB“, „Fiberbase“ oder auch „Baryt“ genannten Papieren ist die Fotoemulsion direkt auf das unbeschichtete Trägerpapier aufgegossen. Zwar ist der Fertigungsprozess noch etwas komplizierter, aber dies soll zunächst als Erklärung genügen. Die Vorteile sind, dass ein solches Papier eine ganz andere Haptik hat, wesentlich „natürlicher“ aussieht und somit edler wirkt. Der Nachteil ist, dass Chemikalien und Wasser das Papier vollkommen durchdringen und somit ein längerer Verarbeitungsprozess notwendig wird. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Bädern führt unweigerlich zur Verschleppung einer gewissen Chemikalien-Menge von einem zum nächsten Bad. Somit müssen auf jeden Fall Stopbad und Fixerierer häufiger erneuert werden. Auch Entwickler können bei Baryt-Papier anders wirken, da sie durch die Papierdurchdringung sozusagen von beiden Seiten auf die Fotoemulsion wirken. Zudem muss am Ende sehr sorgsam gewässert werden. Und trotzdem, eine große Ausbelichtung auf Baryt ist eine tolle Sache, besonders wenn man den sonst vorherrschenden Hochglanz-Effekt des PE-Papiers nicht mag. Ob das eine oder andere Papier den Vorzug bekommt, ist wahrscheinlich Geschmackssache. Wer jedoch ehrlich ist, wird eine kleinere Ausbelichtung oder die Versionen zum Testen und Probieren auf PE-Papier abziehen und das Meisterwerk dann auf Baryt erstellen.
Festgradation, Multigrade und Polygrade. Drei Begriffe und auch hier sind es nur zwei Varianten – Multigrade und Polygrade haben die gleiche Bedeutung. Nun müssten wir zunächst das Thema Gradation in epischer Breite diskutieren. Aber hierzu wurde schon häufiger auf unserem Blog Stellung genommen. Deshalb ersparen wir uns das jetzt und erklären nur die Wirkung auf SW-Fotopapier. Je kleiner die Zahl der Gradation, um so mehr Grautöne werden sichtbar und das Bild wird weicher – umgekehrt natürlich, je größer die Zahl der Gradation wird, um so weniger Grautöne werden sichtbar. Als Normalgradation gilt die 3 als Zahlenwert. Hierbei ist zwischen Weiß und Schwarz ein ausgewogenes Maß an Grautönen zu finden. Im Allgemeinen spricht man auch von „weich“, „normal“ und „hart“, wenn man über die Gradation 1 ½, 3 und 5 redet. Bei Fotopapieren wird nun stets angegeben, ob es sich um ein Festgradations- oder Multigrade-Papier handelt. Festgradation bedeutet, dass wir ein Papier in Händen halten, dass eine feste, nicht mehr zu beeinflussende „Härte“ hat, die auch oft mit dem erwähnten „weich“, „normal“ und „hart“ umschrieben wird. Ein Multigrade-Papier hat einen sehr komplizierten Aufbau. Erfunden von Ilford im Jahre 1940 und in mehreren Entwicklungsstufen weiter entwickelt, wurde es Anfang der 1980er Jahren zum beliebtesten Arbeitsmittel der Dunkelkammer-Arbeiter in Schwarzweiß.
Mittels verschiedenfarbiger Gradationsfilter kann die Härte des Bildausdrucks in halben Stufen angepasst werden. Die ganz Aktiven belichten sogar mehrfach in unterschiedlichen Gradationen auf das Fotopapier und erzeugen dadurch eine erheblich größere Bildtiefe und Dimensionalität. Mit Sicherheit keine Sache für den Einsteiger, aber schneller als gedacht wird sich jeder mit dieser Belichtungstechnik auseinandersetzen können. Multigrade bietet somit die erheblich größeren Entfaltungsfreiräume. Und da man sich dabei nicht auf PE- oder Baryt-Papier beschränken möchte, wird auch das Multigrade für beide Papier-Sorten angeboten.
Was ist nun der beste Weg für den schnellen Einstieg? Eigentlich müsste man sagen, dass Festgradation in der PE-Ausführung sinnvoll wäre – andererseits ist das schnelle Erlernen aller Techniken mit PE-Multigrade der Vielversprechendere. Egal wie man es anpackt, mit Sicherheit wird man die ersten Erfolge in den Kleinformaten bis 13×18 cm feiern können. Erhebend wird es dann, wenn man dann seine erste Ausbelichtung in 18×24 cm oder größer präsentieren kann. Und hierbei kann man sich beruhigt bei den preisgünstigen Fotopapieren bedienen. Deren Qualität ist bereits so gut, dass selbst ausgebuffte Dunkelkammer-Artisten ihre Bilder für Ausstellungen darauf erstellen. Wer jedoch in die Oberklasse aufsteigen will, hat eigentlich nur noch eine Wahl: Ilford Art 300! Dieses außergewöhnliche Papier zeigt nicht nur in seiner Struktur und Haptik die edelste Abstammung, sondern lässt sich zudem noch hervorragend verarbeiten.
Und zum Abschluss kommen wir doch nicht ganz an der Entwickler-Chemie vorbei. Besonders zu Anfang der Dunkelkammer-Karriere benötigt man einen Entwickler mit möglichst großer Anpassungsfähigkeit, einer langen Haltbarkeit, Eignung für PE- und Baryt-Papiere und exakt wiederholbaren Ausentwicklungsergebnissen. Da geht eigentlich kein Weg am „SPUR Straight Black“ vorbei, der nicht nur bei Dunkelkammer-Anfängern hoch im Kurs steht.


