Ahoi - Oder doch nicht?
Mittwoch, 24. Juni 2009140 Zeichen hin - 140 Zeichen her, es hilft alles nichts, das Thema ist zu umfassend und grundsätzlich auch viel zu wertvoll um nur in 140 Zeichen hin und her abgehandelt zu werden.
Am Montag habe ich eine unterstützende Unterschrift für die Piratenpartei in Hessen geleistet. Aus dem einfachen Grund: Wir brauchen (mal wieder) Bewegung in der Politik in Deutschland. Eine steife Brise kann da wirklich nicht schaden.
Meine Unterschrift bedeutet jedoch nicht, dass ich auch mit einem Kreuz bei den Piraten zur Wahlurne schreiten werde, zu unausgegoren sind mir bisher die erstrebten Ziele der Freibeuter.
Mein persönlicher Stein des Anstoßes: Die Piratenpartei fordert eine Veränderung des Urheberrechts.
In den verschiedenen Diskussionen ist mir aufgefallen, dass Urheberrecht und Nutzungsrecht gern in einen Topf geworfen werden. So rennt die Information durch die Presse, dass in den USA eine alleinerziehende Mutter fast 2 Millionen Dollar Strafe zahlen soll, weil sie illegal Musik aus dem Internet gezogen hat. Die USA hat zwar ein anders lautendes Urheberrecht als wir hier in Deutschland, nichtsdestotrotz ist die Entscheidung des Geschworenengerichts nicht auf Basis eines Urheberrechts getroffen worden, sondern weil der/die Inhaber der Nutzungsrechte geklagt haben.
Und ich muss ehrlich sagen, wenn ich falsch parke, muss ich meinen Strafzettel auch bezahlen. Auch, wenn ich das Schild nicht gesehen habe. Dummheit schützt vor Strafe nicht. Ob die Höhe der Strafe gerechtfertigt ist oder nicht, soll aber nicht Inhalt der Diskussion sein, die ich an dieser Stelle anstrebe. Nur so viel sei gesagt - sollte eine Zahlung der Strafe erfolgen, so wird der/werden die Künstler davon nichts zu sehen bekommen - er hat/sie haben die Nutzungsrechte verkauft.
Und da kommen wir auch schon zum Casus Knaksus springenden Punkt. Wenn ich ein Bild verkaufe, verkaufe ich das Bild. Nicht mein Urheberrecht, das ist in Deutschland auch gar nicht möglich. Der Käufer des Bildes darf jetzt mit dem Bild machen, was er will. Er kann es mit ins Bett nehmen, an die Wand hängen, es feierlich verbrennen oder mit Gewinn weiterverkaufen. Von dem Überschuss sähe ich in diesem Fall keinen Cent. Ist ja auch in Ordnung so. Er darf es jedoch nicht vervielfältigen und dann die einzelnen Bilder verschachern - in diesem Moment greift mein Recht zu sagen “Das will ich nicht”. (Jetzt mal unabhängig vom kommerziellen Aspekt gesehen.) Es ist das Recht des Urhebers bestimmen zu können, was mit seinem geschaffenen Werk passiert. Und es ist das Recht des Urhebers, Rechte an der Verwertung zu vergeben. Letztendlich lebt er genau davon. Wenn der Käufer nun ein ganz sympatischer Mensch ist, der das Bild auf Geburtstagseinladungen drucken will, weil er es so toll findet, dann kann er mit mir darüber reden und verhandeln. Ich kann es ihm erlauben, ich kann ihm für diese Erlaubnis Geld abknöpfen, wenn ich will, oder ganz einfach begeistert sein, dass er mein Schaffen verbreiten will und mich daran freuen. Wie auch immer ich dieses Nutzungsrecht regele, ist meine Sache, meine Angelegenheit. Das Recht des Urhebers.
Jetzt kommt die Piratenpartei und will mir dieses Recht beschneiden. Die Argumente, die sie bringen, beziehen sich aber meiner Meinung nach auf die Art und Weise wie die Verwertung geistigen Eigentums gehandhabt wird.
Liebe Leute, das Urheberrecht ist nicht schuld daran, wenn Plattenlabel ihre CDs gegen Kopien schützen. Es liegt in ihrem wirtschaftlichen Streben, so viele CDs wie möglich zu verkaufen, denn sie haben Geld eingesetzt, das sie wieder heraushaben wollen und sie müssen einen Teil des Geldes auch an den Künstler abtreten, der ihnen das Nutzungsrecht/Verwertungsrecht für seine Musik verkauft hat, damit er etwas zu beißen hat. Ob es nun unsinnig erscheint, dies über einen Kopierschutz zu erwirken oder nicht - das steht nicht zur Debatte.
Das Urheberrecht ist auch nicht schuld, wenn eine Verwertungsgesellschaft horrende Zahlungen für öffentliche Konzerte verlangt. Nicht umsonst läuft zurzeit eine e-Petition, die das Verhalten der GEMA zum Inhalt hat.
Und wenn ein Fotograf von Lebensmitteln arme Blogger verklagt, weil sie seine Bilder unerlaubt auf ihren Rezeptseiten zeigen, dann ist daran auch nicht das Urheberrecht schuld. Der Fotograf nutzt einzig und allein aus, dass so viele Leute meinen, wenn etwas im Internet steht, dann kann man es sich einfach so nehmen. Er kann so handeln, weil er neben dem Urheberrecht das Nutzungsrecht an seinen Bildern hat.
Verkaufe ich das Nutzungsrecht an einem Bild exklusiv an ein Unternehmen und findet dieses Unternehmen das entsprechende Bild woanders, dann muss ich erstmal beweisen, dass ich mich an die Absprache der Exklusivität gehalten habe. Das Unternehmen als Inhaberin des Nutzungsrechtes, das es ja von mit gekauft hat (zur Erinnerung, damit ich meinem Bäcker die Brötchen bezahlen kann) zieht dann gegebenenfalls gegen den, der das Bild “gezogen” hat vor den Kadi. Nicht ich.
Wenn ich die Piratenpartei richtig verstanden habe, dann möchten sie gerne, dass Kultur für alle zugänglich und umsonst ist. Sie haben sich u.a. die Förderung der Kultur auf die Flagge geschrieben.
Die Frage, wovon denn dann die Kulturschaffenden leben sollen, wurde allerdings noch nicht zu meiner Zufriedenheit beantwortet. Und warum mein Recht zu entscheiden, was mit meinen Werken passiert, beschnitten werden soll, erschließt sich mir auch noch nicht. Fakt ist - Kunst muss finanziert werden. Künstler müssen finanziert werden. Wie sollen sie sich selbst finanzieren, wenn ihnen die Grundlage entzogen wird?
Die heutige Regelung der Verwertungsrechte wird einem fairen Ausgleich zwischen den berechtigten wirtschaftlichen Interessen der Urheber und dem öffentlichen Interesse an Zugang zu Wissen und Kultur jedoch nicht gerecht.
Hier ist plötzlich die Rede von Verwertungsrechten. Richtig! Auch ich bin nicht einverstanden, wie mit bestimmten Verwertungsrechten (Nutzungsrechten) umgegangen wird. Aber deswegen muss ich doch kein Urheberrecht ändern?
Als Fotografin mache ich u.a. freie Langzeitprojekte. Ich stecke Zeit und Geld in diese Projekte. Wenn ich ein solches Vorhaben abgeschlossen habe, bedeutet das nicht gleichzeitig, dass jetzt der Rubel rollt, ich muss noch mehr Zeit und Geld in die Kommerzialisierung stecken. Wenn ich von Langzeitprojekten spreche, dann bedeutet das tatsächlich Langzeit. Jahre. Bis Geld fließt (wenn überhaupt) können durchaus noch ein paar Jahre mehr vergehen.
Dies schließt insbesondere eine drastische Verkürzung der Dauer von Rechtsansprüchen auf urheberrechtliche Werke unter die im TRIPS-Abkommen vorgegebenen Fristen ein.
Unter diesen Umständen wäre ich gezwungen, nur noch lukrative und schnelle Projekte zu machen. Ohne Anspruch, denn Anspruch dauert und kostet. Und ich bin nur ein kleines Licht von vielen unter Heerscharen von Schriftstellern, Musikern, Fotografen…… wie war das also mit der Förderung und Erhaltung der kulturellen Werte?
Liebe Piratenpartei. Ich würde Euch wirklich gerne wählen. Also seid so gut und setzt Euch mit dem Thema Urheberrecht noch einmal gründlich auseinander. Fragt Kunstschaffende, Kulturschaffende nach ihrer Meinung, ihren Erfahrungen und Ansichten. Nutzt die Chance und fragt Eure Wähler in spe, wie der richtige Weg aussehen könnte.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch auf zwei Beiträge einer Musikerin zu diesem Thema hinweisen. Karan bringt sehr gut weitere und ähnliche Gedanken zu Papier Blog.
Ich habe diesen Beitrag auf die in meinen Augen wichtigsten Aspekte verkürzt und ihn vereinfacht., weil ich es als kontraproduktiv erachte, seitenlange Abhandlungen zu bloggen, die einzig meine Meinung widerspiegeln. Lieber wäre mir eine Diskussion zu dem Thema, gerne auch von den Piraten
Sparbrötchen, die alles klasse und Geiz geil finden, die nicht bereit sind, für die Leistung anderer zu zahlen und diese Meinung hier unflätig zum Besten geben wollen, werden gelesen, unter der Rubrik “die Stimme des einfältigen Volkes” abgelegt und nicht freigeschaltet. Also spart Euch unflätiges Gebahren, denkt eine Runde drüber nach und postet dann sinnvolle Argumente.



