Künstler leben

Gestern trafen sich Künstler und Piraten für einen Gedankenaustausch in einer Kneipe in Darmstadt.

Ich will jetzt gar nicht großartig über die Gesprächsinhalte berichten - nur so viel sei gesagt, es war ein sehr angenehmes Treffen mit angenehmen Diskussionen und einem sehr regen, tatsächlichen Austausch von Meinungen, Ideen und Sichtweisen.

In dieser Runde ist mir eines aufgefallen: Von denen, die Kunst und Kultur nutzen, wissen wir sehr wenig.
Warum kauft ein Mensch eine CD und warum lädt er sich Musik im Internet herunter? Warum ist er auf der einen Seite bereit für Kultur zu zahlen, auf der anderen Seite nicht?

Warum hat eine Band 70.000 Downloads und nur ein paar wenige Kröten im aufgestellten Spendentopf? Warum wird die Aufforderung zu spenden, nicht ernst genommen und warum ist eine freiwillige Zahlung so schwer? Fühlt sich ein Gebraucher von Kunst und Kultur tatsächlich schlecht, wenn er nur einen einzigenEuro in den Spendentopf wirft? Möchte er sich nicht dem Verdacht ausgesetzt sehen, er sei geizig und spendet daher lieber gar nichts?

70.000 Downloads. Bei einem Euro pro Download wären das 70.000 Euro. Geld, das es den Musikern erlauben würde, mehr von der Musik zu produzieren, die von den Menschen, die sie heruntergeladen haben augenscheinlich ja sehr gemocht wird. Geld, das es ihnen ermöglichen würde, ins Studio zu gehen anstatt einem Job nachzugehen, der ihre Kreativität behindert, wenn nicht sogar auffrisst.

Im Vergleich: Der Stand gestern zu meinem “Bedient Euch” war 89 Downloads und in der Sammelbüchse befinden sich 69,50 Euro. Diese knapp 70 Euro verteilen sich auf drei Menschen, die gesagt haben “Ich zahle für das Bild” und zwei, die gesagt haben “Ich will Dich unterstützen, das Bild selber gibt mir nichts, ich habe es auch nicht heruntergeladen”. Nach Adam Riese bleiben also 84 Menschen übrige, die das Bild heruntergeladen haben, aber auch ausgedrückt haben, dass es für sie nicht den Wert hat, dafür zu bezahlen.

Der Kommentar von Mikel im Nachbarblog war es letztendlich, der bei mir jetzt eben den Impuls ausgelöst hat, diesen Artikel herunterzuschreiben.

Ich glaube nicht, dass das Problem juristisch-politisch zu regeln ist. Wir bräuchten ein Bewusstseinswandel. Das Wissen um künstlerisches Leben. Und das fängt bei Gesangsvereinen an, die Noten kopieren und hört bei dem Gestöhne über die Künstlersoziakasse auf. Von den Problemen mit der Gema und anderen Verwertungsgesellschaften gar nicht zu reden.

Wo ist es denn, das Bewusstsein, dass Menschen, die Kunst schaffen, von irgendetwas leben müssen? Wo ist die Wertschätzung den Menschen gegenüber, die teilweise wirklich unter Extrembedingungen Kunst schaffen? Wo ist der Respekt vor der Arbeit des anderen? Und wie kann man einen Wandel des Bewusstseins herbeiführen?

Ich finde es auch nicht in Ordnung, wenn Menschen kriminalisiert werden, weil sie sich etwas “für umme” aus dem Netz ziehen. Aber ebenso wenig finde ich es in Ordnung, wenn Stimmen laut werden, die sagen “Wenn Du von Deiner Kunst nicht leben kannst, dann musst Du halt richtig arbeiten - denn wenn Du etwas ins Internet stellst, dann machst Du das doch in dem Bewusstsein, dass es einfach genommen wird”

Wenn alle Künstler, die sich im Netz herumtreiben, beschließen würden ab sofort, jetzt und gleich nichts mehr zu produzieren - wie arm würde unsere Kultur plötzlich werden? Ihr wollt Musik, ihr wollt Bilder, ihr wollt Worte, ihr wollt Kunst und Kultur. Was seid ihr bereit dafür zu geben. Und unter welchen Gesichtspunkten seid ihr nicht bereit etwas zu geben? (Und an dieser Stelle rede ich nicht vom “Nichtgefallen” - wenn mir etwas nicht gefällt, dann will ich es nicht haben, auch nicht für umme”)

Müssen Künstler tatsächlich erklären, wie sie leben, damit ihre Arbeit geschätzt wird? Müssen wir einen Seelenstriptease machen, damit wir wertgeschätzt werden? Müssen wir Menschen mit unserem Kontostand bedrängen, damit sie einen Euro für etwas bezahlen, das sie gerne haben möchten? Müssen wir lautstark jammern und klagen?

Fragen über Fragen - für die ein oder andere Antwort wäre ich dankbar.

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43 Antworten zu “Künstler leben”

  1. Michael K. Trout» Blogarchiv » Künstler lernen leidend leben Sagt:

    [...] ist soeben der Kragen geplatzt. Wie soll ein Künstler leben können, wenn „geiz ist geil“ zur Nehmerqualität wird? Vor [...]

  2. 500beine Sagt:

    ich bin hungerkünstler.

  3. Mona Sagt:

    Also ich gehöre weder zu denjenigen, die den Beitrag vorher gekannt haben noch zu denen, die das Bild heruntergeladen haben.

    Ich weiß nicht, wieso jemand zahlt oder nicht. Aber vielleicht könnte es ja sein, dass man erst nach dem Herunterladen diversem Zeugs entscheiden kann, ob der Inhalt wirklich hergibt, was er verspricht, und man sich erst danach entscheidet, wie viel und ob man zur Zahlung bereit ist?

    Bei deinem Test ist es natürlich einfacher für einen Schluri, nicht zu zahlen. Bei einem Buch oder einer Zeitschrift wäre es unmöglich, erst im Nachheinein die Entscheidung zu fällen.

  4. Stephan Sagt:

    Ich kenne die Situation sehr gut… mit Botany Bay geht es uns so, daß wir tausende von Downloads auf den verschiedendsten Plattformen haben, aber es hat sich ganz genau 1x (in Worten: einmal!) jemand tatsächlich dazu herabgelassen, uns etwas zu spenden. Und das liegt nicht daran, dass wir so schlecht wären.

    Beklagt man sich öffentlich darüber, so wird man schnell als Nörgler und Jammerer hingestellt… aber die Wahrheit ist: So unterstützenswert der Weg der freien Musik auch ist, so wünschenswert es auch ist dass die Mainstream-Medien endlich mal aufwachen und diese lebendige Szene mit ungemein talentierten Künstlern entdecken, so geniale Dinge sich dort auch finden, so gehörig satt haben wir es inzwischen auch.

    Wir werden garantiert sehr viel laute Kritik dafür einstecken, aber momentan sieht alles danach aus, daß unser nächstes Album ganz normal von einem Plattenlabel vertrieben wird, mit LC-Code und GEMA und allem sonstigen gruseligen Zeug was dazugehört.

    Wir waren lange Zeit dagegen, wir sind es im Prinzip immer noch, aber ohne den “normalen” Weg wird man nicht im Radio gespielt, keine Musikzeitschrift lässt sich dazu herab in das Zeug auch nur reinzuhören, finanziell fällt nichts ab und Begeisterungsbekundungen allein werden es uns nicht ermöglichen, das, was wir lieben irgendwann mal zu unserer Haupttätigkeit zu machen.

    Von Kunst leben (oder auch nur wenigstens 1/10000 der Produktionskosten zurück bekommen) ist nicht drin mit Creative-Commons-Lizenzen und freier Musik. Das ist die traurige Wahrheit.

    Liebe Grüße,
    Stephan

  5. mikel Sagt:

    Warum zahlen Menschen Hunderte von Euro um Multi-Millionären wie Sir Jagger erleben zu können, wie er mit über 60 stöhnt, dass er keine Satisfaction findet, aber die 10 Euro für eine absolute Top-Indie-Band um die Ecke sind zu viel?
    Meinen Weblog Lyrik habe ich aufgelöst, weil aus dem Blog beständig Gedichte anderswo auftauchten, obwohl das durchaus gestattet gewesen wäre, wenn man den Autor GEFRAGT hätte. Es hätte noch nicht einmal etwas gekostet.
    Weißt Du wie oft Musiker gedrängt werden umsonst aufzutreten?
    Ich will von Literaten gar nicht reden.

    Ich weiß nicht, wie man solchen Respekt vor der Arbeit anderer herstellen könnte.
    Es sei denn mit den Methoden der anderen auch: Marketing, BWL, Controlling, Vertrieb… Der Künstler als Marke, PR, Bravo, Bild, Skandale..

    Sorry, aber ich habe keine Lösung anzubieten.

  6. kampffussel Sagt:

    hallo tilla,
    ich finde die frage nach dem bewusstseinswandels sehr gut.

    vielen ist nicht bewusst, welche arbeit hinter kunst und kultur steht. es ist nicht so, dass tilla morgens aufsteht, sagt “ich mache jetzt kunst”, verkauft das objekt möglichst teuer und lebt den rest des monats vom erlös.

    wir bekommen in den medien gesagt, wie einfach es sein soll mit der technik kreativ zu sein. stattdessen liefern automaten irgendwelches zeugs ab, was wenig mit dem schöpferischen prozess der kreativität zu tun hat. niemand spricht die wahrheit aus: der malfilter im photoshop macht noch keinen zeichner.

    was michael zu “geiz ist geil” anmerkt, ist eine weitere bewusstseinslüge. wo soll es enden, wenn alles billiger werden muss. die konsequenz heisst im warenregal analogkäse, pflanzenfett im eis oder eben zitronat aus grünen tomaten. mal davon abgesehen, dass der geiz-hass-elektromarkt alles andere als billig ist. ;)

    ich bin der meinung, dass das “künstlerische” bewusstsein der menschen nur ein problem ist. wenn mir die werbung und politik immer wieder einhämmert, ich muss alles eigenverantwortlich und nur zu meinem wohle regeln, dann bleibt die gesellschaft auf der strecke. dummerweise leben wir aber in ihr. ich kann werte nicht nur am material festmachen. so wie ein alter teddybär aus jugendtagen hat kunst viel mit ideellen werten zu tun, die vom künstler hart erarbeitet wurden.

  7. boris Sagt:

    Kunst spielt an dieser Stelle für viele gar keine Rolle. Das möglichst viel haben wollen Gespenst geht um. “Hey, ich hab mir grad den Blogbuster XY gesaugt, geil, oder?” Auf Nachfrage ob das Machwerk denn schon konsumiert wäre hört man dann oft - “och, du, ich hab noch gut 200GB Filme zu schauen, ich bin noch nicht dazu gekommen” - und er/sie wird vermutlich nie dazu kommen. Mir wird sich der Genussfaktor einer wackelig abgefilmten Kinoleinwand eh nie erschliessen. Aber genauso verhält es sich auch mit Musik, Bildern,… wenn’s nix kostet kann mans mal mitnehmen, anhäufen, echtes Interesse oder Wertschätzung, unterstelle ich mal, ist zu 90% nicht vorhanden.

  8. creezy Sagt:

    Aber war das nicht schon immer so? Künstler – vor allem unbekannte – sind nie gut bezahlt worden bzw. gerne über das Ohr gezogen worden. Nur, es gab früher natürlich kein Web, das es ermöglichte so dermaßen trivial kostenlos an Kunst zu kommen. Und, es ist immer noch schwer in einer kaum noch messbaren Masse wie im Internet den ernsthaft Kunstinteressierten zu finden und für sich zu interessieren als offline in einer Umgebung von der man weiß, hier die Leute sind kunstinteressiert als auch zahlungsfähig und -bereit auf sich als Künstler aufmerksam zu machen. Das wird nämlich das Web meiner Meinung nach völlig überschätzt und ist eher kontraproduktiv.

    Außerdem geht fotografische Qualität in eine völlig neue Richtung, Tilla, die Leute sind happy mit Fotohandy-Qualität. Du hättest mehr Erfolg, wenn Du deine Fotos technisch in viel schlechter Qualität offerieren würdest. ,-)

  9. Freie Musik und davon leben können? | Botany Bay Sagt:

    [...] Was sie dort schreibt ist sehr lesenswert, insbesondere da es sich 100% mit unseren Erfahrungen deck… [...]

  10. Markus Sagt:

    Ich denke noch, bin aber gerade an “mit Creative Commons-Lizenzen kann man kein Geld machen” hängengeblieben. Ich denke, ganz grundsätzlich kann man das unterschreiben. Creative Commons ist im Kern eine Lizenz, die sicherstellt, dass der Urheber namentlich genannt wird; Die Commons dient im Kern grundsätzlich auch dem Gemeinwohl. Wenn ich will, dass mein Werk möglichst viele Leute in den Händen halten können, aber ich auch will, dass mein Name dabei gut zu lesen ist, dann ist Commons genau richtig. (Das ist aber auch alles.) Das Ziel, Geld zu verdienen, steht leider fast schon konträr dazu, denn in der Natur der CC-Lizenz liegt, dass andere Leute das Bild ebenfalls weitergeben dürfen. Am Ende findet man sein Bild vielleicht sogar als Beispiel zu einer Stilrichtung in einem Lexikon wieder - Nur Geld gibt’s keines.
    Und nun denke ich weiter über das Thema nach.

  11. Francis Drake Sagt:

    Hallo Tilla,

    Müssen Künstler tatsächlich erklären, wie sie leben, damit ihre Arbeit geschätzt wird? Müssen wir einen Seelenstriptease machen, damit wir wertgeschätzt werden? Müssen wir Menschen mit unserem Kontostand bedrängen, damit sie einen Euro für etwas bezahlen, das sie gerne haben möchten? Müssen wir lautstark jammern und klagen?

    Nein, denn Künstler sollten nicht betteln müssen. Ich stimme Dir und Mikel absolut zu, dass wir am öffentlichen Bewusstsein arbeiten müssen im Bezug auf die freiwillige Bezahlung von Kunst/Musik/Kultur im Internet.

    Genau dies wird allerdings verhindert durch die Industrie mit ihrem “Raubmordkopierer” Geschreie. Ich ärgere mich jedesmal, wenn ich eine DVD kaufe und dann quasi als potentieller Straftäter bezeichnet werde - so kann’s nicht gehen!

  12. Stephan Sagt:

    @Markus:

    Genau das habe ich aber lange Zeit anders gesehen.

    Die Überlegung war damals diese: Wenn nur genug Leute die unter einer CC-Lizenz stehende Musik herunterladen und entdecken, dass es in diesem Umfeld durchaus Produktionen gibt, die sich mit “kommerziellen” Produktionen messen können, dann werden einige der tatsächlichen Liebhaber, also derjenigen, die das Album wirklich komplett heruntergeladen haben, uns  auch unterstützen… und dass es sich nach und nach schon herumsprechen wird, dass es hier etwas ganz Tolles, unterstützenswertes gibt.

    Aber leider ist die Rechnung wesentlich komplizierter.

    Erstens spendet (wie oben dargelegt) eh niemand was, und zweitens geht selbst der großartigste künstlerische Output mit einer CC-Lizenz vokllkommen unter, wenn man nicht die ganze Zeit auf allen möglichen Plattformen immer und immer wieder Werbung macht und den Mund aufreißt, wie großartig man ist. Das kostet aber Zeit ohne Ende und liegt nicht unbedingt in der Kernkompetenz des Künstlers. Ich selbst z.B. finde nur wenige Dinge frustrierender, als überall die ganze Zeit netzwerken zu müssen, nur damit sich vielleicht irgendwann einmal jemand Wichtiges erbarmt und den “Play”-Button drückt…

    …also müsste ein Management her, und ein Label, das die Werbung und das monetäre Umgarnen der Mainstream-Medien übernimmt (denn nicht anders funktioniert es, wenn die ‘Visions’ oder sonst ein Blatt plötzlich einen Bericht über eine hoffnungsvolle Newcomer-Band präsentiert… da ist einfach ordentlich Bares im Spiel).

    Und spätestens unter diesen Vorzeichen hat sich die CC-Lizenz dann vollends erledigt. Zumal Mainstream-Medien freie Musik sowieso beharrlich ignorieren.

  13. Tilla Sagt:

    @500 Beine
    Willkommen im Club!

    @Mona
    Nun, das Vorschaubild gibt genug Information über die große datei, die ich zum Download angeboten habe. “Gefällt mir nicht” ist also eine Ausrede, die ich hier nicht gelten lassen würde. An 84 Schluris zu glauben, fällt mir schwer - ich muss es trotzdem akzeptieren, dass es wohl so ist.

    @Stephan
    Nun, genau das war gestern eben auch Thema. Um das Internet kommen wir nicht drumherum. An uns Künstler wird jetzt der Anspruch gestellt, Geschäftsmodelle zu entwickeln, die es uns ermöglichen, mit dem Internet und unserer Kunst das Geld zu erwirtschaften, das wir zum Leben brauchen. Nicht wirklich einfach und in meinen Gedankengängen dahin führend, dass ich mir um Dinge Gedanken mache, die meine Kreativität durchaus negativ belastet. Ich will mich eigentlich nicht in Pay-Modelle einarbeiten müssen oder über Merchandising nachdenken. Ich will nicht stundenlang netzwerken anstatt zu fotografieren.
    Ein Bild kostet mich: Zeit für das Konzept. Ausreichend Luft im Hirn für die Ideen. Material. Equipment. Nochmehr Material, denn der Kram will ja auch entwickelt werden. Zeit. Zeit zum Scannen und ein guter Scanner fällt nicht vom Himmel. Bearbeitung. Zeit. Würde ich das auf die Stunde umrechnen plus Materialkosten, dann wären meine Bilder nicht mehr bezahlbar. Ich denke, darüber machen sich die wenigsten Gedanken.
    “Fotografieren ist pipieinfach. Kann jeder. Oh, schickes Bild. Wieso soll ich für etws bezahlen, was ich selbst auch kann…. Bla Bla Bla”
    All das steckt zumindest in diesem Fall in 84 Köpfen. Und das macht mich sauer. Und traurig.

    @Mikel
    Es sei denn mit den Methoden anderer….. ja, und wann machen wir das, was wir können und wollen? *seufz* Ich weiß ja auch keine Lösung. Noch nicht ;)

    @kampffussel
    Vielleicht sollte man als Künstler öfter mal die Klagelieder anstimmen. Wir sind eben nicht alle so toll mit Geld gesegnet wie wir immer versuchen darzustellen. Wenn eine knipsende Studentin laut jammert, dass sie nicht mehr knipsen kann, was der Chip hergibt, weil die Kamera dem Jetzt-Ex gehört, dann bekommst sie Spenden zu Hauf und kann sich das eigene Wunschmodell kaufen. Hallo? Müssen wir tatsächlich auf diese Bettelstufe um gehört zu werden? Nimmt man uns denn noch ernst, wenn wir erzählen, dass wir kein Geld haben, um eine Ausstellung zu organisieren? Ich kann mir gut vorstellen, dass wir zu hören bekommen “Dann seid ihr nicht gut genug”. Dass hinter Ruhnm und Ehre ganz andere Mechanismen stecken als nur “Gut-sein” ist den wenigsten bewusst.

    @Boris
    Diesen Gedanken hatte ich allerdings auch schon. Es kommt dem “Was nichts kostet, ist nichts wert” sehr nahe…..

    @creezy
    Ja, das war schon früher so - und nein, das ist mit der heutigen Situation kaum noch zu vergleichen. ;)
    Und ich werde keine Handyfotos machen und auch in meiner Qualität nicht nachlassen, ich halte die Fahne hoch, dass nicht alles billig sein muss um gekauft zu werden… und werde damit wahrscheinlich untergehen. Egal - ich weiß, es gibt noch Menschen, die meine Anstrengungen zu schätzen wissen, und so lange es diese Menschen gibt, bleibe ich tapfer (und schlank).

    @Markus
    Ja, denk bitte weiter drüber nach. CC ist ein gutes Ding um in bestimmten Bereichen zu entkriminalisieren und um marketing zu machen. Als Verdienstmodell komplett untauglich. Es muss ergänzt werden. Es müssen Wege und Geschäftsmodelle gefunden werden, die mit dem Internet harmonieren. Ich denke auch weiter nach.

    @Francis Drake
    Mir geht es nur am Rande um die Verwertungsindustrie, die Zeter und Mordio schreit und alles kriminalisieren will. Das Thema haben wir auch durchgekaut und sind uns im Großen und Ganzen einig, dass dieser Verwertungsindustrie in ihrer bestehenden Form nicht zugearbeitet werden soll. Nur darf man uns Künstlern eben auch nicht den Boden unter den Füßen wegziehen, wenn es darum geht unsere Geschäftsmodelle den technologischen Möglichkeiten anzupassen. Und weil Tauschen so hip ist, darf es nicht bedeutetn, dass Kunst nichts mehr wet (im monetären Sinne ist). dann gibt es nämlich bald keine Kunst mehr. Über das Thema “Privatkopie” machen wir uns ja auch Gedanken…. ich werde wohl in den nächsten tagen mal meine Erkenntnisse zu dem Bereich bloggen.

    @Stephan
    Was versprecht ihr Euch davon, zu einem klassischen Label zu gehen? Nur mal interessehalber gefragt, denn ich sehe da tatsächlich momentan nur Nachteile…. ich denke, CC ist nicht die Lösung, aber eine gute Ausgangsposition um über Möglichkeiten nachzudenken, wie man neue Modelle entwickeln kann ohne den Majors in die Tasche zu arbeiten.

  14. Bettina Sagt:

    So, um mal von reiner Konsumentenseite was dazu zu sagen: Ich bin kein Künstler und ich lad mir schon auch mal Musik aus dem Internet, die umsonst ist (und kaufe übrigens auch manchmal welche bei iTunes). Und ich muss ehrlich sagen, vieles hätte ich mir halt nicht runtergeladen, wenn es nicht umsonst wäre. Es gibt nur wenige Künstler im Netz, die ich so schätze, dass ich gerne auch mal einiges Geld dagelassen hätte (was dort allerdings keine Option war.) Es gibt aber auch einiges an Musik, was ich auf ner anderen Ebene höre, das ist mir dann tatsächlich nicht so arg viel wert, ich würds mir nicht kaufen. Rangiert so auf dem Level: Würde ich mir im Radio gerne anhören, aber nicht auf CD kaufen. Ich glaub einfach nicht an die Effektivität eines solchen globalen Mäzenentums.
    Ich denke, es war schon immer schwierig, von seiner Kunst zu leben, aber es hat immer wieder Leute gegeben, denen es gelungen ist - was aber meiner Meinung nach häufig auch mit einer ungeheuren Portion Glück verbunden ist.
    Natürlich kann man immer wieder versuchen, neue Modelle zu entwickeln, wie das funktionieren könnte.
    Achso, und übrigens, ich glaub nicht mal, dass die Leute nicht wissen, dass es harte Arbeit sein kann, Kunst zu produzieren. Aber es ist ja auch harte Arbeit, sagen wir, einen Stuhl herzustellen, und wenn ihn mir dann jemand schenken würde, müsste ich mich doch sehr zusammenreißen, um dennoch für ihn zu spenden… Bezahlen auf freiwilliger Basis verlangt den Leuten doch sehr viel ab. Hab mir auch noch nie Shareware gekauft…
    Letzter Punkt: Paypal und Kreditkarte im Netz sind mir beides nicht so liebe Zahlungsmöglichkeiten. Das kommt da vielleicht auch noch bei anderen hinzu.
    Etwas unstrukturiert evtl., mein Beitrag, aber ich hoffe, meine Meinung kam rüber. ;)

  15. Tilla Sagt:

    @Bettina
    Überhaupt nicht unstrukturiert und für mich zum einen erhellend, zum anderen bestätigend was die ein oder andere Vermutung angeht! Danke!

  16. mikel Sagt:

    @tillaPe wahrscheinlich muss man das machen LASSEN

  17. aebby Sagt:

    Guten Morgen zusammen,

    ich habe alle Kommentare gelesen, nehme interessante Gedanken mit und möchte noch ein paar von mir dazulegen. Das ganze in vier Schritten:

    - Das Versprechen des WWW
    - kulturelle Betrachtung
    - Mythos des Tauschens
    - Lösungsansätze (?)

    Das Versprechen des WWW wurde eingelöst. Als das hypertext transfer protocol (http:) “entwickelt” wurde gab es die Vision Inhalte (wissenschaftliche Veröffentlichungen) zu verlinken und zu vernetzen. Beim Lesen eines Artikels sollte eine zitierte Veröffentlichung bei Bedarf ebenfalls sofort auf dem Bildschirm erscheinen. Sofortige Verfügbarkeit kontext-relevanter Information. Die Teilnehmer des ersten http basierten Dienstes waren in der Regel gleichzeitig Inhaltskonsumenten und Produzenten. In den Jahren darauf hat sich das Prinzip nur auf weitere Formate ausgedehnt, nachdem Netzbandbreite erschwinglich wurde hat sich das ganze auf Bild, Musik, Film ausgedehnt.

    Jetzt meine pessimistische und traurige kulturelle Einschätzung. Wir leben in einer Konsumenten Kultur - hier kann man mehr dazu lesen:

    http://www.aebby.de/wordpress/2009/01/16/die-leitkultur-des-homo-consumentis/

    Sie ist geprägt von schnellem, niedrigschwelligem ständig verfügbarem Konsum. Der Konsumwunsch muss schnell und unmittelbar befriedigt werden und sollte monetär möglichst niedrigschwellig sein. Qualität, Nachhaltigkeit, Reparaturfähigkeit bleiben dabei auf der Strecke, selbst teure Produkte haben inzwischen einen Lebenszyklus, der kürzer als gesetzliche Gewährleistung ist. Ich schreibe bewusst monetär niedrigschwellig - wenn das Produkt in den Lifestyle Main-(Geschwindigkeits)-Stream gut passt ist die Bereitschaft sehr wohl vorhanden einen Obulus unter der Aufmerksamkeitsschwelle zu entrichten. Woher würden sonst die überschuldeten Kids kommen, die für handy Mehrwertdienste und Klingeltöne in die roten Zahlen rutschen. Woher kommen die überschuldeten Haushalte, die die Kohle für niedrigschwellige Massen-Konsumgüter raushauen. Früher - wie sich das anhört ;-) - hat man eher Kohle bei Seite gelegt und sich das Album der Band gekauft. Heute zieht man sich den Song. In dieses Raster der niedrigschwelligen Produkte passt eine Kunst wie jene über die wir hier sprechen natürlich nicht. 

    Mythos des Tauschens. Jetzt muss ich mich ein wenig aufregen. In der Diskussion des freien Zugangs wird immer wieder von Tausch und Austausch gesprochen, das ist eine Legende, diesen Tausch gibt es nur höchst selten. Hand aufs Herz … wieviele der Tauschbörsen-User schaffen wirklich neue Kunst und stellen wirklich eigene Leistung im Gegenzug wieder bereit. Das oben erwähnte Gleichgewicht von Produzent und Konsument in einer Person vereinigt gibt es nur in ganz kleinen Nischen. Die alte Regel, dass in einem Forum 5% der User 95% der Beiträge schreiben gilt immer noch. Aus diesem Missverhältnis heraus erklärt sich auch das Ergebnis von Tillas Experiment, nur ganz wenige sind wirklich tauschbereit. Eine freiwillige Spende für einen Download ist nichts anderes als ein Tausch. Ähnliches lässt sich auch in Software-Szene finden, wieviel steuern wirklich Code bei oder Spenden den OS-Autoren etwas. 

    Lösungsansätze sind derzeit Mangelware. Vom Bewusstseinswandel wurde schon geschrieben - das wird schwierig da es sich hier um eine Kulturänderung handelt, die nur langsam von statten gehen kann. Doppelt schwierig, dass keine Impulse in Richtung einer “Konsum-Entscheidungskultur” vorhanden sind. Heute muss man alles haben können, das iPhone, das adventure-Bike, die Digi-Cam, hunderte von Bildern im digitalen Rahmen an der Wand, alle Hardrock Songs der Geschichte auf dem 20GB Player … in einer “Konsum-Entscheidungs-Kultur” in der wertige Kunst überleben kann, sind Entscheidungen notwendig. Entweder das Bild des Fotografen X an der Wand oder die Song-Collection des Musikers Y im Abspielgerät. An dem Thema “Konsum-Entscheidungs-Kultur” muss ich noch nachdenken, vielleicht ergibt sich da ein Ansatzpunkt für “Verkaufsmodelle”.

    Dass die CC Lizenzen nicht fürs Geld verdienen (für den Urheber) taugen liegt weniger an der Lizenz sondern mehr an dem im Zuge des Konsumrausches sinkenden Qualitätsbewusstseins. Eine Webauflösung eines Bildes hochgerechnet und ausgedruckt reicht den meisten schon, der Qualitätsunterschied zum echten Print wird vernachlässigt. Ein auf 1 MB komprimierter Song reicht zum nebenher Musik hören, den aber über eine Anlage mit ausgewähltem Verstärker und Boxen abzuhören ist für die meisten nicht wichtig. Der qualitative Mehrwert zwischen Probe und Original ist heute nicht mehr wichtig. Vielleicht wird er aber auch nicht mehr wahrgenommen, vielleicht ist das ein Ansatzpunkt für eine Vermarktung, Teile unter CC freizugeben und kostenpflichtige Originale oder Pakete gegen Kohle. Wie könnte so etwas aussehen. Ich schreibe gerade ein Buch, ein großer Teil der Texte steht schon unter CC im Netz. Wer sich dafür interessiert kann mit Fleiß und Sammelwut alles umsonst lesen. Irgendwann wird es einen geschlossenen Text mit Struktur geben, den ich ggf. als geschütztes PDF freigebe. Vielleicht gibts dann gegen ein Micropayment eine bessere Download-Version mit größeren Grafiken. Nächste Version käme dann mit Poster der wichtigsten Grafiken … mal schauen. Bei Bildern könnte es über einen kleine Webansicht, zum Print auf Spezialpapier gehen. Hier ist dann Kommunikation angesagt, es ist wichtig rüberzubringen, dass der Print auf handgeschöpftem Papier “viiiiel geiler” ist als der Download-Wisch-und-Weg-Print. Bei Musik wäre ich - bin aber vielleicht nicht typisch ;-) - sofort bereit für Begleitmaterial (Texte, Bilder usw.) mehr zu bezahlen, ich wünsche mir die LP mit ihrem Begleitmaterial zurück.

    So das solls mal auf die Schnelle für heute gewesen sein, kann wahrscheinlich erst morgen antworten, falls mein Geschreibsel großen Widerspruch auslöst.

  18. Sam Sagt:

    Nur mal über die Zahlen: 70.000 Downloads eines Musikstücks bedeutet nicht, das alle 70.000 das Stück gut fanden. Es bedeutet nicht mal, dass 70.000 Leute es gehört haben. Es bedeutet lediglich, das 70.000 mal der Download-Knopf gedrückt wurde.

    Das gleiche mit Deinem Bild: Ein Vorschaubild wirkt immer anders als das gleiche Bild Bildschirmfüllend, genug Leute werden festgestellt haben, dass es in klein schick aussah, in groß aber nicht mehr ihrem Geschmack entsprach. Vielleicht haben sich sogar einige das Bild runtergeladen mit dem Gedanken “guck ich mir später an”, und wundern sich irgendwann Monate später beim Aufräumen der Festplatte, woher denn dieses Bild noch kam?

    Dennoch denke ich, dass die Mehrheit ‘vergisst’ zu bezahlen. Nicht, weil sie nicht bereit dazu wären, oder zu geizig, sondern einfach, weil es bequemer ist, oder sie vergesslich sind.
    Auch was ich von Shareware-Autoren gehört habe, hatten sie nahezu keine Verkäufe, erst als sie die Software nach einem Testzeitraum unbenutzbar machten, gab es Umsatz.
    Der Weg “erst die Ware, dann vielleicht das Geld” funktioniert kaum. Was funktionieren kann, ist “Erst die Ware, dann das Geld, dann einen Mehrwert zur Ware”. Aber wie dieser Mehrwert aussehen soll, hängt von jedem einzelnen ab.

  19. Stephan Sagt:

    @Tilla: Wir versprechen uns von einem Label, dass es die Promotion- und Marketing-Angelegenheit besser hinkriegen wird als wir beide es können. Wie schon erwähnt, auch hinter Berichten über angeblich unabhängige und unbekannte Newcomer steht eine beachtliche Menge Bares, und in Radios geht ohne Label-Code und Payola leider gar nichts.

    Die breite Öffentlichkeit und etablierte Medien nehmen CC-Musik einfach nicht wahr… den Idealismus, sich durch tausende freie Musikstücke durchzuhören, die den gesamten Bereich von “mal-kurz-auf-dem-Klo-mit-dem-Dell-Laptop-und-USB-Gitarre-aufgenommen” bis zu “über-vier-Jahre-lang-mit-an-Wahnsinn-grenzendem-Perfektionismus-produziert-und-alles-gegeben” abdecken, den bringt kein Musikredakteur auf. Hier geht es um Kohle und Rentabilität, sonst gar nix.
    Aber CC bringt nunmal keine Kohle. Es steht kein Label dahinter, das irgendetwas leisten würde. Und die “Szene” selbst ist nicht groß, engagiert und lautstark genug, als dass sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde, sondern man bedient sich eben einfach, wie in diesem Thread schon mehrfach festgestellt.
    Ich möchte nicht falsch verstanden werden - es gibt hier durchaus Idealisten. Podcaster, die sich wirklich um freie Acts kümmern, Blogger, die darüber berichten, Freie-Musik-Parties… aber auch die haben wieder mit dem gleichen Problem zu kämpfen, nämlich, dass einfach ohne Feedback konsumiert wird. In letzter Zeit haben mehrere freie-Musik-Podcasts die Pforten geschlossen, ebenfalls weil einfach nur genommen wird, ohne jemals zu geben.

  20. Stephan Sagt:

    @Sam: Ehrlich gesagt glaube ich das nicht ganz. Wenn 9000 Menschen tatsächlich ein Album in voller Länge ziehen (was immerhin einige 100MB groß ist), dann haben sich wenigstens ein Viertel davon die Songs vorher im Stream angehört und beschlossen, dass sie dieses Albun mögen und haben wollen…

  21. Sam Sagt:

    @Stephan, da glauben wir dann halt unterschiedliche Sachen.
    Ich guck auf mein Umfeld, da gibts genug Leute, die “freier Download” sehen und erstmal draufklicken, ohne wirklich zu gucken, was es da eigentlich frei gibt.
    Und ob das 100MB oder 1GB sind, egal, ist doch Flatrate.

    Da ist unser Umfeld vermutlich unterschiedlich, ich bezweifel auch nicht, das es Leute gibt, die sich das erst bewusst anhören und überlegen, ob sie es runterladen. Ich weiß kenn halt aus meinem Umfeld Leute, die erst runterladen, um sich das dann “später mal in Ruhe anzuhören”. Später ist dann nie. Oder sie wissen nicht mehr, wo sie es runtergeladen haben.

  22. schneck08 Sagt:

    Zurück zur Aura!

    lg, schneck :-)

  23. Michael K. Trout» Blogarchiv » Die Kunst in der Format-Lüge Sagt:

    [...] hat mittlerweile einen beachtlichen Umfang angenommen. Die Zeit scheint reif zu sein, den in Kommentaren auf Tilla´s Blog angerissenen Gedanken einen möglichen Lösungsansatz zu bieten. Wie immer, ist alles im Entstehen befindliche unperfekt. [...]

  24. jazznrhythm Sagt:

    Ich muss gestehen, das ich nicht die komplette Diskussion gelesen habe, aber möchte einwerfen, das traditionelle Bezahl-Methoden vielleicht die Ursache für diese übergroße Verwirrung zwischen Künstler und den Menschen sind, der sie geniesst sind.
    Kaum jemand weiß, wie hoch tatsächlich der Verdienst eines Künstlers an einem Buch oder einer CD ist, wenn diese über einen Makler (Verlag/Händler) vertrieben wird.  Man hört Summen, wie sie einst Michael Jackson, Prince und Madonna gezahlt wurden, und geht davon aus, das ein Vertrag bedeutet, das Plattenfirmen das Füllhorn über einen ausleeren. Die wenigsten Menschen wissen auch, wie die Gema arbeitet, und das es Künstlern mit gemageschützten Liedgut so gut wie nicht mehr erlaubt ist, ihre gemageschützten Songs ohne Gebühr downloaden zu lassen. 

    Tatsächlich verdienen an künstlerischen Produkten in der Regel nur diejenigen, die das Business verstehen und leiten, nicht jedoch der Künstler selbst. Allerdings gehen diese Zwischenhändler davon aus, das sie eine Filterfunktion haben, die den Spreu vom Weizen trennen. Würde der Konsument von der tatsächlichen Anzahl der Musik auch nur tangential berührt, die ihn umgibt, ohne ihn zu streichen, dann würde er wohl durchdrehen und das faszinierende Gruppenerlebnis Fansein/gemeinsam Musik erleben, würde nicht mehr stattfinden.

    Beschäftigt man sich tiefer mit dem, was diese Makler tun, dann kommt man zwar zu dem Punkt, das es irgendwo nicht sein kann, das der Zwischenhändler am Meisten an dem Produkt verdient, aber man erhält kein Gefühl für die Gerechtigkeit, die vielleicht notwendig ist, um den Künstler ein Auskommen zu schaffen. 

    Letztendlich kann man nicht davon ausgehen, das jeder der ins Kino geht, von dem Film, den er sieht, angetan ist. Trotzdem werden Hitparaden von Verkaufszahlen, Besuchen etc angeführt.

    Auch Downloads sagen wenig über die tatsächliche Zahl der Nutznießer (oder besser Geniesser) aus.  Wenn drei Leute für ein Bild zahlen, und dabei 70 Euro zusammenkommen, dann würde ich die 84 anderen nicht als potentielle Kunden oder Käufer sehen, sondern als Leute, die den Mouseclick beherrschen, aber am Schluß einen Staubfänger mehr auf ihrer Platte haben.

    Wenn 70.000 Menschen einen Song runterladen, dann zeigt das auch, wie gewohntheitsmäßig Menschen mit sowas umgehen. Man hat festgestellt: Die Menschen, die gerne und viel downloaden, haben dieses Jäger und Sammler-Gen, das auch Briefmarkensammler antreibt. Sie kollektieren, vervollständigen und reihen ein. Aber sie gehen mit diesem Interesse auch häufiger auf Konzerte, kaufen sich begleitende Literatur, tragen Namen weiter, machen Werbung, verhalten sich tatsächlich wie Fans und betreiben  Marketing. Letztendlich wird es so kommen, das Konzert sukzessiv zur Haupteinahmequelle der Künstler werden und Songs wieder zu dem werden, was sie auch mal waren: Werbung für die Konzerte.

    Bei Fotografen sehe ich die Schwierigkeit anders: Ich denke nicht, das man sich von Privatpersonen mit dem Bilderverkauf ernähren kann. Wieviele Fotos will jemand daheim in der Regel um sich haben? 1? 2? 3? Da ist kein Markt. Nur Teenager bepflastern sich die Wand, danach hört das eher auf. Fotografen werden immer Medienpartner, Periodikas brauchen, die Bilder kommerziell verwerten um ihre Produkte an den Markt zu bringen. Von Privatpersonen Geld zu erwarten als Fotograf halte ich  - sofern es nur um den Verkauf künstlerischer Bilder, nicht um Hochzeiten etc. geht - nicht für sinnvoll.

    Ich denke auch nicht, das man diese Enttäuschung überinterpretieren sollte. Letztendlich kenne ich selbst in meinem Bekanntenkreis kaum Leute, die mehr als zwei Kunstfotos in ihren Räumen präsentieren und diese innerhalb der letzten 10 Jahre ausgewechselt haben. Insofern halte ich 84 Downloads nur für eine technische Geschichte, die beachtlich ist, aber wahrscheinlich nur stattfand, weil man es mal machen wollte.

  25. Chris Nürnberg Sagt:

    Interessanter Artikel. Nein, ich glaube nicht das der Seelenstriptease gerechtfertigt, gefordert oder von Künstler gewünscht wird. Ich finde das “Experiment” mit dem Bild bei “Bedient Euch” sehr gut und letztendlich doch auch gelungen. Im Sinne von: Jetzt weißt Du Bescheid. Mich hätte interessiert wie viel das Bild denn Wert gewesen wäre? Du sprichts von einem Bewußtseinswandel der wünschneswert wäre (dacor)- Aber wie soll sich Bewußtsein wandeln wenn Du den für mich wesentlichen Hinweis (ich bin Laie) wegläßt-nämlich wieviel Dein Bild (bzw. der Download) im marktvergleich wert ist. Ich muss wissen WELCHER Wert den kostenlos angeboten wird.  Erfahre ich: diesewr dowload kostet bei vergleichbarer Qualität bei einem kommerziellen Bildportal alla Fotolia sagen wir 5€ (ich rate jetzt), dann habe ich die erste und wichtigste Bezugsgröße zum Abschötzen. Fehlt die, lasse ich es (das Spenden) weil ich unsicher bin wieviel überhaubt. Mache ich mit 1€ lächerlich oder aber mit 200€ ?
    Du kannst natürlich auch höhewertig das ganze Abstellen indem Du uns mitteilst was so ein künstlerisches Werk als Bildausdruck bei einer Galerie kostet (damit Du nicht glaubstz ich soetiere Deine Arbeit unter 5€ Fotolia ein, war nur Beispiel). Dann der nächste Schritt: Bild mit Rahmen in ansprechenden Format wird verschickt sobald der Selbstkostenpreis (Material und Versand) von mind. x€ bezahlt ist. Alles drüber liegende wird als honorierung Deiner Arbeit geleistet. Aber wie gesagt- ohne Bezugsmaßstab fällt es mir als Laie schwer zu geben- ich weiß nur es ist in jeden Fall ein tolles Bild…

  26. Chris Nürnberg Sagt:

    sorry für die Tippfehler, bin etwas in Eile ;-)

  27. mikel Sagt:

    ach wollte ich noch erwähnen. Meine Elektobücher stehen im Blog zum freien Download.  Bei Gefallen bitte ich um eine Spende für den Verein, der unsere Partnerstadt in Burkina Faso unterstützt. Gestern traf ich einen der Macher. Spendeneingang:
    Null. Downloads an die Zweitausend.
    Ist halt so….. Gefällt halt nicht ;-)

  28. Nachdenkenswert - Diskussion, Danke, Denkanstoß, Geld, Netz, Artikel - Netzfräse Sagt:

    [...] neue Artikel informiert zu werden.Ich muß da mal in Ruhe drüber nachdenken aber der Artikel bei Tilla Pe über die Kunst im Netz und das damit (nicht) verdiente Geld, sowie die ausgelöste Diskussion sind [...]

  29. Illuminate.li » Fliegenschwärme und echte Perlen Sagt:

    [...] begann mit einer Diskussion über Kultur, Parteien und Urheberrecht und mündet in eine echte Kunstaktion. Michael K. Trout startet getreu dem Motto “der Worte [...]

  30. Ralf Sagt:

    Ich kaufe T-Shirts bei H&M und rege mich darüber auf, wenn die mehr als 4,95 Euro kosten. PC-Zubehör, Kamera, Speicher, all das kaufe ich seit Jahren via Internet bei den Händlern, die es am günstigsten und zugleich noch halbwegs vertrauenswürdig anbieten. Vertrauenswürdig ist aber allenfalls das Auftreten des Händlers mir gegenüber, dem Käufer. Wie es gegenüber den Produzenten ist, weiß ich nicht und will ich auch gar nicht wissen.
    Daß ein T-Shirt für 4,95 Euro nur in fernen Ländern unter üblicherweise unmenschlichen Bedingungen hergestellt werden kann, ahne ich zwar, will ich mir aber eigentlich nicht genauer ausmalen. Mit fast allen anderen Konsumgütern, die ich regelmäßig brauche oder unbedingt haben will, ist es genauso. Auch und ganz besonders mit Lebensmitteln.
    Ich gucke auf den Preis und nicht auf die Umstände, unter denen er zustande kommt. Wenn die Ware mein Begehren weckt und günstig oder gar umsonst ist, dann hole ich sie mir.
    Das Überleben des Künstlers/Herstellers hierzulande und seine Umstände interessiert mich eher noch weniger als das der Kinder in südostasiatischen Sweatshops. Den Künstlern hier geht es doch gut, durch unser soziales Netz
    fällt kaum jemand wirklich.
    Usw. usf.

    Ich glaube, es kann nicht darum gehen, neue effizientere
    Vermarktungsmöglichkeiten zu finden, die Kunst im Internet zu besserer Verwertung verhilft. Vielmehr fürchte ich, daß es sich um ein immer mehr anwachsendes Problem kompletter Entfremdung handelt. Das Medium Internet ist der Gipfel unpersönlicher um nicht zu sagen entpersönlichter Kommunikation und ebensolchen Konsums.
    Der Klick meines Mausfingers denkt nicht über Menschen nach, die von diesem Klick getroffen und nicht bezahlt werden. Er befriedigt nur vordergründigstes Habenwollen.
    Ein Bewußtseinswandel, wie hier beschworen, kann nicht in einem globalen, unpersönlichen und für sich bewußtlosen System stattfinden, sondern nur direkt zwischen Menschen, innerhalb direkter Beziehungen. Wenn Tauschhandel auch solcher sein soll, dann mit Handschlag. Dann muß für beide
    Tauschpartner sinnlich erlebbar sein, wie sich der Handel auswirkt. So kann ich mir dann auch Wertschätzung vorstellen. Bei Kindern kann man das heute immer noch beobachten. Interessant dabei, daß der von Erwachsenen als viel wichtiger empfundene Warenwert für Kinder gar keine wirkliche Rolle spielt. Sie schätzen den Spielwert und haben dabei ein ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit. Was nicht heißen muß, daß sie nicht auch mal ihren besten Freund übers Ohr hauen. Aber sie merken es, wenn sie es tun.
    Wenn ich mir irgendwo im www Musik hole, habe ich kein Empfinden dafür, ob das bei irgend jemandem miese Gefühle oder gar Hunger bewirkt. Ich habe höchstens Angst, von der bösen Musikindustrie erwischt und dafür bestraft zu werden.
    Ich will aber immer alles und zwar jetzt sofort. Und da klappt’s mit der Wertschätzung einfach schon im Ansatz nicht.
    Tatsächlich habe ich aber schon mit mir persönlich bekannten Künstlern Kunstgegenstände getauscht oder Kunstwerke für richtig Geld gekauft. Das Gefühl war gut und ist den gekauften oder ertauschten Gegenständen
    gegenüber ein ganz anderes als gegenüber den vielen im Laufe der Zeit im Vorübersurfen angesammelten Bildern oder mp3s, deren Herkunft ich nicht persönlich zuordnen kann.

  31. Koloradokäfer Sagt:

    Freie Musik? Creative Commons versus GEMA…

    Letztendlich läuft die Diskussion darauf hinaus, dass die Downloadzähler zwar unermüdlich steigen, sich aber weder Verbreiter für die Kunst finden … noch genügend Konsumenten, die dafür bezahlen….

  32. Martin Gommel Sagt:

    Hallo Tilla. Finde ich ausgesprochen gut, dass Du das Thema hier zum Gespräch machst und in vielen Punkten habe ich nickend und zustimmend Deinen Artikel gelesen. Genau diese Spannung zwischen den Extremen ist es, die viele Künstler aushalten müssen und die manchmal zum schreien ist (was dann oftmals wieder Inspiration für neue Werke ist, die dann eben dieser Verzweiflung Raum machen). Ich denke, dass auf beiden Seiten ein Bewusstseinswandel von nöten ist, sowohl von der Nutznießerseite als auch von der Künstlerseite… Ein recht komplexes Thema, das sich lohnt überdacht und reflektiert zu werden.

  33. Das Trio Sagt:

    Ich denke hier wird teilweise von sehr falschen Prämissen ausgegangen. Wieviele tausende richtig gute Künstler gibt es da draußen? Und wie klein ist der Prozentsatz derjenigen, die tatsächlich von ihrer Kunst leben können? Das ist völlig unabhängig von einem Lizenzmodell. Im Radio wird man nicht wegen guter Musik gespielt - aber auch nicht weil man bei einer traditionellen Plattenfirma ist. Da kommen schon viel mehr Faktoren hinzu.

    Außerdem: Von den Downloadzahlen auf interessierte Kunden / Fans / begeisterte zu schließen, halte ich für sehr fahrlässig. Es gibt verdammt viele Leute, die erst laden, und später vielleicht eventuell mal reinhören. Solche Leute spenden nicht. Sie würden aber auch keine CD kaufen. Weil sie nicht wirklich interessiert sind. Das sind die Leute, die die Qualität ihrer Musiksammlung in GB messen.

    Richtig ist: Echte Fans zu finden ist schwierig - aber das ist kein Problem des Internets oder von Creative Commons. Beide sollten im Gegenteil sogar sehr behilflich sein. Wer von seiner (CC-)Musik leben will, darf aber nicht erwarten, dies von den Spenden für die kostenlos erworbenen Stücke tun zu können. Aber es gibt ja noch Konzerte, Merchandising, Fanaktionen …

    Und um noch einen Einblick in ein “Komsumentenleben” zu geben: Ich nutze hauptsächlich Jamendo, dort höre ich mir die Sachen erst online an und lade sie runter, wenn sie mir gefallen. Wenn sie mir dann immernoch gefallen, dann spende ich auch (trotz Paypal/Kreditkartenschwelle). Wie oben gesagt machen das viele aber anders. Außerdem kaufe ich auch noch häufig CDs. Nur mp3s sind ja doof.

  34. browserFruits: Die Foto News & Links der Woche | Digitale Fotografie Lernen - KWERFELDEIN - Martin Gommel Sagt:

    [...] Ihrem Blog ein (meiner Meinung nach) überaus relevantes Thema auf und das hat mit dem Thema Geld und Kunst zu tun.  Dabei frägt sie die Leser nach deren [...]

  35. derfototim Sagt:

    Ich möchte nicht unbedingt widersprechen - allerdings noch einen anderen Aspekt anfügen, der vllt. ein wenig aus dem Bewusstsein gerückt ist:
    Mittlerweile gibt es ein beachtliches Überangebot in Internet (und auch “außerorts”), das die Möglichkeiten gibt, zu spenden. Und wenn ich an die allweihnachtlichen Schlagzeilen denke, nehme ich sogar an, dass die Spendenbereitschaft der Deutschen gar nicht so gering ist.
    Demgegenüber steht aber auch ein Überangebot von Sachen, die bereitstehen - und auf die man nicht verzichten mag.
    Ich mag dein Bild (auch, wenn ich es bis gerade eben noch nicht gesehen hatte). Und würde ich schöne Bilder für meinen Bildschirmschoner suchen oder so, würd ich es mir gegebenenfalls auch herunterladen.
    Aber ich fürchte, das muss ich zu meinem Leidwesen gestehen, ich würde nicht spenden.
    Ich dächte eher an eine Flüchtlingshilfsorganisation hier vor Ort, oder das Tierheim, oder den Zoo, oder die Piraten, oder oder oder… wenn ich jetzt Geld hätte, etwas zu spenden. Und vielfach bin ich der Meinung, dass diese Institutionen Spenden nötiger hätten, während ich (und andere) zugleich immer auf der Suche nach mehr, mehr, mehr Input sind.
    Das betrifft die erwähnten Leute, die ihre Musiksammlung in GB messen, geht über diejenigen, die ebensoviel Zeit zum zusammenklauben ihrer Pornosammlung wie zum Konsum selbiger benötigen bis hin zu denjenigen, die jedes ansprechende Bild in ihren Bildschirmschoner packen - einfach, um einen etwas flapsigen, aber diesbezüglich realitätsnahen Spruch zu bringen, weils geht!

    Es klingt profan - aber auch beim besten willen kann man nicht für alles bezahlen, was man in Zeiten beliebiger Kopiermöglichkeiten via web haben will. Das ist nichts, was ich im Ansatz bewerten will - es hat wie so vieles andere seine Vor- und Nachteile. Und das sollte man bei derartigen Diskussionen nicht vernachlässigen.

  36. Tilla Sagt:

    @mikel
    “machen lassen” - klingt nett, hat sich in der Praxis aber nicht bewährt :)

    @aebby
    Ich stehe ja auf Deine Analysen ;) Hier hättest Du mich als Wackeldackel meistbietend versteigern können, so sehr habe ich mit dem Kopf genickt.

    @sam
    Leider muss ich auch Dir in vielen Punkten Recht geben. “Leider” weil ich mir wünschen würde, dass unsere Gesellschaft ein wenig mehr “Geiz-ist-geil” Mentalität verlieren dürfte und weil ich dieses “Ich-weiß-nicht-was-ich-damit-soll-aber-es-war-im-Sonderangebot” echt nicht mehr ertragen kann. Und das gilt nicht nur für Netzinhalte. Das Wort “Wert” ist nur noch monetär belegt, ich merke das oft daran, dass ich gefragt werde, was meine Kameras denn so wert wären…. dass ich an diesen Schätzchen hänge, sie meine Werkzeuge darstellen und ich sie als unbezahlbar erachte, weil sie mir gut dienen und jede einzelne eine liebenswerte Eigenschaft hat, diese Erklärung wird oft mit einem Kopfschütteln honoriert.

    @Stephan
    Aus der Vergangenheit weiß ich nur zu gut, wie diese Labelmaschinerie funktioniert, deswegen habe ich nachgefragt. Ich persönlich halte es jedoch für den falschen Weg, auf die traditionellen Wege einzuschwenken, wenn der erste Versuch einen neuen Weg zu beschreiten fehlgeschlagen ist. Ich bin der Meinung, es müssen Kombinationen und damit verbundene neue Geschäftsmodelle gefunden werden, die den Labels/Verlagen/Agenturen ein wenig das Wasser abgraben, und Kunst auch für diese “Alten Modelle” wieder so attraktiv gemacht werden muss, dass sich bemüht wird. Wenn ich an die Taktiken der so genannten Zuschussverlage denke, wird mir einfach nur schlecht. Die Verwerter wollen mit unserer Kreativität Geld verdienen, leisten aber im Gegenzug definitiv zu wenig für ihre Prozente. An dieser Schraube muss gedreht werden. In welche Richtung und mit wieviel Umdrehungen… das weiß ich auch noch nicht.

    @schneck
    Mein Lieber - lass mich wissen, wenn Du von Deiner Aura wieder abbeißen kannst. Sei mir nicht bös, aber Aura allein…. ich weiß ja, worauf Du hinaus willst, aber das funktioniert leider nicht mehr so wie früher! ;)

    @jazznrhythm
    Ja. Ja. Und nochmal Ja.
    Und ich bin nicht enttäuscht, Enttäuschung wäre nur dann eingetreten, hätte ich eine Erwartung gehabt, die nicht erfüllt wurde. ;)

    @Chris Nürnberg
    Ach je - da bohrst Du aber in einer empfindlichen Region. ;) Der Wert eines Bildes…. Nun gut. Ich mache Dir mal eine kleine Rechnung auf. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung genossen, das bedeutet, ich kann kalkulieren. In diesem Fall müsste ich Aufwand (Fahrtkosten, Zeitaufwand ect.), die Fixkosten (Krankenversicherung, Zwangsabgaben, Equipment, Verschleiß ect.) und Materialkosten in die Kalkulation nehmen. Gut kalkuliert habe ich, wenn diese Summe X bei einem Verkauf der Bilder in der Anzahl Y wieder rauskommt. Gewinn ist dabei noch nicht einkalkuliert. Je seltener ein Bild verfügbar ist, desto weniger oft kann ich es verkaufen (limitiert kostet eben mehr) das bedeutet, das einzelne Bild wird teurer. Deswegen kommt es bei so genannten Unikaten zu so hübsch hohen Preisen. :) Setze ich für dieses Bild jetzt klassisch eine limitierte Auflage von 25 Stück an, geprintet auf einem guten Papier in einem Format, das man auch noch an einer Wand unterbringen kann ohne gleich eine Tapete daraus zu machen und by the way auch noch Platz für andere Bilder zu lassen… nun, sagen wir mal klassisch A4… dann müsste ich das einzelne Bild für ca. 130 Euro verkaufen um meine Kosten wieder hereinzuholen. Da ich nicht nur das eine Bild gemacht habe, hätte ich noch das ein oder andere aus der Serie in der Hinterhand, das ich unter den gleichen Bedingungen kalkuliere. So habe ich den Spielraum, vielleicht doch noch meine Kosten hereinzuholen, auch wenn ich von Bild 1 vielleicht nur 3 verkaufe. Alles, was ich darüber hinaus verkaufe, wäre dann ein Schritt ins Plus. Naja, wenn ich meine Steuern bezahlt habe.
    Verkloppe ich das Bild als über eine Onlineagentur, dann muss ich noch berechnen, dass die einen großen Happen Prozente ziehen für die Gnade, mein Bild dort unter zigtausend anderen zeigen zu dürfen….
    Habe ich Licht ins Dunkel gebracht?

    @Ralf
    Zu denken gab mir wirklich dieser Passus:
    “Vielmehr fürchte ich, daß es sich um ein immer mehr anwachsendes Problem kompletter Entfremdung handelt. Das Medium Internet ist der Gipfel unpersönlicher um nicht zu sagen entpersönlichter Kommunikation und ebensolchen Konsums”
    Dazu kann ich Dir, nach langem Nachdenken ein wohlgeformtes Jein entgegensetzen.
    Jeder der anonym (zumindest glaubt das die Masse) im Netz herumsurft, hier ein bisschen saugt und dort ein wenig zieht untermauert Deine Aussage. Allerdings habe ich über das Internet Menschen kennengelernt, die ich wirklich nicht mehr missen will. Menschen, denen ich ohne das Netz nicht begegnet wäre. Die mir sehr wertvoll geworden sind, mit denen ich mich sehr oft über das Netz, aber auch persönlich austausche. Etliche sind Freunde geworden. Der erste Schritt war der Schritt im Netz. Ja.
    Man sollte sich immer bewusst sein, dass das Netz in seiner Eigenschaft die Unpersönlichkeit unterstützt, da gebe ich Dir absolut Recht. Auch bei anderen, von Dir angeführten Gedanken kann ich nur nicken. Aber es liegt an uns Künstlern, Kontakte persönlicher zu gestalten und ein kleiner, aber sinnvoller Schritt dazu sind solche Diskussionen, wie sie hier auf diesem Blog und in so vielen anderen Blogs geführt werden. Plötzlich sieht man nämlich Menschen hinter den Bits und Bytes…. hier und da ;)

    @Martin
    Schöne Worte - aber so richtig etwas beigetragen hast Du ja nun gerade nicht zur Diskussion.

    @Das Trio
    Du siehst mich mit den Zähnen knirschen…. wieder muss die Musik als Beispiel herhalten. Kunst ist nicht nur in mp3s zu messen, allerdings ist das ein Denkfehler vieler, die bei der ganzen Diskussion um CC, Kulturflatrate und Verwerter mitreden wollen. Ich stimme zu, Musik hat auf Verwerterseite und auf KOnsumentenseite die größte (oder vielleicht auch nur die lauteste?) Lobby. CC schön und gut - ich sag Dir dann Bescheid, wenn ich ein Konzert gebe und die T-Shörts mit meinem Namenszug käuflich erworben können werden. ;)

    @Fototim
    Mein Fehler. Ich hätte auf den Button “Zahl das!” schreiben sollen.
    Mit dem Überangebot hast Du Recht - ebenso mit dem “Weil’s geht”. Aber meinen Kühlschrank mit “Brot für die Welt” zu vergleichen, halte ich dann doch für etwas sehr hinkend ;) Aber wie schon gesagt - ich hätte den Button anders beschriften sollen.
    Spenden sind das eine, für eine Leistung freiwillig zu bezahlen das andere. Im zweiten Fall gibt es weder eine Quittung, die man steuerlich geltend machen kann noch das gute Gefühl, etwas für das Ticket ins Himmelreich geleistet zu haben. (Ich weiß, dass viele Menschen wirklich aus einem gedanklichen Gefühl karitativ spenden, ohne an das Finanzamt zu denken oder auf das Himmelreich zu spekulieren - aber Pauschalaussagen sind manchmal einfach plakativer, deswegen sei mir doch bitte an dieser Stelle schon mal vorab verziehen)
    Dein letzter Ansatz klingt für mich ein wenig höhnisch. Ich weiß, dass Du es nicht so gemeint hast, aber wieso kann man nicht im Netz für etwas bezahlen, das man haben will, wenn man beim Bäcker um die Ecke dafür bezahlen muss? Weil man es auch für umme haben kann. Verstanden. Wenn jedoch alle Künstler keine Kunst mehr machen, weil sie von “für umme”nicht abbeißen können, dann gibt es nichts mehr, was man ziehen kann…. und diese Überlegung müsste man mal ins Netz tragen. Womit wir wieder bei der Intention meines Ursprungsartikels wären….

    @all
    Ich danke Euch für viele Anstöße und vor allem für den Ton. Ich habe auch diesmal nichts in der Moderation lassen müssen und das finde ich ziemlich geil! :)


  37. Sam Sagt:

    @Tilla
    Als ich Deine Zeilen über Wert Deiner Kameras las, fiel mir spontan die Gegenfrage ein: “Wert? Weiß nicht. Was ist Dein kleiner Finger wert?”

    Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht. Und ich neige mehr und mehr dazu, die Piraten zu wählen. Nicht weil ich ihre Meinung zum Copyright teile, sondern weil sie etwas verändern wollen, und es muss sich was ändern, damit es besser werden kann.

  38. Das Trio Sagt:

    @Tilla: Sorry, ich bin durch den Blog von Botany Bay hier hergekommen, daher der Musikbezug. Zur Vermarktung anderer Kunstformen wie Bilder kann ich nicht viel sagen, weil ich davon nicht genug Ahnung habe - auch nicht von den traditionellen Vertriebswegen - und auch keine professionelle Bildkunst “konsumiere” - weder bezahlt noch unbezahlt. Das wird wohl vielen so gehen, daher beschränkt sich die Diskussion auf die Kunstform, mit der der meiste Kontakt stattfindet, da hast du recht.

    Wenn es dich freut: Ich bin jetzt auf jeden Fall sensibilisierter für die Bildkunst :-)

  39. Michael Strogies Sagt:

    Hi Tilla,

    mal ganz ehrlich…ich finde das Ergebnis gar nicht so schlecht. Bei 89 Downloads 69 euro Umsatz. Das heißt jeder hat im Schnitt 85 Cent gezahlt. So könnte man das doch auch sehen. Wenn sich das Ergebnis hochrechnen liesse, müßtest du nur eine höher frequentierte Plattform finden, und würdest damit deine Produktionkosten decken können. Welcher Musiker verdient soviel an seinen Songs?

    Das soll jetzt keineswegs zynisch gemeint sein. Aber eigentlich ist es doch der klassische Weg des Künstleraufbaus.

    Mit jedem “Spender” baust du dir potentielle Fans auf. In einem gut geführtenBlog werden die Dich immer weiter beobachten. Sammler werden sich bilden, irgendwann werden sie auch zahlen.

    Wieviele Bands gibt es, die 7-8 Jahre lang in jeder Kneipe gespielt haben, bis sie sich langsam begannen zu etablieren.

    Kann man das Ganze nicht auch so sehen?

  40. toni Sagt:

    Liegt doch alles nur im Wesen des ungehemmten Kapitalismus! Geld-wert geschätzt wird doch nur, womit als Statussymbol weitergehandelt werden kann. Wenn die Leute so die persönlichen, geistigen Freuden für lau kriegen können, dann ist das halt ein Schnäppchen! Alle freuen sich, ohne zu kapieren, daß sie damit genau das festgefahrene System stützen. Wie kriegst du Geist in die Massen?

  41. musik.klarmachen-zum-aendern.de Sagt:

    Botany Bay…

    Nachdem sich Botany Bay per Video als Unterstützer der Piratenpartei “geoutet” hatten, haben wir die Gunst der Stunde genutzt, und mit den beiden ein paar Worte gewechselt. Aber lest selbst……

  42. JoSch Sagt:

    Ich kenne mich nicht mit Vergütungsmodellen aus. Dass es überhaupt freie Musik gibt, habe ich erst durch die Piratenpartei gelernt. Über Botany Bays Seite bin ich dann hierher gekommen.
    Dass die Spenden keine Basis sein können, um als Künstler zu überleben überrascht mich nicht.  Auch wenn ein einzelner Test nicht repräsentativ ist,  würde eine größere Anzahl von Tests wohl nur sehr unterschiedliche Ergebnisse auf einem niedrigen Niveau liefern.
    Das Problem mit den Verwertern ist ja vor allem die Umverteilung der Einnahmen von unten nach oben. Die ca. 3000 ordentlichen Mitglieder verdienen auch ordentlich, alle anderen bekommen nur einen Bruchteil der durch sie generierten Einnahmen wieder.

    Was kann man tun?
    Gegen die Monopolstellung der GEMA kämpfen (die Abschaffung des UrheberrechtsWAHRNEHMUNGSgesetzes würde die GEMA gewaltig unter Druck setzen)
    Über freie Musik (bzw. freie Kunst allgemein) reden und sie bekannter machen. Die Piraten helfen dabei bestimmt gerne :)
    Einnahmen über die kommerzielle Nutzung erzielen (ohne Verwertungsgesellschaft)
    Digitale Produkte als Werbung für nichtdigitale Produkte verwenden. (Musik: Konzerte, Merchandising - Bilder: Kalender, Bildbände, Auftragsarbeiten)

    Wie gesagt, ich bin nicht vom Fach, aber es sind meine Ideen dazu.

  43. Nachdenkenswert - Hirnrollator Sagt:

    [...] by WP Greet Box WordPress PluginIch muß da mal in Ruhe drüber nachdenken aber der Artikel bei Tilla Pe über die Kunst im Netz und das damit (nicht) verdiente Geld, sowie die ausgelöste Diskussion sind [...]

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