Im Haifischbecken
“Sag mal, was macht eigentlich einen Profifotografen aus?” fragte er, über die Kante seinen Laptops schauend. “Wie kommst du denn jetzt auf eine solche Frage?” wollte sie irritiert wissen. “Naja, Du weißt doch, ich war letzte Woche auf diesem Konzert von einem alten Freund. Und ich hatte die alte Spiegelreflexkamera von dir dabei, weil er mir einen Backstage-Ausweis gegeben und gesagt hatte, dass ich in allen Bereichen fotografieren darf, wenn ich will. Also auch auf der Bühne und so.” Sie nickte. “Wir haben einen großen Teil der Fotos ja auch schon entwickelt und da sind einige dabei, die sehr, sehr gut sind. Aber das heißt doch jetzt nicht, dass du Profi werden willst?” fragte sie zwinkernd.
“Nein, darum geht es nicht!” winkte er ab. “Pass auf, Folgendes ist passiert. Außer mir waren ja noch eine ganze Reihe Leute mit Kameras da. Richtig dicke und fette, teure Digitalspiegelreflexkameras mit Blitz und allem drum und dran. Und ich habe gehört, wie sie sich aufgeregt haben, dass ich einen Ausweis für “all areas” hatte und sie nicht. Dabei hätte ich doch nur so eine alte, gammelige OM-1 um den Hals hängen. Und keinen Blitz und kein Zoomobjektiv!” Sie fing an zu glucksen “Alt und gammelig? Ich glaub es nicht!”
“Da gibt es nichts zu glucksen” maulte er. “Ich weiß ja, dass das eine tolle Kamera ist und die Bilder sind ja auch richtig gut, aber in dem Moment kam ich mir echt blöd vor!”
“Pass auf!” sie grinste immer noch. “Einen Profi erkennt man daran, dass er die alten Werkzeuge kennt und zu schätzen weiß! Einen Profi erkennt man daran, dass er neugierig nachfragt, warum man noch mit diesen Schätzchen fotografiert. Einen Profi erkennt man daran, dass er das Gespräch mit einem sucht, und nicht daran, dass er hintenherum mit angeblichen Kollegen über einen lästert.”
Er runzelte die Stirn. “Dann waren das alles keine Profis dort?” Sie lachte lauthals. “Doch, das kann schon sein. Profi kann sich jeder nennen, der sein Geld mit der Fotografie verdient. Profi ist jeder, der sich brav mit seiner Fotografie bei Finanzamt und Kammer angemeldet hat. Aber das sind doch nur die äußeren Kriterien. Nach denen hast du doch nicht gefragt, oder?”
Tags: 3200 ASA, analog, avaiable light, Fotografie, KOnzert, Lästerliches, manuell, Photographie, Profis, R3, Rollei, schwarz/weiß





24. Oktober 2008 at 09:23
Mit neumodischen Schwanzverlängerungen kommt man eben nicht überall rein … haha. Sehr fein. Sehr fein.
24. Oktober 2008 at 11:06
ja, Profi ist nicht gleich gut, oder?
Aber die Definition mit dem Finanzamt triffts hier dann wohl doch am Besten.
Das analog, digital, zoom, festbrennweiten -Thema wird meiner Meinung nach überbewertet. Es hat alles seine Vor- und Nachteile und ich versuche mit allen sich mir bietenden Werkzeugen zu arbeiten und mir nicht selbst mit unnötigen Prinzipien im Weg zu stehn.
24. Oktober 2008 at 11:16
@Tanja Nicht wahr?
@spot Es geht mir weniger um die Definition als solches sondern eher um den Umgang miteinander. Dabei ist mir völlig wurscht, ob jemand mit einer Kaffeedose oder einer Hy6 fotografiert, jeder nimmt für sich das Werkzeug, das ihm richtig erscheint. Aber: Verflixt nochmal, Fotografen sollten zusammenhalten! Und sich nicht gegenseitig über das Equipment definieren und die Augen auskratzen.
25. Oktober 2008 at 08:12
Das Bild ist klasse !
> Verflixt nochmal, Fotografen sollten zusammenhalten!
das wäre schön, das “Fotografen” lässt sich aber durch vielerlei ersetzen, Solidarität und Gemeinschaft werden leider ein immer selteneres Gut. Identitätstiftung durch Ab- und Ausgrenzung ist heute immer öfter angesagt.
30. Oktober 2008 at 19:32
Ich muss da “im Graben” auch oft grinsen - denn ich bin zwar alles andere als eine Fotografin, aber ich wundere mich doch schon oft, was denn die Profis (oder sonst wer) mit riiiiesig langen Objektiven ranzoomen wollen, wo sie doch nur ein paar Zentimeter weit weg stehen vom Geschehen …
30. Oktober 2008 at 19:41
Tja Tina…. wie Tanja schon sagte, manchmal dienen diese Dinger einfach nur dem “Ruf”
12. November 2008 at 22:08
Mit Blitz beim Konzert? Da kann ich verstehen, daß die Band diejenigen nicht näher rangelassen hat.
Was das mit der Solidarität innerhalb einer Berufsgruppe angeht, so lasse ich mal einen tiefen Seufzer hier…