Artikel mit ‘Film’ getagged

Ich bin die Sehnsucht in Dir

Montag, 04. Januar 2010

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(klick macht big)

Musik: Die toten Hosen “Ich bin die Sehnsucht in Dir

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Boxenluder

Donnerstag, 20. August 2009

Sie schaute mich an, zwinkerte mir zu und ich konnte ihr nicht widerstehen. Sie durfte mit. Im Auto hatte sie den Platz auf meinem Schoß, sie wurde begutachtet, gestreichelt und schmiegte sich in meine Hände, einen Platz in meinem Herzen hatte sie in Windeseile erobert.

So gut sah sie eigentlich nicht mehr aus. Ein bisschen blind, ein bisschen rostig, staubig und abgegriffen. Nichts, was man nicht mit ein bisschen liebevoller Pflege und ein paar geheimen Mittelchen wieder hinbekommen könnte. Nach der Behandlung durch die kundigen Hände des Lieblingsmenschen erstrahlte sie in neuem Glanz. Sogar ihre Typbezeichnung, zart in das  schwarze Leder geprägt, ist wieder sichtbar geworden.

Der volle Name meines neuesten Mädchens lautet:

Zeiss Ikon Box-Tengor (I) 54/2

Das alte Mädchen hat mich ganz schön schwitzen lassen, denn eine Box, an der man etwas einstellen kann, hatte ich noch nie.

Gebaut in den 30er Jahren verfügt sie über die Möglichkeit, 3 verschiedene Entfernungen (1-2m, 2-8m, 8 bis unendlich) und drei Blenden (f11, f16, f22) einzustellen! Also wieder ein Schätzchen, mit dem man üben kann, Entfernungen abzuschätzen.

Also habe ich die alte Dame mit einem Universal 200 geladen und bin letzte Woche früh am Morgen mit ihr losgezogen. Einen Belichtungsmesser habe ich verweigert - wo kommen wir denn da hin, Boxfotografie und Belichtungsmessung? Entweder das Licht reicht oder das Licht reicht nicht. Zumindest war ich es so von meinen anderen Boxkameras gewohnt.

Vom Ausflug zurück wurde der Film gleich gebadet. Historische Kamera, kreativer Ausflug - also war der neue Spürsinn-Entwickler “Spürsinn HCD” die erste Wahl.

Und was kommt dabei heraus, wenn man mit einer noch unbekannten, über 70 Jahre alten Box mit Einstellungsmöglichkeiten loszieht und den belichteten Universal 200 in Spürsinn HCD im Verhältnis 15+1 bei 22 Grad Celsius und 12 Minuten Standentwicklung badet?

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Alle Bilder werden größer, wenn man sie anklickt :)

Hier findet man übrigens das Datenblatt zu dem Entwickler - die Leute von Spürsinn sind sehr an Euren Erfahrungen interessiert!


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Traumtanz

Mittwoch, 03. Juni 2009

bewege ich dich?

weiße rosen
tüllen lautlose schreie
schweben durch schatten

träume kiffen
sich licht

ein cello tanzt
mich geigen

(c) michael -mikel- bauer
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Klick macht größer

Wie schon bei “Wo ist mein Paradies, Eva?” hat hier auch wieder
Michael Mikel Bauer die passenden Worte zum Bild gefunden.

Entstanden ist das Bild im Rahmen des Filmtests für den
Rollei Universal 200.

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Neugiernasen #2

Dienstag, 02. Juni 2009

Und wieder hat sich das ein oder andere auf meinem Spickzettel unter der Überschrift “Was suchen die Leute, wenn sie auf meinen Blog tapsen” angesammelt.

Der erste Renner ist die Suche nach der hübschen, kleinen, bunten Kamera, die ich auch schon in mein Herz geschlossen habe. Die Blackbird.fly.

Blackbird.fly, zweiäugig Kleinbild, Kleinbild 24 x 24, Wie Filmlöcher am Rand aufs Bild , wo gibt es Blackbird.fly, undsoweiterundsofort.

Dazu gibt es jetzt einen Bezugs-Link, der Licht ins Dunkle bringen sollte und für alle lieferbaren Farben stellvertretend steht.

Platz zwei wird von der bangen Frage besetzt:

Mittelformat Fotografie, quadratisch, welcher Film für Mittelformat, 6×6, große Negative, Mittelformat und Dia, Gibt es noch Rollfilm? usw.

Nun, Mittelformat nennt man die Negativgrößen von 6×4,5 cm bis hin zu 6×9 cm. Wir reden hier von Zentimetern, das bedeutet, ein Mittelformatnegativ ist so groß, dass man sich schon einen Kontaktabzug locker an die Wand hängen kann ;)
Mittelformat ist nicht zwingend quadratisch, wird aber gerne mit einem Bild im  Quadrat assoziiert. Der klassische Mittelformatfilm wird “Rollfilm” oder 120er Film genannt. Er passt für alle Mittelformatkameras, und reicht je nach Format  für 8 bis 16 Bilder.

  • 6×4,5 = 16 Bilder (z.B. Holga, Mamiya 645, Zenza Bronica RF645 ect.)
  • 6×6 = 12 Bilder (Hasselblad, Rolleiflex (außer Babyrolleiflex),
    Kiev 60, Kiev 88, Holga, Zenza Bronica SQ Baureihe, Agfa Isola ect.)
  • 6×7 = 10 Bilder (Pentax 67, Zenza Bronica GS Baureihe,
    Mamiya RB67 ect.)
  • 6×9 = 8 Bilder (”Klappfalter”, Laufbodenkameras, Agfa Clack, Agfa Click, Agfa Box, viele Boxkameras ect.)

Es gibt noch einen weiteren Rollfilm, der doppelt so lang ist wie der 120er und der sich 220er nennt. Dieser Film wird kaum noch konfektioniert, er passt auch nur in dafür ausgelegte Kameras und da er kein durchgehendes Schutzpapier hat, kann man ihn nicht in Kameras verwenden, die ein rotes Fenster für die Kontrolle des Filmtransports haben.

Auch wenn der Fotohändler an der Ecke behaupten sollte, es gäbe keine Rollfilme mehr - noch nie war das Angebot so vielfältig wie heute. Rollfim ist in schwarz/weiß, in Farbe und auch als Diafilm in zahlreichen Empfindlichkeiten unter anderem bei Spürsinn erhältlich.

Top 3 der Suchworte kann ich kurz und bündig abhandeln.

kleine, nackte Mädchen

Die gibt’s hier nicht.


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Gesucht: ein Modell

Freitag, 01. Mai 2009

Für ein Shooting am 10. Mai 2009 suche ich ein Modell auf TfP-Basis.

Neues Filmmaterial soll getestet werden und zu diesem Zweck tun sich Michael K. Trout, Vernon Trent und meine Wenigkeit zusammen. Der Ort dieses denkwürdigen Zusammentreffens wird wohl in der Region Krefeld liegen, für Dich wäre es also schlau, aus der Gegend zu kommen, Fahrtkosten werden nämlich nicht übernommen. ;)

Was suche ich?

  • männlich oder weiblich
  • mindestens 21 Jahre alt
  • ohne Scheu vor Veröffentlichungen
  • mit Bereitschaft für Akt
  • ausdrucksfähig
  • wandelbar
  • mutig
  • offen für Experimente
  • ohne Berührungsängste

Was mache ich?

  • einen Vertrag mit Dir!
  • nur analoge Bilder
  • schwarz/weiß Bilder
  • in der Hauptsache Bilder im Mittelformat
  • Akt
  • Portrait
  • Experimente

In meinem Fall ist eine Begleitperson nicht erwünscht. Wenn Du also an meiner Professionalität zweifelst oder meine Seriosität in Frage stellst, bist Du bei mir falsch. Falsch bist Du auch, wenn Du meine Art zu fotografieren nicht magst. Ich erwarte schon, dass man sich erst mit meinen Bildern beschäftigt, bevor man vor meine Kamera kommt. Nichts ist schlimmer als Diskussionen am Set oder in Nachgang im Tenor “Ich habe mir das aber anders vorgestellt”.

Wenn Du Fragen hast - nur zu. Ich habe zwar klare Worte, die in dem ein oder anderen Ohr “hart” klingen, beiße aber wirklich nicht und bin durchaus ein umgänglicher Mensch :)

Kontakt nimmst Du am besten per E-Mail mit mir auf.
tilla.pe ät gmx punkt de

In dieser E-Mail erzählst Du mir bitte ein wenig über Dich und gibst mir eine Telefonnummer an, unter der ich Dich erreichen kann. Bild für den ersten Eindruck wäre cool, ist aber keine Bedingung. Handyknipsbild reicht. Referenzen brauchst Du keine.
E-Mails mit dem Inhalt “Ich habe Lust, was muss ich machen” werden nicht mehr beantwortet. Für sowas ist mir meine Zeit ehrlich zu schade ;)

Der 10. Mai ist Muttertag - bitte denk dran, bevor Du Dich fest mit mir verabredest! Mütter sind auch wichtig!

So. Hab ich was vergessen?

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Ich sehe was, was Du nicht siehst

Dienstag, 21. April 2009

Ich bin ja zu allen Schandtaten bereit, fotografiere leidenschaftlich gern, mit fast allem, was man mir in die Finger gibt, probiere aus, teste und will wissen, warum, wieso, weshalb. Neugierde in Bestform. Wenn es sein muss, fotografiere ich auch mit einem Schuhkarton oder durch ein Knäckebrot.

Was mich aber so gar nicht reizt, das ist die Infrarotfotografie.
Nebenan bei Spürsinn haben sie gerade einen Artikel darüber veröffentlicht und mit Bildern geschmückt, die der Lieblingsmensch gemacht hat. Ich war auf der Fototour, bei der diese Bilder entstanden sind, dabei. Ich habe sogar durch die Kamera geschaut. Und nichts gesehen. Nur schwarz.
Ich fotografiere doch nicht, was ich nicht sehe?

Für meinen Geschmack wird zuviel Bohei um die Infrarotfotografie gemacht. Was ist schon Besonderes dabei, wenn man Reflexionen mit der Kamera einfängt, die das menschliche Auge nicht sieht? Die dazugehörige Technik stört mich in meinem Entfaltungsspielraum. Es gibt beste Jahreszeiten für diese Art der Fotografie, beste Tageszeiten und man muss außerdem noch Filter mit sich herumschleppen, mit denen man sonst nicht viel anfangen kann. Etliche Ergebnisse sind ja ganz hübsch, aber ich persönlich finde nichts Faszinierendes an Bäumen mit weißen Blättern.

Als ich das erste Mal den Begriff “Wood-Effekt” im Zusammenhang mit Infrarotfotografie hörte, dachte ich noch, dass Holz besonders gut/detailliert/spannend abgebildet wird. Okay, das ist schon ein paar Jahre her, aber die Assoziation habe ich immer noch. ;)

Nichtsdestotrotz werde ich mich auch irgendwann einmal auf das Experiment Infrarot einlassen. Allerdings werde ich keine Bäume fotografieren, sondern mir Menschen als Motive suchen. Den so genannten”Wachs-Effekt”, der auftritt, fotografiert man Menschen mit dieser Infrarotgeschichte, den finde ich nämlich wieder spannend und dazu fallen mir auch eine ganze Menge Bilder ein, die mich reizen und die ich umsetzen möchte.

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Alles mit ohne rot

Sonntag, 19. April 2009

Licht besteht aus verschiedenen Wellenlängen - kurz, mittel und lang. Kurzwelliges Licht nehme wir als blau wahr, langwelliges als rot. Das mittelwellige Licht lasse ich jetzt mal unberührt.

Der Rollei Ortho25 ist ein so genannter orthochromatischer Film, was bedeutet, er ist unsensibel rotem, also langwelligem Licht gegenüber.
Nun stellt sich die Frage - wo ist bei einem schwarz/weiß Film bitte das Rot zu suchen?
Antwort: Die Rottöne finden sich bei einem schwarz/weiß Film normalerweise in den Grautönen wieder. Der übliche schwarz/weiß Film ist heutzutage rotsensibel.

Fehlt dem Material die Rotsensibilität, so kommen die roten Töne auf dem Bild nicht grau, sondern schwarz zum Vorschein. Das Ergebnis sind wunderbare Schwärzen und tolle Kontraste.

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(Rollei Ortho 25@50ASA)

Normalerweise sind geringe Fimempfindlichkeiten nicht mein Spielfeld. Hier habe ich den Film für Spürsinn und aus Neugierde getestet und bin tatsächlich sehr angetan von den Ergebnissen. Für mich war es eine neue und spannende Erfahrung, an einem Frühjahrsnachmittag, an dem langwelliges Licht vorherrscht, einen Film zu verwenden, den das rote Licht nicht wirklich interessiert. Die nächste Tat wird sein, ihn als Rollfilm in eine Kamera aus den 30er Jahren zu packen und damit Menschenfotografie zu betreiben. Das spannende an der Idee:  Als diese Kamera modern war, gab es nur orthochromatisches Material. Sie müsste sich also in ihre Hochzeit zurückversetzt fühlen ;)

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Analoge Krabbenbrötchen

Samstag, 04. April 2009

Sie saßen am Hafen auf der Mole und ließen die Beine baumeln. Er streckte die Nase in den salzigen Wind, sie kämpfte mit den Haaren, die ihr der Wind  immer wieder ins Gesicht wehte und gleichzeitig damit, einen neuen Film in ihre Kamera einzulegen ohne dass dieser dem strahlenden Sonnenschein ausgesetzt wurde.

“Du sag mal”, fragte er “wäre es hier nicht viel praktischer mit einer digitalen Kamera zu fotografieren?” Sie ließ mit einem erleichterten Seufzen die Rückwand der Kamera zuschnappen und drehte sich zu ihm. “Praktischer? Vielleicht schon.” meinte sie. “Vorausgesetzt, ich hätte ausreichend Platz auf meinem Chip und volle Ersatz-Akkus in der Tasche. Jedes Werkzeug hat seine Vor- und Nachteile.”

Er runzelte die Stirn. “Ja, aber so musst du Unmengen an Film mitschleppen. Und nicht nur von einer Sorte. Du brauchst Kleinbild- und Rollfilm. Du brauchst Bunt- und schwarz/weiß Film. Und dann noch die unterschiedlichen Eigenschaften und Empfindlichkeiten!” Sie lachte auf. “Bei dem Gewicht der unterschiedlichen Kameras und Objektive fällt das doch kaum noch ins Gewicht! Aber Du hast schon Recht - ich habe immer eine ausgesprochen große Handtasche dabei.” “Also warum reicht es dir nicht, mit einer Handvoll Akkus und einer vernünftigen, digitalen Kamera loszuziehen?”

Sie wurde plötzlich ganz ernst. “Ich will fotografieren. Die Bilder, die ich machen möchte, habe ich schon ungefähr im Kopf, wenn ich los ziehe um zu fotografieren. Zu diesen Bildern, nennen wir sie mal Entwürfe, gehören Eigenschaften, die ich mit dem Einsatz von ganz bestimmten Kameras erreichen kann. Also muss ich diese Kameras dabei haben. Das gilt auch für das Filmmaterial. Habe ich nicht dabei was ich brauche, so kann ich nicht das Bild machen, was als Entwurf in meinem Kopf schwebt. Und unglücklicherweise habe ich nur Bilder im Kopf, die analog umzusetzen sind, nicht digital. Deswegen musst du immer ein oder zwei Kameras mit tragen, wenn du dabei bist.” Sie grinste. “Ist es das, was dir Sorgen macht? Dass ich Dich zum Kameramuli degradiere?”
“Quatsch!” Er schüttelte den Kopf. “Ich verstehe es nur nicht so ganz. Andere Menschen machen digital mit nur einer Kamera gute Bilder.”

“Das streite ich ja nicht ab, aber es passt eben nicht zu meinen Bildern und zu den Bildern, die ich machen will. Schau, es gibt Maler, die benutzen Pinsel aus Rotmarderhaar. Sie malen damit Aquarelle oder in Öl und benutzen dafür das Werkzeug, was am besten mit dem harmoniert, was sie schaffen möchten. Und es gibt Maler, die wunderbare Bilder schaffen, indem sie Schulpinsel oder ihre Hände benutzen. Für sie sind eben diese Schulpinsel das beste Werkzeug. Neben ihren Händen. Würden die ersteren jetzt Schulpinsel benutzen und die zweiten die teuren Rotmarderhaarpinsel, dann wären die Bilder nicht mehr so wie die, für die sie ihr Lieblingswerkzeug einsetzen.
Daneben gibt es natürlich auch Maler, die benutzen das Teuerste vom Teuren und ihre Bilder sehen aus wie “Malen nach Zahlen”.
Das würde sich wahrscheinlich auch nicht ändern, würden sie ein anderes Werkzeug benutzen. Mit meiner Fotografie ist es ähnlich. Würde ich digital fotografieren, dann würden meine Bilder nicht mehr so aussehen, wie ich will, dass sie aussehen. Es wäre ein anderes Werkzeug.”

Sie standen auf, schlenderten an den Kuttern vorbei und steuerten die nächste Bude mit Fischbrötchen an.  Hering für ihn, Krabben für sie. “Du meinst tatsächlich, deine Handschrift als Fotografin wäre nicht mehr da, wenn du digital fotografieren würdest?” Sie schüttelte den Kopf. “Natürlich wäre meine Handschrift noch da. Es ist ja nicht das Werkzeug, was das Bild macht. Aber es wäre für mich nicht das Ergebnis, was ich mir wünsche. Es würde zuviel von dem fehlen, was ich in meinen Bildern sehe.”
“Kannst Du das genauer beschreiben?” fragte er und biss herzhaft in sein Brötchen. Sie puhlte nachdenklich die Krabben aus ihrem Brötchen und legte sie der Reihe nach auf ihre Serviette.
“Schau mal” sagte sie. “Wollte ich jetzt diese Krabben fotografieren, würde ich wohl eine zweiäugige Kamera auswählen, die Spielzeugcharakter hat. Vielleicht die Lubitel. Geladen mit einem unmaskierten Farbfilm. Mit der Kamera wähle ich ein Werkzeug, das für mich höchst charmante Unzulänglichkeiten aufweist, mit dem Film ein Material, bei dem ich weiß, wie ich die Farbgestaltung im Stil der 60er Jahre beeinflussen kann. Außerdem hat Film andere Eigenschaften als ein Chip. Beim Film habe ich das Korn und die Tiefe im Farbraum. Ich kenne diese Eigenschaften und setze sie bei der Fotografie natürlich bewusst ein. Über den Lichtschacht kann ich Perspektiven wählen, auf die ich entweder so nicht ohne Weiteres kommen würde oder für die mich schrecklich verbiegen müsste, würde ich das Bild mit einer digitalen Spiegelreflex machen. Digital hätte ich kein quadratisches Format - ich müsste nachträglich schneiden oder eine digitale Mittelformatkamera benutzen - damit hätte ich aber dann auch schon wieder zwei Kameras dabei.”

Sie lächelte und legte die Krabben zurück ins Brötchen. ” Ich hätte eine ungewollte Perfektion, denn ich kann mit einem digitalen Werkzeug nicht den Abbildungscharakter der Lubitel nachahmen. Wenn ich es nachträglich über ein Bildbearbeitungsprogramm versuche, würde mich das Stunden kosten und das Ergebnis würde mich nicht befriedigen. Das gilt auch für die Farbgebung.  Für die Perspektive, die mir jetzt vorschwebt, müsste ich meinen Körper schmerzhaft verdrehen und hätte wohl trotzdem nicht das, was mir vorschwebt, denn ich müsste mir den Bildausschnitt für einen nachträglichen Schnitt genau überlegen. Letztendlich wäre es digital sicher auch ein gutes Bild, man würde wohl auch meine Handschrift erkennen können, aber ich wäre nicht zufrieden und damit hätte ich einen Kandidaten für die Tonne.”

“Du meinst also, dass die Kamera mit deinen Vorstellungen, deinen Bildentwürfen harmonieren muss, sonst machst du das Bild nicht?” Sein Gesichtsausdruck war zweifelnd. “Klingt komisch”, antwortete sie “aber ich glaube, so ist es tatsächlich. Du pinselst die Wand in Deinem Wohnzimmer ja auch nicht mit Wasserfarbe an, wenn du gerade nicht die Wandfarbe zur Hand hast, die Du eigentlich bräuchtest, oder? ” Sie wischten sich die Hände ab und verließen den Brötchenimbiss.
“Soll ich Dir tragen helfen?” fragte er.

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Und ewig grüßt…

Sonntag, 01. März 2009

Das alte Lied: Was ist besser - analog oder digital?
Manchmal reichen die 140 Zeichen bei  twitter eben nicht aus, um eine Diskussion darüber zu führen.

Grundlage eines kleinen, gestrigen Schlagabtauschs war die Aussage eines Hochzeitsfotografen, der 76 Punkte sammelte um angehenden Brautpaaren die Wahl ihres Hochzeitsfotografen zu erleichtern. So eine Checkliste ist ja grundsätzlich nicht verkehrt, sollte aber doch frei von persönlichen Vorurteilen Vorlieben sein. (weiterlesen…)

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