Sie kam über reichlich Wasser zu mir geflogen und wollte getestet werden.
Die japanische Blackbird fly aus dem Hause Superheadz.
Ich bin ja ein kleines Ungeduld, lange hatte ich auf das mir angekündigte Schmuckstück gewartet. Nicht nur, weil ich schon immer mal eine knallrote Kamera haben wollte, sondern weil ich noch nie in meinem Leben eine zweiäugige Kamera gesehen habe, die mit Kleinbildfilm fotografiert!
Also nicht lang den Karton gedreht, sondern fix aufgemacht. In der Schachtel hockte eine durchsichtige Plastikglocke und unter dieser Plastikglocke präsentierte sich mir mit einem knallroten Vorderteil die Blackbird fly. Wow!

Ich beraubte sie ihrer Unschuld Haube und drehte sie in den Händen. Besser verarbeitet als ich dachte. Toy-Kameras geht ja schon ein etwas schlechterer Ruf voraus, “Plastik”, “bunt” und “edel” geht nach meinem Empfinden nicht so zusammen, hier war ich überrascht und hatte sofort den Gedanken, dass die Leutchen von Superheadz, die dieses bunte Teil entwickelt und gebaut haben, mit Liebe und Leidenschaft an die Arbeit gegangen sind.
Die Blackbird hat einen Lichtschachtsucher, in dem man tatsächlich etwas sieht. Bei meiner russischen Lubitel 166B verbringe ich mehr Zeit mit lustigem Motiv erahnen als mit tatsächlichem Motiv sehen. Die Klappen sind sogar nummeriert, damit man den Lichtschacht auch ja in der richtigen Reihenfolge wieder zusammenklappen kann. Selbstverständlich hat auch dieses Schätzchen einen Sportsucher!
An meiner Rolleiflex Automat habe ich das Bildzählwerk sehr zu schätzen gelernt und tatsächlich besitzt auch diese kleine, japanische Kiste ein Bildzählwerk. Naja, mit einem roten Fensterchen wäre einem auch nicht gedient - hier wird ein Kleinbildfilm geladen, da nutzt einem kein Fensterchen. Wegen des Kleinbildfilms ist die Blackbird auch mit einer kleinen Kurbel ausgestattet - irgendwie muss man den Film ja zurück in die Patrone bekommen. Er kam mir ja schon ein wenig “gakelig” vor - hat aber beim Praxistest voll und ganz bestanden.
Der spannendste Moment war die Öffnung der Blackbird um einen Blick auf das Innenleben zu werfen und den ersten Film einzulegen. Oh. Ich brauche nicht oft eine Gebrauchsanweisung, um einen Film einzulegen, aber in diesem Fall habe ich dann doch beschlossen, mir Rat in dem kleinen Heftchen zu holen, das bei lag. Ein bisschen umständlich ist es ja schon, aber der Film muss sich ja quasi einmal in der Kamera wenden, damit die richtige Seite vor dem Verschluss liegt und dieses Problem ist sehr hübsch gelöst.
Bevor man den Film einlegt, sollte man sich erst für das gewollte Format entscheiden. Die Blackbird kann nämlich das ganz normale Negativformat belichten, außerdem jedoch mit Hilfe einer Maske Bilder in 24 x 24 mm und 36 x 36 mm machen. Bei dem Format 36 x 36 werden die Filmränder mit belichtet.
Wenn man so schusselig ist wie ich und die Maske für 24 x 24 falsch herum einlegt, dann bekommt man Bilder im Format 35 x35 - bei denen ist dann nur der halbe Filmrand mit belichtet 
Im Lichtschachtsucher sind die verschiedenen Formate markiert, man kann also wunderbar den Bildausschnitt wählen. Und bei einer Brennweite von 33mm bekommt man sogar richtig was drauf aufs Bild!
Die Blackbird arbeitet mit nur zwei Blenden, Blende 7 und Blende 11. Kenntlich gemacht durch ein Wölkchen (Blende 7) und eine kleine Sonne (Blende 11). Außerdem fokussiert man nicht mit ihr, sie arbeitet über eine Entfernungseinstellung und die beginnt bei 80 cm.
Ich zog also mit dem Trout an meiner Seite und einem knallroten Kasten vor dem Bauch quer durch Mannheim. Seltsame, belustigte und interessierte Blicke waren mir sicher, sobald ich aus dem Auto stieg. Die ersten Leute fragten “Ist das auch eine Kamera?” und die Reaktionen erstreckten sich von abfälligem Schnaufen bis hin zu begeistertem Staunen. Ein junges Mädchen fragte: “Gibt es die auch in anderen Farben?” Na klar. Pink allerdings bekommt man erst ab etwa Mai 
Man bekommt die Blackbird fly in schwarz (wenn man nicht auf den ersten Blick auffallen will, ist es sicherlich die beste Wahl), rot, weiß, orange, blau, gelb und wie gesagt demnächst dann auch in pink.
Ich mag die Blackbird. Ich bin ja sowieso schon lange ein Fan von Kameras mit Lichtschacht, weil man mit ihnen Perspektiven findet, die man mit einer anderen Kamera so gar nicht sieht oder nur sehr umständlich einfangen kann. Die Möglichkeit, bis zum nächsten Filmwechsel 36 Aufnahmen machen zu können, gibt mir hier eine Leichtigkeit, die sich für mich schon fast digital anfühlt.
Ich steh auf Quadrat. Ich mag belichtete Filmränder. Ich behalte das knallrote Schätzchen!
Die Kurzversion:
- Blackbird fly, zweiäugige Kleinbildkamera von Superheadz
- Erscheinungsform: grandios edelwitzig
- Film: normaler, handelsüblicher Kleinbildfilm
- Formatwahl: Wer die Wahl hat, hat die Qual! 24 x 24, 24 x36, 36 x 36 (oder eben das Schusselformat 35 x 35)
- Film einlegen: Sehr ungewohnt, nach dem ersten Mal aber unproblematisch.
- Blenden: 7 und 11
- Brennweite: 33mm
- Verschlusszeit: 1/125 oder “bulb”
- Entfernungseinstellung: 0,8m bis unendlich
- keine Doppelbelichtungssperre
- Blitzanschluss
- Farben: schwarz, rot, weiß, orange, blau, gelb - demnächst auch in pink
Kaufen kann man sie ab sofort bei den Leuten von Spürsinn.

Blackbird Fly im “Schusselformat” 35×35 auf R3@400ASA


