Wenn einer einer Reise tut…

… dann kann er was erleben!

Tillatochter ist ja am 15.10.2009 nach mehr als einem Jahr als Au-Pair in fremden Landen aus den USA zurückgekommen. Und wie das so ist, wenn man bei einer Flugreise umsteigen muss… es fehlte ein Gepäckstück! Ausgerechnet das Gepäckstück, in das sie, weil es als Handgepäck geplant war, ihre liebsten und wichtigsten Dinge gepackt hatte. Dummerweise durfte sie die Armytasche dann doch nicht als Handgepäck mit an Bord nehmen, sondern musste das gute Stück als normales Gepäck einchecken.

Es kam wie es kommen musste, ausgerechnet die Armytasche fehlte, als sie sie Frankfurt ankam. In Heathrow stehen geblieben. Das wusste man also schon, denn die Dame am Counter hatte Tillatochters Meldung schon erwartet. Gepäckverlustmeldung gemacht und darauf gehofft, dass eine Fluggesellschaft wie British Airways es gebacken bekommt, das fehlende Gepäckstück nachzuliefern. Wie ihr euch an dieser Stelle denken könnt, kam alles anders, denn sonst würde ich keine Worte darüber verlieren müssen.

Zuerst kam der versprochene Anruf nicht. Man wollte Bescheid sagen,  wann Tillatochter mit einer Lieferung der Tasche zu rechnen habe. Der 15. verging, der 16. verging - kein Anruf. Daraufhin haben wir angerufen, denn in der Tasche befand sich unter anderem das Netzkabel zum überlebenswichtigen MacBook. Nun muss man wissen, dass sich British Airways ihren Service etwas kosten lässt, nämlich genau 0,14 Euro pro Minute. Bei diesem Anruf kam dann nach einer stattlichen Anzahl dieser kostenpflichtigen Minuten heraus, dass das Gepäck noch gar nicht lokalisiert war, man aber annehme, dass es sich noch in London befände. Nun gut. Handynummer hinterlassen, denn am Wochenende wollten wir woanders sein.

Das Wochenende verging ohne British Airways am Handy, der Montag verging ebenso klanglos. Etliche Lieblingsstücke wurden jetzt schon schmerzlich vermisst. Das Internet teilte uns am Dienstgmorgen mit, dass das Gepäckstück jetzt lokalisiert sei. Daraufhin haben wir ein weiteres Mal das Sparschwein der British Airways gefüttert (20 Minuten à 0,14 Euro) um dann letztendlich erfahren zu dürfen, dass das  Gepäck, sobald es lokalisiert sein (Hä? Angeblich war es das doch schon?) dann auch nach Frankfurt geflogen würde und wir Bescheid bekommen.

Am Dienstagspätnachmittag dann bekam Tillatochter einen Anruf. Allerdings nicht von der British Airways, sondern vom unbekannten Soldaten. Ein Angehöriger des US-Militärs teilte ihr mit, dass er ihre Tasche hätte und fragte ganz hilflos, was er denn jetzt damit machen sollte. Glücklicherweise spricht Tillatochter ja fließend amerikanisch und so stellte sich heraus, dass der gute Soldat bei seiner Ankunft in Frankfurt aus Versehen und in Hektik die falsche Tasche vom Gepäckband geschnappt hatte. Es ist jetzt allerdings nicht der Fall, dass der Gute nun Tillatochters Lieblings-T-Shirts anziehen muss, weil sein Gepäck in Frankfurt ist. Nein, er hat auch seine eigene Tasche. Als er nämlich den Fehler bemerkte ist er zurückgeeilt in den Flughafen und hat versucht, die Tasche von Tillatochter gegen seine einzutauschen. Nachdem er die Situation erklärt und Tillatochters Tasche vorgezeigt hat, wurde ihm seine eigene Tasche ausgehändigt, die Annahme von Tillatochters Tasche wurde ihm jedoch verweigert! So musste er mit zwei Taschen seinen Weg in die Base antreten. Glücklicherweise ist er in Ansbach stationiert und nicht auf der Durchreise nach Afghanistan! Allerdings ist Ansbach auch noch locker 200 km einfach von uns entfernt!

Jetzt, liebe Leser, glaubt aber nicht, dass British Airways es für nötig gehalten hat, uns über diesen Vorgang zu informieren! Die haben einfach ohne Authorisierung eine private Telefonnummer an einen wildfremden Menschen herausgegeben und gemeint, damit habe sich die Sache erledigt!

Es wurde also ein Fax an British Airways geschrieben, in dem wir unmissverständlich klar gemacht haben, dass Kundenservice anders aussieht und Datenschutzverletzungen durchaus einen Rechtsverstoß darstellen. Außerdem haben wir eine Frist gesetzt, in der sich diese Fluggesellschaft zum einen zu dieser Angelegenheit äußern, zum anderen die Tasche herbeischaffen sollte. Die Gepäckverlustbehandlungsstelle der British Airways sitzt übrigens in Italien. Der auf das Fax nun folgende Anruf bei uns sprach Bände. Man sehe sich nicht verpflichtet, die Tasche herbeizuschaffen, denn es wäre ja ein Versäumnis des Frankfurter Flughafens und kein Fehler der British Airways gewesen, dass die Taschenannahme verweigert wurde. Und der amerikanische Soldat solle die Tasche gefälligst an den Wohnort von Tillatochter schaffen, für sie wäre die Sache jetzt erledigt, die Tasche sei ja aufgetaucht.

Für uns ist die Sache noch lang nicht erledigt, liebe British Airways, denn schließlich habt ihr den mit Euch geschlossenen Transportvertrag nicht erfüllt. Und was Eure Erfüllungsgehilfen am Flughafen betrifft - mit denen haben wir keinen Vertrag und sehen uns daher nicht veranlasst, eine weitere Baustelle aufzumachen!

Da der Inhalt der Tasche jetzt dringend benötigt wurde und  die Gepäckverlustbehandlungsstelle der British Airways in Italien sich als äußerst stur und unnachsichtig zeigte, machte sich Tillatochter am Freitag, den 23.10. nun mit einer Freundin und deren Auto auf den Weg nach Ansbach, um ihre Tasche zu holen. Die Kosten für diesen ungeplanten Ausflug werden wir der British Airways in Rechnung stellen. Während meine Tochter also einen ganzen Tag auf der Autobahn verbrachte, rief plötzlich der unfreundliche Mensch aus Italien wieder an, der wissen wollte, ob die Tasche wieder da sei. Ich erklärte ihm, dass wir gerade mit der Heimholung beschäftigt wären und dass er mir bitte per Fax denjenigen nennen solle, an den wir die Regressansprüche und die Tankbelege schicken müssten, damit diese leidige Geschichte aus der Welt geschafft werden könne. Wie sollte es anders sein, der Mensch verweigerte mir die Nennung eines Namens, die Nennung einer Adresse oder Faxnummer und erklärte mir süffisant, er würde den Teufel tun und mir irgendetwas faxen.

Tillatochter holte unterdessen also die Tasche und machte sich wieder über 200 Kilometer auf den Heimweg um dann festzustellen, dass der Inhalt der Tasche durchwühlt wurde  und etliche Stücke fehlten. Aber nicht etwa die externe Festplatte oder die teuren Kabel - nein, es fehlten ein Paar Pumps, drei T-Shirts mehrere T-Shirts, die einen extrem hohen emotionalen Wert haben und eine Markenjacke mit Buttons, an denen das Herz von Tillatochter ebenfalls sehr  hängt! Der amerikanische Soldat hat diese Dinge mit Sicherheit nicht aus der Tasche genommen, das steht fest.

Wir sind gespannt, wie uns British Airways diese Angelegenheit erklären will und wie sie gedenken, damit umzugehen.

Fest steht, dass wir uns rechtliche Schritte wegen der Verletzung des Datenschutzes vorbehalten. Fest steht auch, dass wir British Airways nicht weiterempfehlen, oder gar noch einmal das Wagnis eingehen werden und dort einen Flug buchen.

Ein großes Lob geht an den amerikanischen Soldaten, der sich wirklich bemüht und gekümmert hat und gleichfalls mit diversen kostenpflichtigen Anrufen das Sparschwein der British Airways gefüttert hat, nur um zu erfahren, dass er plötzlich für einen Transport aufkommen soll, an dem er nun wirklich die geringste Schuld trägt. Er hätte ja auch einfach die Tasche irgendwo stehen lassen können. British Airways macht das ja auch.

Update: Wir haben soeben von dem amerikanischen Soldaten erfahren, dass die Tasche bereits mit dem nächsten Flieger am 15.10. in Frankfurt war!

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19 Antworten zu “Wenn einer einer Reise tut…”

  1. mikel Sagt:

    eine ähnliche Story könnte mikel-Tochter erzählen, gleiche Gesellschaft und #heathrow

  2. Photoworker Sagt:

    Ok, also DAS übersteigt natürlich einiges was ich kenne. Hoffentlich habt ihr Erfolg in der ganzen Geschichte #BA_fail

  3. Henning Wüst Sagt:

    also wenn ich noch anwalt in deutschland wäre, wäre es mir eine ausgesprochene freude und ehre, die ba für euch filettieren zu dürfen!

    das hält man doch wirklich im kopf nicht aus!

    euch viel kraft!

  4. Christian Henner-Fehr Sagt:

    Schlimm ist, dass Unternehmen mit solchen Aktionen immer häufiger durchkommen. Viel Glück und viel Durchhaltevermögen!!

  5. ingrids schatzkiste Sagt:

    TIPP:REGRESSANSPRÜCHE ÜBER DAS BUCHENDE REISEBÜRO ANMELDEN, ALTERNATIV NOCH MAL BEI MI MELDEN ICH HAB SICHER IRGENDWO EINEN KONTAKT. UND SORRY DIE UMSTELLUNG VON GROSS AUF KLEINSCHREIBUNG FUNKTIONIERT NICHT

  6. Tilla Sagt:

    Geht ja nicht - das Ticket war von der Au-Pair Organisation gebucht. :(

  7. Polly Oliver Sagt:

    So eine Ranzkacke! Mein Mitgefühl für die Tilla-Tochter.
    Ich überlege grade krampfhaft, mit welcher Airline ich damals nach Kanada geflogen bin.
    Da kam ich dann nämlich nach 12 Stunden abends an nem Winzflughafen nach einem Flug mit einer Propellermaschiene (links ein Sitz, rechts ein Sitz und safty instructions vom Piloten) auch ohne meine Gepäck an… und hab erstmal geflennt (klein Polly zum ersten Mal allein auf großer Fahrt und so) Allerdings haben die mir meine Monstertasche (da könnte man nen Menschen drin verstauen) am nächsten Tag ins Hotel gebracht, ich vermute ja, das Ding war zu groß für das letzte Flugzeug.
    Auf jeden Fall bin ich mir nicht sicher, ob das nicht auch die Briten waren…
    Ich wünsch euch auf jeden Fall viel Glück!

  8. Peter Jakobs Sagt:

    die BA wieder mal. Freiwillig fliege ich mit denen auch nicht mehr. Auf einer Reise Frankfurt-Manchester-Frankfurt (zwei Tage) kam ich mal auf insgesamt sieben Stunden Verspätung.

    p

  9. Oliver Sagt:

    Schreibe doch einfach mal einen Brief an diese Dame hier:

    An dieser Stelle stand freundlicherweise eine komplette Adresse des Managements in GB, an das wir uns wenden werden. Die Adresse habe ich jetzt mal aus der öffentlichen Ansicht gelöscht, da ich keine Lust auf Attacken habe, ich bitte um Verständnis. Danke, Tilla.

    Dann geht es sofort zum Management, alles andere hilft ohnehin nicht.

  10. Guido Sagt:

    British Airways ist meines Erachtens generell recht gruselig. Es wundert mich auch nicht, dass die in der aktuellen Krise viel stärker leiden, als z.B. die Lufthansa oder Air France. Was verlorenes Gepäck anbetrifft, ist BA seit Jahren führend. Keine andere große Airline verliert so viel Gepäck. Auf den Nordatlantikrouten setzt BA meistens ziemlich alte Boeing 747 ein. Die Franchise-Tochter Comair im südlichen Afrika fliegt unter dem Namen und mit Lackierung von British Airways mit 30 Jahre alten Boeing 737 usw. Ich habe 2007 über Namibia mal heftige Turbulenzen in so einem Schrott erlebt. Man dachte, dass klappernde, scheppernde Flugzeug bricht augenblicklich auseinander. Von daher meide ich BA wann immer es geht.

  11. Tilla Sagt:

    @Oliver Fantastisch! Vielen, heißen Dank :)

  12. Markus Sagt:

    Wenn eine(r) eine Reise tut … Hoffentlich können die jetzt was erleben. Ich bin mal gespannt, wie es weitergeht.

  13. Tilla Sagt:

    Der Brief an die BA ist geschrieben - 3 Seiten! Wow, da hat sich Tillatochter ins Zeug gelegt. Ihr wäre es jetzt allerdings am liebsten, wenn ihre gestohlenen Sachen wieder auftauchten - lauter Teile, an denen Erinnerungen hängen, bzw. die sie von ihrem Liebsten geschenkt bekam :( Jetzt warten wir gespannt auf eine Antwort aus dem Headquarter…

  14. Böttel Sagt:

    Tja, liebe Tilla - das haste nu davon, dass du mir den Link geschickt hast. Da bleibt dir nun auch hier mein Kommentar nicht erspart  ;-)

    Also…… die Lieblingsstücke kann sich Tillatochter garantiert von der Backe schmieren…. es ist so zum Heulen !°!!!!

    Und nicht beim ersten Antwortschreiben aufgeben !  Übrigens - leider NICHT der ideelle Wert… aber immer Geld zurück gibt es von der Hausrat (bei den meisten ist noch Reisegepäck mit drinne ). Und auch die IATA Gesellschaften müssen immerhin lächerliche ca. 20 USD pro KG erstatten.

  15. Tilla Sagt:

    Beste Böttel - ich bin Künstlerin! Ich habe leider keine Hausratversicherung :(

  16. Benjamin Berneaud Sagt:

    Hallo Tilla, ich empfand die Geschichte, die Du hier geschrieben hast, als sehr spannend. Es ist immer wieder erschreckend, wie unsensibel und auch uneinsichtig sich viele Unternehmen gegenüber ihren Kunden verhalten. Viele haben noch immer nicht verstanden, dass die Zeiten, in denen solche Vorfälle meist nicht groß die Runde machen, längst vorbei sind. Blogs, twitter und co. sind mittlerweile auch Werkzeuge geworden, um die Zufriedenheit mit einem Unternehmen oder einer Dienstleistung etc. publik zu machen. Und so kann man mittlerweile mithilfe des Web 2.0 auch Druck ausüben, um fair behandelt zu werden. Oder andere zu warnen. Ich finde es sehr gut, dass Du dir die Zeit genommen hast, darüber zu schreiben. Auch wenn Du sicher sehr viel zu tun hast. :-)

  17. Benjamin Berneaud Sagt:

    PS: Es ist schade, dass es Menschen gibt, die kein Problem damit haben, anderen Dinge wegzunehmen. Ich hoffe, die verschwundenen Sachen tauchen bald wieder auf. Etwas, das einem emotional viel bedeutet, kann man nicht einfach mit Geld aufwiegen…wenn einem so etwas gestohlen wird, kann das manchmal so sein, als würde einem ein Teil des eigenen Selbst gestohlen. Etwas sehr intimes. Sehr traurig :-/

  18. Tilla Pe» Blogarchiv » Übrigens Sagt:

    [...] mal bloß nicht, dass sich British Airways inzwischen mal gemeldet haben. Die gehen lieber mit den Spaniern zusammen den Weg der Kundenverärgerung. [...]

  19. Tilla Pe» Blogarchiv » Statusmeldung zur BA Sagt:

    [...] hab ja nicht mehr dran geglaubt, dass noch irgendeine Reaktion von der British Airways kommt. Ich habe schon angefangen, an Wunder zu glauben, als ein beschwichtigendes Kärtchen an [...]

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