Bilder für Millionen
Mittwoch, 06. Januar 2010Wie ist das eigentlich mit der Fotografie, dem Ruhm, der Ehre und den Millionen?
Ich betrachte die Anstrengungen derer, die eine Kamera ihr eigen nennen in den letzten Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
Das Auge lacht, wenn ich sehe, wie einige wenige Menschen versuchen, mit Hilfe eines Fotoapparates das einzufangen, was um sie herum geschieht und sie bewegt. Die Ergebnisse sind sehenswert. Sehenswert, weil die Bilder erkennen lassen, dass da jemand seine Emotionen, seine “Landschaft” des täglichen Lebens, seine Lieben und seine An-Sichten versucht einzufangen. Dafür bedarf es keines großartigen Wissens um Technik - ein gutes Auge und die Fähigkeit “auf den Punkt zu kommen” reichen aus, um ein Bild zu machen, das den aufmerksamen Betrachter fesselt.
Das Auge lacht, wenn ich die Entwicklungen derer verfolge, die versuchen die Bilder umzusetzen, die in ihren Köpfen schlummern. Inszenierte Fotografie ist auch immer ein bisschen Selbstentblößung vor der betrachtenden Menge. Wer den Mut hat, seine “Traumbilder” umzusetzen und zu zeigen, verdient Respekt. Wer frustriert darüber, dass die Ergebnisse nicht das Bild im Kopf zeigen, anfängt, sich mit seinen Möglichkeiten und dem Technikgedöns auseinanderzusetzen, verdient meine Achtung. Wer loszieht und wissbegierig anderen Löcher in den Bauch fragt, entsprechende Bücher liest und aus seinen Rückschlägen lernt, der ist auf dem besten Weg, ein Fotograf zu werden. Und wer dann noch einsieht, dass ein Fotograf niemals aufhört zu verzweifeln, zu lernen und nach dem einen Bild zu suchen, der hat sogar meine Hochachtung.
Das Auge weint jedoch, wenn ich die Massen an nachgestelltem, automatisierten, abgekupferten und meist schlecht ausgeführten Bildern sehe, die versuchen mein Auge zu beleidigen und zu überfluten. Das ist allerdings keine neue Entwicklung, die gab es bereits in den 30iger Jahren.
Mein Auge weint, wenn ich lesen muss, dass man nur mit dieser und jener Ausrüstung diese und jene (natürlich bejubelnswerten) Fotos machen kann.
Mein Auge weint, wenn es Behauptungen liest, die sagen, dass jeder nachmachen kann und soll, dabei diese und jene technischen Werte zu setzen hat, dieses und jenes Buch zu lesen und diesen und jenen Workshop zu besuchen hat und dann ganz schnell reich und berühmt wird.
Gute Fotografie kommt von innen. Nicht aus Büchern, nicht mit der Hilfe einer Bildbearbeitungssoftware, nicht aus einer Kamera. Sie kommt aus der Seele, entsteht aus Leidenschaft und Liebe und wächst mit den Träumen von Bildern, Bildern, Bildern.
Und was war jetzt mit dem Ruhm, der Ehre und den Millionen?
An dieser Stelle möchte ich auf einen älteren Artikel in der Zeit verweisen. Nehmt Euch die Zeit, die sechs Seiten ganz zu lesen.
Nachtrag: Eben habe ich gesehen, dass Michael K. Trout unabhängig von mir auch einen kleinen Senf zum Thema im weitesten Sinne veröffentlicht hat



