Geminus und Dominik Grusczcyk

13. Oktober 2016 | Von | Kategorie: Kunst

Geminus – für Papier und Film

Vor bald drei Jahren haben wir unseren Geminus vorgestellt – einen Entwickler, mit dem man sowohl Papier wie auch Schwarzweiß-Filme entwickeln kann. Gemessen an den Verkaufszahlen, die Spürsinn SAM classic und auch der Spürsinn HCD 3. Generation erzielen, fristet der Geminus ein eher bescheidenes Dasein in unseren Lagerregalen. Wir haben ihn sogar kurzfristig aus dem Programm genommen, denn es tut niemandem gut, wenn eine Fotochemie zu lange im Regal steht.

Fast umgehend wurde protestiert, allen voran vom Fotografen Dominik Gruszczyk, der diesen Entwickler einfach liebt.
Inzwischen bekommt man den Geminus wieder über unseren Internet-Shop. Die Chemie wird jedesmal aufs neue frisch angemischt, daher kommt es zu etwas längeren Lieferzeiten. Aufgrund der Zusammensetzung beträgt die Mindestabnahmemenge zwei Liter. Aber das sollte kein Problem sein, schließlich verwendet man ihn für Film und Papier. Wenn sich ein paar Fotografen bei der Bestellung einfach zusammentun, lassen sich auch die letzten Bedenken bezüglich der Menge ausmerzen. Aber nun zu Dominik Gruszczyk.

Geminus – und was Dominik Gruszczyk dazu sagt

Der Griff zum Geminus war erst einmal der normale Reflex, den ich lange Zeit hatte, wenn meine Lieblingschemiker von Spürsinn etwas Neues angekündigt haben. Was sie machen, kann nur gut sein und muss in der heimischen Dunkelkammer ausprobiert werden. Soweit so gut, und bis zum Geminus pflegte ich dieses Verhalten regelmäßig. Womit ich allerdings nicht gerechnet habe, war die Tatsache, dass dieser Entwickler fast alle anderen Süppchen aus meiner Küche vertreiben würde. Nach einer relativ kurze Eintestzeit verkleinerte sich das Chemielager deutlich und übrig geblieben sind tatsächlich nur drei.  Spürsinn 3P für den Tri-X (ernsthaft ausschließlich), Rodinal für „Exoten“, die nicht in Entwickler-Beiheftchen von Spürsinn auftauchen, und Geminus für alles, was wirklich wirklich fein werden soll. Ich weiß, es klingt leicht dämlich in Bezug auf SW-Negativentwicklung auf diese unglaublich breite Palette an Chemie zu verzichten, die es auf dem Markt gibt, aber so wie es aussieht, kann man mit 3 Entwicklern glücklich werden.

Durch den Geminus hat sich auch unglücklicherweise mein Filmkaufreflex fast vollständig zurückgebildet, und ich werde im Mittelformat fast immer mit Kodak T-Max 400 glücklich. Außer es soll was für den Rotfilter sein, dann kommt was anderes rein. Langweilig, ich weiß. Aber ein T-Max 400 – Negativ bei Nominalempfindlichkeit verschossen und in Geminus entwickelt, gibt ein unglaublich biegsames, äußerst feinkörniges Negativ, das für die digitale Weiterverarbeitung meiner Ansicht nach perfekt ist. Mir ist gleichzeitig aber auch klar, dass das was ich als perfekt sehe, einige andere als schlichtweg langweilig bezeichnen würden. Meine Grundidee ist schon länger keine puristische, ich will meistens die analoge Substanz eines Negativs digital verwenden, sie aber nicht durch künstlich berechnetes Korn oder digitale Filmsimulationen begrapschen. Die Scans kann man nach Herzenslust ins fast Schwarze, bzw. fast Weiße ziehen, mit Gradationskurven peitschen und sonstige Spielchen damit veranstalten, das Bild verliert nicht die Fülle an Tonwerten, die es von Anfang an hatte, hat immer noch grandios weiche Übergänge zwischen den Tonwerten und besitzt eine schöne „weiche Schärfe“, die einen nicht an einen aus dem Ruder gelaufenen Präsenzfilter erinnert. Ich hatte mit anderen Film-Entwickler-Kombinatinen häufig auch das Problem, dass insbesondere die dunklen Bereich anfingen etwas matschig zu wirken, hier ist davon nichts zu spüren.

Einen anderen Vorteil hat die Kombinations aus T-Max und Geminus, wenn ich mit Bands oder einzelnen Personen zusammen arbeite. Da ich draußen im Vorfeld eines Fototermins nicht die Lichtverhältnisse einschätzen kann, ist es mit einem Niedrig-Iso-Film manchmal etwas schwierig, etwas auszurichten. Mit der oben genannten Kombination weiß ich, dass ich durch pullen oder pushen genug Reserven habe, um ein sehr gutes Negativ zu bekommen. Bei ISO1600 sind die Kontraste im Original sehr moderat und das Korn immer noch sehr weich.

Und als ob nicht das schon genug wäre, kann man mit Geminus noch wundervoll in der Dunkelkammer arbeiten. Ich nutze ihn in der Verdünnung 1+14 (auch hier macht sich so bisschen meine Faulheit bemerkbar, weil in der Verdünnung schön wenig Kopfrechnen bei 1,5L Arbeitslösungansatz ;)) und habe einen mit Liebe zum Tonwert weich arbeitenden Entwickler. Ich bin mit Sicherheit kein Dunkelkammermagier, aber meine Ergebnisse sind bisher so weit in Ordnung, dass ich bei Misserfolgen eher die Schuld bei mir als bei der Chemie suche. Hinzu kommt noch, dass der Arbeitsansatz lange haltbar ist. An den Dunkelkammertagen (und die gab es in diesem Sommer zahlreich, auch in den Hitzeperioden) wundere ich mich jedes Mal, dass der Ansatz noch arbeitet und die 500ml Flasche trotz Negativ- und Positiventwicklung immer noch nicht leer ist.

Geminus – Bilder von Dominik Gruszczyk

 

 

 

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1 Kommentar zu “Geminus und Dominik Grusczcyk”

  1. Giftmischer Maddin sagt:

    Einfach nur gut, wahre Augenschmeichler-Fotografie.
    Wenn ich das nur könnte-schluchz

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