Google´s Griff ins Portmonee der Autoren
Seit 2005 tobt in den USA der Rechtsstreit um das Projekt „Google Book Search“, bei dem Millionen Bücher digitalisiert und ins Internet gestellt werden sollen. Deutsche Autoren haben sich bisher nicht all zu sehr über diese Pläne erregt, weil zunächst Amerika im Fokus stand. Nachdem sich nun eine Einigung vor amerikanischen Gerichten abzeichnet, rückt auch Europa und insbesondere Deutschland in den Fokus des Internet-Riesen.
Presseberichten zufolge, vereinbarte Google mit der US-Autorenvereinigung Authors Guild und dem Verlegerverband AAP nach eigenen Angaben eine Zahlung in Höhe von 125 Millionen Dollar (100 Millionen Euro), mit der ein Register zur Bezahlung von Autoren aufgebaut werden soll. Autoren, die ihre Werke in das Register aufnehmen lassen, sollen in Zukunft einen finanziellen Ausgleich dafür erhalten, dass sie ihre Bücher komplett online zugänglich sind. Über das Bezahlmodell ist noch nichts bekannt. Damit folgt Google einer lang gewahrten Tradition, über die Berechnungsmethoden von Ausschüttungen nichts verlauten zu lassen. Bekannt ist schon lange, dass Entlohnungsmodelle von Seiten des nahezu mächtigsten Internet-Unternehmens eher Almosencharakter haben, als ein wirkliches Verdienstmodell darstellen. Die schlimmsten Befürchtungen aller deutschen Autoren dürften nicht unbegründet sein, dass mit dem Projekt „Google Book Search“ die heute schon erschwerte und zunehmend unwirtschaftliche Arbeit von Verlagen weiter entwertet. Die Verletzungen des Urheberrechtes erschienen aus dieser Perspektive schon nahezu als Kleinkram. Schon heute finanzieren Verlage für jede Buchauflage Summen im mehrstelligen Bereich vor und kommen zumeist erst mit der zweiten oder gar dritten Auflage in den wirtschaftlichen Positivbereich. Komplette Digitalisierung von Büchern würde den Buchverkauf erheblich reduzieren und Autoren- und Verlagsverdienste bedeutend herabsetzen, so ist die Vermutung von Verlagen, wie eine Schnellumfrage zeigt. Warum soll verlegerische Arbeit noch stattfinden, wenn nicht einmal mehr der Return of Invest absehbar ist?
Auch der deutsche Buchhandel sieht mit Sorge auf diese Entwicklung. Schon heute wird das Geschäft mit dem Buch von immer kleineren Margen begleitet. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde erst kürzlich der Buchhandelssorge über den Werte- und Erlöswandel durch das E-Book neue Nahrung gegeben. Gleichzeitig wurden jedoch auch Hoffnungen laut, dass sich der Sortimentsbuchhandel mit dem E-Book behaupten und neue Geschäftsfelder aufbauen kann. Wenn nun jedoch die die Google-Pläne zur Realität werde, ersticken auch diese Hoffnungen im Keim. Welcher Autor wird sich dann noch in langen Nächten einem Buchprojekt hingeben? Welcher Verlag wird dann noch seiner Berufung der verlegerischen Arbeit folgen? Investitionen von anderen verlangen und dann mit einem minderwertigen Dienst die Sahne abschöpfen ist einfach – so scheint Google zu denken und zu handeln. Erstaunlich, dass dieser Skandal bisher so wenig Beachtung erlangt hat. Auch in Zeiten des Internet sollte das Buch das bleiben was es ist: ein eigenständiges Kulturgut.
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Tags: Buch, Buchhandel, Google, Verlag
05. November 2008 at 10:19
[...] ohne große Umwege in die eigene Geldbörse zu leiten. Aufmerksam wurde ich durch einen Artikel des Spürsinn-Verlages. Beim Lesen öffnete sich plötzlich der Boden und ich versank in einem Loch der [...]