Quecksilber-Batterien – Ersatz finden oder Umbau?

13. Februar 2013 | Von | Kategorie: Tipps & Ratschläge

Mit Umsetzung der EU Batterie-Verordnung trat schon vor Jahren ein generelles Handelsverbot für Quecksilber-Batterien in Kraft. Besitzer von fotografischen Youngtimern, also Kameras und Belichtungsmessern aus den 1950er bis 1980er Jahren, stehen nun vor der Entscheidung, ob sie ihre Schätzchen in die Vitrine stellen, einen Umbau auf moderne Batterien vornehmen oder nach einer Ersatzlösung suchen. Es gibt eine Menge Möglichkeiten, von Alt auf Neu umzurüsten. Keine der Möglichkeiten ist zu 100% gut, aber auch keine 100% schlecht. Einzig die Einkaufsquelle Internet mit dem reißerischen Angebot „original Quecksilber-Batterie“ kann eine böse Falle sein. Gehen wir einmal näher auf dieses Thema ein.

Die auf Quecksilber basierenden Batterie-Bauform PX 625, mit einer Spannung von 1,35 V sind Lebensquelle für hunderttausende von Kameras und deren Belichtungsmesser. Gerade diese „krumme“ Voltangabe hat es in sich. Wer glaubt, da könne man auch eine Batterie mit satten 1,5 Volt verwenden, wird erhebliche Ungenauigkeiten des Belichtungsmessers erleben. Gerade für Belichtungsmesser wurden die Quecksilber-Batterien eingesetzt – aus Gründen der Genauigkeit. Und hier kommt nun das eigentliche Problem. Quecksilber-Batterien behalten über die gesamte Lebensdauer stets die gleiche Spannung. Erst zum Ende der Lebensdauer geht die Spannung nach „unten“, und zwar schnell und konsequent. Belichtungsmesser reagiert nicht – Batterie leer. Das ist eine klare Ansage. Moderne 1,5 Volt Knopfzellen haben die Eigenschaft, dass sich im Laufe ihrer Lebenszeit die Spannung langsam abbaut. Würde man nun eine „Moderne“ an Stelle der Quecksilber-Batterie einsetzen, hätte man am Anfang eine Überspannung (1,5 V anstatt 1,35 V), irgendwann in der Mitte der Lebensdauer dann eine richtige Spannung und zum Ende hin eine, in einer Kurve, langsam sinkende Spannung. Da man lediglich fotografieren möchte und nicht als Volt-Spannungsmesser unterwegs sein will, ist das also keine gute Lösung. Und letztendlich will sich niemand das Glücksspiel mit einer ungenauen Belichtungsmessung leisten.

Das oben beschriebene Problem tritt übrigens auch bei Umbau und Neujustierung auf 1,5 Volt auf. Natürlich, es gibt zuverlässige und gute Werkstätten, die eine Umrüstung von 1,35 Volt auf 1,5 Volt vornehmen, aber man sollte immer daran denken, dass die abfallende Spannungskurve der modernen Stromversorgung durch diesen Umbau nicht kompensiert wird. Auch spannungsreduzierende Adapter befreien nicht vollständig vom Lebenszyklusproblem der modernen Knopfzellen. Zwar wird die Spannung zuverlässig auf 1,35 Volt gebracht, aber über die Mitte der Batterielebensdauer hinaus geht die Spannung der modernen Batterien unter die magische Zahl von 1,35 V und in der Belichtungsmessung hat man verloren. Ob man dieses Risiko eingehen will, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Nun gibt es eine – zugegebenermaßen recht teure – Lösung, die sich auf Zink-Luft-Batterien bezieht. Solche Batterien werden auch in Hörgeräten (ältere Bauformen) eingesetzt. Diese haben permanent 1,35 Volt und behalten, ähnliche wie die Quecksilber-Batterie, bis zum Lebensende die Spannung bei. Hörgeräte-Batterien sind jedoch nicht besonders gut für unsere Belichtungsmesser geeignet, da sie auf permanente Leistungsabgabe ausgelegt sind – dies bedeutet, wenn der Zink-Kern mit Luft in Berührung kommt, wird Strom produziert. Bei Hörgeräten muss diese Produktion ständig und in recht großer „Menge“ erfolgen. Daher verbrauchen sich die Zink-Kerne schnell. Eine Batterie für die Kamera, respektive für den Belichtungsmesser, benötigt nur kurzzeitig Strom und das nur in geringen „Mengen“. Die ständige Stromproduktion der Hörgeräte-Batterie würde zwar nicht stören, ist aber auch nicht wirtschaftlich. Eine bessere Lösung sind die speziell für Kameras/Belichtungsmesser hergestellten Knopfzellen von „Wein Cell“, die auch als Luft-Zink-Batterien funktionieren. Hier wird aber über eine speziell auf den Strombedarf von Belichtungsmessern eingepegelte „Stromversorgung“ nicht Dauerstrom in großen „Mengen“ produziert, sondern bedarfsgerecht gearbeitet. Die Batterien halten in der Regel deutlich länger als ein halbes Jahr, oft sogar weit über 12 Monate. Und noch ein Tipp: Wenn man für längere Zeit die Kamera, respektive den Belichtungsmesser nicht benötigt, klebt man mit einem Streifen Tesafilm das Loch der Luftversorgung einfach zu, die Stromproduktion kommt zum Stillstand und die Batterie hält viel, viel länger.

Was ist denn nun von den Internet-Angeboten zu halten, die „original Quecksilber-Batterien“ anbieten? Das kann eine große Falle sein. Vor über 10 Jahren wurden in Europa und USA die letzten Batterien dieser Art gefertigt – 10 Jahre sind auch das maximale Haltbarkeitsdatum der Quecksilber-Batterien. Wer sich aus einem solchen Fundus bedient, läuft in Gefahr eine leere Batterie zu kaufen. Andere Liefermöglichkeiten eröffnen Produkte aus China. Dort werden angeblich noch Quecksilber-Batterien gefertigt – leider jedoch nicht mit der notwendigen Sorgfalt. Häufig hören wir Klagen, dass die Batterien zu hoch sind und durch das Einschrauben des Batteriedeckels die Platinen des Belichtungsmessers eingedrückt und beschädigt werden. Auch wird häufig von Spannungsungenauigkeiten berichtet. In Einzelfällen sollen diese sogar so hoch gewesen sein, dass der Belichtungsmesser neu justiert werden musste All das ist nun wirklich nicht der Weisheit letzter Schluss. Da greift man doch lieber zur „Wein Cell“ und entgeht dem ganzen Stress.

Zum Schluss noch ein ganz spezieller Tipp – Typenbezeichnungen für Batterien gibt es viele und alle meinen im Grunde das Gleiche. Je nach Hersteller wurden in Betriebsanleitungen verschiedene Bezeichnungen angegeben. Für die PX625 wurden auch folgende Typen angegeben: PX13 oder EPX625 oder V625PX oder MR09 oder MR9 oder H-D oder HD oder HD-D oder RPX625 oder RM625 oder KX625 oder HD1560 oder 1124MP oder Mallory RM-625R oder Eveready E625N oder Burgess HG-625R oder 4370 oder 4371 oder V13PX oder EPX13 oder V625PX oder HD625 oder PN625 oder RM625 oder 4625 oder 625 oder H1560 oder M01 oder M20 oder 8930 oder Varta 7002 oder Pertrix 7002 … oder haben wir noch eine Typenbezeichnung vergessen? Betriebsanleitungen können oft ein wahrer Quell der Verwirrung sein, aber eigentlich meinen sie alle nur die Eine und die „Wein Cell MRB 625“ ist der passende Ersatz.

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2 Kommentare zu “Quecksilber-Batterien – Ersatz finden oder Umbau?”

  1. Hein sagt:

    Moin moin,

    eine nette Zusammenfassung, aber irgendwie fehlt mir der Verweis auf Silberoxidbatterien, wenn man schon Spannungsadapter und Umjustieren des Belichtungsmessers erwähnt. 😉

    Silberoxidzellen haben eine konstante Spannung über den Entladungszeitraum wie Queckis, aber mit 1,55V. Da ergibt dann die Umjustierung des Belichtungsmessers oder der Spannungsadapter einen Sinn. Auch wenn diese Lösung natürlich auch nicht frei von Tücken ist.

    Viele Grüße
    Jan

  2. AlexDozer sagt:

    Silberoxid ist eine Alternative. Diese halten auch die Spannung bis zum Schluß. Man muss allerdings seinen Belichtungsmesser umbauen, da diese 1.55V haben.

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