Very Dirty – Reportage privat

Der Winter ist die große Zeit der Menschen-Fotografie in Räumen. Nicht jedem Fotografen liegt das Arbeiten im Studio und oft hört man auch, dass die Studio-Fotografie die langweiligste Art der Bildgestaltung sei. Wenn man keine durchgestylten, vollkommen sauberen Bilder haben möchte, ist diese Aussage sogar richtig. So mancher Fotograf legt sogar Wert darauf, dass seine Bilder einen etwas schnodderigen, etwas unsauberen Ausdruck zeigen. „Das glatte und ausgewogene Bild kann jeder!“ Eine provokante, aber durch die Historie der Fotografie durchaus untermauerte These. In der Geschichte der Fotografie waren es gerade die großen und bekannten Fashion-Fotografen, die sich zu Bildserien im Dirty-Style hingezogen fühlten. Aus dem täglichen Leben der glatten Modewelt heraus, wollten sie das Andere ins Bild setzen. Ihren Höhepunkt fand diese Fotografie wahrscheinlich in den 1960er Jahren. In Retrospektiven erstaunt uns der privat anmutende Bildstil dieser Aufnahmen. Ein tragendes Element ist das starke, grobe Korn und eine ganz besondere Lichtgestaltung. Verwendet wurde einfach das Licht, das sich gerade an Ort und Stelle bot. Dadurch wirken diese Bilder authentisch und echt, sehr privat.

Bei der Erstellung von Beispielbildern für den neuen Grobkorn-Entwickler „Dirty Old Man“, kurz DOM genannt, wollten wir auch wieder die private Reportage beleben. So hieß es dann, einen „Kodak T-Max 3200“ in die „Minolta X-700“ legen, die eine Leuchtstoffröhre an der Decke anknipsen und das Modell dabei fotografieren, wie sie sich für die nachfolgenden Foto-Sessions fertig macht.

Das komplette Entkleiden lassen wir jetzt einmal weg. Auch so geben diese Bilder genügend Spielraum für Fantasien. Das ist sowieso der Dreh- und Angelpunkt für Aufnahmen dieser Art – nicht das explizite Zeigen aller Einzelheiten, sondern das Einfangen der Stimmung. Keine andere Art der Fotografie kann das so gut transportieren, wie ein Film im hohen ISO-Bereich, entwickelt in einem echten Grobkorn-Entwickler. Die Kombination „Kodak T-Max 3200“ mit DOM ist ideal, wie unsere Beispielbilder zeigen. Für Feinkorn-Liebhaber sind Bilder dieser Art ein Schock, aber genau das macht ja die wundervolle Spannbreite der Analogfotografie aus. Hier kann jeder Fotograf die Kombination wählen, die seiner Bildidee am besten entspricht. Und wer seine Filme selbst entwickelt, kann unbeschwert auch die privatesten Momente einfangen. Dabei muss es ja nicht unbedingt das grobe Korn sein. Das Gegenstück zum DOM ist unser „HCD new“, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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3 Antworten auf Very Dirty – Reportage privat

  1. boris sagt:

    Mal jenseits von Vorbildern in der Fotografiegeschichte: ich assoziiere bei diesem Bildstil unweigerlich den 1000fach in Krimis und Detektivgeschichten gezeigten “Schuß aus dem Hinterhalt”, bei dem immer etwas Verbotenes mitschwingt.

    Man wähnt sich dann gedanklich beim Betrachten auch in einem Versteck und bedient ganz und gar die voyeuristische Ader… Mag ich sehr!

  2. Tom sagt:

    echt klasse, die körnung,

    kann man sowas eigentlich auch im geschäft anfragen, wenn man nicht selbst entwickelt, oder irgendwo seine filme für eine solche entwicklung einsenden?

  3. spuersinn sagt:

    Tom, das tut uns Leid. So etwas ist den Selbstentwicklern vorbehalten. Aber Schwarzweiß-Filme selbst entwickeln ist wirklich kein Hexenwerk! Schau doch mal hier: http://www.spuer-sinn.net/blog1/?page_id=4075

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