Archiv für die Kategorie ‘Eine kleine Fotoschule’

Kapitel 6: Blind wie ein Maulwurf?

Montag, 24. November 2008

Mit der Bildgestaltung ist es so eine Sache.
In vielen Büchern über Fotografie kommt an dieser Stelle die Geschichte mit dem goldenen Schnitt. Das verführt den Leser dazu, den „goldenen Schnitt” wie das „goldene Kalb” zu betrachten und anzubeten.
Richtig ist: Es ist nicht falsch, über den goldenen Schnitt Bescheid zu wissen.
Fatal ist: Jedes Bild genau abgezirkelt nach dem goldenen Schnitt gestalten zu wollen. (weiterlesen…)

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Kapitel 5: Scharfe Sache!

Sonntag, 23. November 2008

Die Tiefenschärfe (oder Schärfentiefe, da streiten sich die Gemüter) - was ist das eigentlich und wie macht man das? Und wofür soll das gut sein? (weiterlesen…)

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Kapitel 4: Der Anblick blendet mich

Freitag, 05. Oktober 2007

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Um Fotografie zu verstehen muss man fotografisch sehen lernen.

Sehen können wir alle von klein auf.

Mir geht es jedoch um das bewusste Sehen, denn es ist Grundlage für die folgenden Erklärungen.

Jeder Körper wird von uns dreidimensional wahrgenommen, weil das Licht von diesem Körper an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich reflektiert wird.

Reflexionen sind einfach nur zurückgeworfenes Licht.

Das menschliche Auge nimmt übrigens ausschließlich Reflexionen wahr. Wir sehen nicht den Baum sondern das, was der Baum an Reflexionen abgibt.

Unser Auge nimmt unentwegt Bilder auf - bei ruhiger Betrachtung etwa bis zu 30 in der Sekunde. Ein Formel 1 Fahrer hat keine Zeit für ruhige Betrachtungen. Wenn er auf seiner Strecke ist, nimmt sein Auge bis zu 200 Bilder in der Sekunde auf.

Das schafft keine Kamera. Warum auch, wir wollen ja nur die vereinzelten Bilder einfangen. Wenn wir ein Bild aufnehmen wollen, müssen wir uns also überlegen, wie es aussehen soll. Das heißt nichts anderes, als die Überlegung anzustellen, wieviele und welche Reflexionen wir in welcher Art und Weise auf ein Bild bringen wollen.

Um eine solche Entscheidung zu treffen, müssen wir etwas über die Blende wissen.

Wenn wir im Dunkeln sitzen, dann haben wir eine größere Pupille. Die Iris öffnet die Pupille, damit mehr Licht ins Auge fällt. Klar - ohne Licht kein Bild. Das haben wir ja schon festgestellt. Sind wir in der prallen Sonne, so zieht sich die Iris zusammen und das grelle Licht kann nur durch die stark verkleinerte Pupille eindringen und die lichtempfindliche Aufnahmefläche treffen.

Die Iris schafft also automatisch einen Ausgleich des Lichteinfalls (in gewissen Grenzen), damit wir in einer dunklen und einer hellen Umgebung annähernd gleich helle Eindrücke haben.

Übertragen wir dieses Wissen jetzt auf das Kameraobjektiv, so haben wir statt der Iris die Blende, statt der Pupille die Blendenöffnung.

Die Blendenwahl funktioniert beim Auge automatisch, bei der Kamera müssen wir sie auswählen (bzw. von unserer Blendenautomatik auswählen lassen - aber diesen Aspekt führe ich hier nicht weiter aus, denn er dient momentan so garnicht dem angestrebten Verständnis).

Starten wir wieder einen kleinen Selbstversuch.

Wieder mit nur einem Auge, denn sonst verfälschen wir ja den Vergleich. Der Mensch sieht ja normalerweise mit zwei Objektiven, äh, Augen - die Kamera im Normalfall nur mit einem. (Die wenigen Ausnahmen besprechen wir ein anderes Mal.)

Sollte heute ein Glückstag sein und die Sonne so richtig schön stark scheinen, dann gehen Sie hinaus und betrachten die nächste Umgebung. Wohlgemerkt nur mit einem Auge. Hintergrund und Vordergrund werden zusammen betrachtet schärfer wahrgenommen als bei unserem ersten Selbstversuch.

Das liegt daran, dass die Iris aufgrund der hellen Lichtsituation die Pupille stark zusammengezogen hat, das Auge hat abgeblendet.

Diese verkleinerte Pupillenöffnung ergibt eine größere „Tiefenschärfe“, eine Vokabel, die uns im Folgenden noch einmal begegnen wird.

Sollte die Sonne übrigens nicht scheinen, so brauchen Sie ihre Hand nur zu einer Faust mit einer kleinen Öffnung zu ballen und durch diese Öffnung zu schauen - der Effekt ist der gleiche, Vordergrund und Hintergrund sind gleich scharf.

Wenn wir diese gesammelten Erkenntnisse jetzt auf unsere Kamera übertragen, so bedeutet das:

je dunkler die Umgebung, desto größer muss die Blendenöffnung sein, um die Reflexionen der aufzunehmenden Körper auf dem Film einfangen zu können.

je heller die Umgebung, desto kleiner muss die Blendenöffnung sein, um die Reflexionen der aufzunehmenden Körper auf dem Film einfangen zu können.

je kleiner die Blendenöffnung desto mehr Tiefenschärfe.

je größer die Blendenöffnung desto weniger Tiefenschärfe.

Das muss fürs erste reichen, selbstverständlich gibt es noch viele weitere Regeln für einen sinnvollen Blendeneinsatz, in die dann noch Aspekte wie Filmempfindlichkeit und Verschlusszeiten einfließen, aber ich will es ja peu à peu und möglichst unkompliziert erklären.

Also alles schön der Reihe nach, wie der Bauer die Klöß frisst.

Wenn Sie jetzt die Gelegenheit haben, eine Kamera mit einem Objektiv in die Hand zu nehmen, auf dem die verschiedenen Blendenzahlen vermerkt sind, so gebe ich Ihnen noch folgenden Merksatz an die Hand:

Je größer die Zahl, desto kleiner die Blendenöffnung

Keine Panik - anfangs braucht man immer länger, um die (richtige) Blende zu wählen. Wenn man sich nicht entmutigen lässt, weiß man irgendwann innerhalb von Sekundenbruchteilen, welche Blende die richtige ist.

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Kapitel 3: Schau mir in die Augen, Kleines!

Freitag, 28. September 2007

Schau mir in die Augen, Kleines!

Wir wissen jetzt - eine Kamera hat eine Linse und eine Abbildungsebene, die lichtempfindlich ist.

Wenn wir mit einer Box-Kamera, dem Kamera-fürs-Volk-Schlager der 30iger bis 50iger Jahre arbeiten, dann müssen wir auch gar nicht so viel mehr wissen.

So ist es aber ja nicht, also werfen wir jetzt einen ausführlicheren Blick auf das menschliche Auge.

Rigoros gesehen liegt der wichtigste Unterschied zwischen Auge und Kamera in dem Umstand, dass wir mit dem Auge „nur“ Netzhautbilder machen können. Damit meine ich die Gedanken - und Erinnerungsbilder, die wir einem anderen nicht zeigen können, die wir nur schildern können und unser Gegenüber macht sich dann aus dieser Schilderung sein eigenes Bild.

(Ich selbst habe z.B. den Hang, Sonnenuntergänge grundsätzlich nur mit der Netzhaut aufzunehmen. Kein Fotoapparat der Welt kann sie so schön wiedergeben wie ich sie mit meinen Augen sehe. Also fotografiere ich sie nicht.

Mal abgesehen davon, dass ich der Meinung bin, dass man wirklich nicht unbedingt immer alles fotografieren muss.)

Unser Auge hat also eine Linse, einen dunklen Raum und eine lichtempfindliche Auffangfläche für die Bilder. Wenn wir uns das Auge anschauen, so sehen wir nur die Linse, alle anderen „Bauteile“ sind im Kopf verborgen.

Im Gegensatz zu den oben angesprochenen Box-Kameras hat das Auge allerdings nicht nur eine einfache Linse, sondern ist mit einem technisch tadellosen und richtig guten Objektiv ausgestattet!

Dieses Objektiv besteht (vereinfacht dargestellt) aus der Linse, der Iris und der Pupille.

Das Objektiv der Kamera besteht (vereinfacht dargestellt) auch aus einer Linse, der Blende und der Blendenöffnung.

Das menschliche Auge stellt ein Bild automatisch scharf, indem es nacheinander verschiedene Ausschnitte des zu betrachtenden Objektes vor den so genannten „gelben Fleck“ (Makula) auf unserer Netzhaut schiebt.

(Der „gelbe Fleck“ ist der Teil unserer Netzhaut mit der größten Dichte an Sehzellen.) Zuständig für diesen Job sind die Augenmuskeln. Wenn wir müde sind, fällt es uns schwerer, scharf zu sehen, denn auch die Augenmuskeln sind müde.

Die Erkenntnis - unser Auge hat einen Autofokus.

(Liebe Biologen, Mediziner oder Allwissende - ich erkläre hier nicht absolut perfekt und fundiert, sondern versuche nur, verständlich zu bleiben. Nehmt es mir also bitte nicht krumm, wenn ich nicht medizinisch, biologisch allwissend ins Detail gehe, ja?)

Klar, jetzt können wir losgehen und eine Kamera mit Autofokus kaufen - warum sollen wir uns die Mühe machen und manuell scharf stellen, unser Auge macht es ja auch automatisch! Selbst ich würde mit Autofokus fotografieren, wenn es tatsächlich so einfach wäre. Aber bis heute gibt es, trotz aller Höhenflüge in der technischen Entwicklung noch keine Kamera, die mit einem Datenkabel direkt an mein Gehirn angeschlossen ist. Noch entscheidet ein Autofokus ganz allein anhand von Belichtungssituation oder Kantenschärfe oder Entfernung, wo er was scharf stellt - ich als Fotografierender habe darauf keinen großen Einfluss. Will ich nur meine Oma breit grinsend vor dem schiefen Turm von Pisa fotografieren, dann reicht mir das auch. Das schafft so ein Autofokus ganz wunderbar, Oma ist scharf, der Turm ist drauf und bleibt schief - alles bestens. Da meine Oma aber gar nicht nach Italien will und ich selbst auch ganz andere Sachen fotografiere , möchte ich bitteschön selbst entscheiden, wie mein Bild aussehen soll. Deswegen fokussiere ich manuell.

Und an dieser Stelle fängt dann die Arbeit an, ich muss meine Kamera so einstellen, dass sie das scharf ablichtet, was ich als wichtig erachte.

Das ist nicht schwer und mit etwas Übung wird man ganz schön fix.

Bei all diesen Vergleichen (die natürlich, wie alle Vergleiche, hier und da ein wenig hinken) dürfen wir niemals vergessen, dass unser Auge immer und überall mit unserem Gehirn verbunden ist. Alle „aufgenommenen“ Bilder werden in wahnsinniger Geschwindigkeit und permanent durch den den Sehnerv an unser Hirn übermittelt, sortiert, nach Prioritäten gespeichert und mit anderen Informationen aus anderen Nervensträngen verknüpft.

Das Gehirn steht uns bei jedem Sehvorgang mit einer unglaublichen Interpretationsleistung zur Seite. Mehr dazu später - wir sind ja noch beim Objektiv (das nicht etwa Objektiv heißt, weil es objektiv aufnimmt - doch auch dazu an anderer Stelle und später mehr.)

Zurück zur Kameratechnik.

Das klassische Kameraobjektiv verfügt also über ähnliche Komponenten,wie das menschliche Auge. Da ist ein Loch hinter Glas, dessen Öffnungsgröße darüber entscheidet, wieviel Licht auf das Aufnahmemedium fällt. (Blendenöffnung). Da ist eine Funktion, die darüber entscheidet, wie groß dieses Loch sein soll (Blende). Und ein Glaskörper, der mit seinen Eigenschaften den Lichtfluss in das Loch regelt (Linse).

Was unser Auge automatisch regelt, das muss mit dem Kameraobjektiv „per Hand“ geregelt werden (auch, wenn wir mit dem Autofokus fotografieren, richten wir die Kamera auf das Etwas, was wir abbilden wollen und suchen uns die für uns wichtige Stelle, die wir scharf haben wollen. Ob der Autofokus auch das als wichtig erachtet, was wir uns ausgeguckt haben, ist eine Kombination von dem Wissen über seine Funktion und einer Portion Glück).

An dieser Stelle empfehle ich einen kleinen Selbstversuch.

Betrachten wir unsere Hand - dabei benutzen wir nur ein Auge!

Wir sehen nur die Hand scharf, alles, was im Hintergrund liegt, dagegen unscharf. Lassen wir jetzt das Auge den Hintergrund betrachten, so dauert es einen winzigen Moment, bis der Hintergrund scharf eingestellt ist, die Hand im Vordergrund wird dabei unscharf. Das ist Fokussierung.

Wir können dieses Wechselspiel beliebig fortsetzen, merken dabei aber nicht, dass sich auch unsere Pupille verändert, wenn wir hin und her fokussieren.

Der Grund liegt in der unterschiedlichen Belichtung.

Belichtung ist ganz furchtbar wichtig in der Welt der Fotografie!

Aber machen wir uns doch erst einmal bewusst, was Belichtung eigentlich ist.

Im Wort steckt das Wichtigste ja schon drin - Licht.

Der Mensch ist keine Katze, deswegen kann er im Dunklen auch nicht so gut sehen, und wenn es gar so richtig stockeduster ist, kann er sogar gar nichts sehen.

Ergo: Das menschliche Auge braucht irgendwas an Licht, um sehen zu können.

Nochmal ergo (ich mag dieses Wort!): Eine Kamera, die ja in ihrer Bauweise dem menschlichen Auge nachempfunden wurde, braucht auch Licht, um ein Bild aufzunehmen.

Eigentlich ist das Kapitel 3 an dieser Stelle beendet - aber ich kann mir einen kleinen Nachsatz nun doch nicht verkneifen.

Es gibt Bilder, die uns auf den ersten Blick wunderschön erscheinen. Mit dem zweiten Blick erscheinen sie uns überirdisch schön, fast schon genial - aber irgendwie künstlich, glatt oder unnatürlich. Wir kommen nicht darauf, was unser Auge und unser Hirn irritiert. Betrachten wir jetzt ganz gezielt die Schärfe - und Lichtsituation auf den Bildern und vergleichen sie mit unserer eigenen Sehgewohnheit und den Fähigkeiten, die unser Auge aufweist (und in den Selbstversuchen bewiesen hat), so kommen wir langsam dahinter, das bei diesen Bildern „getrickst“ wurde. Das ist durchaus nicht schlimm und macht diese Bilder deswegen nicht schlechter (denn Tricksen ist eine alte Kunst - gerade auch in der Fotografie und will gekonnt sein), erklärt aber, warum uns Bilder, die unseren Sehgewohnheiten mehr entgegenkommen als „natürlicher“ und anheimelnder wahr genommen werden. Wagen Sie bitte bei jeder Bildbetrachtung einen zweiten, dritten und vierten Blick - Sie können sich jetzt vielleicht noch gar nicht vorstellen, was Sie, Ihr Auge und Ihr Gehirn dabei über Wahrnehmung, Fotografie und Kunst lernen!

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Kapitel 2: Der sehende Kasten

Dienstag, 25. September 2007


Der sehende Kasten

Ich bin nun kein Mensch, der sich der Technik verschrieben hat. Ganz im Gegenteil, technische Erklärungen sind mir ein notwendiges Übel. So knapp wie möglich, so ausführlich wie gerade nötig und so verständlich, wie es nur irgend geht - so sind mir technische Beschreibungen und Erklärungen am liebsten.
So möchte ich auch in dieser kleinen Fotoschule vorgehen.
Wer hier nach den neuesten technischen Entwicklungen sucht, nach Bildbearbeitungstipps- und tricks, nach DRI und HDR - der ist hier falsch.
Wer in kleinen Schritten etwas über Fotografie und fotografisches Sehen lernen will, wer bereit ist, selber auszuprobieren und sich auf den Weg machen will, Fotografie zu verstehen, der ist hier richtig.

Eine Kamera funktioniert im Großen und Ganzen wie das menschliche Auge.
Anhand des Beispiels „Auge“ kann man eine ganze Reihe der Eigenschaften und Begrifflichkeiten erklären, die mit Kameratechnik zu tun haben. (Und das ist dann eher spannende Biologie als schnöde Technik oder?)

Das Auge hat einen Glaskörper.
Der Glaskörper erzeugt das Bild und wirft es durch den Hohlraum des Auges nach rückwärts auf eine lichtempfindliche Fläche, die Netzhaut.
Die Kamera hat eine Linse.
Die Linse erzeugt das Bild und wirft es durch den Hohlraum der Kamera nach rückwärts auf eine lichtempfindliche Fläche, den Film.

So weit - so gut. Es gibt noch mehr Vergleiche und Ähnlichkeiten, doch dazu später.
Eine Linse hat die Eigenschaft, Licht zu sammeln.
Ich glaube, ich war fünf oder sechs Jahre alt, da haben mir meine ersten Experimente mit Linsen eine gewaltige Tracht Prügel eingebracht - als ich nämlich mit Opas Lesebrille den Strohballen, den der Nachbar für seine Kaninchenställe in seinem Garten liegen hatte, in Flammen aufgehen ließ. Ich muss nicht erwähnen, dass es ein lichtreicher, sonniger Tag war?
Von der Pyrotechnik zurück zur Fototechnik.
Wenn ein Lichtstrahl auf eine Linse trifft, dann dringt er hindurch und die Linse entwirft auf der anderen Seite sein Abbild. Dieses Abbild kann aber nur in einem dunklen Raum entstehen, denn würde die Fläche, auf der das Bild entsteht, auch noch von einer anderen Lichtquelle getroffen werden, so würde man das Bild unseres Lichtstrahls ja nicht mehr sehen.
Im Kino kann man auch nichts mehr auf der Leinwand erkennen, wenn der Abspann noch läuft, das Licht aber schon an ist.
Deshalb muss die Linse, die das Bild entwirft, an einem lichtdichten Gehäuse angebracht sein, das verhindert, dass auch anderes, „fremdes Licht“ den Eindruck stört oder gar verhindert.
Im Kino ist das lichtdichte Gehäuse der dunkle Saal, in der Fotografie ist es die Kamera.
Im Bauch der Kamera liegt der Film, die lichtempfindliche Fläche, frei. Auf dem Film soll das Bild jedoch nicht nur erscheinen, sondern auch festgehalten werden! Deshalb darf er von keinem fremden Licht getroffen werden.
Mir als Anhängerin der analogen Fotografie liegt der Film als Aufnahmemedium näher als der Chip.
Selbstverständlich gilt aber alles, was ich hier und im Folgenden erzähle, nicht ausschließlich für analoge Fotografie sondern ebenso für die digitale Fotografie.
Ich bin nur zu faul, jedes Mal „Film - Schrägstrich - Chip“ zu schreiben.

Das Thema Licht birgt noch viele, spannende Erkenntnisse, für mich heute noch ein wahrer Quell von AHA-Erlebnissen. In einem späteren Kapitel werde ich darauf bestimmt noch genauer eingehen. An dieser Stelle ist für uns im Moment nur wichtig, dass man Licht braucht, um zu fotografieren. Wieviel Licht und welcher Art, dazu kommen wir später.

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Kapitel 1: Der magische Kasten

Donnerstag, 20. September 2007

Der magische Kasten

Dieses erste Kapitel müsste eigentlich die Überschrift „Einführung“ tragen.
Ich selbst gehöre allerdings zu den Menschen, die Einführungen gerne überspringen. Deshalb habe ich aus meiner Einführung das erste Kapitel gemacht. Es wäre zu schade, wenn der geneigte Leser meine Erfahrungen mit der Fotografie überspränge, in der irrigen Meinung, sich die nutzlose Einführung zu ersparen.
(Und ich muss an dieser Stelle jetzt ehrlich gestehen, ich habe Einführungen oft als Letztes gelesen und dabei festgestellt, dass sie durchaus die Berechtigung haben, ganz vorne zu erscheinen…)

Ich glaube, ich war etwa 11 Jahre alt, als ich das erste Mal ernsthaft eine Kamera in die Hand bekam. Es war die „Ritsch-Ratsch-Klick“ meiner Mutter, für eine eigene Kamera war ich nach Aussage meiner Eltern noch zu klein.
Der Umgang mit diesem Gerät wurde mit Argusaugen beobachtet, jede Aufnahme kommentiert, die Spanne ging von „Das wird doch eh nichts“ über „Lass sie bloß nicht fallen“ bis hin zu „Hast Du den Opa auch mit drauf?“.
Erklärt, wie so ein Gerät eigentlich funktioniert hat mir allerdings niemand.
Davon ausgehend, dass die Kamera mit ihrer kleinen Linse genau das sieht, was meine Augen sehen, war ich entsprechend enttäuscht, als ich die ersten Abzüge in den Händen hielt. Beim Opa war der Kopf abgeschnitten und der Rest unscharf, der Bernhardiner von Freunden war irgendwo ganz hinten und ganz klein im Bild, und der Regenbogen, den ich aufgenommen hatte, war überhaupt nicht zu sehen.
Die Enttäuschung war groß und die Tränen kullerten.
Der magische Kasten war alles andere als magisch, denn er konnte meine Netzhautbilder gar nicht einfangen. Alles leere Versprechungen. Dachte ich.

Die erste eigene Kamera war dann der direkte Nachfolger der legendären Ritsch-Ratsch-Klick, es ritsche und ratschte nicht mehr, dafür hatte ich einen Griff, der zusammengeklappt als Schutzhülle für den Apparat gedacht war. Aus meinen Erfahrungen mit Mutters Gerät hatte ich inzwischen so viel gelernt, dass auf den Bildern nicht unbedingt zu sehen war, was ich dachte, eingefangen zu haben, und dass Fotografie in erster Linie mit den Gedanken über das Bild zu tun hat und erst in zweiter Linie mit der Schnelligkeit beim Auslösen. Langsam fing ich an zu begreifen.
Eine Kamera ist kein magischer Kasten mit eingebautem „Wünsch Dir was“ sondern das Werkzeug, mit dem es uns gelingen kann, ein Bild festzuhalten, das vorher auf unserer Netzhaut war. Um das Gesehene jedoch so festzuhalten, dass es uns gefällt, müssen wir über die Eigenschaften und Eigenarten des Werkzeugs Bescheid wissen.

Wir müssen lernen, wie unsere Wahrnehmung funktioniert.
Nicht zuletzt müssen wir akzeptieren, dass es ziemlich wurscht ist, mit welchen Raffinessen unser Werkzeug ausgestattet ist, die Arbeit auf dem Weg zum guten Bild wird sie uns auch mit Autofokus, Verwackelungsschutz und „Motivklingel“ nicht abnehmen.

Heute ist es so, dass meine eigenen Kinder bereits ihre ersten Erfahrungen mit der Fotografie hinter sich haben, trotz mütterlich wohlwollender Einweisungen und Erklärungen haben auch sie Tränen geweint um nicht gelungene Bilder.
Und auch ich selbst habe immer wieder ein Tränchen im Auge, weil auch mir immer noch passiert, dass ausgerechnet dieses eine Bild, von dem ich mir so viel versprach, nicht geworden ist, was es werden sollte.

Wer ernsthaft fotografieren will, der sollte sich immer bewusst sein, dass „Meisterbilder“ das Ergebnis des Zusammenspiels von Glück, Können und immer wiederkehrenden Misserfolgen (aus denen man lernen kann und muss) sind.
Fotografie ist eine Leidenschaft, eine Liebe und eine Sucht.
Sich der Fotografie zu verschreiben bedeutet, sich auf die endlose Suche nach dem einen Bild zu begeben, das, sobald es einem widerfahren ist, ersetzt wird durch das nächste Bild, was man so gerne machen würde.
Mit einer Kamera im Gepäck durch die Welt und das Leben zu gehen, kann einen einsam machen, aber auch glücklich. Gehasst und geliebt, bewundert und verachtet. Es kann einem Ruhm verschaffen oder auch nur Geld, es kann einen befriedigen und es kann einen auch in ewiger Hetze durch die Bilder treiben, die uns gegeben werden.

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Eine kleine Fotoschule

Sonntag, 16. September 2007

Fotografieren ist kein Teufelswerk.

Die wichtigste Ausstattung für gute Fotografie ist die Bereitschaft, zu lernen und immer weiter zu lernen, zu sehen und sich mit Wahrnehmung zu beschäftigen.

Um gut zu fotografieren, braucht man keine teure, aufwändige, mit allen technischen Raffinessen ausgestattete Kamera.
Die Kamera ist nur ein Werkzeug.
Trotzdem wird mir immer wieder erzählt, fotografieren sei schwer.
Vielleicht kann ich ja mit den anhängenden Erzählungen, Erklärungen, Hinweisen und Ratschlägen ein wenig Licht ins Dunkel bringen und den ein oder anderen auf den Weg zu guter Fotografie führen?

In dieser Kategorie werden in nächster Zeit immer wieder Kapitel auftauchen, bis nach und nach eine kleine Fotoschule entstanden ist.

Kapitel 1 findet ihr hier

Kapitel 2 findet ihr hier

Kapitel 3 findet ihr hier

Kapitel 4 findet ihr hier

Kapitel 5 findet ihr hier

Kapitel 6 findet ihr hier

Sobald ein paar technische Details geklärt sind, stelle ich die einzelnen Kapitel auch als .pdf zur Verfügung. Das macht das Ausdrucken und im Bett lesen einfach ein wenig leichter ;)

Fragen und Anregungen werden von Ihrer/Eurer Seite gerne entgegengenommen.

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