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Ansichten einer Forelle

Es ist ein schöner Sommertag. Ein Tag, wie es schon viele Tage im Leben des genialen aber vereinsamten Autoren von Groschenromanen gab. Ein Tag, der sich aber von den vorherigen Tagen unterscheidet. Es ist der Tag, der ihn von seinem bisherigen Leben Abschied nehmen lässt. Vorbei soll es sein, mit den Beschreibungen der wilden Orgien von reichen Söhnen, die arme, aber junge Mädchen schwängern, vorbei mit dem dienstbaren Treiben der Sekretärinnen, die ihre Dienste im Vorzimmer und unter den Tischen der gierigen Jung-Chefs leisten und auch vorbei mit den Geschichten über die Roman-Ehefrauen, die sich die einsamen Stunden in den Betten der Golflehrersöhne vertreiben.

Der bisher zurückgezogen lebende Romanschreiber beendet seinen letzten Roman, kündigt seine Freundschaft zu den romanlesenden Hausfrauen und beginnt eine intensive Suche nach der erotischen Frau. Auf seinem Weg findet er nicht nur eine Frau. Es sind unterschiedliche Frauen mit unterschiedlichen Vorstellungen von Erotik, die er auf seinem Weg findet. Aber am Ende findet er zu sich selbst und somit zur wahren Erotik.

Ein über 200 Seiten starkes Buch mit kraftvollem, oftmal sarkastischem Text, der auch als bitterböse Abrechnung mit den scheinheiligen Gesellschaftsstrukturen unserer Realität verstanden werden kann. Ergänzend sind, passend zum Text, über 70 ganzseitige Bilder enthalten, die in ihrer außergewöhnlichen Ausführung die Entscheidung schwierig machen, ob der Text oder die Bilder das Buch zum Kunstwerk werden lassen.

Leseprobe

Auf der Suche nach Rotwein betrete ich eine Kneipe. Der dunkle Raum zieht mich in sich, verschluckt mich, wie ein gieriges Ungeheuer einsame Menschen verschluckt. Im Magen dieses Ungeheuers begegnen sich die Einsamen für kurze Zeit, bevor sie verdaut werden.

Die Einsamen, die im Gedärm des Ungeheuers auf einen anderen, passenden Einsamen treffen und der Einsamkeit entfliehen, werden von dem Ungeheuer ausgespuckt. Es kommt nur darauf an, schneller zu handeln, als das Ungeheuer verdauen kann.

Dieses Wissen ist kein Geheimnis, aber es scheint nicht so viele Menschen zu geben, die darüber Bescheid wissen. Sonst gäbe es nicht so viele Einsame mit deutlichen Spuren der Verdauung auf Gesicht und Körper.

Obwohl draußen bereits Nacht ist, muss ich mich an die Dunkelheit der Kneipe gewöhnen. Dunkelheit ist eine Art Gnade, weil sie den brutalen Akt der Verdauung aus dem alles offenbarenden Licht verdrängt und erträglicher macht.

Nur wenige Tische sind besetzt. Einzelne Menschen haben sich an einzelnen Tischen niedergelassen. Ein Tisch, ein Mensch, eine Einsamkeit - regelmäßiges Muster einer modernen Gesellschaft. Mein Blick streift durch den Raum und bleibt an einer Frau hängen. Sie sieht mich nicht an. Ihr Blick verliert sich im Dunkel des Raumes. Offensichtlich sieht sie in eine andere Welt. Sie ist schön in ihrer Einsamkeit. Schön in ihrer Müdigkeit, die deutliche Spuren unter ihren Augen hinterlassen hat. Mit dicken Pinselstrichen einer dunklen Farbe, gemischt aus aufgezehrter Kraft und hoffnungsloser Einsamkeit, hat die Zeit diese Frau für den heutigen Abend geschminkt. Sie ist schön in ihren Bewegungen, weil sie sich still verharrend nur durch das flackernde Kerzenlicht bewegt.

Lomografie Frau Ansichten einer Forelle

Autor: Michael K.Trout

Titel: Ansichten einer Forelle

ISBN: 978-3-940123-21-3

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