Mehr Drama bitte – Interview mit Christian Baron

17. September 2009 | Von | Kategorie: News & Aktuelles

Unsere Filmtest-Aktion „Get the Goal“ läuft seit wenigen Wochen. Nun ist ein erster Erfahrungsbericht eingegangen. Um ehrlich zu sein, uns haben die eingesendeten Bilder den Atem verschlagen. Schwarzweiß-Dramatik pur! Alles haben wir erwartet, nur nicht solche Bilder.

ruegen_1_u125_01_web hamburg_2_u125_23_web

hamburg_u125_14_web hamburg_u125_17_web

Angesichts dieser Bilder wäre es schaden, den Fotografen nicht selbst zu Wort kommen zu lassen. Wir haben ein Interview mit Christian Baron geführt:

Spürsinn: Christian, Du bist schon lange bei uns Kunde und wie es scheint, sammelst Du Filme.
Christian Baron: Wie kommst Du denn darauf?
Spürsinn: Nun ja, Deine Bestellhistorie liest sich wie das ‚Who is Who’ des Filmmarktes.
Christian Baron: Mich reizt die Fotografie mit unterschiedlichen Materialien. Ich will sehen, was ich mit welchem Film wie machen kann. Ich habe natürlich ein paar wenige Favoriten, aber DEN Film gibt es nicht für mich, dafür bin ich viel zu neugierig und vor allem lässt unterschiedliches Material in unterschiedlicher Konfektionierung auch sehr unterschiedliche Ergebnisse zu. Das ist ja das Tolle an der analogen Fotografie!

Spürsinn: Würdest Du Dich selbst als Kenner der Filmszene bezeichnen?
Christian Baron: Zum Glück hast Du mich nicht Experte genannt! Aber ich kenne schon recht viele Filme. Einige mag ich, andere wiederum nicht. Mir ist auch vollkommen egal, was über den einen oder anderen Film in irgendeinem Forum geschrieben wird. Und auch Eure Lobesworte bei einigen Filmen …
Spürsinn: (husten)
Christian Baron: … kann ich manchmal nicht nachvollziehen.

Spürsinn: Was ist Dir wichtig bei einem Film?
Christian Baron: Er muss zu mir und meiner Fotografie passen.

Spürsinn: Du fotografierst nicht nur schwarzweiß, sondern auch in Farbe. Hast Du eine Präferenz?
Christian Baron: Ganz klar schwarzweiß, es ist für mich einfach das ‚bessere’ Farbfoto. Aber ab und an habe ich so ein Gefühl, dass mir sagt: Das hier muss in ‚echter’ Farbe.

Spürsinn: Entwickelst Du selbst?
Christian Baron: Zur Zeit nicht. Ich habe bis vor einem Jahr selbst entwickelt, im Moment gebe ich aber alles im Labor ab. Aber das wird sich wieder ändern!

Spürsinn: Den U125 hast Du also auch im Labor abgeben?
Christian Baron: Ja …
Spürsinn: Gab es dabei Probleme?
Christian Baron: … das wollte ich gerade erzählen. Zuerst haben die mich ein wenig sparsam angesehen. Dann habe ich auf Euer Datenblatt verwiesen und herausgekommen sind diese Bilder. Toll! Oder?

Spürsinn: Zugegeben, wie hatten ein paar Bauchschmerzen damit, dass der erste Anwender-Test durch ein Standardlabor gehen sollte. Aber offensichtlich haben die hervorragende Arbeit geleistet. Verrätst Du uns die Adresse von dem Labor?
Christian Baron: Klar! Schloms & Schmitz in Köln-Ehrenfeld. Die machen angepasste Hängerentwicklung.

Spürsinn: Hat das Labor noch etwas zu dem fremden Film gesagt?
Christian Baron: Sie waren auch begeistert! Beim Abgeben der Filme hatten sie vermutet, dass es sich um ein Billigprodukt handelt. Vor kurzer Zeit mussten sie Filme von einem Berliner Anbieter entwickeln, die einfach unakzeptabel und schlecht waren. Schuld ist ja angeblich immer das Labor. Aber vom U125 sind sie überzeugt und begeistert. Wir haben gemeinsam über dem Lichtpult gehangen und jedes einzelne Bild begutachtet. Das hat ganz schön gekribbelt. Ich wollte nur noch heim, um die Bilder zu bearbeiten.

Spürsinn: Was ist Dein abschließendes Urteil? Wie gefällt Dir der Film?
Christian Baron: Ich für meinen Teil bin schon begeistert! Und ich habe gezweifelt, ob meine Bildbeispiele überhaupt brauchbar für Euch sind.

Spürsinn: Wir waren alle begeistert! Ganz besonders, weil Du den Film in unterschiedlichen Situationen in viele unterschiedliche Bildsprachen gebracht hast.
Christian Baron: Das ‚U’ steht wohl für Universal. Für mich ist der Film sehr universal. Der geht gnadenlos gut ins Licht und in den Schatten zeigt er trotzdem alles. Richtig gut! Nach meinen ersten Filmen weiß ich jetzt, wie er in welcher Situation kommt. Ein universaler Reisebegleiter.

Spürsinn: Ein Bild hat uns ratlos gemacht. Was wolltest Du damit aussagen?
ruegen_1_u125_05_web
Christian Baron: Es hat mich gereizt den Film im Stil Sugimotos zu machen, weil es schon genug Schärfe im Leben gibt. Ich wollte die Ostsee bildlich so festhalten, wie sie für mich rüberkommt: weich und erholsam. Für mich war es aber auch ein Leistungstest, ob ich solche Bilder mit diesem Film machen kann.
Spürsinn: Und? Hat der Film auch diesen Test bestanden? Du bist auf jeden Fall schon sehr Dicht an das Vorbild herangekommen.
Christian Baron: Es ist mir fast noch zu scharf, aber das liegt an der verwendeten Optik. Der Film hat den Test bei mir definitiv bestanden!

Spürsinn: Du fotografierst auch gerne Architektur. Dafür sind klare, strukturierte Filmmaterialien nötig. Wie macht sich der U125 Deiner Ansicht nach in diesem Sujet?
ruegen_1_u125_25_web ruegen_1_u125_26_web
Christian Baron: Korn hat der Film schon. Aber das macht auch den Charakter vom Analogen aus. Ich finde die Bilder gut, und gerade beim Prora-Gebäude war der Film die bekannte ‚Faust aufs Auge’.

Spürsinn: Und dann geht es bei Dir auch oft hinein in die Gebäude. Ein Bild ist grandios. Weißt Du noch, wie Du die Belichtung gemessen hast?
ruegen_1_u125_13_web
Christian Baron: Da ich hier leider meinen Hand-Beli nicht dabei hatte, habe ich einfach mit dem eingebauten der Nikon F3 die dunkelsten und hellsten Stellen angemessen und gemittelt, tendenziell aber mehr auf die Tiefen gewichtet.

Spürsinn: Was sollte Deiner Ansicht nach an dem Film noch verändert werden?
Christian Baron: Ich möchte ihn auch als Rollfilm haben!

hamburg_u125_01_web hamburg_u125_03_web

hamburg_2_u125_15_web ruegen_1_u125_19_web1

Alle Bilder stehen unter (C) Christian Baron.
Weitere Bilder von im sind unter tageswerk.net zu finden.

Schlagworte: , , , , , , ,

4 Kommentare zu “Mehr Drama bitte – Interview mit Christian Baron”

  1. stargOOse sagt:

    Bin absoluter Laie. Kann also den Inhalt nicht kommentieren.
    Aber das Interview liest sich ausgesprochen gut. Locker flockig geführt!
    Daumen hoch! Das wollt ich mal loswerden.

  2. Michael K. Trout» Blogarchiv » Wenn keine Gondeln Trauer tragen sagt:

    […] weiß nicht … bin ich doch schon zu sehr einem Sujet verhaftet? Gerade habe ich gesehen, dass Christian Baron auch mit dem U125 gespielt hat. Seine Bilder finde ich sehr ansprechen, dramatisch, ja sogar anziehend und […]

  3. spuersinn sagt:

    stargOOse, ein solches Lob hören wir gerne! Danke!

    Das Schöne an der analogen Fotografie ist, daß man sich darin vertiefen kann oder sorgenfrei seine Bilder mit der Kamera auf den Film holt. Nicht alles muß wissenschaftlich erklärt werden 😉 Am Ende kommt es doch nur auf die Bilder an.

  4. […] hasselblad 🙂 spürsinn hat auch ein interview mit mir über diesen film gemacht, dieses gibt es hier zu lesen. #gallery-1 { margin: auto; } #gallery-1 .gallery-item { float: left; margin-top: 10px; […]

Hinterlassen Sie einen Kommentar