Ahoi - Oder doch nicht?

140 Zeichen hin - 140 Zeichen her, es hilft alles nichts, das Thema ist zu umfassend und grundsätzlich auch viel zu wertvoll um nur in 140 Zeichen hin und her abgehandelt zu werden.

Am Montag habe ich eine unterstützende Unterschrift für die Piratenpartei in Hessen geleistet. Aus dem einfachen Grund: Wir brauchen (mal wieder) Bewegung in der Politik in Deutschland. Eine steife Brise kann da wirklich nicht schaden.

Meine Unterschrift bedeutet jedoch nicht, dass ich auch mit einem Kreuz bei den Piraten zur Wahlurne schreiten werde, zu unausgegoren sind mir bisher die erstrebten Ziele der Freibeuter.

Mein persönlicher Stein des Anstoßes: Die Piratenpartei fordert eine Veränderung des Urheberrechts.

In den verschiedenen Diskussionen ist mir aufgefallen, dass Urheberrecht und Nutzungsrecht gern in einen Topf geworfen werden. So rennt die Information durch die Presse, dass in den USA eine alleinerziehende Mutter fast 2 Millionen Dollar Strafe zahlen soll, weil sie illegal Musik aus dem Internet gezogen hat. Die USA hat zwar ein anders lautendes Urheberrecht als wir hier in Deutschland, nichtsdestotrotz ist die Entscheidung des Geschworenengerichts nicht auf Basis eines Urheberrechts getroffen worden, sondern weil der/die Inhaber der Nutzungsrechte geklagt haben.

Und ich muss ehrlich sagen, wenn ich falsch parke, muss ich meinen Strafzettel auch bezahlen. Auch, wenn ich das Schild nicht gesehen habe. Dummheit schützt vor Strafe nicht. Ob die Höhe der Strafe gerechtfertigt ist oder nicht, soll aber nicht Inhalt der Diskussion sein, die ich an dieser Stelle anstrebe. Nur so viel sei gesagt - sollte eine Zahlung der Strafe erfolgen, so wird der/werden die Künstler davon nichts zu sehen bekommen - er hat/sie haben  die Nutzungsrechte verkauft.

Und da kommen wir auch schon zum Casus Knaksus springenden Punkt. Wenn ich ein Bild verkaufe, verkaufe ich das Bild. Nicht mein Urheberrecht, das ist in Deutschland auch gar nicht möglich. Der Käufer des Bildes darf jetzt mit dem Bild machen, was er will. Er kann es mit ins Bett nehmen, an die Wand hängen, es feierlich verbrennen oder mit Gewinn weiterverkaufen.  Von dem Überschuss sähe ich in diesem Fall keinen Cent. Ist ja auch in Ordnung so. Er darf es jedoch nicht vervielfältigen und dann die einzelnen Bilder verschachern - in diesem Moment greift mein Recht zu sagen “Das will ich nicht”. (Jetzt mal unabhängig vom kommerziellen Aspekt gesehen.) Es ist das Recht des Urhebers bestimmen zu können, was mit seinem geschaffenen Werk passiert. Und es ist das Recht des Urhebers, Rechte an der Verwertung zu vergeben. Letztendlich lebt er genau davon. Wenn der Käufer nun ein ganz sympatischer Mensch ist, der das Bild auf Geburtstagseinladungen drucken will, weil er es so toll findet, dann kann er mit mir darüber reden und verhandeln. Ich kann es ihm erlauben, ich kann ihm für diese Erlaubnis Geld abknöpfen, wenn ich will, oder ganz einfach begeistert sein, dass er mein Schaffen verbreiten will und mich daran freuen. Wie auch immer ich dieses Nutzungsrecht regele, ist meine Sache, meine Angelegenheit. Das Recht des Urhebers.

Jetzt kommt die Piratenpartei und will mir dieses Recht beschneiden. Die Argumente, die sie bringen, beziehen sich aber meiner Meinung nach auf die Art und Weise wie die Verwertung geistigen Eigentums gehandhabt wird.

Liebe Leute, das Urheberrecht ist nicht schuld daran, wenn Plattenlabel ihre CDs gegen Kopien schützen. Es liegt in ihrem wirtschaftlichen Streben, so viele CDs wie möglich zu verkaufen, denn sie haben Geld eingesetzt, das sie wieder heraushaben wollen und sie müssen einen Teil des Geldes auch an den Künstler abtreten, der ihnen das Nutzungsrecht/Verwertungsrecht für seine Musik verkauft hat, damit er etwas zu beißen hat. Ob es nun unsinnig erscheint, dies über einen Kopierschutz zu erwirken oder nicht - das steht nicht zur Debatte.

Das Urheberrecht ist auch nicht schuld, wenn eine Verwertungsgesellschaft horrende Zahlungen für öffentliche Konzerte verlangt. Nicht umsonst läuft zurzeit eine e-Petition, die das Verhalten der GEMA zum Inhalt hat.

Und wenn ein Fotograf von Lebensmitteln arme Blogger verklagt, weil sie seine Bilder unerlaubt auf ihren Rezeptseiten zeigen, dann ist daran auch nicht das Urheberrecht schuld. Der Fotograf nutzt einzig und allein aus, dass so viele Leute meinen, wenn etwas im Internet steht, dann kann man es sich einfach so nehmen. Er kann so handeln, weil er neben dem Urheberrecht das Nutzungsrecht an seinen Bildern hat.

Verkaufe ich das Nutzungsrecht an einem Bild exklusiv an ein Unternehmen und findet dieses Unternehmen das entsprechende Bild woanders, dann muss ich erstmal beweisen, dass ich mich an die Absprache der Exklusivität gehalten habe. Das Unternehmen als Inhaberin des Nutzungsrechtes, das es ja von mit gekauft hat (zur Erinnerung, damit ich meinem Bäcker die Brötchen bezahlen kann) zieht dann gegebenenfalls gegen den, der das Bild “gezogen” hat vor den Kadi. Nicht ich.

Wenn ich die Piratenpartei richtig verstanden habe, dann möchten sie gerne, dass Kultur für alle zugänglich und umsonst ist. Sie haben sich u.a. die Förderung der Kultur auf die Flagge geschrieben.

Die Frage, wovon denn dann die Kulturschaffenden leben sollen, wurde allerdings noch nicht zu meiner Zufriedenheit beantwortet. Und warum mein Recht zu entscheiden, was mit meinen Werken passiert, beschnitten werden soll, erschließt sich mir auch noch nicht. Fakt ist - Kunst muss finanziert werden. Künstler müssen finanziert werden. Wie sollen sie sich selbst finanzieren, wenn ihnen die Grundlage entzogen wird?

Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht.

Hier ist plötzlich die Rede von Verwertungsrechten. Richtig! Auch ich bin nicht einverstanden, wie mit bestimmten Verwertungsrechten (Nutzungsrechten) umgegangen wird. Aber deswegen muss ich doch kein Urheberrecht ändern?

Als Fotografin mache ich u.a. freie Langzeitprojekte. Ich stecke Zeit und Geld in diese Projekte. Wenn ich ein solches Vorhaben abgeschlossen habe, bedeutet das nicht gleichzeitig, dass jetzt der Rubel rollt, ich muss noch mehr Zeit und Geld in die Kommerzialisierung stecken. Wenn ich von Langzeitprojekten spreche, dann bedeutet das tatsächlich Langzeit. Jahre. Bis Geld fließt (wenn überhaupt) können durchaus noch ein paar Jahre mehr vergehen.

Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein.

Unter diesen Umständen wäre ich gezwungen, nur noch lukrative und schnelle Projekte zu machen. Ohne Anspruch, denn Anspruch dauert und kostet. Und ich bin nur ein kleines Licht von vielen unter Heerscharen von Schriftstellern, Musikern, Fotografen…… wie war das also mit der Förderung und Erhaltung der kulturellen Werte?

Liebe Piratenpartei. Ich würde Euch wirklich gerne wählen. Also seid so gut und setzt Euch mit dem Thema Urheberrecht noch einmal gründlich auseinander. Fragt Kunstschaffende, Kulturschaffende nach ihrer Meinung, ihren Erfahrungen und Ansichten. Nutzt die Chance und fragt Eure Wähler in spe, wie der richtige Weg aussehen könnte.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf zwei Beiträge einer Musikerin zu diesem Thema hinweisen. Karan bringt sehr gut weitere und ähnliche Gedanken zu Papier Blog. :)

Ich habe diesen Beitrag auf die in meinen Augen wichtigsten Aspekte verkürzt und ihn vereinfacht., weil ich es als kontraproduktiv erachte, seitenlange Abhandlungen zu bloggen, die einzig meine Meinung widerspiegeln. Lieber wäre mir eine Diskussion zu dem Thema, gerne auch von den Piraten :)

Sparbrötchen, die alles klasse und Geiz geil finden, die nicht bereit sind, für die Leistung anderer zu zahlen  und diese Meinung hier unflätig zum Besten geben wollen, werden gelesen, unter der Rubrik “die Stimme des einfältigen Volkes” abgelegt und nicht freigeschaltet. Also spart Euch unflätiges Gebahren, denkt eine Runde drüber nach und postet dann sinnvolle Argumente.

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95 Antworten zu “Ahoi - Oder doch nicht?”

  1. myers Sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele, gut argumentiert! Leider wird die “Kulturflatrate” immer wieder gerne als Köder für Wähler genutzt, letzten Endes schadet Sie mehr als sie nutzen kann.

  2. aebby Sagt:

    stimmt das waren ein paar Zeichen mehr als 140 ;-)

    Ich wollte zu dem Komplex auch noch was schreiben bin aber angesichts der Komplexität des Themas noch nicht dazu gekommen. Es wäre schon viel gewonnen wenn die Begriffe sauber verwendet werden würde. In den meisten Fällen geht es nämlich - wie Du schreibst um - Nutzungs- und Verwertungsrechte.  Genau genommen müssen die Prinzipien der Nutzungs- und Verwertungsrechte auf den Prüfstand, das ist manches in der Schieflage (siehe gema petition).

    Einen Aspekt (bildende Künste) hast Du schon angesprochen, da stimme ich Deinen Aussagen  insbesondere auch zu.  Bei anderen Themen (Ergebnisse geförderter  wissenschaftlicher Arbeit) sieht die Sache ganz anders aus. Wenn aus Staatsmitteln Forschung finanziert wird sollten die Ergebnisse auch der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Die gängige Praxis der automatisierten Verwertungsrechtsysteme nimmt mir als Wissenschaftler genaugenommen sogar meine Urheberschaft ab.  Damit könnte ich gut leben, wenn die Ergebnisse danach frei wären - sind sie aber nicht. Die wissenschaftlichen Verlage bauen extrem hohe monetäre Zugangshürden und verhindern die Öffentlichkeit der Ergebnisse.

    das mal nur so als erste Gedanken, ich muss da noch viel drüber nachdenken.

  3. Johannes Müller Sagt:

    Ich hab’s gerade bei Karan geschrieben und möchte es hier einfach nochmal wiederholen.

    Ich denke, gerade da es in den Fragen zu Urheberrecht anscheinend für bestimmte Bereiche noch Überdenkungsbedarf gibt wärst du in der Piratenpartei wichtig. Wir sind nun mal aus dem Bereich der IT und haben auch von daher unser Wissen. Daher brauchen wir auch das Wissen aus den anderen Bereichen, jedoch, wenn alle wie ihr sagen: “Noch wählen wir euch nicht, ändert da erst was” wird sich kaum was ändern, da das Wissen einfach nicht vorhanden ist. Wenn ihr allerdings gerade in der jetzigen Findungsphase sagt: “Ich steig ein, diskutier mit und ändere was” ist die Chance groß genau die Änderungen zu bekommen, die ihr anmerkt.

    Noch kann am Grundsatzprogramm einfacher gefeilt werden, später könnte es zu spät sein und wir hätten - nicht nur auf diesem Gebiet wertvolle - Parteimitglieder nicht bekommen.

    Johannes

  4. sylvio Sagt:

    Hallo Tilla,

    sieh es doch einfach als Deine Aufgabe am Urheber- und Nutzungsrecht mitzuarbeiten und unterstütze die Piraten aktiv ;)
    Das die ganze Geschichte auch anders laufen kann sieht man hier:
    http://www.intro.de/news/newsticker/23046027/radiohead-thom-yorke-ueber-verkaufszahlen

    lg
    Sylvio

  5. jemand Sagt:

    Du scheinst dich ja auszukennen, vorallem weil du in dem Gebiet arbeitest. Warum hilfst du den Piraten nicht mit deinem Know-How? Sie wollen eine Ausgleich zwischen Konsumenten und Schaffenenden finden. So passiv riskierst du, dass alles, nur nicht was du willst, dabei herauskommt.
    Soweit ich weiß machen die gerade eine Arbeitsgruppe “Vergütung” auf, die sich damit beschäftigen soll, also feste Punkte ausarbeiten. Das wär doch was, wo du mitmachen könntest!

  6. Tilla Sagt:

    @myers
    Über die Kulturflatrate muss ich glatt nochmal recherchieren. Aber wenn sie so aussehen soll wie sie klingt, dann gruselt es mich bereits jetzt schon ;)

    @Aebby
    Wissenschaft ist Dein Spielplatz :) Deine Gedanken zu den Verwertungsrechten in dem Bereich interessieren mich sehr!

    @johannes und jemand
    Was mache ich denn hier? Ich mache mir Gedanken und veröffentliche sie. Das ist doch schon mal ein Anfang, oder? Als “passiv” würde ich das nicht unbedingt bezeichnen wollen.

    @sylvio Ich weiß gar nicht, warum Du das Beispiel radiohead hier anführst - ich habe doch oben den Unterschied zwischen Urheberrrecht und Verwertung erklärt?

  7. Matthias Sagt:

    Hallo Tilla,

    danke für deine Ausführungen. Ich bin in einer ähnlichen Situation wie du. Auch ich sehe hier einen Diskussionsbedarf, um zu einer guten Lösung zu kommen.

    Einerseits bin ich für die Reformierung der Verwertungsrechte, da es so, wie es gerade läuft, einfach nicht mehr funktioniert. Andererseits gehöre ich keineswegs zu den Leuten, die daraus den Schluss ziehen, das Urheberrecht gehöre abgeschafft (so raidkal sieht das die Piratenpartei übrigens auch nicht).

    Mein Entschluss daraus war, der Piratenpartei beizutreten.
    Zum einen, weil ich sie als einzige Alternative sehe, die momentan noch Wert auf den Erhalt von fundamentalen Grundrechten legt und dies kompetent in die heutige Zeit transportiert (Internet etc.), andererseits, weil ich in dieser jungen Partei durchaus noch Potential zur Mitgestaltung eben solcher Themen wie dem Urheberrecht sehe.

    Ich denke ebenso wie einige meiner Vorredner, dass es nicht die schlechteste Idee wäre, wenn du den Piraten beitreten würdest. Genau so Leute brauchen wir, um zu einer guten Lösung zu gelangen. Am Ende ist es aber natürlich deine Entscheidung und ich würde es ebenso nachvollziehen können, wenn du das für dich ausschließen würdest (weil ich anfänglich aus den selben Gründen gezögert habe).

  8. Yuri Sagt:

    Ich finde es auch wichtig, da die Meinung von vielen Kuenstlern/Schaffern aus den utnerschiedlichen Bereichen zu hoeren - man kann sich ja nicht ueberall auskennen. Dass du das hier oeffentlich schreibst, ist imho ein guter Einstieg fuer eine Diskussion. Allerdings sei auch angemerkt, dass man bei den Piraten auch ganz ohne Mitgliedschaft mitdiskutieren und gegebenenfalls auch mitarbeiten kann [z.B. im Wiki oder auf der ML]. Das soll jetzt keine Aufforderun sein à la “wenn du nicht mitarbeiten willst, halt die Klappe” - sondern nur ein Anstoss. Ich denke, das wuerde da nicht auf taube Ohren stossen.

    Zur Geltungszeit von Rechtsanspruechen sei gesagt, dass man das meines Erachtens 1. nicht fuer alle Gebiete gleichermassen pauschalisieren kann [Spiele und Filme sind nach fuenf bis zehn Jahren passé; Buecher, Musik etc. nicht unbedingt] und 2. eine “Verkuerzung” ja nicht unbedingt heissen muss, dass man in den ersten drei Jahren saemtliche Gewinne einfahren muss. Meines Wissens ist es aber so, dass auch noch lange nach dem Tod [70 Jahre?] noch Ansprueche geltend gemacht werden koennen… und das finde ich zu lange.

    Wenn ich tot bin, brauche ich mit meiner Arbeit nichts mehr zu verdienen und ich finde es auch nicht unbedingt gerechtfertigt, dass dann meine Erben quasi auch noch ihr ganzes Leben davon ernaehrt werden. Ist bei anderen Leuten ja auch nicht so - ausserdem: Welches ‘Recht’ haetten sie denn darauf? Sie haben dafuer nichts geleistet, also steht ihnen prinzipiell erstmal auch nichts zu. Finde ich jedenfalls.

    Ansonsten finde ich schon, dass es sinnvoll ist, das Recht auf Privatkopie 1. ueber einen vorhandenen Kopierschutz zu stellen und 2. auch auf das Internet, also Filesharing, auszudehnen. Denn nichts anderes ist es im Grunde ja - Filesharer verdienen schliesslich kein Geld daran, Dateien zu tauschen. Fuer kommerzielle Nutzung sollte hingegen auf jeden Fall etwas bezahlt werden muessen.

    Zu den anderen Punkten und wie genau dann die adaequate Verguetung der Kuenstler gewaehrleistet oder zumindest erreicht wird, muss ich mir - und muss sich wahrscheinlich auch insgesamt - noch Gedanken machen/gemacht werden. Aber erstmal ueberhaupt einsehen, dass hier was veraendert werden muss, ist doch auch schon mal was. Denn Filesharing ist sowieso Realitaet; da finde ich es produktiver, zu versuchen, eine Loesung zu finden anstatt auf Biegen und Brechen an der alten Verwertungsart, die so nun mal nicht unbedingt auch auf’s Netz uebertragbar ist, festzuhalten.

  9. alexander Sagt:

    Und wo ist das Problem wenn eine Privatperson für seine Privatwebseite eines deiner Fotos ungefragt kopiert? Es entsteht dir kein Schaden. Natürlich entsteht dir auch kein Nutzen, aber ich habe extra “Privat*” geschrieben um deutlich zu machen, dass der Person dadurch auch kein finanzieller Nutzen entsteht. Das kopieren digitaler Medien zu nichtkommerziellen Zwecken muss erlaubt sein. Ggf. verbunden mit einer gesetzlichen Pflicht zur Nennung der Quelle, bei Inhalten, deren Schöpfer nicht offensichtlich ist.Es ist einfach lächerlich, wenn, wie von dir beschrieben, Leute verklagt werden, weil sie Bilder von irgenwelchen Lebensmitteln, die sie nicht selbst fotographiert haben, auf ihren Privatseiten zur Schau stellen.
    Genauso ist es lächerlich, dass Privatleute verklagt werden weil sie sich Lieder aus dem Netz runterladen. Wer glaubt, dass ein Künstler gute Arbeit macht, der wird ihn auch weiterhin finanziell unterstützen, selbst wenn die Privatkopie digitaler Medien erlaubt ist.
    Vielleicht ist ja auch die Annahme, dass man mit Kunst unbedingt Geld verdienen muss etwas vermessen.

  10. Oli Sagt:

    @Yuri
    Ich muss da jetzt leider mal einhaken - auch ich bin kein Freund der großen Klagewellen aber die komplette Legalisierung von Filesharing und die Kulturflatrate finde ich völlig danaben.
    Ich höre kein Mainstream und Kulturflatrate macht genau wie Gema Umlagen und Co nur wieder die großen fett. Ich bin durchaus bereit für die Nutzung von Kunst zu bezahlen - allerdings einen angemessenen Preis und auch nur EINEN Preis! Wenn ich die Meldung dieser Woche wieder sehe, krieg ich einen Vogel - wieso muss ich beim Kauf eines USB Stick oder einer Festplatte Geld an die VGs bezahlen? Ja ich habe MP3 auf meiner Festplatte, allerdings zu 99% stehen dazu die Silberlinge in meinem CD Regal und dafür habe ich bezahlt. Und die meisten Speichermedien sind bei mir voll mit eigenen Daten, an denen ich die Rechte halte - wieso zahle ich dafür?

    Ich bin daher ganz klar für ein eng gefasstes aber vorhandenes Recht auf die Privatkopie, welche aber mit dem Kaufpreis des Ursprungsmediums abgegolten zu sein hat und auch nicht durch technische Maßnahmen verhindert werden darf. Und das dann bitte zu einem fairen Preis - 17,95 für eine CD aus den 80er Jahren ist für mich nicht mehr fair.

    Oli

  11. MatthyK Sagt:

    Was die Piraten antreibt ist ein weit verbreitetes Gefühl der Ungerechtigkeit - obiges Beispiel aus den USA macht das ja recht anschaulich. Wenn hier der Bereich Urheberrecht genannt wird, ist übrigens der ganze Komplex aus Nutzungsrechten/Urheberrechten gemeint - auch wenn das juristisch nicht an jeder Stelle exakt ist.

    Die Piratenpartei will jedenfalls auf gar keinen Fall, die Ungerechtigkeit, die derzeit hauptsächlich die “Nutzer” erleben, durch eine Ungerechtigkeit ersetzen, die von den Künstlern gefühlt wird. Letztendlich wird ein fairer Ausgleich angestrebt, der aber aufgrund der technischen Möglichkeiten und Veränderung der Nutzungsgewohnheiten neu definiert werden muss. So ein Ausgleich kann am Ende auch so aussehen, dass sowohl die Rechte der Nutzer als auch die der Künstler gestärkt werden - auf Kosten der Verwerter natürlich.

    Innerhalb der Partei gibt es durchaus verschiedene Ansichten dazu, aber ich meine die Konsenslinie verläuft hier eindeutig in der Unterscheidung zwischen privater und gewerblicher Nutzung. Ich selbst finde z.B., dass meine private Nutzung von Kulturgütern niemanden (Staat, sog. Rechteverwerter, usw.) etwas anzugehen hat. Wer dies kriminalisiert, muss im Umkehrschluss nämlich auch dazu bereit sein, dies zu überwachen.

    Ich möchte dich - wie schon einige Vorposter - dazu ermuntern, dein Know-How bei uns einzubringen, so dass die ganze Thematik auch aus einem anderen Blickwinkel heraus beleuchtet wird.

  12. Tilla Sagt:

    @alexander
    Du hast Recht! Ich finde es auch vermessen, dass mein Autoschrauber Geld für seine Arbeit will, denn schließlich nutze ich mein Auto privat. Und es ist unverschämt, dass er mir ein Inkassobüro auf den Hals hetzt, nur weil ich seine Rechnung nicht bezahle. Grundsätzlich ist es vermessen, eine Ausbildung zu machen, weil man damit Geld verdienen will, es ist unverschämt, sich Equipment und Know How anzuschaffen, um damit Geld zu verdienen…..

    Leute, denkt doch mal nach! Nur weil Kunst ein Gut ist, dass man nicht zwingend zum Leben braucht, bedeutet das doch nicht, dass man sie nicht bezahlen muss?

  13. Michael K. Trout Sagt:

    Gute Diskussion und wichtiges Thema!

    Die Begriffe Kunst und Künstler haben stets einen Bezug zur Kunstausübung und Verdienstmodell. Aus meiner Sicht ist deutlich zu unterscheiden, ob es sich hier um eine “Sache” des öffentlichen Interesses dreht, oder nur zur eigenen Erbauung erstellt wird. Dies jedoch per Gesetz zu regeln, halte ich für ein unhaltbares Abenteuer.
    Warum dieser Einschub?
    Weil wir in der Diskussion endlich vom Einzelschicksal wegkommen müssen und das Ganze aus der Vogelflugperspektive ergründen müssen!

    Vorlagen für eine funktionierende Kopier- und Nutzungsregelung gibt es bereits einige. So kann ich VG Wort anführen. Das Urheberrecht bleibt gewahrt, die Nutzungsmöglichkeiten sind frei, die Entlohnung ist geregelt. Solche Modelle sind in meinen Augen in vielen Bereichen anwendbar … aber nicht in allen.

    Ich denke, es muß endlich die Pauschalisierung des Geistigen Gutes aufgehoben und durch Segmente neu definiert werden. Unser Recht stammt aus einer Zeit, in der es eine Vielzahl der heute zu Verfügung stehenden Medien noch gar nicht gab - zudem kamen viele Ausdrucksformen neu hinzu. Daran zu arbeiten wäre eine große Aufgabe, aber auch gleichzeitig ein großer Schritt in die Zukunft.

    Recht darf nicht permanent durch Beugung angepasst werden, sondern muß sich in die Zukunft entwickeln. Politische Bewegungen, die diese Chancen aufgreifen, gehen nicht den leichten und schnelle Weg, aber schaffen das Nachhaltige im Sinne der demokratischen Ausgestaltung. Ja, das Ganze muß in die demokratische Struktur passen … heute habe ich nicht das Gefühl, daß Zwangsmitgliedschaften wie z.B. Kammerzugehörigkeiten diesem Grundsatz folgen. Da wird zwar eine Interessenvertretung vorgegaukelt, aber nicht gelebt. Angesichts dessen, ist der Kammerzwang nicht mit unserer Demokratie verträglich.
    Was haben nun die Kammern mit dem Urheberrecht zu tun?
    Einfacher Umkehrschluß: Interessenvertretungen müssen die Interessen der Mitglieder vertreten. IHK, HWK, GEMA … usw. müssen … ja, was müssen sie eigentlich …
    Hier muß der Besen angesetzt werden!
    Wir befinden uns in einem Wust von fehlgeleiteten Begrifflichkeiten und Zugehörigkeiten. Die politische Stelle, die eine Diskussion hierüber in Bewegung setzt und sich lernend den Realitäten stellt, wird der Gesellschaft von großem Nutzen sein. Das ist gut strukturierte und anwendbare Politik!
    Schauen wir mal, wie das weiter geht.

  14. Sam Sagt:

    @alexander
    Stell Dir vor, ein Fotograf macht ein richtig gutes Foto! Sehr viele wollen das gerne an der Wand hängen haben, sind also bereit, dafür Geld zu bezahlen.

    Stell Dir weiterhin vor, alle privaten Webseiten dürften das Foto nutzen.

    Wenn das Bild auf zigtausenden Webseiten zu sehen ist, glaubst Du wirklich, dass sich das dann noch jemand für viel Geld an die Wand hängt?
    Verliert das Bild nicht an Wert, wenn bei Neureichs jemand nach Hause kommt, das Bild sieht, und sagt “ach das. Hab ich schon auf zig Webseiten gesehen, kanns langsam nicht mehr sehen”.

    Anzunehmen, dass “eine private Kopie nicht weh tut”, ist sich blind stellen aus Gier und Geiz heraus.

  15. Yuri Sagt:

    @Oli: Wo habe ich was von Kultur-Flatrate geschrieben? Ich bin gegen die Kultur-Flatrate!

  16. Yuri Sagt:

    @Sam: Also ist die Mona Lisa weniger wert, weil wir alle die schon zig tausend mal irgendwo gesehen haben - oder wie soll ich das verstehen?

    [Sorry fuer den Doppelpost.]

  17. Kritiker Sagt:

    Der Kochbuchfotograf ist alles andere als ein seriöser Mensch. Hier wurden gezielt ein urheberrechtlich geschützte Bilder in Suchmaschinen nach oben gepushed damit diese kopiert werden und er dann über Klagen sein Geld verdient.
    Warum war eigentlich kein Hinweis auf den Urheber auf den Bildern?

  18. Tilla Sagt:

    @Kritiker Es geht nicht um die Seriösität dieses Menschen und es geht auch nicht um die Mechanismen, die er genutzt hat. Er hatte, so bitter das manchem aufstoßen mag (übrigens auch mir) das Recht so zu handeln.
    Und nach deutschem Urheberrecht musst Du keinen Hinweis auf die Bilder machen.

  19. MatthyK Sagt:

    @Tilla:
    Das Beispiel des Autoschraubers hinkt in dem Zusammenhang natürlich in vielerlei Hinsicht. Dass du für Bilder, die du für einen Auftraggeber gemacht hast, gemäß Vertrag bezahlt wirst, ist etwas, dass kein Pirat der Welt jemals verändern wollen würde.

    Die interessante Frage ist doch, wie weit die Kontrolle über die so in Umlauf gebrachten Inhalte gehen soll und darf. Um mal beim hinkenden Beispiel zu bleiben: Darf der Autoschrauber verlangen, dass der von ihm reparierte Wagen in Zukunft nur noch an bestimmten Tankstellen betankt werden darf?

  20. aebby Sagt:

    @all … ich lerne gerade dass in der Diskussion sauber zwischen Medien, Erstellungs- und Verwertungsprozess differenziert werden muss. So weit ich es gerade sehe sind manche der angedachten Lösungen (z.B. Kulturflatrate)  immer nur für einen Ausschnitt des Problems passend - ich gehe mal wieder weiter nachdenken.

    @MatthyK … interessanterweise ist das Beispiel mit dem Autoschrauber vielleicht gar nicht so fiktiv. In den USA wird gerade der “Repair Act” diskutiert, in dem es gerade darum geht ob der “Urheber” vorschreiben darf wo und ob das Auto repariert werden darf.

  21. Tilla Sagt:

    @MatthyK Der Vergleich hinkt hier nicht, denn er bezog sich einzig auf die Tatsache, dass es Menschen gibt, die meinen, Künstler hätten kein Recht von ihrer Tätigkeit zu leben. ;) Für Den Tankstelleneinwurf benötige ich ein bisschen mehr Zeit - Antwort kommt später.

  22. MatthyK Sagt:

    @Sam:
    Du gehst davon aus, dass ein Geschäftmodell, das auf künstlicher Verknappung (der Rechteinhaber ist als einziger berechtigt, Kopien herzustellen) beruht, das einzig funktionierende ist.

    Meiner Meinung nach, ist dieses Geschäftsmodell so oder so ein Auslaufmodell, denn wenn es nicht Kopien sind, dann ist es früher oder später der sogenannte nutzergenerierte Content (ohne kommerzielles Interesse), der euch die Preise kaputtmachen wird. Wer sich nicht heute schon für alternative Geschäftsmodelle offen zeigt und alleine auf seine “Rechte” vertraut, dürfte es in Zukunft immer schwerer und schwerer haben.

    Es wäre sicherlich gut, wenn man mehr darüber diskuttieren würde, wie solche zukunftssicheren Geschäftsmodelle aussehen könnten, anstatt darüber, wie der status quo bewahrt werden kann. In der Piratenpartei gibt es sicherlich ein großes Interesse daran, solche Diskussion zusammen mit Urhebern, Künstlern und Autoren zu führen.

  23. Tilla Sagt:

    @MatthyK
    So. Aber nun :) Mein Schaffen ist ganz eng mit mir als Person verbunden. Was ich erschaffe, kann kein anderer in dieser Art erschaffen. Mein Werk trägt mich in sich. Das Urheberrecht ist ein Persönlichkeitsrecht - mit ihm wird dem geistige Schaffen einer Person Rechnung getragen. Verkaufe ich ein Bild, bin ich natürlich schon daran interessiert, in welchem Maße es verbreitet wird und, was noch viel wichtiger ist, in welchem Zusammenhang. Denn dieses Bild ist mit meiner Person verbunden. Deswegen habe ich das Recht zu sagen, dass mein Bild nicht als Farbkopie auf einer Werbebroschüre für z.B. die NSDAP landen darf. Auch wenn der Obermufti das Bild bei mir erworben hat - er hat nicht das Recht der Vervielfältigung erworben.
    Die Persönlichkeit des Autoschraubers dagegen ist in den seltensten Fällen so eng mit einer Tankstellenmarke verknüpft, dass er bestimmen dürfte, an welcher Tankstelle das von ihm reparierte Auto seinen Sprit bezieht. Dem Autoschrauber als Person entstehen keine Nachteile, wenn bekannt wird, dass ein von ihm repariertes Auto bei einer Tankstelle betankt wird, die nicht seine bevorzugte ist.

  24. Tilla Sagt:

    Und nochmal @MatthyK
    Ich als Rechteinhaber kann doch das Nutzungsrecht, das ich vergebe, auf Vervielfältigung ausweiten, wenn ich eine künstliche Verknappung nicht gut heiße? Ich kann doch mein Geschäftsmodell so entwickeln, wie ich es für meine Sache als gut und richtig erachte?
    Aber mir muss doch selbst überlassen sein, ob ich mein Werk verkaufe und zu welchen Bedingungen oder ob ich es verschenke oder wie auch immer?

  25. Sam Sagt:

    @Yuri, Gute, aber schwer zu klärende Frage, im Falle der Mona Lisa, also ob sie durch vielfältige Abbildung eher weniger oder mehr Wert ist - allerdings handelt es sich dabei um kein Foto, entsprechend hinkt der Vergleich etwas.
    Hier müsste man eher überlegen ob die Mona Lisa durch Replikate an Wert verliert, nicht durch Abbildung.

    @MattyK ich sehe es wie Tille: sollte es nicht im Ermessen des Urhebers liegen, welches Geschäftsmodell er für seine Werke nehmen will?
    Falls Du recht hast, und das Model der Verknappung ist wirklich ein Ausläufer, dann werden mehr und mehr Künstler auf ein wie auch immer aussehendes, besser funktionierendes Modell umsteigen, und das Modell der Verknappung erledigt sich von ganz alleine.
    Sollte das nicht der Weg sein: den Markt entscheiden zu lassen, welches Modell Zukunft hat, statt künstlich ein funktionierendes zu beenden, weil man glaubt, ein anderes wäre besser?

  26. Sam Sagt:

    (oops, sorry, Tippfehler, “Tilla” natürlich)

  27. RLP-Pirat Sagt:

    Du denkst, du kannst das Internet aufhalten?

    Sorry, das Internet ist dafür geschaffen worden, Daten zu tauschen und zu vervielfältigen.

    Die Kontrolle, die du dir wünschst, gibt es nur mit massiver Überwachung. Und die wollen wir nicht.

    Warum soll der Staat (Gesetzgeber) außerdem dein Geschäftsmodell aufrecht erhalten? Abgesehen davon, dass dies nur mit massiver Überwachung gehen würde, ist es schlicht nicht seine Aufgabe.

    Willkommen in der digitalen Revolution!

    Piraten stehen für einen Staat, der Fortschritt fördert und nicht den Stillstand wegen der Befindlichkeiten einiger weniger mit Macht durchsetzt. Piraten wollen Gesetze, die sich an der Realität orientieren und die Chancen der digitalen Revolution nutzen und nicht behindern!

  28. Michael K. Trout Sagt:

    In den 1980er Jahren gab es eine rege Diskussion darüber, wie weit der Kulturbetrieb gehen darf und was eigentlich Kunst ist. Diese Erörterung steht aus meiner Sicht weit hinten, weil zunächst geklärt  werden muß, wie mit geistigem Gut umzugehen ist.
    Es ist übrigens vollkommen egal, ob ein (c)-Zeichen angebracht wurde oder nicht. Bertone ließ gerne die von ihm entworfenen KFZ-Teile mit seinem Namenszug schmücken und Colani wachte eifersüchtig über seine Werke und bekämpfte Kopien. Beide Aufgeführten waren Industriedesigner - Auftragskünstler - Urheber - geniale Querdenker. Und sich wachten beständig über die Verwendung ihres Schaffens. Trotz Entlohnung!

    By the way … wenn es eine Kultur-Flatrate gibt, dann muß die Flatrate auch den Lebensunterhalt der Künstler bezahlen. Ich stelle mir das gerade sehr spaßig vor: Künstler kommt in den Laden und bezahlt mit seinem Künstlertum (z.B. gutem Namen).

    Wertsteigerung durch Verknappung? Natürlich, das ist in der Kunst ein gutes Mittel. Warum soll das verwerflich sein?

    Warum wird in Bezug auf die Kunst immer von einem Geschäftsmodell gesprochen? Kunst ist ein Geschäft => richtig; aber ein Modell setzt auf das permanent Wiederkehrende auf => trifft auf Kunst nicht zu.

    Das Mona Lisa-Beispiel wird auch immer wieder gerne genommen. Kopien sind weniger wert, das Original ist unbezahlbar. Entstanden ist das Bild auf einer nicht kopierbaren Basis. Häää, wird mancher fragen. Klar, “jede” kann das Bild abmalen oder fotografieren und dann vervielfältigen. Aber dann ist es eben keine Kopie im Sinne der Ausführungsgleichheit und somit automatisch weniger bis gar nichts wert. Ich für meinen Teil bin dazu übergegangen, meine Bilder auf speziellem Papier mit Echtheitssiegel zu verkaufen. Ein Teil meiner Bilder stehen zur Ansicht auch im Internet. Wer sich die kleinauflösenden Dinger ausdrucken möchte, kann es tun. Aber das Echte gibt es nur in einer definierten Ausführung und Stückzahl. Somit schütze ich auch die Käufer meiner Bilder. Hier sind wir dann an einem entscheidenden Punkt angekommen: Auch der Künstler muß dafür Sorge tragen, daß seine Kunden (Käufer) und ihre Investition geschützt werden. Ein weiterer Aspekt zur Diskussion!

  29. Michael K. Trout Sagt:

    RPL-Pirat, mit Deinem Satz …
    Willkommen in der digitalen Revolution!
    Piraten stehen für einen Staat, der Fortschritt fördert und nicht den Stillstand wegen der Befindlichkeiten einiger weniger mit Macht durchsetzt. Piraten wollen Gesetze, die sich an der Realität orientieren und die Chancen der digitalen Revolution nutzen und nicht behindern!

    … hast Du aus meiner Sicht jeden Künstler nun vollkommen gegen die Piraten aufgebracht. Ab ins Nirwana! Wenn alle Piraten so denken, dann wähle ich lieber die Sex-Partei, weil die mit ihrem Wirken wenige kaputt trampeln als Du, mit wenigen Worten.

  30. Sam Sagt:

    @RLP-Pirat, ich habe nicht vor, das Internet aufzuhalten, im Gegenteil.

    Und natürlich hast Du recht, das Internet ist zum kommunizieren und tauschen gemacht, dafür ist es super, und das möchte ich weiterhin unterstützen, genau wie es jetzt ist.

    Ich brauche auch keine Kontrolle, Zensur, oder solchen Blödsinn. Keine Ahnung wieso das so gerne mit in einen Topf geworfen wird.

    Ich möchte lediglich meine Urheberrechte gewahrt wissen. Und zwar nicht, indem irgendwas im Internet gesperrt wird, das ist quatsch, sondern dass ich meine Rechte weiterhin (also wie jetzt auch) vor Gericht durchsetzen kann.

    Ich habe nichts dagegen, dass sich etwas ändert, aber das Urheberrecht abschaffen, ohne eine Alternative zu bieten, kann es nicht sein.

  31. Björn Sagt:

    @RLP-Pirat
    Du hast Recht, es kann nicht Aufgabe des Gesetzgebers sein, Geschäftsmodelle von Künstlern aufrechtzuerhalten. Doch genauso wenig kann es seine Aufgabe sein, den Künstlern das Recht an dem zu nehmen, das sie selbst geschaffen haben. Ich verstehe den Grundgedanken, der der Allgemeinheit kulturelle Güter zugänglich machen will, und begrüße ihn ausdrücklich. Nur kann der Weg dahin nicht sein, dass Künstler bestohlen werden und ihre Werke ungeschützt sind. Eine solche Regelung wäre zwar gut gemeint, aber wohl kaum demokratisch.
    Im Übrigen halte ich es für nicht ganz richtig, davon auszugehen, dass digitale Revolution nur im unkontrollierten Vervielfältigen von Daten bestehen kann. Im Netz sind beispielsweise mit den Creative Commons Regelungen entstanden, die sehr problembewusst mit dem Thema umgehen, indem sie den Urhebern die Möglichkeit geben, ihre Werke zur Vervielfältigung freizugeben und dabei die Konditionen selbst zu bestimmen. Dem Nutzer steht es dann frei zu entscheiden, ob er mit den Konditionen einverstanden ist. Wenn nicht, darf er sich gerne woanders umsehen. Solche Ansätze sollten gefördert werden, allerdings nicht zu Leiden von Künstlern, die sich darauf nicht einlassen möchten. Auch hier muss das Recht bestehen bleiben, selbst darüber zu entscheiden, was mit den eigenen Werken geschieht.

  32. André Sagt:

    Hier gibt es doch einige sehr sinnige Fakten und Überlegungen. Die Diskusion gestern, auf die dieser Blogartikel beruht und die hier geposteten Kommentare haben mir doch ein sehr gutes Bild der Situation und Positionen gegeben.
    Es ist aber auch wiedermal der Eindruck entstanden, dass manch einer nichts verstehen hat, nur nachplappert und der Jugend eine wirklich sinnvolle revolutionäre Basis fehlt. Na ja ist halt cool Pirat zu sein. Stand Johnny Depp ja auch prima.

    Ich hab trotzdem noch Hoffnung.

  33. MatthyK Sagt:

    @Tilla:
    Wenn ich eines deiner Bilder, dass du selbst mal in irgendeiner Form in Umlauf gebracht hast, nehme und nach meinem Gutdünken verwende, dann berührt das unbestritten deine Persönlichkeitsrechte. Aber berührt das nicht auch meine Persönlichkeitsrechte, wenn du verlangst genau zu wissen, wie und wo ich deine Werke verwende, bzw. (für mich evtl. verheerende) Sanktionen verhängt sehen willst, wenn ich es auf eine Weise tue, die dir nicht gefällt?

    @Sam:
    Darin, dass Urheber und der Markt über das anzuwendende Geschäftsmodell entscheiden stimmen wir beide völlig überein.

    Die Frage ist, ob das zulassen von Kopien eine so große Ungerechtigkeit ist, dass hier gerade nicht der Markt entscheiden, sondern der Staat eingreifen und bestimmte Rechte für dich schützen und durchsetzen muss. Meine Meinung dazu: ein ganz klares Nein.

    Kopieren liegt in der Natur des Menschen und ist eine der Grundlagen unserer Kultur und Zivilisation. Lernen ohne Kopieren ist uneffektiv. Jeder von uns hat irgendwann als kleines Kind gelernt, indem er bestimmte Aspekte seiner Umwelt kopiert hat - ganz ohne dafür zu bezahlen. Diese Tatsachen sind es doch, warum die meisten Menschen auch kein natürliches Unrechtsbewusstsein gegen sogenannte “Raubkopien” entwickeln können - Angst vor zum Teil drakonischen Sanktionen jedoch schon. Und genau gegen diese gefühlte Ungerechtigkeit wollen die Piraten (unter anderem) konstruktive Politik betreiben - sehr gerne MIT und nicht gegen die Urheber.

  34. Tilla Sagt:

    @MattyK Ich möchte gefragt werden, wenn Dinge, die mir gehören, genommen werden. Ist das so schwer zu verstehen? Du möchtest doch auch gefragt werden, wenn jemand etwas benutzen will, das Dir gehört, oder? Übrigens ein Thema, was ich immer öfter ankreide - das Internet als großes Kommunikationsmedium, aber die einfachsten Spielregeln im menschlichen Miteinander kommen nicht mehr zum Tragen. :(

  35. Azamir Sagt:

    Was ich auch als angehende Juristin beim Urheberrecht manchmal zweifelhaft sehe, ist wann es entsteht. z.B. bei Texten kann auch schon ein einzelner Satz deinem Urheberrecht unterfallen - na wenn das jetzt keine überaus vergütungswürdige Leistung war, einen Erstklässersatz wie “Otto geht zu Mimi.” zu schreiben! Bei bildender Kunst ist afaik ja schon KUNST als Grundlage für manche Rechte vorrausgesetzt, ein an eine Bahnhofwand gekritzeltes Strichmännchen unterliegt afaik nicht dem urheberrecht des Kritzlers. noch interessanter wird das für mich imho dann, wenn sehr streirbar ist, ob es sich um Kunst handelt. shcönes Beispiel bleibt da die ewig-untote Fettecke… ist das ein Urheberrechtsdiebstahl, wenn ich beim Backen meine Butter an die Wand gekriegt hab und das jetzt fotografiere?
    Insbesondere auch im bezug auf Essen frage ich mich so manches… wie soll ich denn z.B. beweisen, dass ich ein Rezept selbst erstellt habe? Und, mit Verlaub, ich zahle auch keine Nutzungsgebühr an Gott, weil er Kartoffeln in meinem Garten hat wachsen lassen, die ich jetzt fotografiere. Solche streitereien in ähnlicher Weise gibt es ja z.B. schon, wenn es sich um Fotos von architektonisch “wertvollen” Gebäuden handelt - muss man eine Nutzungsgebühr an Gustav Eiffels Nachkommen zahlen, wenn man den Eiffelturm fotografiert? man reproduziert sein entworfenen uns erstelltes Werk. wenn ich in ein restaurant gehe und mein Essen fotografiere - muss ich dem Koch Nutzungsgebühren zahlen?
    Das klingt teilweise abstrus, ist aber teilweise auch FAKT. und deswegen zweifle ich durchaus an Sinn und Zweck so mancher Vorschrift… und warum ich ein 5-Sterne essen fotografieren darf und ein hässliches Kunstwerk nicht, erschließt sich mir dann z.B. nicht. noch lustiger ja mit ner gentechnisch veränderten Pflanze - ich setz mir das Ding in den Garten, dünge es mit patentiertem Dünger und wenns dann blüht mache ich ein Foto. wem steht jetzt Nutzungsgebühr zu, dem Genlabor? Dem Düngerhersteller? Die Pflanze hat einen Ableger, darf ich den Verkaufen?

    Azamir, der ob des inflationäen geltendmachens aller möglichen Urheberrechte der Kopf schwirrt.

  36. insideX Sagt:

    Hallo Tilla,

    erstmal nur soviel, wir treten dafür ein das auch das Material, was heute als Urheberrechtlich geschützt gilt, für “nicht kommerzielle Zwecke” (Kunst, Bildung oder auch die eigene, nicht kommerzielle Homepage, Blogs) verwendet werden darf. 
    Sagen wir es mal so, in 2-5 Jahren wird es so viel Material geben was unter der CC veröffentlicht wurde, dass die Urheber mit ihrem Copyright eh keinen mehr hinter dem Ofen hervor locken können. Diese Entwicklung werden wir nach unseren Kräften fördern. Die Vergütungsmodelle können unserer Auffassung so bleiben wie sie sind. Das ist Vertragsrecht und da soll jeder glücklich werden mit den Verträgen die er aushandelt.

    Du willst deine Bilder verkaufen. Dann verkaufe sie. Das Modell, dir als Fotografin mit Bildern einen guten Namen aufzubauen, so das du gut gebucht und auch gut bezahlt wirst, steht mit unserer Überlegung der Nutzung von urheberrechtlich geschütztem Material nicht im Wege. Ich finde es ist eine sehr gute Promotion ist, wenn viele Menschen deine Bilder, die unter der CC Lizenz stehen müssten, auf ihrer Homepage hätten. Die kommerzielle Nutzung ist auch in der CC Lizenzierung genau geregelt. Wo wäre da das Problem.
    Ich denke ich werde dir in einem eigenen Blog antworten … nur aktuell fehlt mir etwas die Zeit. Mit der Bitte um Verständnis.
    LG insideX
     

  37. MatthyK Sagt:

    @Tilla:
    Darin, dass du über Dinge, die dir gehören, auch selbst bestimmen sollst, stimme ich mit dir völlig überein. Ich bestreite jedoch, dass etwas, das ich von dir kopiere ebenfalls dein Eigentum sein sollte.

    Ich denke, dass die Definition dessen, was jemandes Eigentum ist und was nicht - in Bezug auf immatierelle Dinge - neu definiert werden muss. Und das muss sich am natürlichen Rechtsempfinden, das jeder irgendwie in sich trägt, orientieren.

    Dieser Grundsatzdiskussion ist man übrigens jahrzehntelang aus dem Weg gegangen - in dem man “immatierelle Güter” stets mit einem entsprechenden Datenträger verknüpft hat. Im Rechtsempfinden der Nutzer wurde dabei jedoch nie eine Nutzungslizenz erworben, sondern für die Dienstleistung “Bereitstellung eines Datenträgers” bezahlt.

  38. Julius Sagt:

    Ich gebe gerne zu, daß das ganze Thema für mich viel zu komplex ist und fühle mich damit auch nicht alleine. Ich nutze keine Tauschbörsen, da dieses Gebiet m.E. vermient ist, nutze nur Fotos unter CC-Lizenz und verzichte trotzdem darauf, mich mit Werbung (z.B. auf dem Blog) dem Verdacht auszusetzen, irgendwie gewerblich o.ä. aktiv zu sein.
    Trotzdem finde ich die jetzige Rechtslage unübersichtlich und kann vieles nicht verstehen und oft wird der Trigger des schlechten Gewissens ausgelöst, etwas Falsches zu tun:
    Früher wurden mir Kopien von wissenschaftlichen Artikeln digital zugeschickt, irgendwann wurde das eingestellt. Wenn ich mir jetzt den Artikel wieder selbst kopierte, müsste ich ein schlechtes Gewissen haben? Der Unterschied zu vorher erschließt sich mir nämlich nicht.
    Für meine Rohlinge und Brenner zahle ich GEMA(?) gleich mit - also für den Verdacht, daß ich darauf GEMA-pflichtiges Material brenne? Muß ich mich dadurch vorverurteilt fühlen?
    In England läuft eine Serie frei empfangbar im Fernsehen, die ich auch gerne sehen würde. Die einzige Chance, diese zu sehen wäre übers Internet. Ich tue dies nicht, weil ich einen drohenden Feigefinger über mir empfinde und in der Diskussion gerne von Diebstahl die Rede ist.
    (Ideen wie die Kulturflatrate versprechen hier m.E. eine gewisse Sicherheit für den Konsumenten aber die sicherlich guten Argumente dagegen lassen mich wieder daran zweifeln, ob es eine so ‘einfache’ Lösung geben kann).
    Langsam entsteht bei mir der Eindruck, daß der Wust aus Verbreitungs- und Verwertungsrechten nicht förderlich für die Kultur ist. Und das ‘Medium’ Internet, dessen Grundlage immer die Kopie ist, wirft hier Fragen über Fragen auf, für die ich leider keine Antwort habe. Ich bin mir aber sicher, daß eine Diskussion jenseits der Interessen von Lobbyverbänden stattfinden muß und die heutige Situation der Grauzonen und der Konsumenten- und Privatnutzerunsicherheit so nicht bestehen bleiben kann.

  39. Helmut Sagt:

    @MatthyK:

    “Und das muss sich am natürlichen Rechtsempfinden, das jeder irgendwie in sich trägt, orientieren.”

    Letztendlich geht es im Wesentlichen doch nur darum, dass Dein “natürliches Rechtsempfinden” im Internet anders aussieht, als im Real Life. Will sagen: das Klauen einer Postkarte im Schreibwarenladen kostet Dich mehr Überwindung, als das Klauen eines Tilla-Pe-Fotos!

    Ich selbst habe die meisten meiner Fotografien unter einer sehr freien Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht. Ich räume als Urheber jedermann unter bestimmten Bedingungen gewisse Nutzungsrechte a priori ein.

    Wenn die Piratenpartei nun sagt, dass “die nichtkommerzielle Vervielfältigung und Nutzung von Werken als natürlich betrachtet werden sollte” [1], kann ich da nicht voll zustimmen, da meine Vergabe von Nutzungsrechten hierbei de facto torpediert wird und ich auch als Förderer Freier Kultur keinerlei Einfluss mehr darauf habe, unter welchen Bedingungen meine Fotografien kopiert werden!

    Was diese Diskussion hier aber allemal zeigt ist, dass ein fundamentaler Punkt des Piraten-Parteiprogramms im Wesentlichen schwammig durchdacht und wenig reflektiert verfasst ist. Der Dialog mit Kunstschaffenden fehlt hier völlig.

    Man kann als freiheitlich-demokratisch denkender Mensch niemanden dazu zwingen, nicht in vollem Umfang über die Nutzungsrechte seiner digital vorliegenden Fotografien zu entscheiden - auch oder gerade wenn man “Copyright - all rights reserved” ablehnt.

    [1] http://is.gd/1czOQ

  40. aebby Sagt:

    jetzt muss ich doch noch etwas schreiben ;-)

    @MatthyK

    Deinem Satz möchte ich widersprechen

    <blockquote>Ich bestreite jedoch, dass etwas, das ich von dir kopiere ebenfalls dein Eigentum sein sollte.</blockquote>

    Ist Eigentum hier der richtige Begriff, geht es nicht um die Urheberschaft? Ich stelle meine Texte und Bilder in der Regel unter die CC. Wenn Du sie kopierst kannst Du sie innerhalb des CC Rahmens nutzen. Durch die Kopie bleibt die Urheberschaft aber dennoch bei mir. Wenn Du die Kopie dann verkaufen würdest oder unter geänderten Lizenzbedingungen weiter gibst, würde dies zumindest meinem Rechtsempfinden widersprechen.

  41. corax Sagt:

    Ich finds toll, dass die Diskusion hier einigermaßen sachlich läuft. Weiß natürlich nicht wieviele Trolle hier gefiltert werden.
    RLP-Pirat: ich wollte hier nen Dialog starten, deinen dummen Flame kannst du dir in die Haare schmieren. Wer sich hier nicht unter Klarnamen oder vernünftigem Pseudonym meldet und als Pirat ausgibt sollte imho gelöscht werden. Könnte ja jeder sein.
    Bei der Piratenpartei ist die Position zum Urheberrecht/Nutzungsrecht Vergütung noch in der Diskussion, erwähnte ich ja gestern.
    Die Behauptung aufzustellen DiePiraten wollen … und das angeblich noch in deren Namen ist schlicht ne Unverschämtheit.

    Grüße

  42. baranek Sagt:

    Interessante, überfällige Diskssion. Zwei Aspekte dazu
    1. Das Kopierproblem hat nicht bm Web begonnen. Ist prinzipiell ein Problem des “Kunstwerks im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” so ein Buchtitel von Walter Benjamin. Druckmaschine, Plattenpresse usw. - die berühmten illegalen Bootlegs hats doch schon immer gegeben. Allerdings hat die digitale Technik eine neue Dynamik in die Sache gebracht. Meines Erachtens letztlich nur ein quantitatives Problem, kein qualitatives.

    2. Das Urheberrecht hat noch eine weiteren Aspekt, nämlich das Recht des Rechteinhabers zu bestimmen, was mit dem Werk geschieht. Halte ich auch für wichtig. Wer will schon, dass sein Bild in Zusammenhängen genutzt wird, die ihm nicht passen? Deshalb darf prinzipiell an den Rechtsgütern nichts verändert werden. Die Art der Durchsetzung und deren Verhältnismäßigkeit muss diskutiert werden… Gegen die Privatkopie hat doch niemand was, aber wenn andere Leute aus meinem Zeug ein Geschäft machen und ich kriege nix ab - das geht wohl zu weit.

  43. Yuri Sagt:

    @Sam: Auf diesen Einwurf habe ich gewartet, da mir das beim Schreiben auch aufgefallen ist. Allerdings fiel mir in dem Moment kein aehnlich bekanntes Photo ein - aber wie waer’s mit “Lunchtime atop a Skyscraper” stattdessen? Es ist meines Erachtens nun mal Fakt, dass es von einem Photo neben dem Negativ [das sich wohl keiner hinhaengen wird] kein ‘Original’ gibt… man kann es immer kopieren und die Kopie wird aussehen wie das Original. Bei rein digitalen Werken ist das natuerlich noch extremer.

    Und es will immer noch niemand das urheberrecht abschaffen [zumindest nicht bei den Piraten].

    @MatthyK: Das wuerd eich so jetzt aber nicht sagen. Das, was du in dem Zusammenhang mit “kopieren” meinst ist doch eher “nachahmen” - wodurch man tatsaechlich lernen kann. Es ist ja auch etwas voellig anderes, ob ich ein mir gefallendes Werk nachbilde oder ob ich es tatsaechlich ‘kopiere’. Mit anderen Worten: Es hat fuer mich einen Mehrwert [= Lerneffekt], wenn ich versuche, die Mona Lisa nachzumalen. Ich lerne jedoch nichts, wenn ich sie auf den Kopierer lege. Nebenbei wird bei ersterem auch noch ein [bedingt] neues Werk geschaffen - wenn es auch nicht unbedingt kreativ ist…

    Um mal einen anderen Gedanken in die Diskussion zu bringen: Was waere, wenn man z.B. Nahrungsmittel verlustfrei ‘kopieren’ koennte [also wie digitale Daten]? Man koennte damit den Hunger auf der Welt beenden… aber sicherlich wuerde es dem Geschaeftsmdodell aller Lebensmittelproduzenten schaden.

    P.S. Die Kommentar-Abonnement-Funktion nervt. Da werden die Antworten durcheinander gewuerfelt.

  44. Yuri Sagt:

    Und noch ein Doppelpost, weil mir hier alles zu schnell geht…

    @Helmut: In den USA gibt es da beispielsweise die Fair-Use-Regelung. Diese erlaubt, Dinge zum Beispiel in einer nichtkommerziellen Weise zu nutzen [z.B. Parodien eines Filmausschnitts auf YouTube oder aehnliches]. Findest du das auch nicht in Ordnung, weil der Urheber das nicht unterbinden kann?

    [Ist nur als Frage gemeint~]

  45. Karan Sagt:

    “Bei der Piratenpartei ist die Position zum Urheberrecht/Nutzungsrecht Vergütung noch in der Diskussion”
    Und für diese Diskussion sollte schnellstens ein offizieller, sichtbarer Dialograhmen gefunden werden, mit Kulturschaffenden aller Sparten, egal ob diese nun Parteimitglieder sind oder nicht.
    Sprecht sie an (einige kennt Ihr ja nun schon) oder ruft dazu auf - sie werden kommen; das Thema ist derzeit brandheiß.

    Hier ist schon mal ein guter Anfang gemacht.
    Ich hoffe, daß es konstruktiv und zeitnah weitergeht…

  46. » Karan - Heiße Debatte… @ Karan Sagt:

    [...] bei TillaPe. [...]

  47. mikel Sagt:

    Ich möchte das mal drastisch sagen:

    Darf man Autos zur nicht kommerziellen Nutzung ungefragt ausleihen, Unterhosen,  Atombomben, Bier, Wein,  Käse?
    Und Häuser vererben geht auch nicht, oder, nicht kommerziell?

    Das Internet wurde erschaffen in einer digitalen Revolution?

    Aber es stimmt:  Die Frage der Rechte ist älter, viel älter als das Internet und eigentlich nie richtig beantwortet worden.
    Habt ihr schon einmal die Wasserzeichen in Chor-Noten gesehen, als Anti-Xerox-Kopierer?  Kennt ihr den Kampf gegen Windmühlen der Schulbuchverlage gegen das Kopieren ihrer Bücher durch Lehrer?

    Irgendwann wird es 3D-Drucker geben, dann können wir uns auch die Pieta als Kopie ins Wohnzimmer stellen.

    Alles gar nicht so einfach, oder?

  48. Tilla Sagt:

    Ihr lieben Leute,
    sorry, ich komme gerade nicht mehr so ganz hinterher, seid nicht böse, wenn ich nach und nach versuche, auf das ein oder andere einzugehen.
    Ich habe eben stundenlang mit InsideX (Piraten”kapitän” in Hessen) telefoniert und habe jetzt eine Menge Stoff, um darüber nachzudenken.

    Ich freue mich riesig, dass ich bisher alle Kommentare freigeben konnte ohne über Gebühr mit den Zähnen zu knirschen, macht weiter so. Danke.

  49. Patrick (magicalfruit) Sagt:

    Ich sehe das Problem bei “nicht-kommerzielle Nutzung”, das geht viel zu weit. Wenn etwas freigegeben werden muss, dann die private Nutzung! Mit einer Abgabe der Zugangsprovider könnte man sogar File-Sharing legalisieren, da soll sich jeder seine Medien suchen, aber ein Werk auf eine private Homepage oder eine Vereins- oder Partei-Homepage zu stellen ist was anderes. Dort sind u.a. auch politische Aussagen zu finden, die mit dem Urheber indirekt in Verbindung gebracht werden. Und wenn er das nicht möchte? Er oder sie muss das Recht behalten soetwas zu unterbinden.

    Und wer meint, dass kreative Arbeit nicht viel Mühe ist, kann sich ja auch sogar an einer Parodie oder Hommage versuchen und das Werk dann gerne frei geben …
    Urheberrecht: § 24 Freie Benutzung

    (1) Ein selbständiges Werk, das in freier Benutzung des Werkes eines anderen geschaffen worden ist, darf ohne Zustimmung des Urhebers des benutzten Werkes veröffentlicht und verwertet werden.
    (2) Absatz 1 gilt nicht für die Benutzung eines Werkes der Musik, durch welche eine Melodie erkennbar dem Werk entnommen und einem neuen Werk zugrunde gelegt wird.

  50. bastian Sagt:

    Ich bin mit meir selber uneins. Ich mag das “freie” Internet, das, in dem es alles kostenlos gibt [das so gar nicht existiert]. Aber als Künstler will ich natürlich entlohnt werden.

    Das bisherige Entlohnprinzip beruht auf Nutzungsrechtsverkauf, auf Beschränkungen beziehungsweise Freigabe der Nutzung an dem vom Künstler geschaffenen Werk. Und solange es nichts Besseres gibt, wird es dabei bleiben. [Die Kulturflatrate wird den wenigsten helfen, ist zu befürchten.]
    Das bedeutet, dass der Künstler damit Geld verdient, dass er darüber bestimmen kann, was mit seinem Werk passiert. Der Käufer wäre theroetisch jedoch imstande [mit entsprechend finanziellem Hintergrund], auch eine freie Kopierbarkeit zu erwerben. Normalerweise werden aber nur Teile der Nutzungsrechte gekauft, beschränkte Einsatzmöglichkeiten also.

    Wenn aber die Werke von Künstlern kopiert werden, ohne dass dieser dem zustimmte, verliert der Künstler Geld, das ihm zusteht [Die Frage, was Kunst wert ist, erspare ich jedem von uns.]. Dass nebenher allerlei ungewollte Kopien entstehen, weil wir uns digital bewegen, kann auch im Nutzungsrecht eingeschlossen sein. Das bedeutet, dass nur das bewusste, vom Künstler nicht gewollte Nutzen von Kunst ein Delikt darstellt. 

    Als Nutzer möchte ich natürlich alles frei zugänglich haben. Doch bin ich mir auch bewusst, dass Dinge, die im Netz verfügbar sind, auch Aufwendung, geistig, körperliche, finanzielle, verursachten und somit entlohnt werden müssen. So wie ich bereit bin, für Musik, die ich mag, zu bezahlen, bin ich bereit, dasselbe für Kunst zu tun.

    Das Problem ist auch, dass unbeschränkte Kostenlosigkeit im Netz nicht existiert. Ich veröffentliche täglich kostenlos einen Comic, wollte größtmöglichen Nutzerfreiraum gewähren - und endete ebenfalls in Beschränkungen. Denn ich möchte, wenn kopiert wird, als Quelle genannt werden. Ich möchte, dass kein Schindluder getrieben wird mit dem, was ich schuf, weswegen ich Veränderungen untersage [Auch hier gibt es vieleviele Grauzonen, bei denen entweder ein Auge zugedrückt werden oder die Nutzungsbedingung genauer formuliert werden muss]. Doch die wichtigste Beschränkung ist die bereits genannte: Ich möchte nicht, dass jemand mit dem, das ICH schuf, in das ich Mühen investierte, Geld verdient. Erst recht nicht, weil die Comics kostenlos sind. Doch auch, weil Kopieren keine Arbeit ist, also nichts, das eine Bezahlung gewährleistet.

    Plattenfirmen und Verlage verdienen an Künstlern, weil sie dafür etwas tun. Wer aber nur kopiert und dann verkauft, schafft selber nichts, sondern agiert nur parasitär. Das bedeutet, dass sich schon jemand, der meinen kostenlosen Comic ordnungsgemäß in seinem Blog einbindet, mich als Quelle verlinkt und nichts verändert, sich in einer Grauzone bewegt, wenn er auf der Heimseite Werbung geschaltet hat, für die er Geld kassiert. Denn im besten Fall erwirkt mein Werk Besucherströme und somit finanziellen Zuwachs - und das ohne Eigenleistung.

    Will sagen: Viele Grauzonen und so. Doch solange es kein besseres Geschäftsmodell gibt, als die Nutzungsrechte für Kunst finanziell erwerben zu müssen, also Beschränkungen wegzukaufen, wird es schwierig, Regelungen zu finden, die alle Seiten glücklich machen.

    Im übrigen sei erwähnt, dass meine Erfahrung lautet, dass tatsächlich die Mehrheit der Netznutzer vernunftbegabt ist, also bereits ist, die Beschränkungen zu akzeptieren, um dafür etwas geboten zu bekommen.

  51. Sam Sagt:

    @MatthyK
    Fein, dann sind wir uns ja einig, das der Urheber entscheiden darf, ob und wer seine Werke nutzen darf. Auch wenn es sich “nur” um Privatnutzung handelt.
    Den Vergleich mit dem abgucken von Kindern halte ich für unpassend: wenn man etwas bestimmtes lernen will, muss man dafür oft genug eine Ausbildung oÄ bezahlen, damit man es sich dort abgucken darf.
    Selbst eine (Privat) Schule, wo man sozialen Umgang miteinander besser lernt, kostet reichlich Schulgeld.
    Abgesehen davon schützt der Markt meine Rechte nicht, und der Staat greift auch nicht ein, es sei denn ich werde tätig und bezahle Anwalt und Gericht dafür, dass sie eingreifen.
    Anwälte und Gerichte sind keine gemeinnützigen Vereine, wo man einfach hingeht und den Bauch gepudert bekommt. Eine Verletzung der Verwertungsrechte wird dort nur gegen Vorkasse behandelt - so nebenher sind es auch diese Kosten, die so eine Verletzung dann so teuer machen, die Nutzungsgebühren, die dabei rauskommen, sind vergleichsweise lächerlich (in Deutschland).
    Außerdem stimme ich Dir zu, dass diese Grundsatzdiskussion dringend notwendig ist, und dass das Ergebnis mehr ins Gemeinwissen gebracht gehört, damit nicht so viele Leute blauäugig gegen Gesetze verstossen, einfach weil sie nicht wussten, dass es sie gibt.
    @Azamir
    Was mir auch nicht gefällt, sind sogenannte Logikpatente. Wo jemand ein Recht auf eine Idee anmeldet, von der teilweise nicht mal klar ist, ob sie überhaupt umsetzbar ist.
    Bei Fotos sind die Regeln aber eigentlich ziemlich klar abgegrenzt, was man darf und was nicht, grade wenn es um Kunstwerke oder den nicht-öffentlichen Raum geht.
    @insideX
    Wenn es wirklich in 5 Jahren so viel gutes Material unter CC gibt, dann sollte es doch kein Problem sein, den “altmodischen” Leuten, die auf Ihrem Recht bestehen, ihr Recht zu lassen.
    Genau wie der Künstler selber entscheiden darf, ob er eine freie Verbreitung unter CC für eine gute Promotion hält oder nicht.
     

  52. Explosive Mind » Blog Archive » Tab closing 25.06.2009 Sagt:

    [...] Zeit Online vs. Printausgabe Most Popular Anonymous Peer to Peer File Exchange Site Owned by CIA Ahoi - Oder doch nicht? Netzsperren - “Ihnen ist egal, was wir denken” Fefe nimmt, mal wieder, Zensursula [...]

  53. Johannes Müller Sagt:

    Nur kurz, denn zu den meisten Dingen wurde schon mehr gesagt, als ich sagen könnte. Michael hat mEn einen wichtigen Punkt aufgegriffen. Die “minderwertige” Version für das Internet.

    Ich denke, gegen das ungewollte Kopieren und damit Verpassen von Verdienstmöglichkeiten kann sich durchaus der Usus etablieren, dass in Medien wie das Internet nur entsprechend vereinfachte Versionen gestellt werden. So kann der Anreiz geschaffen werden sich das Original zu kaufen, ich kann aber z.B. als Privatperson für private Zwecke eine Kopie dieser Version verwenden (sei es z.B. um auf den Künstler aufmerksam zu machen). Natürlich muss eine Möglichkeit geschaffen werden, dass der Künstler sich dagegen aussprechen kann, dass das Werk in einem ihm unpassenden Zusammenhang gestellt wird. Das gilt für Musik genauso wie für die Fotografie.

    Es muss aber wirklich eine Differenzierung der verschiedenen Künste geschehen.

  54. Sam Sagt:

    Nebenher, das Modell “Hersteller verkauft mir ein Auto und legt dabei fest, welche Tankstellen und welche Werkstätten ich benutzen darf” gibt es von anderen Bereichen schon. Und wird dort so gerne angenommen, dass man sich schon völlig dran gewöhnt hat:
    Zum Beispiel Mobiltelefone: Man bekommt ein Telefon mit SimLock, mit dem man dann nur in einem bestimmten Netz telefonieren darf.
    Oder Drucker(tinte): Auch hier versuchen Hersteller mit technischen Tricks die Kunden an die Verwendung ihrer Tinte zu binden: der Hersteller entscheidet, welche Tinten verwendet werden können, welche nicht.

    Beides wird gerne angenommen, mir scheint es also eher so, dass viele Hersteller, die das “klassische” Modell verwenden, gerne auf eine Art Verwertungsmodell wie bei den Verwertungsrechten umsteigen würden.
    Und der Markt hat diese Sachen auch angenommen, weil es dadurch für mehr Leute die Möglichkeit gibt, sich zB ein Handy zu leisten, das sonst wesentlich teurer sein müsste.

  55. aebby Sagt:

    Ich habe noch ein wenig nachgedacht, ich bin bei den Überlegungen immer wiederauf den Punkt gestoßen, dass Ideen die für eine Gattung von Werken passen für andere eher untauglich sind. Zuerst habe ich mal eine Sammlung gemacht:

    Kulturstiftende Werke …

    Musik, in den Varianten:
    - Text und Noten frei, kulturelle Leistung der Interpretation
    - Komposition und Interpretation in einer Hand
    - Komposition und Interpretation aus unterschiedlicher Hand
    - Mainstream-Produktionen

    Film in den Varianten:
    - Kino
    - TV
    - Web

    Bildende Kunst in den Varianten:
    - Malerei
    - Bildhauerei
    - Fotografie

    Literatur in den Varianten:
    - Lyrik
    - Prosa
    - Texter, Designer, Video Mischformen

    Software in den Varianten:
    - proprietär
    - Produkte (MS usw.)
    - Open Source

    Wissenschaftliche Erkenntnisse in den Varianten:
    - staatliche Forschung
    - freie Forschung
    - Konzepte und Ideen mit Vermarktungspotential
    - Auftragsforschung

    Die denkbaren Mischformen von Werken würden diese Liste noch erheblich vergrößern in den nächsten Jahren werden noch weitere Formen hinzukommen an die wir heute noch nicht einmal denken. Allen Punkten gemeinsam ist der heute tobende Kampf um Nutzungs- und Vermarktungsrechte. Bei fast allen der genannten Kulturbeiträge sitzt eine wohl organisierte Verwertungsindustrie zwischen Urheber und Konsument. Der so oft beschworene freie Markt existiert hier so wenig wie anders wo, es ist ein kontrollierter und subventionierter Markt. Ein Urheber ist in vielen Fällen faktisch gezwungen die Nutzungsrechte weit unter Wert an einen Verwerter zu verkaufen, der Urheber wird für den Erwerb des Markteintritts quasi über den Tisch gezogen. Machen wir uns nichts vor, der große Gewinn fließt in die Taschen der Verwertungsindustrie(n). Diese Verwertungsindustrie bedient sich inzwischen über Lobbyarbeit auch des Staates um ihre Interessen durchzusetzen, dabei entstehen Situationen, die ein erhebliches Unrechtsgefühl entstehen lassen. So weit so gut - das ist der IST Zustand.

    Was soll nun an der bestehenden Situation geändert werden und wie wirkt sich die Änderung auf alle Beteiligten aus?

    “Abschaffung des Urheberrechts vollständige Freigabe aller Werke” Mit diesem Vorschlag hängt wenn man an das Einkommen der Künstler denkt auch der Vorschlag der Kulturflatrate. Wenn man den Gedanken zu Ende denkt bedeutet dies, dass aus dem Flatrate-Topf ein Grundeinkommen für Künstler, Wissenschaftler usw. finanzieren müsste, die Frage ist dann “Wer bekommt das Grundeinkommen und wer nicht”. Die radikale Freigabe ohne Gegenleistung halte ich für sehr schädlich, kreative neue Ideen und Werke würden zurück gehalten werden, weil nur noch wenige das Risiko eingehen würden, etwas zu veröffentlichen nur dass es ein finanzstarker Verwerter mitnimmt und Geschäfte macht. Ich sehe auch die Gefahr dass dann eine lobby- und staatsgestuerte Künstlerkaste entsteht.

    Freigabe von Werken nach einer Anzahl von wenigen Jahren -> das tut den großen Verwertern nicht weh, die Kleinen und die Urheber trifft das hart, weil ggf. nach jahrelangem Marketing, gerade dann wenn das Werk Geld einspielt, der Schutz wegfällt.

    Wie bekomme ich das unter einen Hut? Meine persönliche derzeitige Vision (aktueller Gedankenstand 26. Juni 07:30 Uhr) wäre die folgende:

    - Urheberrecht verbleibt beim Urheber
    - Urheber entscheidet alleine über Lizenzmodell
    - Urheber muss! über ein Lizenzmodell entscheiden
    - Weiterentwicklung der Lizenzmodelle -> hier müsste noch juristentaugliche Textarbeit geleistet werden
    - Verankerung der Lizenzmodelle in der Gesetzgebung (bisher ist z.B. die GPL nur aufgrund weniger Gerichtsurteile als Rechtspraxis anerkannt).

    Diese Verankerung in der Gesetzgebung müsste über ein ganz normales Gesetz erfolgen ;-) “Kultur-Lizenz-Gesetz”, hier mal ein Entwurf für die Gesetzeseinleitung:

    Kulturelle Werke individueller identifizierbarer Urheber (natürliche Person) genießen Urheberschutz. Der Urheber muss für jedes Werk bei der Veröffentlichung ein Lizenzmodell festlegen, das die weitere Verwertung und Nutzung des Werkes regelt. Die möglichen Lizenzmodelle werden in der Verordnung “Lizenzen” geregelt. Diese ist Bestandteil des Gesetzes.

    In der Verordnung sind dann verbindlich das Spektrum der möglichen Lizenzmodelle dokumentiert:
    - GPL
    - CC
    - noch zu definierende kommerzielle Individual Lizenzen -> unter der Lizenz würden z.B. Fotografen ihre Bilder verkaufen

    Diese Formulierung “individueller identifizierbarer Urheber” habe ich bewusst gewählt. Die heutigen Massenmedien-Werke (Film, Musik) werden von Firmen produziert, hier lässt sich keine einzelne “natürliche Person” als Urheber identifizieren. Für diese Werke könnte man einen zeitlich befristeten Schutz einführen, der nach brancheüblichen Vermarktungszeiten ausläuft.

    Wie gesagt, das wäre mal mein aktueller Gedankenstand.

  56. Sam Sagt:

    @aebby
    Du schreibst “Text und Noten frei” - wovon leben dann die Texter und Komponisten? In meinen Augen ist eine gute Komposition mindestens genauso viel Wert wie eine gute Interpretation.

    Das einige Verwertungsgesellschaften aus dem Ruder gelaufen sind, ist schade, hat sich dank Internet und den aufkommenden Möglichkeiten zur Direktvermarktung aber schon etwas gebessert.
    Dazu sind diese Gesellschaften nicht durchweg schlecht für die Musiker, im Gegenteil gibt es auch viele Musiker, die ohne einen Verwerter völlig aufgeschmissen wären, und die vor allem auch keine Lust dazu haben, sich um die Verwertung zu kümmern. Diese dazu zwingen zu wollen, das selber in die Hand zu nehmen statt über einen Vermittler laufen zu lassen, halte ich für nicht sinnvoll.

  57. aebby Sagt:

    uaaaah ich habs befürchtet, das sollten Unterpunkte sein. Die Punkte sollten Varianten musikalischer Werke darstellen, das heißt es gibt musikalische Werke, die auf urheberrechtliche freie Noten und Texte aufsetzen (Volkslieder) hier unterliegt nur die Interpretation dem Urheberrecht.  Andererseits gibt es musikalische Werke bei denen Komposition und Interpretation aus einer Hand (inkl Urheberschaft.) oder aus unterschiedlichen Händen kommen.

    Die Möglichkeit einen Verwerter zwischen zu schalten besteht weiterhin - diese Möglichekit möchte ich auf keinen Fall ausschließen. Die Auswahl eines Lizenzmodells und bewusste Auswahl des Verwerters oder Verwertungsweges sind so wie ich es im Moment sehe zwei paar Stiefel.

  58. Tilla Sagt:

    @Aebby
    Danke! Du hast meine Gedanken mitsortiert :)
    Nach dem Telefonat gestern ist mir so einiges klar geworden.
    Es geht der Piratenpartei nicht darum, die Rechte der Urheber zu beschneiden, sondern sie wollen in erster Linie den Verwertern auf die Finger hauen, die Aebby angesprochen hat:

    “Diese Verwertungsindustrie bedient sich inzwischen über Lobbyarbeit auch des Staates um ihre Interessen durchzusetzen, dabei entstehen Situationen, die ein erhebliches Unrechtsgefühl entstehen lassen.”

    Die momentan überschwappende Kriminalisierung von Privatpersonen ist auf die Durchführung der Interessen der Verwertungsfirmen zurückzuführen. Ich als Fotografin sehe keinen Sinn darin, Herrn X und Frau Y vor den Kadi zu zerren, weil sie eines meiner Bilder ungefragt auf ihrem Blog veröffentlicht haben.
    Das bestreben, das Zugangserschwerungerecht für diese Verwertungsgesellschaften einzusetzen, Urheberrechtsverstöße mit Internetentzug abzustrafen ect. ect. ist auf dem Mist eben der oben erwähnten Lobby gewachsen.  Diese Pläne schaden uns Künstlern mehr als dass sie uns nutzen. Heute muss ich, will ich einen Bildmopser zur rede stellen, selbst versuchen ihn zu finden. Es gibt natürlich Digitale Signaturen, die mir diese Arbeit vereinfachen. Aber es bleibt mir überlassen, ob ich ihm eine Mail schreibe und ihn bitte, mich erst zu fragen, bevor er ein Bild verwendet oder ob ich ihm gleich eine Rechnung schreibe. Dessen bin ich mir bewusst, wenn ich Bilder ins Netz stelle. Ich will nicht, dass der Mopser gleich staatlich bestraft wird! Das ist für mich ein Übergriff, den ich nicht unterstützen will und werde.

    Es stimmt, das Unrechtsbewusstsein im Netz ist fast verschwunden. Und das schadet auch uns Künstlern. Wenn eine Privatperson Bilder von mir mopst und ausstellt, dann kann das auf der einen Seite Werbung für mich und meine Arbeiten zur Folge haben, aus der bezahlte Aufträge generiert werden könnten - auf der anderen Seite kann damit natürlich auch Schlechtwerbung produziert werden, die mir schadet. Druckt nämlich jemand die Web-Bildchen aus, undwissend, dass ein kleines JPG geprintet aussieht wie durch den Fotokopierer gejagt, dann fällt dieser Qualitätsmangel als erstes auf mich zurück. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht wirklich einsehe, dass meine Arbeit nicht bezahlt werden muss, nur weil sie von einer Privatperson begehrt wird.

    Nachtrag: Unter Einsatz von Händen und Füßen könnte ich jetzt noch stundenlang weiterreden - schriftlich muss ich mich erst neu sortieren :)

  59. aebby Sagt:

    nochmal zu oben …  das heißt, wenn jemand Text und Noten schreibt soll er das Urheberrecht haben  und die Nutzungsrechte  seiner Komposition verkaufen.

  60. Sam Sagt:

    Aah, das hab ich in Deinem ersten Beitrag noch anders interpretiert.

    Mal so ganz generell: ist es eigentlich wirklich sinnvoll, alles neu zu erfinden? Würde es nicht reichen, sich anzusehen, welche Dinge an der bestehenden Rechtslage stören, und sich dann zu überlegen, wie man diese beheben kann, statt alles neu aufzuziehen?

  61. aebby Sagt:

    @Sam … manchmal spielt die Technik einen Streich, ich hatte die Punkte per copy / paste aus einer Mindmap übernommen. Im Formularfeld waren die Tabs noch da, in der Ansicht dann nicht mehr.

    Veränderung bestehender Gesetze würde ich auch vorziehen, um ganz ehrlich zu sein, ich habe die ganzen Gesetztestexte (Urheberrecht, Markenrecht, … und was da sonst noch reinspielt) nicht vollständig gelesen. Ob und wo sich ggf. bei Änderungen neue juristische Fallen öffnen kann ich nicht beurteilen.

    Eine klare Ansage für eine Gesetzesänderung wäre ggf. auch für den Wahlkampf hilfreicher als pauschale Forderungen, die rethorisch sehr leicht angegriffen werden können.

  62. Cara Sagt:

    Möchte mich bei Tilla und allen hier Beteiligten bedanken.

    Eure Berichte, Fragen und Kommentare helfen mir, die Komplexität dieses Themas und die verschiedenen Positionen dazu besser zu verstehen.
    Ich habe selten einen solchen Austausch via Blog gelesen, der sich durch engagierte Beteiligung und sachlich-respektvollen Umgang der Diskussionsteilnehmer auszeichnet und ohne die auf vielen anderen Blogs  oft erscheinenden  “verzichtbaren”  , weil wenig konstruktiven Kritiken auskommt.
    Besonders  lobenswert (neben dem für die Beteiligten hohen Zeitaufwand) ist die Tatsache, dass die Diskussion auch nicht stehen bleibt,  sondern vielmehr  noch durch weiterführende Gespräche, wie das oben genannte Telefonat , vertieft und aktualisiert wird.

    Beispielhaft dafür, wie gute Diskussion und Streitkultur aussehen kann.
    Bitte weiter so und mehr davon !

  63. Tilla Pe» Blogarchiv » Bedient Euch Sagt:

    [...] Tilla Pe Bilder & Geschichten « Ahoi - Oder doch nicht? [...]

  64. insideX Sagt:

    Hallo Tilla,

    ich sage dir hier gerne noch mal vielen Dank für das Gespräch gestern und es wird sich hoffentlich finden, dass wir uns mal in DA zusammen hocken und uns weiter darüber austauschen. Vielleicht wird ja etwas daraus ;-) 
    Die versprochene Linkliste stelle ich mal in den Kommentar, ich hoffe ja das der ein oder andere sich da auch mal tiefer mit beschäftigen will und verstehen möchte was uns (Piraten) zu unserer Haltung motiviert.  

    Grundsätzliches, die Philosophie:

    Ein Manifest von Lawrence Lessig
    http://freeculture.org/manifesto/

    Richard M. Stallman zum Thema “geistiges Eigentum”
    http://www.gnu.org/philosophy/not-ipr.de.html

    Das Buch “Free Culture” von Lawrence Lessig als kostenloser Download
    http://www.free-culture.cc/freeculture.pdf (2.5 MB)

    Das Projekt “No-Copy” http://www.no-copy.org von Jan Krömer und Evrim Sen mit unzähligen Infos zum Thema Urheberrecht vs. Informationsgesellschaft, ein kleine Auswahl von mir:
    http://www.no-copy.org/lawrence_lessig.html
    http://www.no-copy.org/der_film.html

    Toller V-Blog zum Thema Urheberrecht im Internet von Mario Sixtus :
    http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/87/

    Das Projekt “Steal this Film” über PirateBay #absolut-sehenswert
    http://www.stealthisfilm.com/Part2/
    http://de.wikipedia.org/wiki/Steal_This_Film
    http://video.google.com/videoplay?docid=-9198224502900953337

    Musikpiraten e.V. ein Verein zur Förderung freier Musik und Kultur im Internet:
    http://musik.klarmachen-zum-aendern.de

    Thema Urheberrecht aus Sicht der Piraten, ein versuch unser Programm tiefer zu erläutern::
    http://www.piratenpartei-hessen.de/piraten_themen/urheber…;

    Thema Verwertung:
    http://musik.klarmachen-zum-aendern.de/content/artikel/von_musik_leben_koennen
    http://www.elektrischer-reporter.de/elr/video/88/

    Thema freies Wissen:
    http://www.wissensallmende.de/
    http://www.wissensallmende.de/report-2009/lesen oder zum Download unter:
    http://www.wissensallmende.de/sites/default/files/…; (15 MB PDF)

    Schöne Grüße

    insideX

  65. Tilla Sagt:

    Danke!

  66. Freiheit brauch das Urheberrecht! - stefan.waidele.info Sagt:

    [...] wichtiger Punkt bei der Diskusion um “Freiheit der Kultur” ist, dass die Freien Lizenzen (GPL, CC, …) ein wirksames und starkes Urheberrecht benötigen, [...]

  67. Stefan Waidele Sagt:

    Ein wichtiger Punkt bei der Diskusion um “Freiheit der Kultur” ist, dass die Freien Lizenzen (GPL, CC, …) ein wirksames und starkes Urheberrecht benötigen, um die Kontinuität eben dieser Freiheit zu sichern.

    Denn nur aufgrund eines wirksamen Urheberrechts konnte z.B. GPL-violations.org erzwingen, dass sich auch die “Großen und Mächtigen” an die Lizenzen halten, die die Programmierer bestimmt haben.

    Je mehr Kultur unter freier Lizenz geschaffen wird, desto größer wird auch die Basis, auf die sich “Neu-Schaffende” beziehen können. Und wer dann seine Werke auf freien Grundlagen aufbaut, der muss sich dann auch an die Spielregeln halten.

    Dass es der “Industrie” nicht um den Urheberschutz geht, konnte man schon 2005 erkennen: Zum Schutz der eigenen Musik wurde freie Software raubkopiert - http://stefan.waidele.info/2005/11/21/was-wir-vom-momentanen-sony-skandal-uber-ip-firmen-lernen-konnen/

    Also: Urheberrecht kann bleiben (aber auch nicht ausgedehnt werden!). Eine wirklich Freie Kultur wird dann die geschlossene Kultur überwuchern, verdecken und in die Bedeutungslosigkeit verdrängen.

    Mit Software hat es begonnen. Aber dies ist erst der Anfang.

  68. Ben Erman Sagt:

    Super Diskussion Tilla, danke.

    Kurz meine 2 Cent dazu: Ich denke, die Diskussion kommt nur daher, weil es einige maßlos übertrieben haben.

    Mal ein fiktives Beispiel dazu: Da kaufe ich mir eine CD im Laden und die ist kopiergeschützt. In der Stereoanlage läuft sie, ok, aber auf dem PC kann ich sie nicht hören. Wenn ich sie jetzt für den PC kopiere, dann mache ich mich strafbar. Und für den PC, den ich als Informatik brauche, muß ich GEZ Gebühren zahlen, asl ob ich es mir als Selbständiger leisten könnte, während der Arbeitszeit Fernsehen zu gucken. Mein Auto fahre ich privat und als Freiberufler, prompt ist für das Autoradio nochmal eine GEZ Gebühr fällig. Die Texte, die ich auf dem PC geschrieben habe, will ich unterwegs bearbeiten. Das Programm muß ich mir für den Laptop gleich nochmal kaufen. Meine Tochter hat auf ihrer Homepage den Text ihres Lieblingslieds eingestellt, weil er ihr so gut gefällt, und ich bekomm’ ne Abmahnung - und für die Anfahrtskizze für unsere Hausparty, schlecht und recht aus einem Stadtplan kopiert, wollen die gleich 600 Euro Nutzungsgebühr haben, weil ich vergessen habe, das in meinem Blog mit einem Passwortschutz zu versehen. Mittlerweile ist die CD, die ich mir gekauft habe nicht mehr spielbar, der Familienhund hatte sie in den Händen. Kopieren war nicht, wird also nochmal gekauft. So. Und irgendwann einmal geht mir in der Tasche das Messer auf. Ich habe einfach nur eine Wut im Bauch. Und ich werde Pirat.

    Es geht nicht darum, Tilla, dass Du für Deine Fotos (sind übrigens super !) nichts mehr bekommst. Trotzdem aber…

  69. DrNI Sagt:

    Vielleicht ist es ja so, dass man mit Kultur eher kein Geld machen kann. Wohl dem, der eine Form der Kultur macht, die aus öffentlicher Hand bezuschusst wird. Da der Kulturbegriff ein schwammiger ist und die Politik sich an sicheren Festungen wie Theater und klassischer Musik festhält, bleibt so vielen Kulturschaffenden nur das Hobby. Dass dann die Qualität auf dem Spiel steht, ist logisch. Man muss sich nur mal überlegen, wie viele Fotos man machen muss, bis das Perfekte dabei ist, wie viele Stunden man üben muss, bis ein Klavierstück perfekt sitzt, usw. - diese Zeit geht dann schlicht mit Geldverdienen drauf und das Ergebnis leidet.

    Noch ein Gedanke: Was die Musikindustrie und auch die Filmindustrie verkaufen möchten, das ist oft keine Kultur sondern reine Unterhaltung. Und für diese Unterhaltung wollen sie selbstverständlich einfach nur eines: Geld. Um Kultur und die Künstlerromantik geht es dabei sicher nicht.

    Für mich hat die Piratenpartei leider auch keine zufriedenstellende Antwort, wie in Zukunft eine “Kulturversorgung” funktionieren soll. Irgendwas  müssen die Künstler ja essen. Abgesehen davon haben sie ja auch noch Kosten fürs Material.

  70. Michael K. Trout Sagt:

    Mitdiskutiert , mitgelesen, mitgelernt …
    Selten haben ich in einer so kurzen Zeit so viel wichtige Dinge über für mich wichtige Dinge erfahren, obwohl ich bisher dachte, schon gut informiert zu sein.
    Ja, wie es scheint ist es an der Zeit, nicht nur Grundlagen zu ändern, sondern auch über neue Wege nachzudenken. Wichtiger ist jedoch, auch ganz bewußt die Bereitschaft mit sich selbst zu vereinbaren, diese neuen Wege zu gehen.
    Jetzt bin ich gerne bereit, im demokratischen Sinn nicht nur über neue Wege zu diskutieren, sondern auch die ersten Schritte zu gehen. Aber wie fängt man das an?

    Meinungsaustausch => hier begonnen und hoffentlich findet sich bald ein passendes Live-Forum dafür.
    Vorschlagswesen => kann nur aus dem Meinungsaustausch in der Realwelt entstehen und mit fachkundiger Unterstützung in eine annehmbare und vertretbare Form gebracht werden.
    Programmdiskussion => dies ist nun wichtiger als je zuvor, weil nicht die punktuelle Betrachtung sondern das kulturelle Einpassen in eine gesamtgesellschaftliche Definition in die Moderne führt.
    Kontroverse versus Konsens => leider ist in der heutigen Politik die Entscheidung auf dem “kleinsten gemeinsamen Nenner” zur Tagesordnung geworden - und die Parteidisziplin wird eingeklagt, um den Rest auch noch auf Linie zu bringen. Wir müssen zurückfinden zu einer Kultur des Streitgesprächs und der gepflegten Kontroverse, um den Konsens auf höchstmöglicher/bestmöglicher Ebene zu erreichen.

    Mir fallen noch viele Anforderungspunkte zur jetzt fälligen Grundlagendiskussion ein. Aber wie sich in dieser Diskussion hier zeigt, muß ich nicht als Mahner für die richtige Form auftreten, weil hier schon eine gewaltige Anzahl Menschen exakt in diesem Sinne diskutiert. Vielen Dank für die vielen Gedankenanstöße! Für mich ist nun klar, daß nicht eine schmollende Besitzstandswahrung, sondern eine Mitgestalten des Neuen meine Zukunft sichert … auch wenn mein erster Gedanke (vor dieser Diskussion) war, daß schon wieder ein Stück von meinem Kuchen abgeschnitten werden soll.

  71. Im Blickwinkel: Bedient euch, Dave Hill und Konzertfotografie » von Besim Mazhiqi » photoappar.at Sagt:

    [...] Urheberrechtsdiskussionen und CC-Lizenzen – Tilla Pe wagt das Experiment und stellt ihre Fotografien ab sofort zum freien Download an. Wer mag, darf gerne spenden. In ein paar Wochen will sie Bilanz ziehen. Ich bin gespannt. via Tilla Pe Über den Autor: Besim Mazhiqi [...]

  72. aebby Sagt:

    Guten Morgen zusammen,

    @insideX
    @alle mitlesenden Piraten

    auf dem Hintergrund der Diskussion habe ich mir nochmal die Ziele der Piraten wie sie auf der Webseite formuliert sind durchgelesen. Diese sind m.E. tatsächlich missverständlich formuliert. Innerhalb von zwei Sätzen wird die Brücke von Tauschbörsen zu Open Access und freier Forschung geschlagen, die Begriffsverwirrung Urheberrecht und Verwertungsrecht ist ebenfalls nicht ganz glücklich. Bei den Patenten wird entgegen der Idee von Stallmann doch wieder von geistigem Eigentum gesprochen … ich will jetzt nicht rummeckern, deshalb hänge ich jetzt einen alternativen Textvorschlag dran. Ich mache das hier, weil ich befürchte, dass eine Mail an die Piraten derzeit eher in der Masse untergehen könnte

    viele Grüße Aebby

    Urheberrecht und nicht-kommerzielle Vervielfältigung

    Die PIRATEN fordern ein Recht auf Privatkopien und ein Ende der Kriminalisierung von Tauschbörsennutzern. Durch den einseitigen Druck der Musikindustrie sind Lizenz und Verwertungsrechte massiv zu Gunsten der Verwerter verschärft worden. Dies hat dazu geführt, dass große Bevölkerungsteile kriminalisiert wurden. Im Moment sind Werke von Künstlern siebzig Jahre nach deren Tod urheberrechtlich geschützt. Dies habe nichts mehr mit dem ursprünglichen Sinn des Urheberrechts zu tun. Dadurch profitiert die Verwerterindustrie auf Kosten der Bürger. Daher fordern die PIRATEN eine Verkürzung der Schutzfristen von urheberrechtlich geschützten Werken – im Gegenzug soll Kultur vielfältiger gefördert werden. Auch sollen verbraucherfeindliche Behinderungen der Kopierbarkeit, wie sie durch Digitale Rechteverwaltung entstehen, abgeschafft werden.

    Freier Zugang zu Wissen für alle

    Ein Wahlspruch der Piraten lautet „Freier Zugang zu Wissen für alle“. Dies gilt insbesondere für Schulen und Universitäten. Ohne die engen Schranken der derzeitigen Verwertungsrechte kann Wissen effektiver vermittelt werden. Wir fordern die gesetzliche Verankerung freier Lizenzmodelle für Ergebnisse staatlich finanzierter Forschung. So wird verhindert, dass Wissen zu einem Luxusgut wird, von dessen Vermarktung eine Verwertungsindustrie auf Kosten der Bürger profitiert.

    Patentwesen

    Die Patentierbarkeit “nicht materieller Produkte” soll reduziert werden; insbesondere in den Bereichen Software, Gentechnik und Geschäftsideen, da dies in einigen Fällen bereits zu absurden Patenten geführt hat, und grundsätzliche Zweifel an den positiven Effekten dieser Patente bestehen. Auch schaden Patente kleinen Unternehmen und schaffen Monopole. Die PIRATEN fordern eine Reform des Patentsystems, da dieses Innovation stärker behindert als schützt.

  73. Yuri Sagt:

    Hi… mit deiner Erlaubnis wuerde ich den gerne ins Piratenwiiki uebertragen. Die Artikel dort stehen unter CC: BY-SA.

  74. aebby Sagt:

    @Yuri … gerne

  75. Stimmt nachdenklich und beleuchtet es genauer… « le-friseur v4 Sagt:

    [...] meiner Meinung nach bis jetzt das beste Statement zum Urheberrecht/Nutzungsrecht. Liebe Piratenpartei, wenn Ihr Euch ernsthaft wählbar machen wollt, fang an Alternativen abzuwägen und konkrete Vorstellungen zu bringen wie Nutzungsrechte neu gestaltet werden könnten im Rahmen der neuen technischen Möglichkeiten. So nun aber zum Blogeintrag bei Spuer-sinn/TillaPe [...]

  76. Carter Sagt:

    Warum muss es denn unbedingt immer dieses bestimmte Geschäftsmodell sein? Andere Branchen müssen sich auch nach ihren Kunden richten? Warum muss die Gesellschaft unwirtschaftliches Handeln subventionieren ?

  77. Tilla Sagt:

    @Carter
    Kannst Du das mal genauer erläutern? Wo subventioniert wer unwirtschaftliches Handeln im Urheberrecht?

  78. » Karan - Barbara Clear… @ Karan Sagt:

    [...] daß sich die GEMA ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in der über Urheber- und Verwertungsrechte heiß diskutiert wird, derartig bis zur Kenntlichkeit [...]

  79. Tilla Sagt:

    Ich setze den Link auch noch mal, dann fällt dem ein oder anderen vielleicht das Klicken leichter ;)
    Barbara Clear versucht ihr Recht gegen die GEMA durchzusetzen.

  80. Gsallbahdr Sagt:

    Künstlerkrise mit der GEMA und kein Land in Sicht für die Piraten…

    Krise ist ja sowieso gerade hip. Die von Bild als »Gaga-Partei« bezeichneten Piraten sind mit der Situation beim Urheber- und Nutzungsrecht in Deutschland unzufrieden. Doch die Piraten scheinen stark von der Open Source-Bewegung geprägt. In einer Di…

  81. Tilla Sagt:

    Ergänzend hier bitte auch mal lesen.

  82. InsideX Sagt:

    @aebby Das Verwertungsrecht ist teil des Urheberrechts!

  83. aebby Sagt:

    @insidex … Teil des Urheberrechts - ja - aber es ist kein synonymer Begriff. In der Öffentlichkeit kommt es aber als synonymer Begriff rüber und trägt zur Verwirrung bei. Das Zusammenziehen von Begriffen ist die Haupt-Meinungsmache-Masche der Leitmedien, deshalb neige ich da zur besonderen “Über”-Differenzierung.

  84. voices and pirates at Native Berlin Sagt:

    [...] ahoi - oder nicht (tilla pe) [...]

  85. Tilla Sagt:

    Und noch eine Diskussion

  86. Dr. Klaus Graf Sagt:

    Ich möchte noch einige Anregungen zum Nachdenken für diejenigen beisteuern, die gebetsmühlenhaft auf die angeblichen Rechte des Urhebers verweisen.

    (1) Die meisten der größten geistigen Schöpfungen der Menschheit wurde in einer Zeit erbracht, als es noch keinen gesetzlichen Schutz des Urheberrechts gab.

    (2) Unbestreitbare Hochkulturen wie das alte China oder der islamische Raum kamen ohne das westliche Konzept des Urheberrechts aus und haben trotzdem kulturelle Hochleistungen geschaffen.

    (3) Es gibt keine empirischen Belege für das Anreiz-Argument, dass Urheberrecht nötig ist, um Kreativität zu erzeugen. Im Gegenteil: beim frei erfundenen Datenbankschutzrecht der EU wurde untersucht, ob die EU dadurch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber z.B. der USA, die das nicht kennt, hat. Klare Antwort: Nein. Das Anreiz-Argument ist haltlos.

    (4) Bei einem etwas exotischen Gebiet, der editio princeps, geht es darum, Ersteditoren nach dem Urheberrechtsgesetz zu “belohnen”. Aber die meisten der literarischen Editoren wissen gar nichts von diesem Paragraphen, und in der Schweiz gibt es ihn auch nicht, ohne dass man sagen könnte, in der Schweiz wird weniger erstediert als in der EU/D.

    (5) Wer etwas erfindet, arbeitet unendlich härter und länger an seinem Projekt als der Durschschnittsurheber, muss aber mit einer extrem kürzeren Schutzdauer auskommen.

    (6) Kein Tischler käme auf die Idee zu erwarten, er könne seinen Tisch für dessen gesamte Existenz kontrollieren und bei jedem Weiterverkauf ggf. abkassieren. Wieso ist eine urheberrechtlich geschützte Leistung etwas ontologisch anderes als eine handwerkliche?

    (7) Niemand weiss, wo die Grenze zwischen ungeschützten Werken und geschützten verläuft (”Schöpfungshöhe”).  Die Rechtsprechung der Gerichte ist dazu weidlich inkonsistent.

    (8) Wenn Musiker künftig nur noch von ihren Konzerten leben können - so what? Heisst Urheberrecht Rundumwohlfühlversorgung und Monopolgewinne für alle Zeiten?

    Das reicht erstmal ;-)

  87. Wie geil ist das denn, bye bye youtube? | le-friseur v.4 Sagt:

    [...] Beitrag zum Thema Verwertungsrecht-Probleme hat schon Tilla Pe geschrieben, verlinke ich hier nochmal falls ihrs noch nicht gelesen habt. Share and [...]

  88. Stefan Waidele Sagt:

    “…Wenn Musiker künftig nur noch von ihren Konzerten leben können…”

    Ich dachte, das sei schon eine ganze Weile so, und zwar nicht wegen den “bösen Kopierern”: http://www.basicthinking.de/blog/2008/04/09/musiker-und-ihr-gerechter-lohn/

  89. Johannes Müller Sagt:

    Ich weiß nicht ob ihr’s schon gelesen habt: Der Tagesspiegel hat heute auch was zur Diskussion gebracht:

    http://www.tagesspiegel.de/kultur/Urheberrecht;art772,2835794

  90. Tilla Sagt:

    Und noch ein lesenswerter Artikel

  91. Thomas R. Sagt:

     1) Die meisten der größten geistigen Schöpfungen der Menschheit wurde in einer Zeit erbracht, als es noch keinen gesetzlichen Schutz des Urheberrechts gab.
    (2) Unbestreitbare Hochkulturen wie das alte China oder der islamische Raum kamen ohne das westliche Konzept des Urheberrechts aus und haben trotzdem kulturelle Hochleistungen geschaffen.

    Das ist es ja eben, früher war ein solches Gesetz schlcit noch nicht notwendig. Heutzutage jedoch schon, da wir uns eben nicht mehr von Ackerbau ernähren, sondern handel treiben, und Dienstleistungen anbieten.

    (3) Es gibt keine empirischen Belege für das Anreiz-Argument, dass Urheberrecht nötig ist, um Kreativität zu erzeugen. Im Gegenteil: beim frei erfundenen Datenbankschutzrecht der EU wurde untersucht, ob die EU dadurch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber z.B. der USA, die das nicht kennt, hat. Klare Antwort: Nein. Das Anreiz-Argument ist haltlos.

    Aha,  Sie möchten also erreichen, das zukünftig alle Ideen hinter verschlossenen Schubladen gehalten werden? Ich als Kreativer wäre ja schön blöd, diese “unkontrolliert” zu veröffentlichen. Da schließe ich die lieber ein, und “verwerte”  sie bei Bedarf selber. Die Arbeitszeit dafür hat mir ja auch keiner bezahlt, warum sollte ich diese dann kostenlos zur Verfügung stellen? Unlogischer Vergleich.

    (4) Bei einem etwas exotischen Gebiet, der editio princeps, geht es darum, Ersteditoren nach dem Urheberrechtsgesetz zu “belohnen”. Aber die meisten der literarischen Editoren wissen gar nichts von diesem Paragraphen, und in der Schweiz gibt es ihn auch nicht, ohne dass man sagen könnte, in der Schweiz wird weniger erstediert als in der EU/D.
    Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Wieso sollte Unwissenheit belohnt werden? Komisches konzept, da sollte jeder für sich selber Verantwortlich sein.

    (5) Wer etwas erfindet, arbeitet unendlich härter und länger an seinem Projekt als der Durschschnittsurheber, muss aber mit einer extrem kürzeren Schutzdauer auskommen.
    Was hat denn jetzt das Urheberrecht mit dem Patent/Markenrecht gemeinsam? Es spielt sicherlich mit hinein, aber da wollen wir die Kirche mal im Dorf  belassen, und nicht Äpfel mit Birnen vergleichen.

    (6) Kein Tischler käme auf die Idee zu erwarten, er könne seinen Tisch für dessen gesamte Existenz kontrollieren und bei jedem Weiterverkauf ggf. abkassieren. Wieso ist eine urheberrechtlich geschützte Leistung etwas ontologisch anderes als eine handwerkliche?
    Ganz einfach, weil der Auftrag an den Tischler lautet: Bau für mich einen Tisch, da wird ganz einfach ein Werkstück verkauft das der Künstler zum Verkauf anbietet, basierend auf einem Werkvertrag, oder auf  seiner freien Entscheidung das zu tun, weil er es mir anbietet. Wenn ich jetzt selber diesen Tisch nachbaue, kann ich das mit meinen handwerklichem Geschick gerne versuchen, werde aber wohl nicht an sein Geschick/Handwerk herankommen.

    Gruß,
    Thomas R.

  92. Herr Q. (herrq) 's status on Tuesday, 14-Jul-09 21:23:59 UTC - Identi.ca Sagt:

    [...] http://www.spuer-sinn.net/blog3/ahoi/ [...]

  93. alice hive Sagt:

    “(8) Wenn Musiker künftig nur noch von ihren Konzerten leben können - so what? Heisst Urheberrecht Rundumwohlfühlversorgung und Monopolgewinne für alle Zeiten?”

    1.Was ist dann mit Komponisten und Textern? Was ist mit Musikern, die keine Konzerte geben?

  94. zuckersuess-und-bitter.de Sagt:

    Kultur ist zu üppig für das Flatratekorsett et etc…

    Es hängt sich an der Kernfrage auf, was sei Kultur? Kultur kann und darf nicht definiert werden.
    Gerade unser Volk mit seiner Geschichte sollte vor Schreck zusammen zucken bei dem Gedanken, dass eine wie auch immer geartete staatliche oder staatlich s…

  95. narodon Sagt:

    Ich, als inoffizieller Pirat, finde immer es schon fast erschreckend, dass Künstler die Piratenpartei als Bedrohung sehen.
    RLP-Pirat hat es wohl bisschen zu aggressiv formuliert, aber ich unterstelle ihm einfach mal, dass es sagen wollte, dass die Piraten weder das Internet erfunden haben noch das sich die Entwicklung rückgängig machen wird. Die Frage ist wie gehen wir damit um. Filesharing wird sich nicht verhindern lassen, es sei denn wir schaffen unsere Freiheit ab, und das darf eben nicht passieren. Der momentane Kurs der Industrie (und den anderen Parteien) ist es mit aller härte gegen die Spitze des Eisberges vorzugehen. Das Ergebnis: Piratebay wird still gelegt, eine Woche später ist das backup wieder zu 100% online. Und nächstes Jahr ist der nächste Dienst online, der noch dezentraler noch verschlüsselter noch anonymer ist. Es werden zuhauf Abmahnungen verschickt, die Gerichte sind überlastet, einzelne werden medienwirksam zu horrenden Schadenersatzzahlungen verurteilt, wo ich mich schon frage wie die solche Summen berechnen.

    Deshalb würde ich überspitzt sagen, die Piratenpartei ist die einzige Chance die Künstler noch haben.

    Einige Bereiche sind natürlich stärker betroffen als andere. Die Menschen werden aber immer bereit sein für Kunst zu zahlen. Die Frage ist nur wie geschieht das. Das System, dass man seine rechte abgibt, ist meiner Meinung nach ein System des letzten Jahrhunderts. Die Zukunft liegt wohl im Spenden/Micropayment.

    Die Aufgabe des Gesetzgebers besteht darin, hier die Rahmenbedingen zu schaffen, es kann zB nicht sein, dass man mit Creativ Commens nicht Teil der Gema sein kann. Auch brauchen wir ein einhaltliches, einfaches, sicheres Bezahlsystem, mit dem ich mit einem Mausklick bezahlen kann. Das dürfte auch sehr interessant für Journalisten sein, wenn ich länger zum Bezahlen brauche als zum lesen des Artikels, dann zahle ich halt nicht. Paypal geht ja schon in die Richtung, es sollte aber nicht auf einem Anbieter basieren sondern ein offenes System von den Banken sein.
    Ich habe gerade mal geguckt, auf keiner Websites der Bands die ich gerade am meisten höre gibt es die Möglichkeit zu spenden. Dann muss ich halt weiter CDs kaufen, die dann zT original verpackt in Karton und dann in Keller wandern. Wie viel kommt da beim Musiker an?! Ein Euro +-? Das könnte mehr sein.
    Ich will es mal so darstellen, ich zahle für Musik, und wenn der Künstler mein er müsse ein Teil dieses Geldes an Promotion, CD Produktion, Einzelhandel, etc weitergeben, dann soll er sich nicht beschweren, dass er zu wenig über hat.

    Ich glaube nicht, dass die Piratenpartei, irgendwem vorschreiben wird unter welcher Lizenz er was stellen soll, Freiheit seht ja bei denen an oberster Stelle. Aber es geht darum, dass ich mir eine CD nicht dreimal kaufen muss nur weil ich sie zu hause, im Auto und im Diskman hören möchte. Auch möchte ich die Möglichkeit haben die haben die Sachen wieder zu verkaufen.

    Die Zukunft sehe ich so oder so in CC GPL und co.

    schönen Guten Tag

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