Basics: Schwarzweiß-Film selbst entwickeln

Oft landen Anfragen bei uns in den E-Mail-Postfächern, die Fragen zur Filmentwicklung beinhalten. In welches Labor kann man noch Schwarzweiß-Filme geben? Was brauche ich, wenn ich es selbst machen will? Wie viel muss ich investieren, wenn ich mich selbst mit der Filmentwicklung beschäftigen will? Welche Entwickler sind für Anfänger gut geeignet? Muss ich eine Dunkelkammer haben? Wie funktioniert Film entwickeln eigentlich? Es ist an der Zeit, diese Fragen hier zu beantworten.

Basics: Schwarzweiß-Film selbst entwickeln

Grundsätzlich sind wir immer begeistert, wenn fotografierende Menschen ihre Filme selbst entwickeln wollen. Nicht nur, weil es für uns Umsatz bedeutet, sondern auch, weil selbst entwickelte Bilder eine eigene Wertigkeit für die Fotografen haben und sie, nehmen sie die Entwicklung ihrer Negative selbst in die Hand, meist bessere und befriedigendere Ergebnisse bekommen, als die aus einem Standard-Labor. Es ist nicht so, dass die Labore grundsätzlich schlecht arbeiten, sie arbeiten nur pauschaler. Ein Labor kann eben nicht beurteilen, worin die Gewichtung der Bildaussage vom Fotografen geplant war und macht deswegen eine Standardentwicklung. Besser ist da eine individuelle Entwicklung, die man selbst in die Hand nimmt. Für alle jene die sich gerade überlegen, selbst Hand an ihre Schwarzweiß-Negative zu legen, ist dieser Artikel eine Entscheidungshilfe.

Grundausstattung

Um einen Schwarzweiß-Film selbst zu entwickeln braucht man eine kleine Grundausstattung.

  • Einen dunklen Raum. Den braucht man aber nur zum Einspulen der Filme. Man blockiert weder stundenlang das Familienbadezimmer oder baut sich eine andere Räumlichkeit. Ein Kellerraum reicht auch. Aber er muss wirklich sehr, sehr dunkel sein. Die Alternative ist einfach und nennt sich Dunkelsack, auch Wechselsack genannt. Das ist ein lichtdichter Sack mit zwei Eingriffen für die Hände. Zwei Reißverschlüsse, wie eine Schleuse gestaltet, erlauben die Befüllung des Sacks mit all den Dingen, die man noch so braucht. So kann man bequem die Filmentwicklung auch am Küchentisch starten, weil Arbeiten bei Tageslicht möglich ist.
  • Eine Schere.
  • Eine Zange, am besten einen Seitenschneider, mit der man die Filmpatrone von Kleinbildfilmen knackt. Man kann auch so genannte „Filmpatronenöffner“ kaufen oder versuchen, die Patrone mit einem Kapselheber oder Flaschenöffner zu öffnen. Wir empfehlen immer den Seitenschneider, er ist meist in jedem Haushalt zu finden und funktioniert garantiert auch bei „störrischen“ Filmpatronen. Wer Mittelformat-Negative entwickeln will, braucht das nicht, da der Film auf einem Schutzpapier aufgelegt ist. Für Kleinbild gibt es Empfehlungen, einfach darauf zu achten den vollen Film nicht bis zum Schluss in die Patrone zurück zu spulen, weil man dann die Patrone nicht knacken muss. Aus unserer Sicht ist genau das nicht empfehlenswert und dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen erkennt man einen belichteten Film sehr gut daran, dass die Anfangslasche nicht mehr zu sehen ist. Im Eifer des Gefechts kommt es immer mal wieder vor, dass man das belichtete und das unbelichtete Material nicht getrennt aufbewahrt. Anhand der fehlenden Lasche erkennt man nun, dass man einen bereits belichteten Film in der Hand hat und vermeidet eine unerwünschte Doppelbelichtung. Zum anderen läuft der Film durch ein „Maul“ aus der Patrone, das mit einem Samt ähnlichen Material eingefasst ist. Hier können sich feine Staubkörner verfangen, die, zieht man den belichteten Film aus dem Maul der Patrone, die Verursacher von gemeinen Kratzern werden.
  • Eine Entwicklerdose (oft auch Entwicklungstank genannt) und die dazu gehörige Spule.
  • Ein Thermometer. Bitte kein Fieberthermometer! Ein Bratenthermometer tut allerdings auch gute Dienste. Die beste Lösung sind sogenannte Dosen- oder Schwimmthermometer.
  • Wasser.
  • Chemikalienflaschen.
  • Zwei Messbecher, einen in groß (mindestens 1 Liter) und einen in klein. Ausgediente (!!!) Babyfläschchen sind ein guter Ersatz für kleine Messbecher. Wer den Messbecher aus der heimischen Küche verwenden will, sollte sich darüber bewusst sein, dass er nach Gebrauch akribisch gereinigt werden muss. Filmchemie ist kein Lebensmittel.
  • Ein bisschen Chemie. Zum einen einen Schwarzweiß-Negativentwickler, zum anderen ein Fixierbad. Über Filmchemie wird viel geschrieben und behauptet, tatsächlich ist es auch ein Thema, an dem sich viele Geister scheiden und über das man viel schreiben und behaupten kann. Diskussionen über Filmchemie führen leider oft dazu, dass Anfänger überfordert und entmutigt werden. Dabei ist das alles halb so wild. Filmchemie ist „Geschmackssache“. Filmchemie wird danach ausgewählt, welche Filme man vorzugsweise benutzt und wie man sich seine Ergebnisse wünscht. Eine Sache der Erfahrung. Wer es „eigentlich erst einmal probieren“ will, der ist mit einem „Allround“-Entwickler gut bedient. Wir empfehlen an dieser Stelle unseren Spürsinn SAM classic, den wir auch mit in unsere Startsets packen. Neben dem Entwickler benötigt man noch ein Fixierbad. Unsere Empfehlung ist der Spürsinn 6punkt5, weil er sich lange hält und kleine Gebrauchsmengen sehr unproblematisch angemischt werden können. Jetzt kommen wir zu den Ergänzungen. Oft wird in Anleitungen im weltweiten Netz ein Stoppbad angeführt. Für uns gehört ein Stoppbad in die Region „kann man, muss man aber nicht“, solange man nicht auf Fineart abonniert ist. Natürlich muss der Entwicklungsprozess nach Ablauf der Entwicklungszeit gestoppt werden, dafür reicht aber ganz normales Leitungswasser aus. Auch Netzmittel steht oft auf der Einkaufsliste für Selbstentwickler. Ein Netzmittel sorgt dafür, dass der Film ohne Schlieren, Streifen und Wassertropfen trocknet. Bei sehr hartem Wasser finden sich manchmal getrocknete Kalkrückstände auf den Negativstreifen, ein Netzmittel schafft da Abhilfe. Wer jedoch noch nie einen Film selbst entwickelt hat, der braucht auch zunächst kein Netzmittel. Wer öfter selbst entwickelt und mit Flecken oder Kalkrückständen kämpft, dem empfehlen wir die Benutzung eines Netzmittels wie z.B. dem Kodak Photo-Flo. An dieser Stelle warnen wir vor der Verwendung von Spülmittel als Netzmittelersatz. Richtig ist, dass Spülmittel auf den ersten Blick eine ähnliche Wirkung hat wie ein Netzmittel. Allerdings sind in Spülmittel weitere Inhaltsstoffe, die langfristig die Negative angreifen und im schlimmsten Fall komplett zerstören können.
  • Wäscheklammern oder Filmklammern um den Film zum Trocknen aufzuhängen. Auch hier gilt, wer es erst einmal mit der Selbstentwicklung probieren möchte, dem reichen Wäscheklammern, um seinen Film zum Trocknen aufzuhängen. Wer auf den Geschmack kommt, der kann später immer noch in die guten Filmklammern investieren. Filmklammern unterscheiden sich von Wäscheklammern insofern, dass in einem Paar Filmklammern immer eine Klammer schwerer ist als die anderen. Die schwere Klammer wird an das untere Ende des Films geklemmt, damit der Filmstreifen möglichst glatt trocknet. Außerdem halten Filmklammern den Negativstreifen besser fest als Wäscheklammern.
  • Etwas zur Aufbewahrung der Negative. Pergamin ist die beste Form der Aufbewahrung. Wer erst einmal in das „Entwicklungsgeschäft“ hineinschnuppern will, kann auch Briefumschläge in Langformat nutzen. Die hat eigentlich jeder im Haus und ein Film, so zurecht geschnitten, dass immer 5 Kleinbilder auf einem Streifen sind, passt wunderbar in einen solchen Briefumschlag. Für den Anfang eine günstige Lösung. Zwar bekommt man keinen guten Überblick und muss jedes mal seine Negativstreifen wieder in die Hand nehmen, aber für den Anfang reicht es. Und richtig ordentlich wird die Aufbewahrung von Negativen, wenn man diese in einer Archivkassette abheftet.
  • Eine Stoppuhr.
  • Einen leeren Kanister, um verbrauchte Chemie zu entsorgen.

Was kostet das?

Kommen wir zur Frage, wie viel man investieren muss. An dieser Stelle können wir natürlich auf unsere Startsets  im Shop verweisen. In diesen Sets ist praktisch alles drin, was der ambitionierte Anfänger benötigt um mit der Selbstentwicklung zu starten. Es finden sich sogar Dinge, die man besser sofort wegwirft oder einem anderen Zweck zuführt (wer eine gute Idee hat, bitte sofort mitteilen), die Rede ist dabei von den Filmabstreifern. Wer aus kreativen Gründen unbedingt Kratzer auf seinen Filmen haben möchte, dem legen wir die Filmabstreifer ans Herz. Alle anderen vergessen besser, dass es so ein unsinniges, Schäden verursachendes Utensil überhaupt gibt. Die Komplettsets werden mit diesen unsäglichen Dingern an uns geliefert und wir lassen sie selbstverständlich aus oben genannten, kreativen Gründen drin. Die Anfangsinvestition liegt bei rund 120 Euro mit Filmen und Chemie. Der Wechselsack käme dann noch dazu, wenn man sich die Sache richtig bequem machen will. Eine Alternative ist ein Einkauf bei einem bekannten Online-Auktionshaus. Wir raten jedoch ab, denn man kann anhand der dort gezeigten Bilder nicht beurteilen, ob die dort angebotenen Entwicklerdosen noch 100% lichtdicht sind. Wenn man sich auf dem Gebrauchtmarkt umschauen will, so begibt man sich besser auf Fotobörsen. Dort kann man die benötigten Utensilien in die Hand nehmen und prüfen, ob das Material noch in Ordnung ist.

Rein in die Praxis

Genug des Vorgeplänkels, jetzt geht es los.

Wenn wir jetzt also einen belichteten Film und alle anderen benötigten „Zutaten“ haben, dann können wir anfangen, einen Schwarzweiß-Film zu entwickeln. Ob wir dafür in unseren dunklen Raum gehen oder bequem mit einem Wechselsack am Tisch sitzen, ist zweitrangig. Wir müssen jetzt den belichteten Film auf eine Spule und in die Entwicklungsdose bekommen. Das ist der Schritt, vor dem die meisten Anfänger den meisten Respekt haben, da hier in absoluter Dunkelheit gearbeitet werden muss. (Wem jetzt das Wort „Rotlicht“ in den Kopf schießt, der vergisst das besser gleich wieder. Rotlicht ist nur für die Positiventwicklung, also die Papierabzüge, relevant.) Absolute Dunkelheit bedeutet auch, dass keine Armbanduhren mit beleuchteten oder phosphoreszierendem Zifferblatt mitspielen dürfen. Ach übrigens, ein Handy leuchtet im Dunkeln, wenn es angerufen wird! Absolute Dunkelheit bedeutet letztendlich auch, dass man nichts sieht. Deswegen ist es sinnvoll, sich mit den Werkzeugen vertraut zu machen.

Zu der Entwicklerdose gehören ein Deckel, ein Schraubdeckel mit Einfüllöffnung, ein hohler Stab und eine Spule. Schaut man sich die Spule genau an, so findet man rechts und links zwei kleine „Nasen“, die sind schon mal ganz wichtig für die Orientierung im Dunkeln. Die Spulenteile lassen sich gegeneinander bewegen. Vor und zurück. Dieses Bewegen ist für das Einspulen genau richtig.

Jetzt schauen wir uns die Film-Patrone genauer an. Die beste Stelle, die Patrone zu knacken ist die Stelle am „Maul“ der Patrone. Dort kann man mit dem Seitenschneider gut angreifen.

Es ist egal, ob man jetzt in seinen dunklen Raum geht oder einen Wechselsack benutzt, wichtig ist, dass man all das griffbereit zur Hand hat, was man benötigt. Und man muss wissen, wo es ist, denn man kann es nicht sehen. Die Entwicklerdose baut man am besten so zusammen, wie sie zusammengehört, dann weiß man immer zu 100% wo die einzelnen Komponenten sind und erspart sich wildes Herumtasten. Filmpatrone, Seitenschneider und Schere stellt oder legt man zusammen.

Jetzt wird es ernst und dunkel

Als erstes sucht man sich die Spule aus der Dose und legt sie griffbereit neben die Hand. Dann nimmt man den Seitenschneider und knackt die Filmpatrone. Man befreit die Filmrolle vorsichtig aus der Patrone und sucht sich den Anfang. Diesen Anfang muss man nun mit der Schere leicht rund abschneiden, möglichst so, dass keine Löcher von der Perforation zerschnitten werden. Angeschnittene Perforation führt beim Einspulen oft dazu, dass der Film hängen bleibt. Hat man den Film schön halbrund angeschnitten, nimmt man sich die Spule mit der anderen Hand und sucht sich die bereits erwähnten „Nasen“ an der Filmspule. Zwischen diese „Nasen“ fädelt man nun den Filmanfang ein. Durch gegenläufiges Bewegen der Spulenteile kann man den Film nun aufspulen. Am Ende des Films sitzt die kleine Spule, auf der der Film in seiner Patrone aufgewickelt war. Dort schneidet man den Film ab. Wenn der Film vollständig auf der Spule ist, steckt man die Spule auf das hohle Rohr und dieses wiederum in die Entwicklerdose. Dann schraubt man den Schraubdeckel auf. Nun ist der Film lichtdicht aufbewahrt und man kann das Licht an machen, bzw. die Hände aus dem Dunkelsack nehmen. Und das war auch schon alles, was im Dunkeln gemacht werden muss.

Die Sache mit der Chemie

Der Film ist sicher und gut aufbewahrt, jetzt kommen wir zum alchemistischen Teil. Die Chemie muss angemischt und auf Temperatur gebracht werden. Bei dem von uns oben empfohlenen Spürsinn SAM classic wird die Arbeitslösung in der gewünschten Verdünnung angemischt. Wie diese aussehen, steht ganz ausführlich im mitgelieferten Datenblatt. Die Entwicklerlösung soll in den meisten Fällen 20° C haben, aber in unserem Datenblatt steht auch, wie sich die Entwicklungszeiten verändern, wenn die Arbeitslösung kälter oder wärmer ist. Wer die Entwicklerchemie jetzt erst anrührt, der muss keine Angst haben, dass seinem Film etwas passiert, dem Film geht es in seiner Dose ganz wunderbar. Wer die Entwicklerchemie bereits angesetzt hat, für den gilt das Gleiche. Während die Entwicklerlösung im Wasserbad auf 20° C erwärmt oder herunter gekühlt wird, passiert dem Film in seiner Dose nichts.

Der Fixierer, in diesem Fall der empfohlene 6punkt5, wird wie auf der Flasche angegeben angesetzt. Wir empfehlen die Verdünnung 1+6, das bedeutet 1 Teil Konzentrat und 6 Teile Wasser. Auf einen Liter Fixierer gerechnet sind das also 1000ml geteilt durch 7 = 142,86. Da kann man durchaus ein bisschen runden! Man nimmt also 143ml Fixiererkonzentrat und 857ml Wasser. Der Fixierer muss keine bestimmte Temperatur haben, Raumtemperatur ist völlig ausreichend. In den meisten Räumen ist es ja auch so um die 20 Grad.

Der Fixierer kann mehrfach verwendet werden, auch den empfohlenen Entwickler kann man mehrfach verwenden.
(Danach ist er ein Fall für den Entsorgungskanister. Bitte nicht in den Ausguss schütten, das ist ganz schlechter Stil. Zum einen ist so ein Entwickler nicht ganz ungiftig, zum anderen befinden sich jetzt Silberreste in der Brühe, die ein Entsorgungsunternehmen gerne rückgewinnt. Die Entsorgung beim Schadstoffmobil ist kostenlos.)

Wir haben jetzt also unsere Dose mit dem Film, eine Flasche mit Entwicklerlösung und eine Flasche mit Fixierer. Die Entwicklerlösung hat 20°C und wir nehmen jetzt einfach mal an, dass es sich in unserem Beispiel bei dem Film um einen Ilford HP 5 handelt. Wie lange welcher Film in der Entwicklerchemie bleiben muss, ist ausführlich im Datenblatt des Spürsinn SAM classic angegeben. Bei unserem fiktiven Ilford HP 5  ist eine Entwicklungszeit von 6:45 Minuten bei einer Verdünnung von 1+5 und der ISO/ASA 400 angegeben. Also füllen wir jetzt ganz normales Wasser durch die Einfüllöffnung in die Dose und wässern den Film etwa 1-2 Minuten vor (man muss nicht, man kann – allerdings ist ein vorgewässerter Film besser auf den Entwickler vorbereitet, da er ein bisschen aufgequollen ist) – an dieser Stelle braucht man weder eine Stoppuhr noch Wasser auf 20°C temperiert. Das Wasser wird wieder ausgegossen und nun füllt man die Entwicklerlösung in die Dose. Dies sollte sehr zügig geschehen, denn der Entwicklungsprozess beginnt, sobald die Entwicklungslösung auf den Film trifft. Gießt man die Entwicklerlösung zu langsam in die Dose, dann ist die eine Hälfte des Films schon in Aktion während die andere noch schlummert. Das kann zu unschönen Ergebnissen führen.

Gerührt oder geschüttelt?

Sobald der Entwickler in der Dose ist, startet man die Stoppuhr, die auf die vorgeschriebene Entwicklerzeit eingestellt wurde und macht den Deckel der Dose zu. Man bewegt die Dose, damit sich der Entwickler gut verteilt. Jetzt sind wir wir wieder an einer Stelle angelangt, an der sich Geister scheiden. Kippt man die Dose? Schwenkt man sie nur? Bewegt man sie alle 30 Sekunden? Oder doch nur jede Minute? Rituale, die das Fotografenleben beherrschen. Wichtig ist, dass die Dose bewegt wird. Die erste Minute. Dann stößt man sie einmal auf der Tischplatte auf, damit sich eventuell vorhandene Luftbläschen vom Film lösen und an die Oberfläche schwimmen und platzen. Jetzt kann man sich überlegen, ob man in angemessenen Abständen schwenkt oder kippt. Bei einer Entwicklungszeit von 6 Minuten und 45 Sekunden ist ungefähr jede Minute ein bisschen Bewegung angemessen.

Die richtige Bewegung, der beste Kipprhythmus wann und wie, das sind Themen, die seit Jahrzehnten zu wilden Diskussionen unter Fotografierenden führen. Wir wollen uns hier nicht auf eine Methode festlegen, sondern nur dazu beitragen, dass jemand, der das erste Mal einen Film entwickelt, einen Film aus seiner Dose ziehen kann, auf dem etwas zu sehen ist. Um dies zu erreichen, muss der Film bewegt werden. Für alles andere ist dann noch viele Jahrzehnte Zeit, um Erfahrung zu sammeln und Lieblingsmethoden zu finden.

Nachdem die 6:45 Minuten um sind, muss der Entwickler zügig abgegossen werden. Wir gießen gerne in einen Messkrug ab, denn damit ist es leichter, die Arbeitslösung später in Ruhe wieder in die entsprechende Aufbewahrungsflasche  zu füllen. Der Entwicklungsprozess wird jetzt zügig gestoppt, indem man ganz normales Leitungswasser in die Dose füllt.

Das Wasser wird nach kurzer Zeit wieder aus der Dose gekippt, jetzt kommt der Fixierer hinein. Anfangs sollte die Dose mit dem Fixierer wieder ein bisschen bewegt werden, damit sich die Lösung gut verteilen kann. Für die Fixierung gibt es keine vorgeschriebenen Zeiten, etwa 15 bis 20 Minuten passen meist. Kodak Filme brauchen etwas länger. Nachdem man den Fixierer zurück in die Flasche gefüllt hat, kann man die Dose aufmachen und den Film zum Wässern in eine Schüssel oder einen Eimer voll Leitungswasser legen. Manche legen ihn mitsamt der Spule zum Wässern in die Schüssel, andere machen die Spule auf und lassen den Film locker herum schwimmen. Wir meinen, jeder soll es so machen, wie er es für das Beste hält.

Natürlich will man jetzt seine Ergebnisse sehen, die Negative begutachten und erfahren, ob die Prozedur gelungen ist. Kann man auch. Man sollte dem Film aber nach der Begutachtung erst noch ein bisschen Zeit im Wasserbad gönnen, denn der Fixierer muss schon gründlich ausgeschwemmt werden. Während dieser Zeit kann man seine Messbecher, Spulen und Dose penibel reinigen. Es ist sehr wichtig, dass alles von Chemieresten befreit wird, sonst geht die nächste Entwicklung schief. Hat der Film ausreichend gewässert (10-20 Minuten), dann hängt man ihn mit Hilfe von Film- oder Wäscheklammern auf eine Leine und lässt ihn gut und möglichst staubfrei trocknen.

Filmentwicklung ist kein Hexenwerk

Schwarzweiß-Filmentwicklung ist kein Hexenwerk – nur ein bisschen Gepansche! Wir durften schon in zahlreichen Workshops miterleben, wie spannend die Selbstentwicklung für die Teilnehmer ist und wie erhebend der Moment, wenn der erste, selbst entwickelte Film an der Leine hängt.