Oxyprint – Kreative Papierentwicklung

22. September 2016 | Von | Kategorie: Frisch gebloggt

 

Bekomme ich von euch noch die Chemie für den Oxyprint?“

Natürlich, frisch gemischt und sofort verschickt!“

Oxyprint ist ein kreatives Dunkelkammerverfahren

Inspiriert von den Techniken der Künstler aus der tschechischen Avantgarde, die viel mit verschieden mehr oder minder gefährlichen Chemikalien experimentiert haben.

Leider sahen die Nazis in diesen experimentellen Verfahren die so sehr gehasste „entartete Kunst“ und verbrannten die meisten Informationen und Beispiele solcher und ähnlicher Entwicklungsprozesse. Mit einigem Fluchen, Raten und Testen gelang es dann doch, ein funktionierendes, kreatives Papierverfahren auf den Markt zu bringen, welches sich von allen anderen Verfahren unterschied. Der Oxyprint war geboren.

Oxyprint

Fix einen Oxyprint machen?

Wer “mal eben“ in die Dunkelkammer verschwinden will, um einen Oxyprint zu zaubern, sollte sein Zeitfenster von vornherein sehr üppig gestalten.

Oxyprint braucht vieeeeel Zeit.

Was passiert in der Schale?

Ein Oxyprint unterscheidet sich von einem klassischen Silbergelatine-Print in Farbgebung, Kontrast und Ausdruck massiv. Dem Lith-Verfahren ähnlich, doch in Ausführung und Ergebnis sehr unterschiedlich.
Im großen und ganzen wird die Silbergelatine in einem stark oxidierenden Entwicklerbad gegerbt.
Während dieses Gerbungsprozesses können verschiedene Bildfehler, wie Blasen oder Schlieren, beabsichtigt in das Bild „hinein entwickelt“ werden.
Es können auch sehr real wirkende Prints mit besonderer Farb- und Kontrastgebung hergestellt werden. Dem Fotografen stehen alle Möglichkeiten offen.

Welches Papier?

Oxyprints funktionieren mit jedem handelsüblichen Fotopapier. Egal ob Festgradations-, oder Multigradepapier eingesetzt wird.
Es funktioniert mit Baryt- und PE-Papier, wir raten zum Barytpapier, da bei der langen Schwimmzeit des Fotopapiers Flüssigkeit in die Schnittkanten von PE-Papier einziehen kann, wodurch der Abzug kaum noch zu glätten ist.
Von vielen Fotografen wird das Ilford Multigrade Art 300 Barytpapier empfohlen .
Für einen Oxyprint wird das Fotopapier wie bei jedem anderen Abzug belichtet. Mit Probestreifen und Splitgrade-Technik werden Belichtungszeiten und Gradationen bis zur Zufriedenheit des Fotografen ausgetüftelt.
Im Gegensatz zur normalen Papierentwicklung wird beim Oxyprint nun sehr lang und auf Sicht in der Schale entwickelt.
Der Entwickler besteht aus zwei Teilen Oxyprint-Chemie, einem Part A und einem Part B.
Diese werden in gleichem Verhältnis gemischt und mit Wasser verdünnt.
Nahezu sofort beginnt die Entwicklerchemie zu oxidieren. Je nachdem wie lange sie oxidiert,bevor das Fotopapier hinein gelegt wird, ändert sich die Färbung. Von einem kräftigen Gelb, über ein sattes Orange, bis hin zu einem dunklen rot-braun.
Ausprobieren lohnt sich.

Schütteln und schwenken?

In der normalen schwarz-weiß Papierentwicklung wird die Laborschale regelmäßig bewegt, damit sich keine Bläschen auf dem Fotopapier bilden
und die Entwicklung gleichmäßig statt findet.
Das Oxyprint-Verfahren ist ein kreatives Verfahren. Der Fotograf kann über bewegen oder nicht bewegen der Fotochemie Einfluss auf das Bildergebnis nehmen. Wie der Bildausdruck dann aussieht entscheidet der Zufall. Der Zeitpunkt an dem das Papier in die Chemie gelegt wird beeinflusst die Farbgebung, den Bildausdruck, und die Dauer der Entwicklung. Regelmäßiges Bewegen führt zu klaren, sauber entwickelten Bildern. Bewegt man die Schale gar nicht, kann es zu wundervollen Zufällen in Form von Blasen oder Schlieren auf dem Print führen. Bläschen und Schlieren verändern den Bildausdruck immens.

Oxyprint

(c) Michael K. Trout

 

Verlassen der Dunkelkammer

Wer es gerne einfach hat, lässt das Bild schwimmen und geht in der Zeit einen Kaffee oder Tee trinken. Die Oxyprint-Chemie desensibilisiert das Fotopapier. Verlässt man die Dunkelkammer zügig, passiert nichts. Das Laborlicht sollte nicht eingeschaltet werden. Sicher ist sicher.
Überentwicklung ist mit Oxyprint sehr schwer. Selbst 10 min längeres Schwimmen als benötigt, machen dem Bild nichts aus. Es kann also ruhigen Gewissens noch ein Stück Kuchen zum Kaffee verdrückt werden. Ganz Mutige lassen den Print über Nacht schwimmen.

Abgeschlossen wird die Oxyprint-Entwicklung wie jede andere schwarz-weiß-Papierentwicklung auch. Entwicklungsstopp im Stoppbad, wir empfehlen Stop-5, und anschließend noch ein Bad im Fixierer, wie empfehlen Afix-7.
Macht man mehrere Oxyprints sollte das Stoppbad mehrfach gewechselt werden. Oxyprint ist ein „Stoppbad-Killer“. Die Effektivität des Fixierbades lässt sich sehr leicht mit dem FixChecker nachprüfen.
Zum Glätten empfiehlt sich eine Barytpresse, oder ein Stapel schwerer Bücher.

Oxyprint ist eine Kunst

Der Bildausdruck eines Oxyprints ist sehr bemerkenswert. Ob es Kunst ist überlassen wir dem Betrachter. Tatsache ist, dass es ein spannender und überraschender Prozess ist, der vielen Bildern ein neues Erscheinungsbild gibt.

(c) Rüdiger Beckmann

(c) Rüdiger Beckmann

 

 

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1 Kommentar zu “Oxyprint – Kreative Papierentwicklung”

  1. Giftmischer Maddin sagt:

    Richtig guter Stoff Alter, das macht richtig Spass aber ich nehme es nur für großes.
    30X40 da fängt es erst mal richtig an.

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