SAM classic – umweltfreundlich fotografieren

30. August 2016 | Von | Kategorie: Allgemein

SAM classic – viele kennen ihn, viele lieben ihn. Ein wichtiger Baustein in unseren Startsets und ein Meilenstein in unserer eigenen Geschichte. Heute schauen wir uns diese „Suppe“ mal genauer an.

Der erste Auftritt

Sam classicAm 2. September 2013 erblickte unser SAM classic das Licht der Welt. Zumindest für die breite Front von Fotografen. Nach unserer Projektstudie RiC wollten wir einen Entwickler bauen, der auf die Wünsche und Anforderungen moderner Analogfotografen eingeht. Die meisten Entwickler sind Traditionsrezepte und wurden für ein anderes Jahrhundert konzipiert.
Der moderne Analogfotograf will einen Entwickler mit klaren, eindeutigen Kontrasten ohne Eingrenzung des Tonwertumfangs. Gleichzeitig sollte die Chemie möglichst umweltschonend sein und natürlich wirtschaftlich.

Kleine Exkursion

All diese Anforderungen erfüllt der SAM classic. Mit einem sehr geringen Anteil an Entwicklerchemikalien, wie z.B. Hydrochinon, ist er weniger umweltgefährdend als andere Entwickler.
Klassische Entwickler enthalten ca 3% Hydrochinon. SAM classic beinhaltet weniger als 0,3% Hydrochinon.
Absolut umweltfreundliche Negativentwicklung ist mit dem heute verfügbaren Filmmaterial nicht möglich. Zum einen bringen moderne Filmemulsionen bereits Entwicklersubstanzen mit, zum anderen enthält Filmmaterial Silber, gebunden als Silberhalogenide (meist AgNO3 ). Während des Entwicklungsprozesses werden diese aus der Gelatine herausgelöst und schwimmen im Entwickler.
Neben den Nitraten, welche Algenwachstum anregen und damit wassergefährdend sind, ist auch metallisches Silber umweltschädlich. Es zählt zu den Schwermetallen, ist aber für den Menschen weitgehend ungefährlich. Silberkettchen töten nicht. Für einige bakterielle Wasserorganismen ist Silber jedoch tödlich. Das gilt z.B. für die in Kläranlagen eingesetzten Bakterien.
Also bitte auch nicht den Kaffee der „Caffenol“-Entwicklung einfach in den Ausguss kippen, sondern über das Schadstoffmobil entsorgen.
Soviel zur chemischen Exkursion. Kommen wir zurück zum SAM classic.

Sam classic

Das Replenishment

Umweltfreundlichkeit durch geringere Anteile an gefährlichen Chemikalien ist die eine Seite, mit der unser SAM classic „punkten“ kann. Es gibt einen weiteren Punkt, der für die Umweltfreundlichkeit dieses Entwicklers spricht.
Fotochemie ist umweltfreundlicher und wirtschaftlicher, je sparsamer sie eingesetzt werden kann.
Bei der Konzeption des SAM classic haben wir darauf geachtet, dass er mehrfach verwendbar ist. Das erreichen wir mit dem Replenishment.

Was bedeutet das?

Das Replenishment ist eine Auffrischung der bereits gebrauchten Arbeitslösung.
Nach der Filmentwicklung wird die Arbeitslösung nicht entsorgt, sondern bis zur nächsten Entwicklung in einer passenden Chemikalienflasche aufbewahrt. Unmittelbar vor der nächsten Entwicklung wird ein kleiner Teil der gebrauchten Arbeitslösung entsorgt und durch frische Arbeitslösung ersetzt.

Ein Beispiel

Ein klassischer One-Shot Entwickler wird in der Verdünnung 1+14 benutzt. Bei einem Doseninhalt von 300ml werden 20ml Entwicklerkonzentrat pro Film benötigt. Auf 5 Filme hochgerechnet sind das 100ml Konzentrat bei 1500ml Abfall.
SAM classic benötigt zwar auch 100ml Entwicklerkonzentrat, erzeugt aber nur 600ml zu entsorgende Chemie. (Diese Angabe gilt für die Verdünnung 1 + 5)

Haltbarkeit

Die fertige und bereits benutzte Arbeitslösung ist chemisch sehr stabil und daher sehr lange haltbar.
Die Haltbarkeit ist abhängig von Gasdichte und Füllhöhe der Flasche. Je mehr desto gut.
In unserem Datenblatt liest man von 4 Wochen Haltbarkeit der Arbeitslösung. Kunden berichteten von mehr als 2 Monaten, bei ordnungsgemäßer Lagerung. Zu beachten ist aber, dass das Replenishment erst kurz vor dem nächsten Entwicklungsprozess durchgeführt werden soll.
Lässt man die Arbeitslösung ein paar Tage offen stehen, verfärbt sie sich gelb. Auch mit diesem Ansatz und weiteren Auffrischungen lassen sich weitere Entwicklungen ohne Qualitätseinbußen durchführen.

 

Die Verdünnungen

Wir empfehlen drei mögliche Verdünnungen für SAM classic. Jede hat ihre eigenen Merkmale.

Sam classicDie Normalverdünnung 1+5 zeichnet sich durch sehr fein ausgearbeitete Kontraste und einen ideal verlaufenden Tonwertumfang aus. Außerdem ist sie für die Mehrzahl der Entwicklungen bei Nennempfindlichkeit oder leichten Push-/Pull-Entwicklungen geeignet.
Bei der Verdünnung 1+5 empfehlen wir ein Replenishment von 25% der Arbeitslösung.

Mit der Verdünnung 1+7 wird SAM classic zu einem echten Fineart Entwickler, welcher sehr gut auf ISO-Skalierungen eingeht. Dabei zeigt er eine hervorragende Ausarbeitung der Kontraste, während der ideal verlaufende Tonwertumfang erhalten bleibt.
Für die Verdünnung 1+7 empfehlen wir ein Replenishment von 30%.

Die Verdünnung 1+9 dämpft die Kontraste minimal, dabei wird der Tonwertumfang nochmals gesteigert. Weiterhin bietet die Verdünnung 1+9 einen breiten Spielraum für Pull-Entwicklungen. Dabei wird das Pull-Potential des Filmmaterials voll ausgenutzt, ohne die Kontrastlinien zu reduzieren.
Wir empfehlen ein Replenishment von 40% der Arbeitslösung für die Verdünnung 1+9.

Replenishment und Push-Entwicklungen

Der Sam classic ist ein hervorragender Entwickler für die Push-Entwicklung. Push-Entwicklungen beanspruchen jeden Entwickler stärker als Entwicklungen auf Nennempfindlichkeit oder Pull-Entwicklungen. Wir empfehlen bei einer starken Push-Entwicklung (z.B. über zwei Blenden) entweder 10% mehr der Arbeitslösung aufzufrischen oder die Entwicklungszeit zu verlängern.

Sam classic

Apropos Entwicklungszeit

Das Replenishment ändert nichts an den im Datenblatt aufgeführten Entwicklungszeiten!
Wir haben sehr viel Wert darauf gelegt, dass eine Filmentwicklung mit Sam classic keine mathematischen Verrenkungen einfordert. Anders als bei anderen Entwicklern ist eine Verlängerung der Entwicklungszeit bei wiederholter Benutzung mit Auffrischung nicht nötig. Die Ausnahme steht einen Absatz weiter oben.

 

Anfängerfreundlichkeit

Dass der SAM classic Teil unseres Startsets ist, kommt nicht von ungefähr. SAM classic ist ein sehr anfängerfreundlicher Entwickler. Er ist einfach zu handhaben und hat aufgrund des Replenishments einen geringen Verbrauch. Geht mal was schief, hat man nicht gleich eine ganze Entwicklerrutsche verbraucht. Die Ergebnisse sind einwandfrei mit schönen Graustufen. Weiterhin verfügt SAM classic über viele Einsatzmöglichkeiten aufgrund der verschiedenen möglichen Verdünnungen. So kann man als „Neu-Analoger“ direkt in verschiedene Bereiche hinein schnuppern ohne sich festzulegen.
Selbstverständlich gibt es für den Sam classic ein ausführliches Datenblatt.

Gut zu den „Rentnern“

So mancher Anfänger, aber auch langjährige Analogfotografen, probieren sich gern an altem, abgelaufenem Filmmaterial. Auch bei den „out of stock“ Filmen zeigt SAM classic hervorragende Ergebnisse. Für einige gibt es sogar Entwicklungszeiten und empfohlene Verdünnungen. Dafür gibt es sogar einen Auszug aus dem Datenblatt.
Mit alten Filmen zu arbeiten ist immer so eine Sache. Frisches Filmmaterial zeigt definierte Eigenschaften. Bei abgelaufenen Filmen sind die Ergebnisse von sehr vielen Faktoren abhängig. Unter anderem von Lagerung und Alter. Hochempfindliche Filme verlieren über die Jahre oft Empfindlichkeit.
Die Faustregel:
Pro 10 Jahre über Ablaufdatum eine Blendenstufe runter rechnen.
Zum Beispiel wird ein im Jahr 1996 abgelaufener Film im Jahr 2016 belichtet und entwickelt. Bei seiner Produktion hatte der Film eine Nennempfindlichkeit von ISO/ASA 400. 20 Jahre nach Ablaufdatum sind 2 Blendenstufen weniger anzunehmen. Es empfiehlt sich also, den Film auf ISO/ASA 100 zu belichten und zu entwickeln (Pullen).

Mit abgelaufenen Filmen fotografieren ist immer ein Experiment. Es kann sich durchaus lohnen.

 

 

 

 

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