JOE-Gewinnspiel – des Rätsels Lösung!

23. Juni 2015 | Von | Kategorie: Tipps & Ratschläge

JOE-Gewinnspiel – die Auflösung des Rätsels. Der gezeigte Ausschnitt entspricht 22% des Gesamtbildes. Nur 22% – nicht doch ein wenig mehr? Gehen wir der Sache gemeinsam auf den Grund.

22% und es geht noch mehr

Bei unserem JOE-Gewinnspiel haben wir den Ausschnitt auf 22% festgelegt. Natürlich, wir hätten einen noch größeren Ausschnitt wählen können, aber das Ganze sollte doch noch normalen Rahmen bleiben – bezüglich Wiedererkennbarkeit des dargestellten Gegenstandes. Auf dem Originalbild ist zu erkennen, es handelt sich um einen Stiefel. Auf der Ausschnittvergrößerung sieht man die Naht, klar und deutlich.

Wenn man sich die beiden Bilder anschaut, ist der Ausschnitt von 22% schon sehr beachtlich. Wenn man sich vorstellt, in der Dunkelkammer würde man einen derartigen Ausschnitt für einen Abzug wählen, dann könnte man auf so manches Tele-Objektiv verzichten. Aber das ist gar nicht der eigentliche Hintergrund zu dieser Anwendung – viel entscheidender ist, dass man entsprechend große Abzüge machen kann. In „unserem“ Fall könnte man leicht einen Abzug auf über 1 Meter Größe bringen. Aber all das sind theoretische Werte, weil auf Fotopapier noch einige andere Parameter folgen müssen. Sind das alles nur Spielereien, um die Leistungsfähigkeit des Schärfe-Entwicklers JOE unter Beweis zu stellen? Oder gibt es tatsächlich eine praktische Anwendung?

JOE-Schärfe im JOE-Gewinnspiel – mehr als Spielerei

Tatsächlich gibt es eine praktische Anwendung für extreme Ausschnittvergrößerungen. Sie wird bei uns immer dann eingesetzt, wenn wir einen neuen Entwickler konzipieren oder Filme eintesten. Ganz besonders, wenn es um Push-und Pull-Entwicklung geht, werden Filme aufs Höchste beansprucht. Und hier wird man immer eine Ausschnittvergrößerung des Scanns einsetzen, um exakt die Ausentwicklung der Detail-Kontraste zu überprüfen. Machen wir ein praktisches Beispiel.

Überprüfung der Ausentwicklung von Detail-Kontraste

Nehmen wir als Beispiel ein Bild auf Ilford Delta 100 im Kleinbildformat, der auf ISO 25 gepullt wurde.

JOE-Gewinnspiel_Delta100_ISO25_JOE_1p7_002web

Originalbild Ilford Delta 100 @ ISO 25 – entwickelt mit JOE

Dieses Negativ wird ganz normal, ohne Einsatz zusätzlicher Software, in der Auflösung von 4800 dpi bei Originalgröße (24×36 mm) gescannt. Danach wird ohne Bearbeitung des Bildes ein Ausschnitt auf ein Bilddetail gesetzt. In diesem Beispiel wird die Ausschnittgröße mit 10% vom Gesamtbild angewendet. Das daraus resultierende Ausschnittbild sieht dann so aus.

JOE-Gewinnspiel_Delta100_ISO25_JOE_1p7_002_web

10% Ausschnitt des oben gezeigten Bildes – Ilford Delta 100 @ ISO 25, entwickelt mit JOE

Wichtig dabei ist, dass nicht ein Ausschnitt gescannt wird, sondern tatsächlich der Ausschnitt aus dem Gesamtscann gemacht wird. Und was können wir da sehen? Eine ganze Menge! Auf jeden Fall wird klar, bis zu welcher Ausschnittvergrößerung die Schärfe der Ausentwicklung erhalten bleibt. Aber man kann noch mehr sehen!

Schärfe ist nicht der einzige Faktor

Im JOE-Gewinnspiel haben wir natürlich das Hauptaugenmerk auf die erreichte Detail-Schärfe gelegt. Aber das könnte man auch mit einer guten Lupe und ohne Technikaufwand beurteilen. In der Praxis wird die Ausschnittvergrößerung jedoch auch für das Erkennen des Schwellwertes verwendet, ab dem die Grauwertauflösung leidet. In der Regel sind es bei vielen Schwarzweiß-Entwicklern Ausschnittwerte um die 30%. Alle Werte in Richtung 20% und niedriger sind Spitzenwerte, die für hohen Grauwertreichtum stehen.

Grauwerte sind das Wichtigste

Grauwerte sind in der Schwarzweiß-Fotografie enorm wichtig. Würde man wirklich nur Schwarzweiß, ohne Grauwerte fotografieren, würde die Bildschärfe enorm ansteigen. Je mehr Grauwerte im Negativ ausentwickelt werden, um so kritischer wird es mit dem Schärfeeindruck. So gesehen, werden ein stark im Push ausentwickelter, oder ein orthochromatischer Film immer schärfer wirken, als ein auf Nennempfindlichkeit oder im Pull ausentwickelter Film. Fotografen sprechen hier vom Aufsteilen in der Push-Entwicklung und einem Abflachen in der Pull-Entwicklung. Bei einer guten Ausentwicklung von Negativen kommt es darauf an, sowohl Schwarz und Weiß, wie auch eine größtmögliche Grauwertskala zu zeigen. Schwierig ist da nicht die Push-Entwicklung, sondern die Pull-Entwicklung. Letztere ist ja sowieso auf Grauwerte ausgelegt und es mangelt häufig an den reinen Schwarz- und Weißtönen. Wenn es aber ein Entwickler auch in der Pull-Entwicklung schafft, bis in die kleinsten Details sowohl Grauwerte, wie auch klares Schwarz und Weiß in ausgewogenem Maß zu präsentieren, ist das ein hervorragendes Entwicklungsergebnis. Und warum ist das so?

Grauwerte sind für den Detailreichtum zuständig

Nur über die unterschiedliche Darstellung von Farbtönen werden Details im Bild natürlich wiedergegeben. In der Schwarzweiß-Fotografie sind diese Farbwerte selbstverständlich Grautöne. Und genau hier kommt es jetzt darauf an, den Wert zu erkennen, ab wann die Grauwerte „abreißen“. In unserem Beispiel „Delta 100 @ ISO 25“ wären der Schwellwert bezüglich Grauwertabriss bei 10%, wie das oben gezeigte Ausschnittbild zeigt. Dies bedeutet, dass die Negative eine enorme Fülle an Grauwerten aufweisen. Aber es zeigt noch mehr. Gleichzeitig sehen wir, dass die Schwarztöne noch keinesfalls „flau“ werden. Dies ist auch wichtig, wenn es um einen hohen Tonwertreichtum geht. Und noch etwas zeigt uns das Ganze: Auch auf engstem Raum wird das komplette Spektrum der Grauwerte dargestellt. Wer auf diese Weise ein Negativ beurteilt, kann die Schärfe des Bildes als einen Faktor von vielen beurteilen und erkennt auch, wie weit er mit seiner Fotografie in den Grenzbereich der Bilddarstellung gehen kann.

JOE-Gewinnspiel zeigt Schärfe und mehr

Zugegeben, der Schwarzweiß-Entwickler JOE ist ein Spezialfall. Er kombiniert Schärfe, Feinkörnigkeit, Auflösungsverhalten und Grauwertdarstellung in faszinierender Weise. Aber nicht alle Fotografen werden genau in dieser Art der Negativentwicklung ihre bevorzugte Ausentwicklung sehen. Aus diesem Grund gibt es so viele unterschiedliche Entwickler – und hier erklärt sich auch, dass es nicht nur ein subjektives Empfinden ist, einen Entwickler zu mögen oder nicht. Man kann das alles tatsächlich sehr gut selbst austesten. Übrigens ist das mit der Ausschnittvergrößerung zum Erkennen der Schwellwerte eine Neuigkeit aus der hybriden Arbeitsweise. Auch schon früher wurde in dieser Weise getestet – ganz normal in der Dunkelkammer. Aber dabei kann man noch mit weiteren Testparametern „spielen“. Das jetzt ausführlich zu beschreiben, würde jedoch den Rahmen eines Blog-Berichtes sprengen. Das JOE-Gewinnspiel war eine schöne Vorlage, diesen in der Schwarzweiß-Fotografie interessanten Aspekt einmal näher zu betrachten. Wir hoffen, dies Erklärungen waren jetzt nicht zu technisch und haben dem einen oder anderen Fotografen eine weitere Tür zur Perfektionierung seiner Fotografie eröffnet.

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2 Kommentare zu “JOE-Gewinnspiel – des Rätsels Lösung!”

  1. Hi,

    wie steht es denn mit dem allerneuesten Datenblatt? Online steht noch die vorläufige Version. Vielen Dank, Rolf Schmolling

  2. spuersinn sagt:

    Hallo Rolf Schmolling, das neueste Datenblatt steht schon seit 22.6.2015 hier:
    http://www.spuer-sinn.net/produkt-und-datenblatter/spuersinn-joe-schwarzweiss-negativentwickler/

    Eventuell hat das Internet mit all seinen Server-Zwischenstationen einen Schluckauf. Aber wie gesagt, die neuesten Daten sind online. Geändert hat sich aber quasi nichts. Unsere Version 1 war wohl „zu gut“ *zwinker*

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