Politisch korrekter Umgang mit Jubelpersern

23. Juni 2009

In der Kunstwelt ist das Wirken des Jubelpersers schon seit Jahrzehnten unentbehrlich. In der aktuellen, weltpolitischen Situation ist es jedoch zweifelhaft, den Begriff des jubelnden Persers in den Mund zu nehmen. Iran war Persien und eigentlich sind Iraner auch Perser, wobei sich die Exilanten Perser und die im Iran Lebenden Iraner nennen. Eine verwirrende Situation. Aber was ist an Politik nicht verwirrend? So setzt unsere Ministerin für Familie, Jugend, Senioren und Volksmoral, Ursula von der Leyen, verstärkt auf Aktivierung des Jubelpersertums und alle Künstler, die seit langer Zeit dieses Aufmerksamkeitsinstrument bewusst fördern und einsetzen, finden hier eine Meisterin des echten und ungebremsten Jubeltums.

War bis gestern die Internet-Zensur das angesagte Jubelthema, wendet sich die Astralgestalt der Volksdemagogie nun der Bildungspolitik zu. Eiskalt rieselt ein Schauer über meinen Rücken, wenn ich beobachte wie schnell und locker sich politisch wichtige Themen auf Jubelniveau reduzieren lassen. Aus Sicht des Marketings habe ich Hochachtung – als mündiger und denkender Bürger wende ich mich angeekelt ab. Wenn Volkes Blickrichtung immer nur auf das Offensichtliche gerichtet wird, kann die sichtbare Oberfläche auf Hochglanz poliert werden und der weiter in der Tiefe liegende Unrat kann ungestört vor sich hin gären.

Was eignet sich dazu, an die Oberfläche gezerrt zu werden? Inhaltsschwere Themen, sei es in der Politik oder in der Kunst, sind für den schnellen Erfolg weniger geeignet, da der Jubel hierzu nur sehr schwer zu initialisieren ist. Der Jubelperser hat übrigens eine lange Tradition und schon in der Geschichte lässt sich zurückverfolgen, wie dieser funktioniert. Gegen Entlohnung ließ sich der Jubelperser zu Ausrufen der Entzückung hinreißen. In der Funktionsweise ist er die umgekehrte Form des Klageweibes. In früheren Jahren bestand die Entlohnung zumeist in Geld. Heute wird wesentlich subtiler gehandelt. „Jubelst Du für mich, dann jubele ich für Dich“, ist heute die gebräuchlichste Form. Analytisch betrachtet ist das sehr einfach: Verleihe ich Dir Glanz, dann verleihst Du auch mir Glanz. Aber was wäre die Weiterentwicklung aller Lebensformen – von Evolution mag ich jetzt nicht reden – wenn sich nicht auch an dieser Stelle eine Neuerung ergeben hätte. Die Neustrukturierung der Medien- und Kommunikationslandschaft hat etwas hervorgebracht, was nicht mehr den simplen Jubelregeln entspricht. Heute verleiht sich der Jubler selbst Glanz, wenn er einer Leitfigur zujubelt. So ist es in der Politik, in der Kunst und in fast allen anderen Bereichen des modernen Lebens. Wer Jubel gibt, wird Jubel ernten. Da hierzu die Masse erreicht werden muss, ist es unabdingbar ausschließlich massentaugliche Themen in den Jubelkreislauf zu bringen.

Politisch korrektes Verhalten gilt als eine Art Ehrenkodex. Alleine die Themen stellen so etwas wie ein Regulativ für das Korrekte dar. Um sicher zu sein, sich nicht die Finger an zu heißen Themen zu verbrennen, erscheint es angeraten, ausschließlich Oberflächlichkeiten zu bejubeln beziehungsweise kritische Meinungen dazu zu äußern. Ich bin mir nicht sicher, aber Opportunismus scheint Maßstab des politisch korrekten Verhaltens zu sein – in der Kunst, in der Politik und im normalen Leben. Das Jubeltum kann nur funktionieren, wenn der reibungslose Einsatz von Jubelpersern gewährleistet wird. Auf Grundlage der aktuellen Ereignisse im ehemaligen Persien schlage ich nun vor, den Jubelperser durch eine Gesetzesvorlage in einen neue Namensidentität zu bringen. Hier, werte Frau von der Leyen, sollten sie tunlichst und schnellstmöglich ansetzen! Einerseits benötigen Sie die Unterstützung der nun Namenlosen dringend für Ihre nächsten Medieneinsätze – andererseits benötigen alle Künstler im gleichen und wirtschaftlich begründeten Maß diese Unterstützung. Namenlose jubeln schlechter, so meine These. Lassen Sie, liebe Ministerin, uns gemeinsam eine neue Namensprägung initiieren, die politisch korrekt ist und gleichzeitig einen Wendepunkt in der Bildungspolitik markieren kann! Als ministeriale Speerspitze der Jugendfürsorge steht es Ihrem ministerialen Amt sicher gut zu Gesicht, der Sprachbildung unserer Jugendlichen eine Aufgabe zu geben. Wie wundervoll wäre es, wenn sich alle Jugendlichen an einem gesetzlich erwirkten Begriffsbildungsprozess beteiligen und Ersatz für den in Zweifel geratenen Begriff „Jubelperser“ erschaffen. Aber bitte, zensieren Sie gleich im Vorhinein Begriffsausprägungen wie „eh, voll der Jubler, eh“.

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Tradition der Inquisition – Hexen, Bücher, Internet

20. Juni 2009

Nach 20 Jahren Kampf gegen die Kinderpornografie im Internet, die mich mit tausenden anderen Künstlern verbindet, sehe ich mich jetzt am Politikpranger, zensiert und abgeurteilt. Wie zu vernehmen war, gehöre ich zum Kreis derer, die bald zensiert und gestoppt werden können. Nach der nun vom Bundestag verabschiedeten Gesetzgebung zur Internet-Sperrung – alleine diese Worte lassen Warnglocken in mir ertönen – stehe ich in der Sperrungsmatrix weit oben: Fotograf, Akt, PornArt, aktiver Internet-Nutzer, web2.0-Aktivist. Lies den Rest des Artikels »

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Paparazzi, nackte Promis und das Volk

19. Juni 2009

Die Gier des Volkes nach nackten Stars und Sternchen ist gigantisch. Dieter Bohlen mit Partnerin nackt am Badestrand, Thomas Gottschalk auf dem Feigenblatt-Sofa und vielleicht demnächst auch Sandy Meyer-Wölden mit nass-durchsichtigem Blüschen in der Fernsehshow – alles scheint der Neugier zu dienen. Ist es für das Volksempfinden wirklich wichtig, wenn einem bekannten Namen eine mehr oder weniger deutliche Nacktheit in einem Bild zugeordnet werden kann? Vielleicht ist die Einleitung dieses Artikels für einfache Gemüter etwas zu schwer. „He, willste nackte Bilder von …?“ Lies den Rest des Artikels »

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Werbung, Werbung und Kunst

18. Juni 2009

Heute ist ein spannender Tag für mich, weil die große Bildergalerie des Filmtests „Rollei UNIVERSAL“ bei Spürsinn ins Netz gegangen ist. Nun stehen meine Bilder neben den Bildern von Tilla und Vernon Trent. Mit Tilla verbindet mich ja mehr als nur die Fotografie und wir machen oft gemeinsam fotografische Streifzüge. Mit Vernon habe ich nun zum ersten Mal den direkten fotografischen Vergleich. Was uns drei verbindet, ist das Unternehmen „testet den U200“. Vollkommen klar, wir haben uns irgendwie gegenseitig angestachelt und sind immer extremer bezüglich Ausreizen des Filmmaterials geworden. Lies den Rest des Artikels »

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Wunder dauern etwas länger

16. Juni 2009

Mal wieder ein Filmtipp auf die Schnelle:

Auf ARTE+7 ist der Film “Wunder dauern etwas länger” zu sehen … leider nur noch wenige Tage. Wer sich 1 Stunde und 23 Minuten Zeit nehmen kann, sollte unbedingt diesen “kleinen” Film der “kleinen” Episoden und “kleinen” Seitenhiebe ansehen. Wäre das Wort “köstlich” nicht so abgedroschen, würde es hier passen.

Ich habe jedenfalls jede Minute genossen. Köstlich, in der Tat! Für mich einer der besten Filme mit aktivem Augenzwinkern seit Don Camillo. Aber seht selbst.

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Manchmal träume ich schwer

16. Juni 2009

Die Fotografie ist wie das Leben. Heiter, unbeschwert oder tiefgründig, emotional. Manche Bilder sind tragisch, andere schockierend, wieder andere zeigen Freude und Unbeschwertheit. Eigentlich dürfte dies nicht verwundern, weil Fotografie von Menschen gemacht wird und was liegt näher, als das Leben und dessen Emotionalitäten in all seinen Facetten abzubilden. Außerdem kommt eine wichtige Komponente hinzu: Mit der Linse kann nur das abgebildet werden, was vor der Linse passiert. Große Fotografen haben stets in ihren Bildern emotional geprägte Bild ihrer eigenen Sichtweisen einfangen können. Lies den Rest des Artikels »

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Die Bildgeschichte vom Großstadtleben

15. Juni 2009

Groß ist die Stadt, voller Menschen.
Wir leben und arbeiten in der Stadt.
Lieben wir auch in der Stadt?
Groß ist die Stadt, voller Menschen.

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Die Superlative in der Bildserie

12. Juni 2009

Ich bin nun schon sehr lange auf dem Fototrip. Tausende Bilder haben sich mit den Jahren angehäuft und ständige kommen neue hinzu. Auf der Suche nach dem optimalen Bild ist immer das Heutige besser als das Gestrige. Fotografen sind Süchtige und ständig bekommen wir neuen Stoff, der uns dann noch weiter treibt. Ganz ehrlich – es vergeht kaum eine Nacht, in der ich nicht von Bildern träume. Und gerade jetzt habe ich einen immer wiederkehrenden Traum: Der Rollei UNIVERSAL 200. Lies den Rest des Artikels »

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Schön war die Jugend

09. Juni 2009

Sommer 1974, ich erinnere mich noch sehr genau daran. Ich hatte meinem Vater die Voigtländer Bessamatic entwendet und sie für mein eigenes Entdecken der Welt in Besitz genommen. Seit diesem Sommer hat mein Vater die Kamera nie mehr wieder zurückbekommen. Einige Jahre später hat er sich revanchiert und mir die Leica M4-2 „entwendet“ und bis heute nicht mehr zurückgegeben. So ist das eben in einer fotobegeisterten Familie. Ansonsten haben mein Vater und ich fotografisch fast keine Gemeinsamkeiten. Er steht total auf Farb-Dia, ich hingegen mag die Schwarzweiß-Fotografie. Der Sommer 1974 bildet den Anfang dieser Liebe zum Schwarzweißen. Lies den Rest des Artikels »

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Nackt ist nicht scharf

08. Juni 2009

Wenn Bilder eine Geschichte erzählen sollen, müssen Fotograf und Darsteller diese Geschichte tatsächlich erleben. So habe ich es gelernt und so versuche ich zu fotografieren. Nicht ganz einfach, wenn man immer und überall Bilder im Kopf trägt. Wie kommen die Ideen zu den ganzen Bildern in den Kopf? Durch die Augen. Wie entstehen Geschichten? Durch Bilder, die Gedanken anregen. Nacktheit ist für uns heute normal geworden, weil Nacktheit immer Interesse erregt. Ich habe das Experiment gewagt, Nacktheit in den Hintergrund zu stellen und wollte den Reiz der stilvollen Kleidung in den Vordergrund rücken. Wie kam ich auf den Gedanken? Nun, überall springen uns mittlerweile nackte Tatsachen ins Auge, sorgen für eine Reizüberflutung und im Grund interessiert sich kein Mensch mehr für das, was im Überfluss geboten wird. Oder ist es doch ganz anders? Lies den Rest des Artikels »

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