Und ewig grüßt…
Das alte Lied: Was ist besser - analog oder digital?
Manchmal reichen die 140 Zeichen bei twitter eben nicht aus, um eine Diskussion darüber zu führen.
Grundlage eines kleinen, gestrigen Schlagabtauschs war die Aussage eines Hochzeitsfotografen, der 76 Punkte sammelte um angehenden Brautpaaren die Wahl ihres Hochzeitsfotografen zu erleichtern. So eine Checkliste ist ja grundsätzlich nicht verkehrt, sollte aber doch frei von persönlichen Vorurteilen Vorlieben sein.
Punkt 18 der Liste verleitete mich dabei zu einem kleinen Ausbruch.
18. Mittlerweile sind digitale Hochzeitsfotos qualitativ immer besser als Bilder auf Filmmaterial (Negativ). Deshalb ist das Qualitätsmerkmal „Hochzeitsfotografie auf Film“ mit Vorsicht zu bewerten.
Diese Aussage ist Blödsinn. Der Autor hat keinen Messwert genannt, mit dem er diesen Punkt begründet. Warum sollte denn digitale Fotografie qualitativ besser sein als Fotografie auf Film? Von welchen Qualitätsmerkmalen wird denn hier gesprochen? Die Bildauflösung kann es nicht sein, um Megapixel kann es hier auch nicht gehen, auch Farbqualitäten können nicht gemeint sein.
Es geht mir nicht um besser oder schlechter.
Es geht mir nicht um analog gegen digital.
Ich möchte nicht um Megapixel, Auflösungen und Farbqualitäten diskutieren. Ich finde es verwegen, wenn nicht sogar vermessen, pauschal eine solche Aussage in den Raum zu stellen und damit Vertreter einer anderen Technik, als der digitalen, zu diskreditieren.
Meine Leidenschaft gehört der Fotografie, mein Herz schlägt für die gute Fotografie. Ich selbst gehöre der Gruppe der manchmal belächelten Filmbenutzer an, weiß allerdings genau, was ich mit meinen Materialien schaffen kann und was nicht.
Richtig ist, dass ich mich oft abfällig über die digitale Technik äußere, wenn sie mir als Allheilmittel angepriesen wird. Richtig ist, dass ich eine sehr spitze Zunge beweisen kann, wenn mir das digitale Werkzeug als schöner, besser, toller, geiler und als das einzig Wahre vorgestellt wird.
Falsch ist, dass ich die Digitalfotografie verdamme. Ich meine, wir reden doch über Fotografie. Für Fotografie gibt es eine erstaunliche Anzahl von Werkzeugen, die alle unterschiedliche Eigenschaften haben und unterschiedliche Ergebnisse zeigen. Natürlich sieht ein Bild, mit einer Holga gemacht anders aus als ein Bild aus einer Canon EOS 1D MarkIII. Ein Baumstamm, mit einer Handsäge abgesägt, zeigt auch andere Merkmale als einer, der mit einer Motorsäge gefällt wurde. Aber erst wenn ich mein Qualitätsmerkmal definiere, kann ich sagen, ob Handsäge oder Motorsäge das für mich richtige Werkzeug sind, um einen Baumstamm zu sägen.
Für eine Aussage wie sie Roland Michels in seiner Checkliste unter Punkt 18 getroffen hat, fehlt also jegliche Grundlage.
Gute Fotografen erfragen die Wünsche ihrer Auftraggeber und wissen, wie sie diese umzusetzen haben, um ihre Kunden glücklich zu machen.
Gute Fotografen wissen, welches Werkzeug sie wählen müssen um dieses Ziel zu erreichen.
Gute Fotografen streiten sich nicht über digital oder analog.
P.S. Ich mache keine Hochzeitsfotografie mehr und ich benutze tatsächlich auch das ein oder andere Mal eine Digitalkamera.
Tags: analog, Chip, digital, Film, Fotografie, gute Fotografen, Hochzeitsfotografie, Menschen, Qualität




01. März 2009 at 11:32
Was soll man dazu sagen? Wieder mal ein “Ich kann nicht analog fotografieren, weil meine Bilder dann nicht so leicht nachbearbeitet werden können. Darum mache ich analoge Fotografie schlecht”?
01. März 2009 at 11:43
[...] Tilla Pe scheint dieses Thema so wichtig zu sein, dass Sie mir einen ganzen Blogeintrag widmet. Schleierhaft ist mir aber warum sie meinen Beitrag nicht richtig gelesen hat und mir unterstellt ich würde eine für die Fotografie allgemein gültige Behauptung aufstellen. Dem ist nicht so. Es ist meine persönliche subjektive Erfahrung (Genau das schreibe ich in der Einleitung und auch, dass man bei einigen Tipps auch anderer Meinung sein kann) und diese Erfahung gilt auch ausschließlich für die Hochzeitsfotografie. Ich kann auch nicht nachvollziehen warum sie schreibt, dass die Tipps frei von persönlichen Vorlieben sein sollten? Ich wusste gar nicht dass es irgendwo eine Regelwerk gibt, dass mir vorschreibt, wie ich meine Tipps auf dem Blog zu verfassen habe, zumal ich ja die nicht vorhandene Objektivität extra erwähne? [...]
01. März 2009 at 12:34
Tilla, ich finde es sehr unverschämt, das du mich in deinen Twitterbeiträgen als Lügner bezeichnest. Vielleicht solltest Du meinen Beitrag besser lesen, bevor du anfängst dich darüber auszulassen. Nicht umsonst, schreibe ich am Anfang, das es meine subjektive Meinung ist und man gerne anderer Meinung sein kann. Ich habe auch pauschal nichts gegen die Analogfotografie, so wie du es hier formulierst, sondern es es ist meine Meinung zur Hochzeitsfotografie.
01. März 2009 at 16:23
Hallo Roland,
ich habe Deinen Blogpost sehr wohl aufmerksam gelesen. Aber eine falsche Behauptung (und die Aussage unter Punkt 18 ist falsch weil nicht definiert) ist eine falsche Behauptung und keine subjektive Meinung. Und mit dieser Behauptung diffamierst und diskreditierst Du die Kollegen, die Hochzeiten analog fotografieren.
01. März 2009 at 17:00
Johannes - darum geht es doch gar nicht. Das will ich auch nicht unterstellen!
Es geht darum, entweder absichtlich oder aus Unwissenheit Behauptungen aufzustellen, die dazu führen können, dass Kollegen (und ich meine Kollegen, nicht den Neffen vom Nachbarn, der einen Fotoapparat sein eigen nennt), die analog arbeiten einen Job nicht bekommen, den sie durchaus tadellos hätten erledigen können, nur weil der Kunde im Internet gelesen hat, dass eben diese Fotografen “mit Vorsicht zu bewerten sind” und die Qualität nicht stimmt.
Diese Aussage ist einfach falsch!
01. März 2009 at 17:20
Tilla, hab ich auch mit keinem Wort behauptet, dass das deine Meinung ist, oder das du entsprechendes Unterstellen wolltest …
Meinen Post habe ich vier mal angefangen und wieder gelöscht, bis ich schrieb, was oben steht: Das was mir - nicht in diesen Worten, aber in diesem Sinn - als erstes durch den Kopf schoß.
Als amateurhafter Knipser habe ich mich durch viele Foren gelesen und bin immer wieder auf Aussagen wie von dir zitiert gestoßen. Es ist unglaublich mit welchen Argumenten und Ausdrücken da “diskutiert” wird.
Natürlich ist die getroffene Aussage falsch!
(Roland, es fehlt das Wort “meine” im Satz: <> um es nicht zu einer Pauschalaussage zu machen!)
Dennoch muss es ja einen Grund haben, warum immer wieder derartige Aussagen getroffen werden. Und meine perönliche Meinung ist einfach die von mir beschriebene. Das ? steht nicht um sonst am Schluss
01. März 2009 at 17:39
[...] tatsächlich aus der PC-Abstinenz herausreißen lassen und bin über eine seltsame Diskussion bei Tilla gestolpert. Analog versus Digital – wie ich im ersten Moment vermutete - wird da von einem [...]
01. März 2009 at 18:27
Weißt Du Johannes,
diese Diskussionen um schneller, höher, weiter gibt es ja in ganz vielen Bereichen. Meist sind die Gründe zahlreich und immer die gleichen und ich werde den Teufel tun und sie hier jetzt alle aufführen
Ich habe Dich schon richtig verstanden, wollte aber nochmal betonen, dass es mir eben nicht um diese Standardaussage geht “denn sie wissen nicht, was sie tun”, weil genau das eben nicht immer der Fall ist.
Bemerkenswert finde ich Michaels Feststellung, die er auf seinem Blog ausgeführt hat, so weit habe ich gar nicht gedacht. Leuchtet aber ein und passt auch ganz ausgezeichnet zu der obigen Aufregung.
01. März 2009 at 19:49
Das ist doch wie die ewige Mac- vs. Windows-Diskussion. Manche Argumente (für Mac und gegen Windows und umgekehrt) sind schlicht überholt, manch eine/r will es aber partout nicht begreifen. Es ist nur schade dabei, wenn man sich mit der einseitigen Meinung der Vielfalt, die man haben könnte, verschließt. Aber das man nun eine bestimmte Art der Fotografie tatsächlich einer möglichen Technikform als die einzige wahre unterstellt, ist schon etwas weit gegriffen – wenn’s auch subjektiv weit gegriffen war.
Sagt eine, die auch primär digital fotografiert. Und Film liebt. Aber schlicht mit Photoshop erfahrener ist als mit Dunkelkammer.
02. März 2009 at 09:13
Ohne die Diskussion zu kennen habe ich die Liste gelesen und würde sie auch als “Werbung” betrachten. Es geht m.E. nicht um analog oder digital sondern um eine Abgrenzung zu vermeintlichen Konkurrenten - ob es “analog arbeitende”, “Bilder in niedriger Auflösung liefernde” oder “T-Shirt tragende” sind. Mich interessiert bei Werbebotschaften von X eigentlich mehr was ich bei X erhalte als das was ich bei Y nicht erhalte
Wie dem auch sei, was bin ich froh, dass sich mir das Thema “Auswahl eines Hochzeitfotografen nicht stellt.
02. März 2009 at 17:32
@Aebby
Besonders bezeichnend finde ich, dass er jetzt alles hübsch überarbeitet und die ursprünglichen Trackbacks entfernt hat. Das lässt tief blicken
01. Februar 2010 at 23:52
Liebe Tilla, wie Du siehst hast Du mit Deiner Reaktion hohe Wellen geworfen. Ich bin grundsätzlich auch der Meinung, dass sich die Qualität und schon gar nicht die Ästhetik eines Hochzeitsfotos am Aufnahmemedium misst. Entscheidend ist immer das Auge des Betrachters. Der perfekte Moment ist es letzlich, der die Qualität und Aussage eines Bildes ausmacht.