Welche Rolle spielt Wasser beim Entwicklungsprozess?

Wir haben schon häufig über den Entwicklungsprozess von Filmen und Fotopapieren berichtet. Fast jede Fotochemie wird als Konzentrat angeboten und mit Wasser verdünnt, um eine Arbeitslösung zu erhalten. Wasser ist jedoch nicht gleich Wasser – das ist den Wenigsten bewusst. Deshalb betrachten wir heute die Rolle des Wassers beim Entwicklungsprozess genauer. Welche Rolle spielt das Wasser? Was kann passieren und wie muss ich reagieren?

Im Wasser gelöster Kalk beeinflusst das Entwicklungsergebnis von Filmen und Fotopapieren. Genauer müsste man eigentlich sagen, dass alle im Wasser enthaltenen Ionen der Erdalkalien den Entwicklungsprozess beeinflussen können. In der Hauptsache ist das jedoch Kalk. Wir sind keine Chemiker, die nun absolut sattelfest das Begriffssystem der angewandten Chemie erklären können, für die Anwendung aus fotografischer Sicht reicht es jedoch. Was passiert also, wenn man sehr kalkhaltiges Wasser verwendet? Ganz einfach: Der Entwicklungsprozess dauert länger, um den verwendeten ISO-Wert zu erreichen. Übrigens kennen Hausfrauen dieses Problem auch. Waschmaschinen und Spülmaschinen reagieren auf Kalk auch empfindlich, da Seife bei hoher Wasserhärte weniger Reinigungskraft hat. Und auch passionierte Kaffee- und Teetrinker kennen Kalk als geschmacksstörenden Stoff. Wir haben eine sehr schöne Tabelle im Internet gefunden, aus der man den Härtegrad seiner Wohngegend gut ablesen kann. Aber auch alle regionalen Wasserversorger veröffentlichen im Internet diesen Wert. Lange Rede, kurzer Sinn. Gehen wir auf die Fotochemie ein.

Nahezu jeder Entwickler beinhaltet Substanzen, die Kalk entgegen wirken. Wenn dies nicht der Fall ist, wird sowieso schon entionisiertes Wasser (landläufig auch destilliertes Wasser genannt) vorgeschrieben. Das „Ding“ mit dem „eingebauten“ Entkalker funktioniert aber nur zuverlässig, wenn zwei Faktoren zusammen treffen: (a) die Verdünnung des Entwicklerkonzentrats liegt in den Bereichen zwischen 1+4 bis 1+25; (b) die Gesamthärte des Leitungswassers entspricht 1 = weich oder 2 = mittelhart. Wenn man in einer Gegend entwickelt, in der Wasserhärte 3 = hart oder 4 = sehr hart aus dem Hahn läuft, hat man keine andere Möglichkeit als seine Entwicklung einzutesten oder gleich entionisiertes Wasser zu verwenden. Besonders in der Filmentwicklung spielt das eine erhebliche Rolle, wenn man gleichbleibend gute Ergebnisse haben möchte. Aber auch auf die Dunkelkammer-Arbeit hat die Wasserhärte einen gewissen Einfluss.

Wer in der Dunkelkammer mit Multigrad-/Polygrade-Papieren arbeitet, wird kaum Einflüsse auf die Ausentwicklung feststellen. Grauwerte kann man leicht durch den Einsatz von Filtern oder einem Splitgrade-Kopf einregeln. Anders sieht es bei Festgradationspapier aus. Hier wird durch hartes und sehr hartes Wasser der Aufbau von Grauwerten gebremst. Da hilft auch keine längere Belichtungszeit, da sonst die Schwärzen zulaufen. In der Regel werden aber Papier-Entwickler nicht sehr hoch verdünnt und können zumeist auch nur mit einer Verdünnung sicher verwendet werden. Wenn man aber zum Beispiel mit „SPUR Straight Black“ entwickelt, dann hat man eine Spannbreite der Verdünnungsmöglichkeiten von 1+7 bis 1+24 – da spielt dann doch wieder die Wasserhärte eine Rolle. Bei 1+7 oder 1+9 werden noch keine störenden Kalkreaktionen feststellbar sein, aber bei 1+14 wird man Kalk schon bemerken können. Das alles klingt kompliziert, ist es aber in der Praxis nicht. Man muss nur wissen, auf was man achten muss.

Nun haben die im Wasser gelösten Kalk und sonstigen Stoffe auch noch eine andere, sehr störende Wirkung. Wenn man Filme nach der Schlusswässerung trocknet, können sich diese „Störenfriede“ festsetzen und unschöne Flecken zurück lassen. Eine gutes Gegenmittel ist da „Kodak Photo Flo“. Bei Fotopapier kommt es seltener vor, ist dann aber auch ein wenig aufwändiger. Hier nimmt man einen weichen Baumwoll-Lappen und reibt die Rückstände mit reinem, 97%igem Alkohol ab. Geringere Alkoholkonzentrationen sind nicht geeignet, da der Alkohol zu langsam verdunstet und dadurch die Emulsion angegriffen wird. Und wenn auf dem Film noch Wasserflecken sind, kann man auch den hochprozentigen Alkohol einsetzen? Im Grunde ja, aber er verdunstet so schnell, dass man dann schneller Kratzer auf den Film bekommt, als einem lieb sein kann – geringere Alkoholkonzentration greift dann wiederum die Emulsion an. Wir empfehlen da den „Film Cleaner“ von Fotospeed. Und noch ein Tipp am Rande: Nachdem hier so viel über Verdünnung von Entwicklerkonzentraten die Rede war, empfehlen wir den „Mix Konverter“, mit dem man einfach und schnell auf seinem iPhone die Flüssigkeitsmengen für die sichere „Chemie-Panscherei“ errechnen kann.

Dieser Beitrag wurde unter Fotochemie, Ratgeber abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten auf Welche Rolle spielt Wasser beim Entwicklungsprozess?

  1. Carsten sagt:

    Mit der Problematik habe ich auch zu kämpfen, da in meiner Wohngegend das Wasser nicht aus dem Hahn fließt sondern rieselt. ;-)
    Sind Entwickler aber nicht auf “normale” Härte abgestimmt? Wenn ich also demineralisiertes Wasser verwende, ist das Wasser dann nicht zu weich?

  2. spuersinn sagt:

    Rein theoretisch ist es tatsächlich so, dass es auch “zu weiches” Wasser gibt, aber in der Realität ist da kein Bildunterschied zu sehen. Entwickler sind so abgestimmt, dass sie Antikalk beinhalten, das bis “normales” Wasser gut funktioniert. Hartes und sehr hartes Wasser überfordern das die Antikalk-Beigabe. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Demineralisiertes Wasser (beste Ergebnisse) oder Eintesten der Film-Entrwickler-Kombination auf hartes Wasser (dabei verliert man jedoch u.U. ein wenig an Filmempfindlichkeit. Im Grund könnte man auch Wasser mischen, aber so ganz toll scheint das nicht immer zu funktionieren.

  3. Carsten sagt:

    Ah, verstehe. Ich denke, ich werde mich dann einfach für die Variante mit demineralisiertem Wasser entscheiden. Kostet beim Drogisten auch nicht die Welt und die leeren Kanister eignen sich hervorragend um die Chemiereste zu sammeln und zur Entsorgungsstelle zu bringen. :-)
    Danke für die Erklärung!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>