Von Modellfigürchen, Mopsbärchen und Stehrümchens
Fotografen fotografieren.
Gerne Menschen! Zumindest ist das bei mir der Fall.
Wenn ich mit Modellen arbeite, was brauche ich dann?
Weit gefehlt - ich brauch keine Modellfigürchen! Denn was nutzt mir eine “gute Figur” (was ist das überhaupt?), wenn der Mensch, der drin steckt, nicht als solcher erkennbar ist, sondern aussieht wie eine Schaufensterpuppe und hervorragend herumstehen kann? Ich brauche echte Menschen vor der Linse, Menschen, die bereit sind, mich in ihre Seelen schauen zu lassen. Menschen, die ihre Empfindungen in ihrem Gesicht ausdrücken können. Menschen, die ihren Körper einsetzen wollen (das können kann man lernen). Menschen, die mich nicht langweilen mit “Da sieht man aber meine Orangenhaut….”. Menschen, die bereit sind, sich in meiner Vorstellungswelt zu bewegen.
Figürlich können diese Menschen aussehen, wie sie eben aussehen. Ich entscheide nicht nach Konfektionsgröße und Anzahl der Speckröllchen, ob sie vor meine Kamera gehören oder nicht. Wenn sie in mein Konzept passen, dann sind sie in der engeren Wahl.Wenn wir uns menschlich auf einem Nenner finden können (oder gar zwei oder drei), dann sind sie meist die richtigen.
Mal passen die Mopsbärchen, mal die langbeinigen Dürren, mal passen die mit den krummen Beinen, mal die mit der großen Nase…. manchmal passen auch 60-90-60 Figürchen.
Niemals passen Stehrümchens.
Tags: Auswahl, Fotografie, gute Figur, Menschen, Modellfiguren, Mopsbärchen, Orangenhaut, vor der Kamera




14. Mai 2008 at 21:52
Du sprichst mir aus der Seele. Auch wenn ich selbst noch kaum versucht habe, Menschen auf mehr denn einen “Schnappschuss” zu bannen, so weiß ich doch von einigen Fotografien. Und da ist es eben das Zusammenspiel aus Modell, Bildgeschichte/Konzept und Umsetzung, was sie schließlich in mein Gedächtnis eingebrannt hat - nicht die “perfekte” Figur der dargestellten Person.
Gerade die “Fehler”, die Ecken und Kanten machen einen Menschen zu etwas Besonderem - so ist es auch auf den Bildern.
Perfektion als solche, als Allgemeinzustand, gibt es nicht - und jegliche Kopie davon ist schlicht langweilig, jeder Versuch zum Scheitern verurteilt. Viel interessanter ist da eben die Perfektion der Unvollkommenheit. Ich glaube das ist eben die Würze, die gute Bilder macht. Für mein Auge.