Zwischenruf # 16 Zensur und das echte Leben
Freitag, 08. Mai 2009Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, warum ich gegen die Maßnahmen der Frau von der Leyen bin. Schließlich ginge sie ja damit gegen Kinderpornographie vor. Das Argument der Frau Ministerin zieht also tatsächlich wunderbar bei den Müttern kleinerer Kinder, die das Internet gerade mal nutzen, um im Internetauktionshaus das ein oder andere Schnäppchen zu machen oder alte Klassenkameraden in einem Netzwerk zu suchen.
Ich weiß nicht, ob meine Erklärungen und Beschreibungen, die ich mit Händen und Füßen versucht habe, plakativ zu gestalten, tatsächlich angekommen sind.Ich bilde mir ein, dass die Blicke zweifelnd waren, eine Fraundin meinte sogar, dass ich die ganze Sache zu eng sähe, aber das läge wohl daran, dass ich so viel im Internet unterwegs sei. Nun, ich bin nicht gern mit missionarischem Eifer unterwegs, aber mich hat schon geärgert, an dieser Stelle als “Online-Freak” abgeurteilt zu werden.
Ich weiß nicht, ob ich dieser Freundin meine Intentionen begreifbar machen kann. Sie ist nicht oft im Netz und wenn, dann nur auf “einschlägigen” Seiten, die sie kennt und deren URLs sie sich auf einem Klebzettel notiert hat.
Aber ich weiß, dass viele Diskussionen und Erklärungen abschreckend wirken, weil sie für Menschen verfasst wurden, die, wie nennt man das? internetaffin sind?!
Aebby hat sich jetzt die Mühe gemacht und eine Erklärung als .pdf online gestellt, die ich einfach klasse finde. Ich werde sie ausdrucken und an diejenigen weiterreichen, die eher Papier als Informationsträger akzeptieren.
Wie funktioniert das mit den Sperren? Hier wird es erklärt.
Die E-Petition habe ich bereits gezeichnet. Die 50.000 sind überschritten, was nicht bedeutet, dass jetzt alles gut wird. Das zu glauben, wäre mehr als blauäugig. Trotzdem halte ich es für eine gute Sache, aufzustehen und mit Zeichnung zu sagen “Das ist so nicht in Ordnung”. Ich habe auch kein Problem damit, meinen Namen und meine Adresse zu nennen. Wer heute noch glaubt, das Internet funktioniere anonym, der sollte seine Äußerungen lieber seinem Tagebuch anvertrauen und es jeden Abend in einem feierlichen Akt verbrennen.
Die 50.000 Zeichnungen, die notwendig sind, damit über die Indizierung und Sperrung von Internetseiten in einer Sitzung des Petitionsausschusses verhandelt wird, sind in 4 Tagen erreicht worden. Das ist sensationell, aber kein Grund, sich zurückzulehnen und Däumchen zu drehen. Noch wird die Thematik viel zu selten außerhalb des Netzes angesprochen.
Ich wünsche mir, dass auch Menschen, die das Internet nur begrenzt nutzen, über Sinn und Unsinn und vor allem die Folgen einer solchen Maßnahme informiert werden. Lesbar und verständlich. Ein Job, den die “Offline-Medien” endlich übernehmen müssen. Interessant wird es für die jedoch erst, wenn sich viel, viel mehr Menschen gegen die Pläne der Bundesregierung aussprechen!
Nachtrag vom 09.05.2009
Gestern wurde ein Bericht über die E-Petition in der Tagesschau gesendet. In der Ausgabe von 14:00 durfte unser Wirtschaftsminister ein paar Worte zu dem Thema sagen, die mit die Sprache verschlagen haben.
“Es macht mich schon sehr betroffen, wenn pauschal der Eindruck entstehen sollte, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Sperrung von kinderpornographischen Inhalten sträuben. Das ist nun wirklich einer der wichtigsten Vorhaben in vielerlei Hinsicht.”
Die Ausgabe von 17:00 war dagegen ein wenig entschärft, da auch Frau Leutheusser-Schnarrenberger zu Wort kam. An dieser Stelle möchte ich auf den Artikel auf netzpolitik.org hinweisen und Euch bitten, auch die Kommentare durchzulesen.
Gestern flog außerdem die Meldung durch Twitter, dass über die Petition erst nach der Bundestagswahl entschieden wird. Ein Schelm der Böses dabei denkt….



