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Interview mit Michael K. Trout - Dezember 2007

Presse: Herr Trout, welche Bedeutung hat für Sie Ihr neues Buch „Ansichten einer Forelle“?

Trout: Ein Autor sollte immer sein letztes Werk am höchsten schätzen. Aber für mich ist „Ansichten einer Forelle“ wirklich ein besonderer Meilenstein, weil es das erste Buch ist, bei dem ich als Alleinautor Bilder und Texte erstellt habe.

Presse: Ist der Inhalt autobiografisch?

Trout: Das wäre jetzt die beste Gelegenheit, einen Mythos zu zerstören, bevor er überhaupt entstanden ist.

Presse: Sind Sie auf einen Mythos angewiesen?

Trout: Kunstschaffende leben immer in einer künstlerisch, künstlichen Welt. Zum Beispiel Bukowski hat sehr autobiografisch geschrieben, ohne dass er sein wirkliches Wesen zu Markte getragen hat.

Presse: Verhält es sich mit der Erzählung in Ihrem Buch genau so?

Trout: In meinem Buch sind zwei Erzählstränge zu finden. Die Bilder und der Text. Wer solche Bilder machen will, muss sich selbst in die Bild-Erzählung einbringen. Wer einen Text über etwas schreibt, das er nicht kennt, wird spätestens auf der zweiten Seite als Spinner entlarvt.

Presse: Ihr Text klingt aber nicht ersponnen.

Trout: Sehen wir es einmal anders. Als ich mit meiner Lektorin, Frau Peltzer, zusammen saß, stritten wir oft stundenlang um gewisse Formulierungen und im Text ausgedrückte Empfindungen. Hintergrund war, dass ich als Mann das männliche Erleben geschildert habe. Für eine Frau mag es fremd klingen. Angeblich verstehen sich die Geschlechter sowieso nicht. Aber genau diese Disharmonie hat die Arbeit an dem Buch so interessant gemacht.

Presse: Ist es ein Buch für Frauen, die Männer verstehen wollen?

Trout: … oder ein Buch für Männer, die sich selbst verstehen wollen? Warum muss alles in eine Schublade gepresst werden?

Presse: Gute Gegenfrage! Aber wie soll das Buch den richtigen Leserkreis finden, wenn es nicht auf eine Zielgruppe ausgelegt wurde?

Trout: Genau hier liegt eine große Hürde für viele Autoren. Sie werden auf eine Zielgruppe verpflichtet und haben genau das zu schreiben, was diese Gruppe angeblich hören will. Ich hatte die Gelegenheit, ein Buch zu schreiben, das vollkommen frei von diesem Zwang ist.

Presse: Wird dadurch der Vertrieb des Buches erschwert?

Trout: Das kann ich so nicht sagen. Zudem ist das Buch im gewissen Sinn mehrdimensional. Weit über 70 lomografische Bilder begleiten die Erzählung. Somit ist ein Stück Kunst entstanden, das unterschiedlich interessierte Menschen anspricht.

Presse: Lomografie ist in Internet-Kreisen verhältnismäßig weit verbreitet. Auch gab es einige Ausstellungen zu diesem Thema. Aber in Form eines Buches wurde nur wenig veröffentlicht. Wieso haben Sie diesen Weg gewählt.

Trout: Aus meiner Sicht gibt es keinen besseren Weg, einen bissigen, manchmal kritischen und bösen Text zu illustrieren. Der Lomografie mangelt es im Gegensatz dazu oft an dem erklärenden Kontext, der Bilder aber erst zugänglich macht und mit Sinn belegt. In meinem Buch schließe ich diese Lücke. Bilder und Text bilden eine Einheit, so unperfekt wie unser reales Leben.

Presse: Was war zuerst da? Die Bilder oder der Text?

Trout: Ich arbeite immer nach einem Konzept. Bilder und Text sind sozusagen zusammen entstanden.

Presse: Warum wurde das Buch in FSK16 eingeordnet? Wegen der beschriebenen und abgebildeten Sexualität?

Trout: Warum denkt jeder bei der Einordnung in die Altersklassen der freiwilligen Selbstkontrolle an Schutz der Jugend vor der Sexualität? Ich denke, dass meine Bilder und Texte eine gewisse geistige Reife voraussetzen. Deshalb habe ich in aller Freiwilligkeit selbst die Altersgrenze auf 16 Jahre festgelegt.

Presse: Was war Ihr denkwürdigstes Ereignis in der Entstehungsgeschichte des Buches?

Trout: Eine Lesung in München, bevor das Buch aus der Druckerei kam. Da habe ich Auszüge des Buches gelesen und Bilder gezeigt. Nach recht kurzer Zeit kam es zu tumultartigen Ausbrüchen bei den Zuhörern. Bei näherem Hinsehen hatte ich das Gefühl, einige der im Buch spitzzüngig beschriebenen Personen wären aus den Seiten gekrochen und hätten sich unter das Publikum gemischt. In diesem Moment wusste ich, mein Buch hat genau den Nerv der Gesellschaft getroffen. Oberflächlich freizügig und im Innern kleinbürgerlich. Das waren die Tumulttreiber. Mein Buch hatte den Test bestanden!

Presse: Das hört sich aber nicht so an, als wäre das Buch auf dem Weg zum Bestseller!

Trout: Jedermanns Liebling? Nein danke, kein Bedarf. Bestseller haben keine Ecken und Kanten. So ein Buch würde gar nicht zu mir passen.

Presse: Zum Abschluss noch einige kurze Fragen, die Sie bitte möglichst kurz beantworten. Was wollen Sie mit dem Buch erreichen?

Trout: Die Phantasie der Leser anzuregen.

Presse: Ist das die einzige Ausrichtung?

Trout: Gleichzeitig ist es ein Protest gegen bigotte Bürgerlichkeit und Scheinheiligkeit.

Presse: Sie protestieren gegen die bürgerliche Gesellschaft?

Trout: Ich protestiere gegen Scheinheiligkeit, Phantasielosigkeit und eindimensionales Denken.

Presse: Wie viel Prozent ihrer wahren Persönlichkeit können die Leser in ihrem Buch entdecken?

Trout: Zwischen 60% und 95%.

Presse: Geht es genauer?

Trout: Das kommt auf die Perspektive an.

Presse: Wieso das?

Trout: Fotografie lebt von der Perspektive. Ich bin Fotograf.

Presse: Fotograf oder Schriftsteller? Bilder oder Texte? Was wird in Zukunft Ihr Schwerpunkt sein?

Trout: Ich erzähle Geschichten mit meinen Bildern und erstelle Bilder mit meinen Texten. Da muss ich mich nicht festlegen.

Presse: Bitte ganz kurz. Sind Sie nun Fotograf oder Schriftsteller?

Trout: Ich bin Schubladenhasser.

Ansichten einer Forelle

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2 Antworten zu “Interview mit Michael K. Trout - Dezember 2007”

  1. Michael K. Trout » Blog Archiv » Neujahrsansprache … Sagt:

    [...] jedenfalls immer wieder. Als interessanten Beleg dieses Ansinnens verweise ich auf ein Interview [Link], das ich vor wenigen Wochen erlebt habe. Die Redakteurin war übrigens sehr hübsch, aber nicht [...]

  2. Michael K. Trout » Blog Archiv » Von Pornografie und Wichsern Sagt:

    [...] Pornograf und Wichser. Wie schön ist es doch, wenn des Volkes Meinung Bestätigung findet. Und ein Schmuddelbuch hat er auch geschrieben! Mit nackigen Weibern drin! Jeder, wirklich jeder, wusste es schon lange. [...]

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