Blickpunkt Fineart – Filmentwicklung

Schon Ansel Adams hat ausgesprochen hohen Wert auf die exakte Filmentwicklung gelegt. Hierbei ließ er nur eine möglichst durchgängig alkalische Prozessstrecke gelten. Dies gilt auch noch heute und alle Fineart-Fotografen können sich dem nur anschließen. Der Grund ist einfach: Ein alkalisches Bad lässt die Filmemulsion aufquellen. Somit verbessert sich die Schattenzeichnung, da der Fixierer intensiv wirken kann. Unabhängig von der Art der Belichtung, kann durch eine alkalische Fixierung die Durchzeichnung in den dunklen Bildbereichen verbessert werden. Fineart-Fotografie hat viele Facetten und wird nicht nur durch die Belichtungsmessung nach Zonensystem bestimmt. Auch alle anderen Arten der Belichtungsmessung sind tauglich für das Fineart, wenn Filme in der richtigen Art entwickelt werden. So weit, so gut. Aber wie ist das in der Praxis zu verstehen? Was ist dabei zu beachten?

Entwickler-Chemie ist grundsätzlich alkalisch. Der einmal eingeleitete Entwicklungsvorgang kann nur durch eine saure Nachbehandlung zuverlässig und möglichst schnell gestoppt werden. Hier beginnt sich nun die „normale“ Filmentwicklung von der Fineart-Filmentwicklung zu unterscheiden.

In der „normalen“ Filmentwicklung wird üblicherweise mit Wasser gestoppt. Dies ist ausreichend, da zum einen der Entwickler durch das Wasser ausreichend verdünnt wird und zum anderen hinterher ein saures Fixierbad zum Einsatz kommt. Gemäß Trinkwasserverordnung kann das Leitungswasser zwischen pH 6,5 und pH 9,5 haben (kleiner pH 7 = sauer; größer pH 7 = alkalisch). An dieser Stelle wird es für die Fineart-Entwicklung spannend, da mit einem alkalischen Fixierer gearbeitet wird. Somit wird ein Stoppen mit einem leicht sauren Stoppbad unabdingbar. Idealerweise wird ein Stoppbad verwenden, das auf den alkalischen Fixierer abgestimmt ist. Stoppbäder (auch Unterbrecherbad genannt) auf Basis von Essigsäure oder Zitronensäure eigenen sich nicht besonders gut für die Fineart-Verarbeitung. Sie sind zu sauer und es besteht die Gefahr der Übersäuerung der Emulsion. Eine hohe Verdünnung von Essigsäure- oder Zitronensäure-Stoppbädern sollte man nur dann anwenden, wenn man über ein zuverlässiges pH-Prüfgerät verfügt und den pH-Wert zwischen pH 5 und pH 6 einregeln kann.
Die Prozesszeit für das Stoppbad sollte maximal 1 Minute betragen, ideal sind 30 Sekunden. Bei guten Stoppbädern setzt bereits die Stoppwirkung nach wenigen Sekunden ein, 10 Sekunden gelten als Mindestanforderung.
Sollte eigentlich auch das Stoppbad in der Dose bewegt werden? Eindeutig ja! Wichtig ist auch, dass man darauf achtet, dass keine Luftblasen am Film anhaften. Also leicht bewegen (kippen) und durch leichtes Aufstoßen die Luftblasen entfernen.

Als alkalische Fixierer werden all jene Produkte angesehen, die einen pH-Wert ab pH 7 aufwärts ausweisen. Je höher der pH-Wert ist, um so sorgfältiger muss man arbeiten. Zudem laugen hoch-alkalische Fixierer (größer pH 8,5) schnell aus und können häufig nur einmal verwendet werden. Oft wird behauptet, dass alkalische Fixierer sehr kurze Fixierzeiten haben. Dies ist jedoch nicht immer richtig. Deshalb gibt es die Klassifizierungen „Express-Fixierer“ (heute nicht mehr üblich), „Rapid-Fixierer“ und „Normal-Fixierer“. Diese Klassifizierungen beziehen sich auf die notwendige Fixierzeit. „Express-Fixierer“ wurden früher in der Pressearbeit verwendet, bei der die absolute Bildqualität hinter der Verarbeitungsgeschwindigkeit zurück stehen musste. Für die Fineart-Fotografie waren diese Fixierer niemals geeignet. Für besonders feine Bildergebnisse gilt die Regel, dass eine etwas verlängerte Fixierzeit (größer 5 Minuten, so wie es bei Normal-Fixierer üblich ist) dem Bildergebnis zugute kommt. Da alkalische Fixierer das metallische Silber des Negativs nicht angreifen, kann es nicht zu einer Überfixierung kommen. Somit ist eine Fixierung mit einer Dauer von 10 Minuten und (etwas) mehr absolut unschädlich. Selbst feinste Strukturen und für das Auge (zunächst) fast unsichtbare Strukturen bleiben erhalten und können bei der Bildbearbeitung (egal ob hybrid oder in der Dunkelkammer) hervorragend ausgearbeitet werden. Trotzdem eine Warnung: Länger als 20 Minuten gehört kein Film in einen Fixierer, da es dann zu einem Bleicheffekt kommen kann.
Und wie ist es mit der Bewegung, wenn der Fixierer in der Dose ist? Auch hier sollte man jede Minute ein- oder zweimal kippen. Es ist nicht so schlimm, wenn man zwischendurch das Kippen einmal vergisst, aber wer nicht ausreichend bewegt, wird auf dem Film (besonders bei Kleinbild, gefördert durch die Randperforierung) Ablaufstreifen erkennen. Das ist nicht weiter tragisch, weil man die durch eine Verlängerung der Fixierung weg bekommt (dabei gut bewegen). Trotzdem ist das nicht ideal, weil der Film deutlich länger fixiert, als er eigentlich sollte und das Fixierergebnis nicht gleichmäßig ist. Also lieber Sorgfalt walten lassen und alles gleich richtig machen.

Der ausfixierte Film ist nach der alkalischen Strecke ausgiebig zu wässern. Hierbei ist die Wässerungszeit länger, als man es von der sauren Strecke gewohnt ist. Ideal ist, den Stand der Wässerung mittels einer Prüflösung zu beurteilen. Zur Schnellprüfung kann man auch den Filmstreifen an einer Stelle zwischen den Fingern reiben – wenn es sich „seifig“ anfühlt, dann ist die Wässerung noch nicht abgeschlossen. Diese Fingerprüfung ersetzt jedoch niemals das Prüfen mit einer Prüflösung.

Zum Wässern könnte man noch einiges sagen. Gut wäre eine Wässerungshilfe, die den pH-Wert des Wassers ins alkalische verschiebt, aber an vielen Orten in Deutschland ist das Leitungswasser sowieso schon alkalisch. Zu alkalisch darf es dann auch nicht sein, weil dann die Emulsion zu stark aufquellen würde, sehr empfindlich wird und zudem vertragen das nicht alle Emulsionstypen. In der Vergangenheit gab es Wässerungshilfen, die gleichzeitig einen Filmhärter enthielten. Von diesen Produkten wird heute jedoch abgeraten (und nach unserem Wissensstand sind diese Produkte auch nicht mehr lieferbar), da sie Substanzen enthalten, die gesundheitsschädlich, mit Langzeitwirkung sind. Es ist zu vermuten, dass es in naher Zukunft gesundheitsverträgliche Produkte geben wird, aber zurzeit (Aussage Stand Juni 2013) ist nur „Kodak Hypo Clear“ als Wässerungshilfe zu empfehlen.

Nach dem Wässern sollte der Negativstreifen in einer dünnen Netzmittel- Lösung gebadet werden. Anschließend wird der Streifen hängend getrocknet. Keinesfalls sollte man hier mit einem Föhn zu Werke gehen!

Die Verarbeitungstemperatur für alle Arbeitslösungen beträgt 20° C als Mindestanforderung. Für die Wässerung sind Temperaturen zwischen 22° C und 25° C empfehlenswert.

Produkt-Empfehlungen
Geeignete Entwickler: Kodak HC-110; HCD 3. Generation
Geeignetes Stoppbad: Spürsinn Stop-5
Geeignete Fixierer: ; Spürsinn Afix-7
Geeignetes Netzmittel: Kodak Photo Flo
Geeignete Prüflösung: Spürsinn FixChecker